Samstag, 31. August 2019

Die Wooge im Pfälzerwald


Als einen Woog (von mittelhochdeutsch wâc) bezeichnet man in Südwestdeutschland ein stehendes Gewässer. In erster Linie als Wasserspeicher für den Betrieb von Mühlen oder von Klausen, in denen Holz für die Trift gesammelt wurde, wurden durch Aufstauung von Wasserläufen künstliche Wooge angelegt. Diese dienten auch, meist bei Klöstern, als Fischzuchtteiche.

Der Mummelsee bei Ludwigswinkel, einer der Wooge des Pfälzerwaldes.


Ein bißchen Technik (Quelle: Technische Universität Kaiserslautern, Fachgebiet Wasserbau und Wasserwirtschaft): Hauptbauwerk aller künstlichen Stillgewässer ist das sogenannte Absperrbauwerk, mit dem der Aufstau erfolgt. Es handelt sich dabei in den meisten Fällen um einen Erddamm, manchmal auch um eine Staumauer aus Natursteinen oder Beton. Zur Regulierung des Wasserstandes im Teich und zu dessen Leerung dient in den meisten Fällen ein so genannter Mönch (das ist dieses Teil, durch das im Video das Wasser rauscht). Wooge, die der Energienutzung (Mühlen, Hammerwerke usw.) gedient haben sowie ehemalige Triftwooge zum Transport von Holz auf einzelnen Bächen des Pfälzerwaldes haben meist keinen Mönch, sondern eine Öffnung im Damm, die bis zur Gewässersohle hinunterreicht und seitlich mit Mauerwerk oder Beton gesichert ist. Verschluss und Regulierung erfolgen durch ein bewegliches Schütz in dieser Öffnung.

 

Der Mummelsee ist einer der idyllischsten Waldweiher, die wir kennen. Aber es gibt in Ludwigswinkel noch mehr Weiher. Beliebt der Schöntalweiher oder Lagerweiher als Badesee.


Eine Kernzone des Biosphärenreservates Pfälzerwald ist heute der Rösselsweiher.


Ein gleichfalls sehr idyllischer Waldsee ist der Stüdenwoog oder Stüdenbachweiher bei Eppenbrunn, von dem aus der "Bach ohne Grenzen" (Ruisseau sans frontière) seinen Ausgang nimmt.


Entlang des Eppenbrunner Bachs und der Trualb geht es von Eppenbrunn über die Grenze nach Walschbronn ins Nachbarland Frankreich. Natur erleb- und begreifbar zu machen, ermöglichen 35 Einzelstationen des Gewässerlehrpfads. Lehrtafeln oder Aktionen zum Mitmachen vermitteln Wissenswertes über vorhandene Biotope, eine Fischtreppe oder die verschiedenen Lebewesen in Weiher, Bach und Tümpel. Damit sensibilisiert der "Bach ohne Grenzen" nicht nur für die Belange von Natur- und Umweltschutz, sondern wirbt mit seiner Zweisprachigkeit auch für Völkerverständigung und gemeinsames Lernen.

Das Wort Woog kommmt auch in Ortsnamen vor, etwa in Salzwoog. Der kleine Ort Salzwoog, der von jeher eine sogenannte Annexe der Gemeinde Lemberg war, hat seinen Namen der historischen Salzstraße zu verdanken, die auf ihrem Weg von Lothringen an den Rhein durch seine Gemarkung führte. Auf dem damaligen Salzwooger Hof, der auf der Bistumsgrenze zwischen Metz und Speyer lag, befand sich eine Zollstation mit einer Salzwaage, um das "weiße Gold" zu wiegen. Im Ort Salzwoog gibt es noch einige schöne Fachwerkhäuser. Die Geburt des Ortes Salzwoog geschah im Jahr 1727 durch die Brüder Kettenring, durch die Errichtung einer Sägemühle und eines Hofgutes. Daran erinnert heute das “Kettenring’sche Haus”, ein Fachwerkbau, der von seinem jetzigen Besitzer restauriert wurde. Den Betrieb der Mühle hat man nach dem 2. Weltkrieg eingestellt. Den Woog zum Antreiben der Mühle gibt es ebenfalls nicht mehr.


In der Karlstalschlucht - Das Karlstal der Moosalb ist ein Naturschutzgebiet bei Trippstadt im Pfälzerwald (Rheinland-Pfalz). Das Karlstal liegt etwa zehn Kilometer südlich von Kaiserslautern in der Nähe des Luftkurorts Trippstadt. Die rund drei Kilometer lange Karlstalschlucht kann über einen Wanderweg begangen werden. Die von der Moosalb durchflossene und weitgehend naturbelassene Felsenschlucht gehört wegen der großen Gesteinstrümmer aus dem roten Buntsandstein der Region, der zahlreichen kleinen Wasserfälle sowie des alten Laub- und Nadelbaumbestandes zu denjenigen Zielen im Pfälzerwald, die von den für den Tourismus Verantwortlichen als sehenswert angeboten werden.


Wir besuchen auch den Unterhammer, eines der alten Hammerwerke an der Moosalbe, mit seinem Herrenhaus und die Klug'sche Mühle. Auch bei diesen Anlagen gibt es noch entsprechhende Stauweiher, die früher zum Betrieb notwendig gewesen sind.

Gerade bei diesen heute nicht mehr in Betrieb befindlichen Mühlen und Hammerwerken erkennt man, wie gefährdet das Kulturerbe der Wooge ist. Soweit heute noch eine Bewirtschaftung der Wooge im Pfälzerwald erfolgt, dominiert die fischereiliche Nutzung. Neben einigen Anlagen mit gewerbsmäßiger, intensiver Fischzucht, existieren viele Anlagen, in denen dies als Hobby mehr oder weniger intensiv betrieben wird. Diese Nutzungsform ging in den letzten Jahrzehnten stark zurück. Es zeichnet sich ab, dass ein großer Teil der Wooge im Pfälzerwald in absehbarer Zeit keine gezielte Nutzung mehr aufweisen wird. Damit entfällt auch die Motivation für eine Unterhaltung der Anlagen. Die heutige Bedeutung der Wooge im Pfälzerwald muss deshalb auch unter den besonderen Aspekten gesehen werden, die sich aus der besonderen Funktion des Pfälzerwaldes als Biosphärenreservat ergeben: Förderung einer nachhaltigen Entwicklung sowohl hinsichtlich der Ziele des Naturhaushalts (Arten- und Biotopschutz) als auch der Ansprüche des Menschen (umweltverträgliche Nutzung und Bewahrung des kulturellen Erbes).

Im Wasgau


Erlenbach im Wasgau


Zu Füßen des sagenhaften Berwartsteins, einer der typischen, weitgehend restaurierten Felsenburgen des Wasgaus, die, eine absolute Rarität, noch heute von den Besitzern bewohnt und bewirtschaftet wird, liegt das kleine gemütliche Dorf Erlenbach mit seinen Ortsteilen Lauterschwan und Seehof.

