Mittwoch, 7. Februar 2024

Vom harten Leben der Frauen an den Küsten und von den Opfern des Meers - in der Bretagne, der Normandie und in Ostfriesland



Die Frauen von Cancale in der Bretagne waren schon immer das starke Geschlecht

Denkmal für die Austernwäscherinnen von Cancale. Die Cancalaises waren schon immer das, was man heute emanzipiert nennt, hatten sie doch während des Jahres, derweil die Männer auf See waren, um Kabeljau vor Neufundland zu fangen, Haus und Hof zu versorgen. Fontaine "Les laveuses d'huîtres" ("Oyster washers") - Place de la République, 35260 Cancale, Frankreich -

Die Pfarrkirche Saint-Méen, vor der das Denkmal steht, wurde von Alfred-Louis Frangeul zwischen 1876 und 1886 in einem Teil des Parks des alten Herrenhauses Bellevue erbaut. Am 2. September 1906 abgebrannt, wird sie im darauffolgenden Jahr von Arthur Regnault restauriert. Der Turm wurde zwischen 1931 und 1932 erbaut. Der neugotische Stil des 13. Jahrhunderts ist ziemlich repräsentativ für das Werk von Alfred-Louis Frangeul.

Den Frauen zur Ehre: Die Törfwieven von Weener und Tant' Dientje am Ditzumer Hafen

Die Törfwieven von Weener

Seit 1853 gab es für das Ausladen und den Verkauf des Torfes ein vom Gemeindeausschuss beschlossenes "Torfreglement".

Etwa 800 größere und kleinere Torfschiffe (Muttjes) unter Segel landetet jährlich hier im Hafen von Weener über 6000 Fuder Torf an (1 Fuder (Pferdefuhrwerk) enthielt 45 prall gefüllte Körbe Brenntorf).

Nun begann die Arbeit der "Törfwieven". Es waren handfeste Frauen, die den Torf in Körbe füllten und dann auf die Pferdefuhrwerke verluden. Die 100 Liter Körbe wurden zunächst halb gefüllt, kräftig geschüttelt und anschließend bis zum Rand aufgefüllt. Sie wurden durch den Torfaufseher per Handschlag auf korrektes Füllen der Körbe verpflichtet.

Für den schweren Arbeitsvorgang arbeiteten die "Törfwieven" im Team. Meist füllten zwei Frauen den Torfkorb. Das Hintragen und Absetzen des gefüllten Torfkorbes auf die Hafenkaje übernahm eine dritte Frau. Eine vierte packte den Korb auf das bereitstehende Pferderfuhrwerk.

Zur Würdigung der schweren Arbeit dieser Frauen und um die Erinnerung an den lebhaften Hafenbetrieb in vergangenen Zeiten wach zu halten, wurde den "Törfwieven" ein Denkmal gewidmet.

Der Leeraner Bildhauer Karl-Ludwig (KaLu) Böke schuf die Figurengruppe nach Gesprächen mit einer Frau, die als Achtzehnjährige mit ihrer Mutter und Großmutter Anfang der fünfziger Jahre als "Törfwiev" tätig war.

Da also auch junge Mädchen diese Arbeit verrichteten, hat Böke zwei Frauen unterschiedlichen Alters dargestellt.


Erinnerung an den Alltag der Fischerfrauen:
Das Denkmal für Tant' Dientje am Ditzumer Hafen

Schwere Sturmfluten des Mittelalters führten zu einer etwa 90 Quadratkilometern großen Auswaschung des Moorbodens südwestlich von Emden und den Höhepunkt bildete die Antoniflut 1511, bei der ganze Dörfer, Klöster und Kirchspiele aufgegeben werden mussten – es war die Geburtsstunde des heutigen Dollarts, den sich die Niederlande und Deutschland teilen.

Die Bauern, die bislang in der eher kargen Moorlandschaft lebten, verlagerten ihre Tätigkeit von der Landwirtschaft zur Fischerei und hatten am Dollart als Wattfischer ein wesentlich besseres Auskommen.

Noch bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts trugen die Frauen der Fischer den Fang mit einem Tragejoch zu den Märkten und an diese Zeit erinnert die Bronzeskulptur „Tant´ Dientje“ des Künstlers Uwe Hantke: Die resolute Dame in bäuerlicher Tracht hat ihr Tragejoch auf den Rücken geschnallt, die beiden Körbe abgestellt und präsentiert ihre Schollen auf einem Tablett.

Das Denkmal befindet sich seit dem Jahr 2000 direkt am Sielbauwerk des Ditzumer Hafens und erinnert sehr berührend an den schweren Alltag der Frauen am Dollart.

In Dornumersiel in Ostfriesland zeigt die Figurengruppe „He is buten bleven“ (er ist draußen geblieben) die Lebenswirklichkeit der Menschen an der Nordsee. Die traurig melancholische Skulptur zeigt eine Seemannsfrau mit ihrem Kind, deren Mann „auf See geblieben“ ist. Christian Eisbein (* 5. Juli 1917 in Halle (Saale); † 1. Juli 2009 in Westerholt, Ostfriesland) schuf die Skulptur.


Diese Mahnmale findet man vielfach an den Küsten: Normandie, Port-en-Bessin, Denkmal für die Opfer des Meeres
Bretagne - Quiberon - Côte Sauvage - An der gefährlichen "Wilden Küste" kommen bei Rettungsaktionen auch immer wieder Retter ums Leben Das "Mémorial aux secouristes péris en mer" setzt ihnen ein Denkmal.

