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Donnerstag, 5. November 2015

Pirmasenser "Schätzchen"?


Habe - leider - mal wieder was aus ‪‎Pirmasens‬, was mich unheimlich wütend macht: Dieses heruntergekommene Haus, Ecke Friedhof- und Bergstr., ein wunderschöner Bau mit Mansardendach, evtll. sogar noch aus der Landgrafenzeit (der Baustil spräche für das Haus eines rangniederen Offiziers oder Verwaltungsbeamten). Das Dach kaputt. Bald ein Fall für die berühmt-berüchtigte Pirmasenser Abrißbirne? Warum, um Gottes Willen, lässt man in dieser Stadt solche architektonischen Schätzchen einfach so verkommen?

Feinste architektonische Details. Und so was lässt man einfach so verkommen. Es ist eine Schande.



Ist es da ein Wunder, dass eine Stadt, die sowas quasi im Stadtzentrum "im Angebot" hat, Deutschlands unbeliebtestes Reiseziel ist?

Und solche "tollen" Ecken hatte und hat Pirmasens leider noch mehr im Angebot!

Erinnern wir uns nur an die Villa Löser, die wohl nur durch ein geradezu Wunder gerettet worden ist.

Und andererseits wird dann ein neuer Platz angelegt, auch für "Open-Air-Events". Dem allerdings zuvor wiederum ein denkmalgeschütztes und ebenfalls heruntergekommenes Jugendstilgebäude, das Hotel Matheis (einst erstes Haus am Platze) zum Opfer gefallen ist.


Im folgenden Video sieht man das Hotel Matheis. In dem Zusammenhang en passant angemerkt: Auch die Häuser des im Video zu sehenden Schützen- oder Postdreiecks sollten dereinst auch alle abgerissen werden!


Mit dem Abriß war auch schon begonnen worden. Was man heute sieht ist keineswegs mehr das einst geschlossene bauliche Ensemble.

Und dann gibt es da noch den 1927 stillgelegten Alten Friedhof. Übrigens unweit des anfangs gezeigten Gebäudes. Was hier an Sünden begangen wurde erkennt man nur, wenn mann das Terrain früher kannte.

Heute ist die ehemalige Leichenhalle das Kulturzentrum Carolinensaal.


Der zweite Blick ist erschütternd. Denn von einem dereinst geschlossenen Ensemble von höchster kultureller Güte ist heute nicht mehr viel übrig. Derr Alte Friedhof ist nur noch ein Schatten seiner selbst.


Der Alte Friedhof in Pirmasens von franz-roth-tv

Wo sind die Familientumben geblieben? Abgerissen! Die meisten der hochkünstlerischen Grabdenkmäler: Passé, perdu!

Dass große Teile der Bevölkerung einer typischen Arbeiterstadt mit Kultur und kulturellem Erbe herzlich wenig anfangen können, das mag man (bei verdammt viel gutem Willen aber nur!) noch halbwegs verstehen können. Hat doch Kultur auch was mit Bildung zu tun. Dass aber die Verantwortlichen dieser Stadt so mit ihrem Erbe umgehen, das entzieht sich völlig meinem Verständnis. Und das, wohlgemerkt, bereits seit vielen Jahrzehnten und ganz unabhängig von der politischen Couleur!

Montag, 19. Oktober 2015

Pirmasens - das neue Stadtbild

Forum Alte Post und Josef Krekeler Platz

Von der Königlich Bayerischen Kraftpost zum Forum Alte Post

Die Königlich Bayerische Kraftpost in Pirmasens wurde 1893 von dem Architekten Ludwig Stempel (1850-1917) aus Grünstadt erbaut. Stempel war Ministerialdirektors und Vorstand der Obersten Baubehörde in München. Von ihm erbaut wurde auch (vermutlich) das Königlich Bayerische Bezirksamt in der Bahnhofstraße, wo am 12. Februar 1924 die Separatistenbewegung der Autonomen Pfalz ihr Ende fand.


Die Alte Post diente bis 1976 als Wartesaal für Postbusreisende, Telefonzentrale und Kraftpostverwaltung, danach stand sie leer. Und befand sich zunehmend in einem heruntergekommenen Zustand. Zum 250-jährigen Stadtjubiläum im Jahre 2013 wurde die Alte Post umgebaut und als "Forum Alte Post" als Kulturzentrum reaktiviert.

Bis zum Jahr 2014 stand gegenüber das denkmalgeschützte Jugendstil-Hotel Matheis, das nach zehn Jahren Leerstand abgerissen wurde. Wir sehen es noch im folgenden Film in seinem völlig heruntergekommenen Zustand.


Anstelle des abgerissenen Jugendstilgebäudes wurde nun 2015 ein Platz angelegt, der Josef Krekeler Platz, benannt nach einem ehemaligen Oberbürgermeister der Stadt Pirmasens.


Unweit der Alten Post, am Bahnof, ein paar Schritte entfernt, das Mahnmal für die Pirmasenser Opfer des Holocaust.

Die Stadt Pirmasens in der Südwestpfalz hatte bis zum Dritten Reich die größte jüdische Gemeinde der Pfalz. Aber Pirmasens war auch eine braune Hochburg. Es war die braune Hochburg der Pfalz. Schon in den frühen Zwanziger Jahren gab es eine Ortsgruppe der NSDAP und in der Stadt wurde mit dem "Eisenhammer" ein nationalsozialistisches Hetz- und Kampfblatt herausgegeben, das den Vergleich mit dem "Stürmer" nicht zu scheuen brauchte.

Schon 1940 vermeldete der Gauleiter Josef Bürckel nach Berlin, dass Pirmasens "judenfrei" sei.

Es gibt heute keine jüdische Gemeinde mehr in Pirmasens. Die Pirmasenser Juden wurden vernichtet. Und es ist nicht leicht, in der Stadt heute noch Spuren der einst blühenden Gemeinde zu finden.

An die Deportation in die Vernichtung soll ein 2014 eingeweihtes Mahnmal gegenüber des Bahnhofs erinnern.


Ein Mahnmal für die Generation Smartphone. Denn: Kein Hinweisschild rundum. Die Inschriften en miniature auf den beiden Stelen und eigentlich wirklich nur per Smartphone mittels des QR-Codes zu enträtseln, was das überhaupt sein soll. So versteckt man wirklich seine Vergangenheit.