Der Berwartstein

Der Berwartstein ist die einzige noch bewohnte Burg im Wasgau. Vermutlich um 1000 gebaut, wurde sie 1152 erstmals urkundlich erwähnt, als sie von Kaiser Friedrich Barbarossa dem damaligen Speyerer Bischof Günther von Henneberg zum Geschenk gemacht wurde. Nach mehreren Zerstörungen und Wiederaufbauten wurde sie in der heutigen Form um 1900 wiederhergestellt.


Berühmtester Besitzer war der mit der nahen Reichsstadt Weißenburg (Wissembourg im Elsaß) in ständiger Fehde liegende Ritter Hans Trapp. Der Berwartstein verfügt über eine originelle Burgschänke. Leider ist der Zugang zur Burg nicht behinderten- bzw. seniorengerecht: konnte man früher bis zur Burg hochfahren und auch dort parken, so ist heute der steile Anstieg zu Fuß zu bewältigen.

Der Seehof bei Erlenbach im Pfälzerwald

Idyllisch gelegener Badesee am Fuß der Burg Berwartstein.


Der Seehof im Herbst:


Sankt Anna Kapelle

Die Annakapelle bei Niederschlettenbach im Pfälzerwald. Hier ist der Ritter Hans Trapp (Hans von Trotta) beigesetzt.


Bundenthal

Der Ort Bundenthal wird erstmals in einer Urkunde Kaiser Ludwigs des Bayern vom 22. September 1342 als "Wuntental" erwähnt. Die Ortsherrschaft hatten von 1648 bis zur Französischen Revolution die Schenken von Waldenburg inne.


Die vor rund 250 Jahren erbaute Kirche St. Peter und Paul, hoch auf der mächtigen, mittelalterlichen Friedhofsbefestigungsmauer, bestimmt das Ortsbild mit seinen schönen, historischen Gebäuden.

Die Geschichte des Dorfes Bundenthal ist eng mit der Benediktinerabtei Weißenburg im Elsaß verbunden, die zu den ältesten und mächtigsten Abteien Deutschlands zählte. Durch sie erfolgte die Besiedlung und Missionierung des Lautertales im 7., 8. und 9. Jahrhundert. Seit 1347 gehörte auch die Burg Berwartstein, zu deren Herrschaftsbereich Bundenthal gehörte, zum Besitz der Abtei Weißenburg.

Das Stiftskapitel von Weißenburg nahm 1785 die Wiederbegründung der Pfarrei Bundenthal vor. Das Pfarrhaus hat zur Erinnerung daran eine Kartusche über dem Eingang mit dem Peterschlüssel, dem C (Capitulum) und dem Baudatum 1786.

Das Wappen von Bundenthal zeigt im Wesentlichen das Wappen der Freiherrn von Waldenburg, den silbernen, dreilatzigen Turnierkragen auf blauem Grund im oberen Teil. In dem goldenen Feld unten wurde zusätzlich der rote Schlüssel als Emblem der Fürstabtei Weißenburg aufgenommen. Bundenthal besteht aus dem alten Bundenthal, und Finsternheim. Bundenthal, links der Lauter, gehörte zur Burg und Herrschaft Berwartstein, der Nebenort Finsternheim, rechts der Lauter, zur Abtei Weißenburg. 1834 wurden beide zur Gemeinde Bundenthal zusammengelegt.

Die Lage des Dorfes an der Schnittstelle des Lautertals zum Sauertal hat Bundenthal schon vor rund 175 Jahren zu einem bedeutenden Handelsplatz gemacht. So fand damals um Johannis (24. Juni) der sog. "Sensenmarkt" statt, damit sich die Bauern vor Erntebeginn mit neuen Gerätschaften eindecken konnten. Dieser traditionelle Markt findet seit 40 Jahren wieder alljährlich am letzten Wochenende im Juni statt.

Die Christuskirche in Rumbach aus dem 12. Jahrhundert mit wundervollen mittelalterlichen Fresken.


Im Mittelpunkt des Ortskerns liegt die 1000-jährige romanische Wehrkirche, die Christuskirche mit alten sehenswerten Fresken. Die Reste einer Kapelle stammen bereits aus dem 9.Jh.. Der ehemalige Wallfahrtsort "Rhonebach", war dem heiligen Sankt Gangolf gewidmet. Die Ritter aus den umliegenden Burgen ließen hier ihre Pferde segnen. Nach der Reformation wurde die Kirchhe lutherisch. Bis 1957 hieß die Kirche noch "Sankt Gangolf Kirche" und wurde dann umbenannt in Christuskirche. Die Christusfreske an der Nordwand des Chores gab dabei den Ausschlag zur Neubenennung der Kirche.

Hinter Rumbach geht es den Berg hoch nach Nothweiler.


Bis Ende des 18. Jahrhunderts gehörte Nothweiler zu Pfalz-Zweibrücken. Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war der Ort in den Kanton Pirmasens eingegliedert und unterstand der Mairie Schönau. 1815 hatte der Ort 27 Einwohner. Im selben Jahr wurde der Ort Österreich zugeschlagen. Bereits ein Jahr später wechselte der Ort wie die gesamte Pfalz in das Königreich Bayern. 1817 wechselte Nothweiler in den neu geschaffenen Kanton Dahn. Vom 1818 bis 1862 gehörte die Gemeinde dem Landkommissariat Pirmasens an; aus diesem ging das Bezirksamt Pirmasens hervor.

Östlich des Siedlungsgebiets liegt das Besucherbergwerk der alten Grube Sankt-Anna-Stollen Nothweiler; in dieser wurde Eisenerz mit hohem Mangangehalt abgebaut.

Freitag, 30. August 2019

Auf den Spuren der früheren Holztrift (Teil 2): An Saarbach und Sauer


Von den vielen Quellgewässern und kleinen Fließgewässer im Pfälzerwald wurden einige in der Mitte des 19. Jahrhunderts zur Holzdrift begradigt, z. T. mit Sandsteinquadern ausgebaut und mit massiven Sohlabstürzen versehen. Dazu wurde eine größere Zahl von Stauweihern ("Wooge") geschaffen, die z. T. aus mehreren Einzelteichen bestehen. Es handelt sich um Anlagen die z. B. auch als Fischteiche, Stauteiche von Wasserkraftanlagen (Mühlen) oder eben für die Holzdrift verwendet wurden. Es sind zwischenzeitlich auch Biotope mit hoher Wertigkeit entstanden bzw. diese Anlagen sind heute als Kulturdenkmäler von erheblicher Bedeutung.

Die Sauer, französisch (Rivière de) la Sauer, im südpfälzischen Quellgebiet Grünbach, Sauerbach und Saarbach, ist ein gut 85 km langer linker Nebenfluss des Rheins in Deutschland (Rheinland-Pfalz) und Frankreich (Elsaß).