Sonntag, 4. Februar 2024

Wenn es heiß ist im Norden

Im Sommer 2010 am Jadebusen


Mit dem Peugeot 207 CC (unserem ersten) am Helgolandkai in Wilhelmshaven - Sommer 2010 an der Nordsee (Samstag, 10. Juli): Nach einem heißen Tag mit 39°C genossen wir abends die frische Seebrise am Helgolandkai in Wilhelmshaven. Es waren um 20:00 Uhr noch immer 28°C gewesen. Der Sommer 2010 gilt mit den Sommern 1976, 2003, 2006 und 2018 als sog. "Hitzesommer". Danach ging es zum Essen in die Trattoria in Schortens. Es gab gegrillte Scampi.

Burg Berum in Hage an einem heißen Sommertag im Jahr 2018: 2018 war ja auch ein sog. "Hitzesommer" gewesen: Wir haben bei fast 40°C die Burg Berum bei Hage besucht. Einen neuen Rekord stellte der Sommer 2018 in Bezug auf die anhaltende Wärme dar: „Der Vier-Monats-Zeitraum April bis Juli 2018 geht als der wärmste in Deutschland seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen 1881 in die Geschichte ein“, so die Metereologen.


Vor allem durch die im Ort gelegene gleichnamige Burg zählt Berum zu den bedeutendsten Stätten ostfriesischer Geschichte. Erstmals wird der Ort im Jahre 1408 als Berne oder Berum erwähnt, dürfte aber weitaus älter sein.

Im Mittelalter stand im Ort ein so genannter Uthof, also ein festes Vorwerk eines Hof- und Herdbesitzers in der Norder Geest. Der Ort entwickelte sich schon früh zum Sitz ostfriesischer Häuptlinge. Bereits ab dem Jahr 1310 ist die Anwesenheit der Familie Sidtzen (andere Schreibweisen: Syrtza oder Sytze) auf einem Vorläufer der heutigen Burg nachgewiesen. Für das Jahr 1387 ist dies Marten, der mit der Tochter des Östringer Häuptlings Popke Inen verheiratet war. Im 15. Jahrhundert erbten die Cirksena die Burg und ließen sie zu einem Schloss ausbauen, das sie später als Witwensitz der Familie nutzten. Am 28. Januar 1600 wurde auf der Burg der „Berumer Vergleich“ unterzeichnet, in dessen Folge das Harlingerland endgültig zu Ostfriesland kam. Am 16. April 1628 ereignete sich ein tragischer Zwischenfall auf der Burg: Der erst 26-jährige Graf Rudolf Christian kam durch einen Stich ins linke Auge, den er bei einem Streit von einem Leutnant des zu Berum in Quartier liegenden kaiserlichen Generals Gallas auf der Burg erhielt, um.

Unter Christine Charlotte, die als Grafen-Witwe von 1690 bis 1699 hier lebte, kam es in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zu erneuten Umbaumaßnahmen, in deren Folge die Burg Berum zu einem der prächtigsten fürstlichen Schlösser wurde. Es wurde von der mächtigen Vorburg und einem doppelten Ringgraben geschützt.

Am 25. April 1734 fand im Schloss die Hochzeit des Fürsten Carl Edzard mit Prinzessin Sophie Wilhelmine von Brandenburg-Bayreuth statt.

Als am 25. Mai 1744 Carl Edzard, der letzte ostfriesische Fürst aus dem Hause Cirksena, starb, machte König Friedrich II. von Preußen sein Nachfolgerecht geltend, das in der Emder Konvention geregelt war. Fortan gab es für den Witwensitz keine Verwendung mehr, so dass er 1764 bis auf die Vorburg abgebrochen und das kostbare Inventar versteigert wurde.

Die Burg Berum wird erstmals im Jahre 1310 urkundlich erwähnt. Wann genau sie errichtet wurde, ist bis dato unbekannt. Heute befindet sich die Anlage im Privatbesitz und dient als Gästehaus, in dem zum Beispiel im Sommer 2006 Bundespräsident Horst Köhler seinen Sommerurlaub verbrachte.

Sehenswert sind auch der Park mit dem uralten Baumbestand und der Garten. Gerade für uns als Hobby-Gärtner sehr interessant.

St.-Ansgari-Kirche in Hage - Benannt ist sie nach Bischof Ansgar von Bremen, auch „Apostel des Nordens“ genannt (St. Ansgarius (801-865)). Er kaufte den Wikingern geraubte Kinder ab und erzog sie im christlichen Sinne.

Im Herzen von Hage steht einer der ältesten Kirchenbauten Ostfrieslands: Die St.-Ansgari-Kirche.

Der genaue Zeitpunkt der Erbauung der Einraumkirche ist nicht bekannt, sie wurde wohl in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet. Der älteste Teil der Kirche ist das Kirchenschiff (um 1220), an das 1250 der Westturm angebaut wurde. Neben dem romanischen Stil des ältesten Teiles ist bereits gotischer Stil angewandt. Der spätgotische Chor ersetzt seit Ende des 15. Jahrhundert die Apsis. Die romanische Backsteingliederung ist an der Nordseite gut erhalten.