Der Name Sauer(bach) entstand im südpfälzisch-elsässischen Sprachraum, weil der Bach im Oberlauf leicht säuerlich schmeckendes Wasser führte, das von den im Quellbereich durchflossenen Mooren stammte. Zur hochdeutschen Bezeichnung Saarbach für den deutschen Oberlauf kam es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die Pfalz unter der Verwaltung des Königreichs Bayern neu kartographiert wurde und die bayerischen Beamten die ortsübliche pfälzische Aussprache von Sauerbach in die Schriftsprache "übersetzten".

Der Fluss entspringt als Grünbach im westlichen Wasgau. Die Quelle liegt auf 310 m ü. NHN oberhalb der zur Landesstraße 478 gehörenden Eselssteige etwas mehr als 300 m nördlich der deutsch-französischen Grenze zwischen den Ortsgemeinden Eppenbrunn und Ludwigswinkel.

Die Eselssteige war in den Siebzigern Austragungsort des Wasgau Bergpreises gewesen. Dieses Autorennen war ein Besuchermagnet gewesen. Zuschauer nicht nur aus der Region, sondern Fans von Bergrennen aus ganz Deutschland kamen damals in den Pfälzerwald. Tja, lange vorbei. Der "Naturschutz" und die "Luftreinhaltung" haben über die PS-Boliden gesiegt. Und die Region hat eine Attraktion weniger.

Der Automobilclub Pirmasens 1904 e.V. im ADAC richtete die 27. Wasgau-Bergpreis-Classics vom 17. bis 19. Juni 2011 aus, jedoch nicht auf der traditionellen Strecke "Eselssteige", wo bis Mitte der 1980-er Jahre alljährlich Läufe zur Deutschen Bergmeisterschaft gefahren wurden. Da die alte Strecke nun in gesamter Länge in einem Naturschutzgebiet liegt ist keine behördliche Freigabe zu bekommen.

Die Classics fanden daher 10 Kilometer entfernt von der klassischen Strecke statt: Die neue Strecke führte westlich von Eppenbrunn, ab der Schweixer Mühle über eine Kreisstraße hinauf nach Schweix und liegt unmittelbar an der Grenze zu Frankreich. Über 1.600 Meter führte die Strecke mit einer Spitzkehre, einigen schnellen sowie mehreren lang gezogenen Kurven.

Wir fahren die (inzwischen sanierte) Eselssteige downhill nach Ludwigswinkel.


Für Roadster-Fahrer ist die Eselssteige nach wie vor ein Highlight.


Wir kommen zum Mummelsee, einem idyllischen Waldweiher.


Die Weiher im Pfälzerwald heißen Wooge. Es sind heute Fischweiher und früher dienten sie auch der Holzdrift. Es sind viele aufgelassen und deswegen gibt es ein Projekt der Universität Kaiserslautern zu ihrer Erhaltung. Denn sie sind typisch für das Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen. Und würden sie verschwinden, würde eine Einmaligkeit verloren gehen, denn es gibt im Pfälzerwald keine natürlichen stehenden Gewässer.

Ludwigswinkel ist eine Gründung des Landgrafen Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt im 18. Jahrhundert und diente als Alterssitz für seine pensionierten Grenadiere.


Der Reißlerhof, die Keimzelle von Ludwigswinkel

Der Reißlerhof (alternative Schreibweise: Reislerhof) ist ein historisches Gebäude in Ludwigswinkel in Rheinland-Pfalz, das im 18. Jahrhundert erbaut wurde und von 1972 bis 2018 als Wochenend- und Urlaubsunterkunft der „Mietergemeinschaft Reißlerhof“ diente. Der Hof wird als „Wiege“ des im Jahr 1783 gegründeten Dorfes Ludwigswinkel betrachtet. In der Nähe des Hauses entspringt der nach diesem benannte Bach vom Reißlerhof, rechter Zufluss der Sauer, die in den Rhein mündet.


1722 wurde ein großer Geländeteil des sumpfingen oberen Sauerbachtales zur Urbarmachung und Neulandgewinnung durch die herrschaftliche Regierung der Grafschaft Hanau-Lichtenberg meistbietend versteigert. Der Hanau-Lichtenbergische Zollpächter Hans Georg Schlick aus Fischbach erwarb das Gelände als Erblehen; seine Erben errichteten nach seinem Tod 1745 dort den Reißlerhof. In der Folgezeit entstand dort die von Landgraf Ludwig IX. genehmigte Neusiedlung Ludwigswinkel. Die Gebäude des Hofguts wurden auf Geheiß des Landgrafen in einen dauerhaft guten Zustand versetzt, da der landgräfliche Amtsmann Hopfenblatt, der die Ludwigswinkler Siedlungsgeschäfte leiten sollte, mit seiner Familie dort Wohnung nehmen musste. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz des Landes Rheinland-Pfalz. Im Jahr 1886 gelangte der Hof in den Besitz des bayerischen Staates und blieb danach von 1887 bis 1972 Dienstsitz von Forstbeamten.


Nach Ludwigswinkel erreichen wir Fischbach. Neben dem Biosphärenhaus finden wir dort den Fjordpferdehof Wasgau.


In den engen Wasgautälern weiden im Sommer die Tiere. Da im Pfälzerwald kaum noch Landwirtschaft betrieben wird, sind diese Beweidungsprojekte sehr wichtig für die Offenhaltung der Landschaft, da sonst auch die letzten grünen Täler bald vom Wald eingenommen werden. Für die Tiere des Hofes sind die Offenhaltungsmaßnahmen eine ideale Möglichkeit, um den gesamten Sommer ein artgerechtes Leben auf der Weide zu führen.

Das Biosphärenhaus

Das Biosphärenhaus in der rheinland-pfälzischen Ortsgemeinde Fischbach bei Dahn ist ein Naturerlebniszentrum und stellt einen regionalen Tourismus­faktor dar. Das Biosphärenhaus wurde als dezentrales Projekt der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover angelegt und, nach dem Bausteinprinzip aufgebaut, ständig weiterentwickelt: Ursprünglich war das Biosphärenhaus ein einzelnes Gebäude, das im März 2000 auf zunächst einer Etage als Informationszentrum für das Biosphärenreservat eröffnet wurde. Wesentlicher Bestandteil des Informationszentrums ist eine vielseitige Multimedia-Ausstellung. Im März 2002, zwei Jahre nach der Eröffnung, kam das Naturerlebniszentrum hinzu. Es besteht aus einem Veranstaltungsraum, dem auch Übernachtungsmöglichkeiten und ein Restaurant angeschlossen sind, sowie einem interaktiven Rundweg. Dieser vermittelt auf einer Strecke von 1500 m an 14 Stationen Wissenswertes über die Region; er ist zum Befahren mit Kinderwagen und Rollstühlen geeignet. Das Naturerlebniszentrum wird besonders von Schulklassen genutzt.


Eine Attraktion ist der Baumwipfelpfad. Ein Abenteuer für Jung und Alt in luftiger Höhe.



Wird fortgesetzt. In der nächsten Folge geht es weiter Richtung Elsaß. Der Saarbach heißt dann "La Sauer".



An Salzbach und Lauter - Auf den Spuren der früheren Holztrift


Wenn wir von den Höhen der Hackmesserseite kommend Richtung Ludwigsthaler Glashütte fahren, dann kommen wir ins Tal des Salzbachs. Hier begann dereinst der Weg des Holzes via Wassertrift bis ins elsässische Weißenburg (Wissembourg).


Über die L485 vorbei am Stephanshof und entlang des Salzbachs nach Glashütte

Der Salzbach ist mit rund 17 km der längste Nebenfluss der Lauter, die hier am Oberlauf Wieslauter heißt. Der Name des Baches weist nicht auf Salzgehalt hin, sondern auf die ehemalige Zollstation Salzwoog, wo Salzhändler beim Grenzübertritt zwischen den Territorien des Hochstifts Speyer und des Herzogtums Pfalz-Zweibrücken eine Steuer zu entrichten hatten.


Bei Hinterweidenthal mündet der Salzbach von rechts in die Wieslauter.


Hinterweidenthal in der Pfalz (Wasgau, Pfälzerwald) - staatlich anerkannter Erholungsort im Landkreis Südwestpfalz in Rheinland-Pfalz - nahe des Ortes befinden sich verschiedene Felsformationen, wie Teufelstisch (im Video zu sehen), Rappenfels und Heufelsen. Die evangelische Kirche ist ein Saalbau von 1778. Sehenswert die vielen Fachwerkhäuser aus dem 18. Jahrhundert.

Die Lauter, am gesamten Oberlauf im südlichen Pfälzerwald, dem deutschen Teil des Wasgaus, bis zur französischen Grenze Wieslauter genannt, ist ein linker Nebenfluss des Rheins in Rheinland-Pfalz und dem Elsaß. Die Quelle der Wieslauter liegt mitten im Pfälzerwald unmittelbar südöstlich der Pfälzischen Hauptwasserscheide südlich der Burg Gräfenstein.

Aufstieg zur Burg Gräfenstein bei Merzalben

Das Quellgebiet der Wieslauter ist eine der Kernzonen des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen.

Nach Hinterweidenthal passiert die Wieslauter Dahn.


Dahn im Pfälzerwald - Stadtansichten, Sankt Laurentius, ehemalige Synagoge und Burg Altdahn

Hinter Dahn fließt die Wieslauter nach Südosten und passiert auch Bundenthal.


Die Annakapelle bei Niederschlettenbach im Tal der Wieslauter im Pfälzerwald. Hier ist der Ritter Hans Trapp (Hans von Trotha) beigesetzt.


Gegen Ende des 15. Jahrhunderts mussten sich sowohl der Kaiser als auch zwei nacheinander amtierende Päpste, Innozenz VIII. und Alexander VI., mit der sog. "Wasserfehde" befassen, die Hans von Trotha, Ritter von Burg Berwartstein, mit dem Kloster Weißenburg austrug: Zuerst ließ der Ritter, der im Sagengut der Region zum Kinderschreck "Hans Trapp" geworden ist, bei Bobenthal die Wieslauter aufstauen und entzog so dem abwärts gelegenen Städtchen Weißenburg das Wasser; nach Beschwerden des Klosters sorgte er für das Einreißen des Dammes und verursachte in Weißenburg eine gewaltige Überschwemmung mit erheblichen wirtschaftlichen Schäden.

Fünf Kilometer hinter Bobenthal überquert die Wieslauter die Staatsgrenze von Deutschland nach Frankreich, wo sie dann la Lauter genannt wird. Gleich anschließend erreicht sie in Wissembourg (Weißenburg, Elsaß) die Oberrheinische Tiefebene.


Bobenthal - Sankt Germanshof - Wissembourg - Im deutsch-französischen Grenzgebiet im Wasgau und im Nordelsaß - 1950 fand beim zu Bobenthal gehörenden Sankt Germanshof die erste Kundgebung für ein geeintes Europa ohne Schlagbäume statt.



Im Dahner Felsenland


Dieser Trip führt uns von der Hackmesserseite in den Wasgau, ins Dahner Felsenland. Über die L485 vorbei am Stephanshof und entlang des Salzbachs zunächst nach Glashütte.


Wir erreichen dann den zu Lemberg gehörenden Weiler Salzwoog.


Der kleine Ort Salzwoog, der von jeher eine sogenante Annexe der Gemeinde Lemberg war, hat seinen Namen der historischen Salzstraße zu verdanken, die auf ihrem Weg von Lothringen an den Rhein durch seine Gemarkung führte. Auf dem damaligen Salzwooger Hof, der auf der Bistumsgrenze zwischen Metz und Speyer lag, befand sich eine Zollstation mit einer Salzwaage, um das "weiße Gold" zu wiegen. Im Ort Salzwoog gibt es noch einige schöne Fachwerkhäuser.

Weiter geht es nach Dahn, dem "Tor zum Wasgau".


Inmitten des romantischen Wasgaus, einem beliebten Feriengebiet, liegt das reizvolle Städtchen Dahn, nach dem das "Dahner Felsenland" benannt ist. Dahn ist kultureller und wirtschaftlicher Mittelpunkt des Dahner Tales, wurde 1963 zur Stadt erhoben und im Jahr 1973 als Luftkurort staatlich anerkannt. Dahn wurde als "Thanne" im Jahr 1148 erstmals urkundlich erwähnt und gehörte ursprünglich zur Herrschaft der Ritter von Dahn. Nach dem Aussterben des Rittergeschlechtes kam der Ort 1603 unter die Oberhoheit des Bischofs von Speyer und zu dem Schenk von Waldenburg. Dahn entwickelte sich schon mit Beginn des 19. Jahrhunderts zu einer ländlichen Kleinstadt mit Verwaltungsfunktion. In der strukturschwachen Südwestpfalz muss Dahn heute ohne nennenswerte Industrie auskommen. Die Probleme lassen sich unter anderem daraus ersehen, dass die Einwohnerzahl sich rückläufig entwickelt. Lediglich der Tourismus zeigt angesichts der weitgehend intakten, zum Teil als "spektakulär" aufgefassten Natur einen positiven Trend. Das Dahner Felsenland wurde am 12. Januar 2019 als Premiumwanderregion vom Deutschen Wanderinstitut ausgezeichnet. Dahn liegt an der Deutsch-Französischen Touristikroute und an der Deutschen Schuhstraße.

Ein Stück hinter Dahn öffnet sich das Bärenbrunnertal.


Das Tal liegt auf der Gemarkung der Gemeinde Busenberg (Landkreis Südwestpfalz). Erreichbar ist das Bärenbrunner Tal nur über das Dorf Schindhard. Am Ende des Tales endet auch die Kreisstraße. Dort liegt in einem nur nach Südwesten offenen Kessel der Bärenbrunnerhof. Dies ist ein historischer Bauernhof, der ab 1712 angelegt wurde und heute unter Denkmalschutz steht. Seit 1830 befindet er sich im Besitz der Familie der heutigen Eigentümer, die dort einen Biohof mit Rinderzucht und angeschlossener Gaststätte betreiben.

Burg Berwartstein - Er gehört zu den meistbesuchten Burgen der Pfalz und hoch aufragend zeigt er sich so mystisch und sagenumwoben, wie er es im Sagengut der Region seit langem ist, der im späten Mittelalter als uneinnehmbar geltende Berwartstein im Dahner Felsenland bei Erlenbach (Landkreis Südwestpfalz). Sein berühmtester Besitzer war der mit Kirchenbann und Reichsacht belegte Ritter Hans von Trotha (in der Gegend Hans Trapp genannt), der bei eine Fehde gegen das dortige Kloster (das gleichfalls den Besitz des Berwartstein für dich reklamierte) die nahe Reichsstadt Weißenburg (heute Wissembourg im Elsass) durch Stauen des Flüßchens Wieslauter erst vom Wasser abschnitt und dann, nach Protest der Weißenburger, die Dämme einfach einreißen ließ und in Weißenburg für eine gewaltige Überschwemmung sorgte. Die Felsenburg ist auch heute bewohnt (eine ziemlich exklusive Wohnlage) und ist daher nur im Rahmen von Führungen zu besichtigen. Das Burgrestaurant im ehemaligen Rittersaal bietet Pfälzer Spezialitäten. Und - last but not least - soll es auf dem Berwartstein spuken. Die Rede ist von einer "Weißen Frau", die gerne die Besucher narrt.


Der Seehof im Pfälzerwald bei Erlenbach, idyllisch gelegener Badesee am Fuß der Burg Berwartstein.


Auf dem Rückweg: Erlenbach, Bundenthal und Bruchweiler-Bärenbach


Streetviews von Wasgau-Dörfern im Dahner Felsenland - Das Hedwighaus in Erlenbach wird renoviert. es hat bereits ein neues Mansarddach. Das Hedwighaus in Erlenbach bei Dahn im Pfälzerwald: Hier lebte die Romanfigur Hedwig aus dem gleichnamigen Roman von August Becker (* 27. April 1828 in Klingenmünster; † 23. März 1891 in Eisenach). Becker war ein deutscher Schriftsteller. Mit seinem ursprünglich als Reiseführer geplanten Buch "Die Pfalz und die Pfälzer" (1857) gilt er als einer der Begründer der pfälzischen Volkskunde. "Hedwig. Ein Roman aus dem Wasgau" erschien 1868.

Und zurück geht es dann wieder über die Ludwigsthaler Glashütte.




Donnerstag, 29. August 2019

Nordelsaß: Wald, Wein, Töpferkunst und ein großer Dichter


Vom Col du Pfaffenschlick in die Weingärten um Wissembourg: Vom Col du Pfaffenschlick an Drachenbronn vorbei über die D77 nach Rott. Jetzt sind wir vom Hochwald in den Weingärten angekommen. Auf dem Rückweg fahren wir durch Cleebourg.


Cleebourg benachbart ist Hunspach, das als eines der schönsten Dörfer des Elsaß gilt. Ebenso wie die Nachbargemeinde Seebach.


Das Töpferdorf Betschdorf


Betschdorf hat sich durch die einheimische Töpferei einen Namen gemacht. Die Herstellung von Töpferware aus salzglasiertem Steingut ist eine uralte Tradition in der Region. Im 18. Jahrhundert ließen sich in Betschdorf Töpfer aus dem Westerwald nieder und brachten ihre eigene Töpfereitechnik - Salzglasierung in Kobaltblau - mit. Seitdem ist Betschdorf die Hauptstadt der Töpferei in "Grau und Blau".

Im benachbarten Soufflenheim geht es bunter zu. Die noch ca. 20 vor Ort tätigen Töpferbetriebe fertigen Dekorations- und Gebrauchsgeschirr. Landestypisch sind insbesondere Gugelhupf-, Baeckeoffe- und andere Auflauf-Formen, ferner sind Vasen, Kannen, Schüsseln, Weinkühler und komplette Service im Angebot.

Die traditionelle Farbe der Soufflenheimer Keramik war Rostbraun, die Farbe des Tons, mit weißem Margaritendekor. Heute wird mit Rücksicht auf den diversifizierten touristischen Geschmack auch Ware in Blau, Grün, Beige und Rot in den unterschiedlichsten Dekoren hergestellt, entweder abstrakt mit geometrischen Mustern oder bildlich mit Weinreben, Pflanzen und Blüten sowie Tieren (insbesondere Storch, Ente, Hühnchen oder Fisch).


Auch wir nennen eine Baeckeoffe-Form aus Soufflenheim unser eigen.




Baeckeoffe, auch Baeckoffe oder Baeckeoffa (dt. ‚Bäckerofen‘), ist ein alemannisch-elsässisches Gericht. Typischerweise werden dafür Rind-, Lamm- und Schweinefleisch sowie gegebenenfalls Schweinefüße in trockenem Weißwein mit verschiedenen Gemüsen mindestens 12 Stunden mariniert und anschließend zwei bis drei Stunden im Ofen zusammen mit Zwiebeln, Kartoffeln, Möhren und Porree (Lauch) gegart. Die Zubereitung erfolgt in Tonterrinen. Das Gericht erhielt seinen Namen vom Backofen des Bäckers. Dorthin brachten früher die Frauen des Dorfes ihre Terrinen, wenn ihnen die Arbeit wenig Zeit ließ und um die Restwärme seines Ofens auszunutzen.



Sessenheim - Memorial Goethe und Goethe-Scheune - In Sessenheim hatte Johann Wolfgang von Goethe in seiner Straßburger Studentenzeit eine Liebschaft mit der Pfarrerstochter Friederike Brion.


Unmut gegenüber Paris

Ihrem Unmut gegen die Pariser Zentralregierung und die Eingliederung der früheren "Region Alsace" in die neue Großregion "Grand-Est" machen die Elsässer Luft, indem sie "im ELSASS" auf die Ortsschilder kleben.


Weinland: Südpfalz und Nordelsaß


Schweigen-Rechtenbach, hier steht das Deutsche Weintor und hier verläuft die Grenze zu Frankreich mitten durch die Weinberge. Was u.a. dazu führt, dass deutsche Winzer Besitz auf dem Gebiet von Wissembourg in Frankreich haben und Winzer aus dem Elsaß auch auf der deutschen Seite.


In der Feudalzeit gehörte Schweigen zum damals deutschen Weißenburg. Viele Schweigener fühlen sich heute noch eher mit Wissembourg verbunden als mit Rechtenbach, mit dem sie 1969 zum "Bindestrichdorf" verbunden wurden. Und weder Staatsgrenze noch mangelnder Fremdsprachenunterricht konnte hüben wie drüben verhindern, dass man sich bestens verständigt. Man spricht ja denselben Dialekt.

So viel Gemeinsamkeit war aber in der jüngeren Geschichte nicht immer gewesen, denn das Deutsche Weintor, das die Nazis 1936 am Rande des Pfälzerwaldes bauten, war ein Signal gegen Frankreich. Der trutzige Eingang der Deutschen Weinstraße sollte einen deutschen Kontrapunkt zum renommierten französischen Wein setzen. Heute kann man darüber nur schmunzeln. Der Wein, den einige Winzer in Schweigen machen, stammt nämlich von französischem Boden, genauer vom Sonnenberg in Wissembourg.


Welcher Weinberg von Franzosen und welcher von Deutschen bewirtschaftet wird? Das kann man am Abstand der Reben erkennen: Die Deutschen pflanzen die Reben weiter auseinander.


Von Bad Bergzabern Richtung Deutsches Weintor


vor Schweigen-Rechtenbach liegt Oberotterbach, wo der Gemahl der englischen Königin Wurzeln hat.


Impressionen aus Wissembourg

         

Und nein, das ist nicht in München, auch das ist in Weißenburg.


Wir besuchen immer gerne den Weihnachtsmarkt in Weißenburg im Elsaß. Ein kleiner beschaulicher Markt neben der Kirche Saints-Pierre-et-Paul. Sie ist neben dem Straßburger Münster die größte gotische Hallenkirche des Elsaß und beherbergt mit dem Heiligen Christophorus Frankreichs größtes gemaltes Menschenbildnis.


Nicht nur in der Hostellerie Le Cygne (Bild links) kann man gut essen und logieren, aber eine kleine Schlemmerpause dort beim Besuch des Weihnachtsmarktes ist durchaus empfehlenswert. Die Küche ist regional und so gibt es natürlich auch "Hausmacher Gänsestopfleberpastete mit einem Aprikosen-Honig-Rosmarin-Kompott und Gewürztraminer-Ingwer Gelee" oder "Schnecken-Pfannküchle in Knoblauchsahnesoße". En passant bemerkt: Wer so etwas, oder auch Froschschenkel, etwa aus sog. "tierethischen" Gründen nicht mag, der ist im Elsaß, wie überhaupt in Frankreich, ziemlich fehl am Platze. Meine ganz persönliche Meinung.


Um Parkplätze muss man sich in Wissembourg auch nicht groß sorgen, die gibt es bei einer autobegeisterten Nation zur Genüge. Ach ja, und die hierzulande ach so beliebten Fußgängerzonen, die gibt es gottseidank auch nicht. Jeder Winkel in der Altstadt kann mit dem Auto befahren werden.

Entdeckungsreise entlang der Grenze

Bei Obersteinbach

Bei unseren grenzüberschreitenden Streifzügen geht es diesmal von Bitche in Lothringen entlang der deutsch-französischen Grenze ins Elsaß. Dann über Wissembourg (Weißenburg) zurück in den Pfälzerwald. Immer unterwegs im grenzüberschreitenden Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen.

Die ehemalige Abtei Sturzelbronn in Lothringen
- Sturzelbronn (deutsch Stürzelbronn, lothr. Stirzelbrunn) -


Die 1135 von Herzog Simon I. von Lothringen gegründete Zisterzienserabtei ist der eigentliche Ursprung der Ortschaft. Die Abtei Sturzelbronn hatte im Mittelalter weitreichende Besitzungen und Zehntrechte im Bitscher Land, das damals auch viele heute auf deutscher Seite liegende Ortschaften umfasste. 1799 wurde die Abtei aufgehoben. Von der einstigen Bedeutung Stürzelbronns künden nur noch wenige Ruinen und die im Bitscher Land und im Zweibrücker Hügelland vielerorts noch anzutreffenden Grenzsteine mit dem Abtsstab. Erhalten ist das rundbogige Portal, das 1987 zum Monument historique erklärt worden ist. Gegenüber der ehemaligen Abteikirche hat der Lothringer Verein für Altertumskunde eine Tafel angebracht, die ausführlich über die verlorene Bausubstanz informiert. Das kunstgeschichtlich bedeutendste erhaltene Element ist ein Tympanon mit esoterischen Ornamenten, bei dem das Kreuz des Erlösers von Sonne, Mond, Sternen, Blüten und Symbolen der Unendlichkeit umgeben ist.

Ausstattungsstücke der aufgelösten Abtei finden sich heute in anderen Kirchen diesseits und jenseits der Grenze. Etwa eine Kanzel in Sankt Stephanus in Trulben (Südwestpfalz, Hackmesserseite).


Der Turm von St. Stephanus ist spätromanisch. Die Kirche birgt eine Kanzel aus der Abtei Sturzelbronn. Das im Video auch zu Anfang zu sehende steinerne Kirchhofskreuz von 1807 gehört zum Typus der Lothringer Kreuze.

Hinter Sturzelbronn, der östlichsten Kommune des Bitscherlandes, passieren wir die Grenze zum Elsaß und sehen von der Landstraße aus die Burgruine Lutzelhardt bei Obersteinbach, ehemalige Vogteiburg des Herzogs von Lothringen. Eine typische Felsenburg, vermutlich um das 12. Jahrhundert erbaut und im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Erhalten sind Teile der Ringmauer, der Unterburg, des Bergfrieds und des Wohnbaus.


Maginot Linie bei Lembach

Das Fort Four à Chaux (Kalkofen) an der Straße nach Pfaffenbronn.


Four à Chaux (abgekürzt: FAC) war ein Artilleriewerk der französischen Maginot-Linie (die deutsche Bezeichnung lautete Kalkofen oder Panzerwerk 615) bei Lembach im Elsass. Das Werk im Festungsabschnitt Vosges erhielt seinen Namen von einer in der Nähe befindlichen Kalkbrennerei und hatte zusammen mit dem nur 1,5 km entfernt liegenden Infanteriewerk Lembach die Aufgabe, das Tal der Sauer zu sperren. Zwischen 1951 und 1953 ließ die französische Armee das Werk bis auf Block 1 wieder instand setzen. Es gehört heute noch immer der Luftwaffe. Allerdings konnte der Fremdenverkehrsverein Lembach & Umgebung seit 1983 das Artilleriewerk für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Neben der Anlage selbst (Mannschaftseingang, Kaserne, Block 2 usw.) können ein Museum mit Ehrendenkmal für die französischen und deutschen Gefallenen besichtigt werden. Einzelführungen werden nicht durchgeführt. Die Werksoberfläche ist Militärgelände und darf nicht betreten werden. Eine Begehung ist wegen der dort noch immer vorhandenen Infanteriehindernisse (unter anderem versenkte Stahlspitzen) lebensgefährlich.

Vom Fort aus geht es weiter über Pfaffenbronn und den Col du Pfaffenschlick ins Land des Elsässer Weins.


Von Lembach aus geht es über die D65 nach Pfaffenbronn und zum Col du Pfaffenschlick. danach an Drachenbronn vorbei über die D77 nach Rott. Jetzt sind wir vom Hochwald in den Weingärten angekommen. Auf dem Rückweg fahren wir durch das pittoreske Cleebourg.

Bei Wissembourg besuchen wir den Geisberg mit den Denkmalen für die Gefallenen der Schlacht am 4. August 1870 im Deutsch-Französischen Krieg.


Das Elsass nimmt einen besonderen Platz in den Geschichtsbüchern ein. Im Laufe der Geschichte wurde das Elsass heftig umkämpft, insbesondere im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71, im Ersten und auch im Zweiten Weltkrieg. Eine Vergangenheit, die Spuren hinterlässt und manche Orte und Landschaften für immer prägt, zum Beispiel den Geisberg. Das Schlachtfeld rund um den Geisberg gehört mit zu den wichtigsten Stationen des Krieges 1870. Es gibt in dem recht gepflegten Gelände ein deutsches Denkmal, einige Einzeldenkmäler, sowie eines der französischen Gefallenen.

nicht versäumen sollte man in Wissembourg Saints-Pierre-et-Paul, die Kirche der ehem. Abtei und, nach dem Straßburger Münster, die größte gotische Hallenkirche des Elsaß.


Über den Sankt Germanshof geht es zrück in die Pfalz. Hier wurde schon in den frühen Fünfzigern der Grundstein für ein vereintes Europa gelegt: Deutsche und französische Studenten rissen am 6. August 1950 die Schlagbäume nieder und besetzten die Grenzstationen. Heute erinnert ein Denkmal an dieses historische Ereignis.




Mittwoch, 28. August 2019

Unterwegs im Nordelsaß


Ausflug ins Elsaß - Vorbei an dem Fort Four à Chaux (Kalkofen) bei Lembach geht es durch Pfaffenbronn und über den Col du Pfaffenschlick vom Wald in den Wein. Wir sehen mit Merkwiller-Pechelbronn den Ort, in dem erstmals in Europa Erdöl gefunden wurde. Und Hunspach dürfte sicher das schönste Dorf des Elsaß sein.


Im Hanauer Land (Pays de Hanau)

Das Hanauer Land (Pays de Hanau) liegt etwa 40 km nordwestlich von Straßburg (Strasbourg) im französischen Département Bas-Rhin. Die Grafschaft Hanau-Lichtenberg war ein Territorium des Heiligen Römischen Reiches. Sie entstand 1456–80 aus einem Teil der Grafschaft Hanau und der halben Herrschaft Lichtenberg. Nach dem Aussterben der Grafen von Hanau-Lichtenberg 1736 fiel sie an Hessen-Darmstadt und Hessen-Kassel. Ihr Zentrum lag im unteren Elsass mit der Hauptstadt Buchsweiler (Bouxwiller).

Burg Lichhtenberg

Die Burg Lichtenberg, franz. Château de Lichtenberg, ist eine Burgruine in der Gemeinde Lichtenberg. Die Burg war erster Mittelpunkt der Herrschaft Lichtenberg. Die Ruine der einstigen Höhenburg liegt auf 480 m oberhalb von Lichtenberg in den Nordvogesen, zwischen La Petite-Pierre (20 Straßenkilometer) und Niederbronn-les-Bains (18 Straßenkilometer), in der Region von Lützelstein (Pays de La Petite Pierre), nahe der deutsch-französischen Grenze. Vom Parkplatz in der Ortsmitte von Lichtenberg führen Fußwege in ca. 10 Minuten zur Burg.

Die "Hauptstadt" Bouxwiller (Buchsweiler) mit etwa 4.000 Einwohnern war einst nach Lichtenberg Residenz des Hanau-Lichtenberger Landes und gilt als einer der malerischsten Fachwerkorte im Elsass. Viele Bauten und Bezeichnungen erinnern noch heute an die alte Grafschaft und ihre Verbindungen zu Hanau am Main. Als Landgraf Johann Reinhard III. von Hanau-Lichtenberg, der "alte Hanauer", 1736 verstarb, wurden die Territorien Hanau-Münzenberg Kurhessen, Hanau-Lichtenberg dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt zugeteilt.


Die blauen Häuser des Hanauerlandes (Pays de Hanau) - Die Forge Bleue und die Ferme Bleue in Uttenhoffen.


Ein Wahrzeichen aus der Not geboren: Das vorherrschende Blau des Ortes liegt darin begründet, dass Hugenotten im 17. Jahrhundert dort Zuflucht fanden. Und da die protestantischen Flüchtlinge zunächst bettelarm waren, konnten sie sich den üblichen Ockerton oder die weiße Putzfarbe nicht leisten. Deshalb nutzten sie als Abfallprodukt kobaltblaue Farben, die damals noch giftige Substanzen enthielten. Die Farbe war bleihaltig und tötete die Fliegen scharenweise. Später, im 18. Jahrhundert, wurde das Dorf nordwestlich von Haguenau eines der reichsten seines Verwaltungsbezirks – dank des Fleißes der Hugenotten. Die Farbe Blau (mittlerweile ohne giftige Substanzen) blieb jedoch weiterhin als Wahrzeichen ihres protestantischen Glaubens erhalten.

Abteikirche Saint Martin in Marmoutier im Elsaß - Das Kloster Marmoutier (lat. Mauri Monasterium; deutsch Maursmünster) ist eine ehemalige Benediktinerabtei im Ort Marmoutier im Département Bas-Rhin in der französischen Region Elsass. Das Kloster wurde um 590, nach anderen Quellen 659 wohl vom Hl. Leobard (Liebhard) († um 680 in Maursmünster), einem Schüler des Hl. Columban gegründet und nach der oberItalienischen Stadt Aquileia benannt. Maursmünster wird zu den merowingischen Klöstern gerechnet und war eine Reichsabtei. 728 reformierte der Heilige Pirmin als Abt mehrere elsässische Klöster columbanischer Prägung im Sinne der Benediktregel, darunter auch Maursmünster. Abt wurde Maurus, nach dem das Kloster bald benannt wurde. Maurus gilt daher auch oftmals als der eigentliche Gründer dieses Klosters. Das Kloster wurde im deutschen Bauernkrieg (1525) von den Protestanten geplündert und in Teilen zerstört, eine Brandschatzung konnte Anton von Lothringen mit seinen Truppen im letzten Moment verhindern. Auch durch den dreißigjährigen Krieg wurde das Kloster in Mitleidenschaft gezogen, allerdings blieb die Abteikirche ohne größere Schäden.


Von der staufischen Architektur der Stiftskirche ist heute noch die Westfassade (um 1140/50), die Vorhalle und die Türme aus dem 11. und 12. Jahrhundert vorhanden. Die Fassade wird von drei Giebeln gekrönt und ist von zwei Achtecktürmen flankiert. Dazwischen erhebt sich ein viereckiger, 36 m hoher Hauptturm. Obwohl der Bau nur 20 m breit ist, macht er einen mächtigen Eindruck. Die Front mit ihrem reichen Figurenschmuck, aber auch der Säulen- und Bogenschmuck der Vorhalle zeugen von der romanischen Bildhauerkunst. Daher gilt diese romanische Abteikirche auch als eine der schönsten des Elsass überhaupt. Das hinter dem Westwerk liegende Langhaus der Kirche wurde zwischen 1225 und 1301 in gotischen Formen neu erbaut. 1761–1769 wurde der Mönchschor im gotischen Stil wieder errichtet und mit einem bemerkenswerten Chorgestühl ausgestattet. Die 1788 geplante Ersetzung des romanischen Westwerks durch einen barocken Neubau verhinderte der Ausbruch der französischen Revolution und die Aufhebung des Klosters. An Ausstattungsstücken ist vor allem die Orgel aus der Werkstatt des Straßburger Orgelbauers Andreas Silbermann bemerkenswert. Das Instrument wurde in den Jahren 1707–1710 erbaut. Im Laufe der Zeit wurde das Instrument ergänzt und mehrfach repariert. 1955 wurde das Instrument durch die Orgelbauer Alfred Kern und Ernst Mühleisen umfassend restauriert.

Betschdorf und Soufflenheim, die Töpferdörfer im Nordelsaß, mit einem Abstecher nach Sessenheim, auf Goethes Spuren.


Museum zum deutsch-französischen Krieg 1870-71 in Woerth


Beim kleinen elsässischen Städtchen Woerth (Département Bas-Rhin, 67) fand am 6. August 1870 die zweite Schlacht des deutsch-französischen Krieges statt. An dieses historische Ereignis erinnert das Musée 1870 im Schloß der Stadt.

Geisberg bei Wissembourg - Denkmale für die Gefallenen der Schlacht am 4. August 1870 im Deutsch-französischen Krieg.


Saint Ulrich in Altenstadt bei Wissembourg

Die romanische Kirche Saint-Ulrich in Altenstadt markiert den Beginn der Elsässer "Route Romane", der Straße der Romanik.


Im Mittelalter gehörte Altenstadt mit umliegenden Dörfern zur Weißenburger Mundat, den Ländereien des Klosters Weißenburg. 1521 gelangte die Vogtei Altenstadt hälftig zur Kurpfalz. Vor der Französischen Revolution gehörten Altenstadt und Schweighofen zusammen. Altenstadt, Schweighofen, Schleithal, Oberseebach und das Schlettenbacher Tal bildeten zu dieser Zeit das Amt Altenstadt, gemeinschaftlich zur Kurpfalz und der Probstei Weißenburg zugehörig. Im Zuge der Französischen Revolution wurde Altenstadt Teil des Unterelsaß. Durch die Grenzziehung im Zweiten Pariser Frieden 1815 gehörte es zum Königreich Bayern und dort zum Landkommissariat Bergzabern. In der Grenzkonvention zwischen Bayern und Frankreich von 1825 trat Bayern Altenstadt an Frankreich ab. Zum 1. Januar 1975 wurde Altenstadt nach Wissembourg eingemeindet.

Dienstag, 27. August 2019

Beim Nachbarn in den Nordvogesen

Der Zwölfapostelstein

Internationales Glaskunstzentrum in Meisenthal im Bitscherland


Der bekannte Jugendstil-Künstler Émile Gallé hat in Meisenthal gearbeitet und hier Objekte aus Glas hergestellt. Heute gibt es in Meisenthal ein Museum sowie ein Internationales Zentrum für Glaskunst (Centre International d'Art Verrier, CIAV), das u. a. mit der Hochschule der Bildenden Künste Saar zusammenarbeitet. Das CIAV ist insbesondere für den dort hergestellten Christbaumschmuck aus Glas berühmt. Angeblich geht diese Erfindung auf die Gegend von Meisenthal zurück, als im 19. Jahrhundert eine Ernte schlecht ausfiel und die bis dahin zum Schmuck des Weihnachtsbaums verwendeten Früchte knapp waren. Das Museum befindet sich im Maison du Verre et du Cristal, wo man auch Glasbläser bei der Arbeit beobachten kann.

Les Douze Apôtres


Der Zwölfapostelstein (Les Douze Apôtres), auch Breitenstein genannt, ein christianisierter Menhir markiert seit altersher bei Goetzenbruck (Département Moselle, 57) die Grenze zwischen Lothringen und dem Elsaß.

Schiffshebewerk Saint-Louis/Arzviller unweit Luetzelbourg


Das Schiffshebewerk ist 2019 50 Jahre alt. Nach zwei Jahren Reparaturarbeiten ist der Schiffsschrägaufzug seit 2016 wieder in Betrieb. Da hatte sich nämlich ein Schiff "verhakt" gehabt und die Anlage schwer beschädigt.

Eineinhalb Kilometer südöstlich der lothringischen Ortschaft Dabo erreicht man den Dagsburger Felsen (Rocher de Dabo), 664 Meter hoch, mit der St-Leo-Kapelle. Sie war Papst Leo IX. geweiht, im 11. Jahrhundert der erste elsässische Papst.


Nur gibt es das 1954 erbaute altehrwürdige Hotel und Restaurant nicht mehr. Denn das Haus, in dem sich General De Gaulle, François Mitterrand und Helmut Kohl und viele andere Prominente ein Stelldichein gegeben haben, ist am 30. November 2015 einem verheerenden Brand zum Opfer gefallen.


Im Mittelalter gehörte die Gegend um Dabo als Grafschaft Dagsburg zum Elsaß. Bekannt ist die Gemeinde wegen zweier Bauwerke, die auf dem imposanten Rocher du Dabo in mehr als 660 m Höhe stehen: Die Ruine der Dagsburg und die Kapelle, die zur Erinnerung an Papst Leo IX. erbaut wurde. Dieser lebte von 1002 bis 1054 und war ein Vetter 2. Grades des salischen Kaisers Heinrich III. Von der Dagsburg stammte Leos Mutter Heilwig.

Bei den Ölscheichs des Elsaß: Merkwiller-Pechelbronn

Pechelbronn war der erste Ort in Europa, an dem Erdöl gewonnen wurde. Die noch heute aktive Erdpechquelle ist seit 1498 belegt und gab dem Ort den Namen: "Pech-Brunnen". Das aus den Pechelbronner Schichten stammende Erdöl wurde zunächst medizinisch bei Hauterkrankungen benutzt. Händler zogen als "Karichschmiermann" mit Schubkarren, auf denen ein Holzfässchen befestigt war, durch die Dörfer und verkauften den Bauern loses Öl, mit dem sie ihre Fuhrwerke schmieren konnten.


Die kommerzielle Nutzung aber begann 1735 und endete 1970. Generationen von Technikern besuchten das Gebiet, um das Fördern und Raffinieren von Erdöl zu lernen. 1927 nahmen die Gebrüder Marcel und Conrad Schlumberger in Pechelbronn die erste elektrische Bohrlochvermessung vor.