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Mittwoch, 7. Februar 2024

Vom harten Leben der Frauen an den Küsten und von den Opfern des Meers - in der Bretagne, der Normandie und in Ostfriesland



Die Frauen von Cancale in der Bretagne waren schon immer das starke Geschlecht

Denkmal für die Austernwäscherinnen von Cancale. Die Cancalaises waren schon immer das, was man heute emanzipiert nennt, hatten sie doch während des Jahres, derweil die Männer auf See waren, um Kabeljau vor Neufundland zu fangen, Haus und Hof zu versorgen. Fontaine "Les laveuses d'huîtres" ("Oyster washers") - Place de la République, 35260 Cancale, Frankreich -

Die Pfarrkirche Saint-Méen, vor der das Denkmal steht, wurde von Alfred-Louis Frangeul zwischen 1876 und 1886 in einem Teil des Parks des alten Herrenhauses Bellevue erbaut. Am 2. September 1906 abgebrannt, wird sie im darauffolgenden Jahr von Arthur Regnault restauriert. Der Turm wurde zwischen 1931 und 1932 erbaut. Der neugotische Stil des 13. Jahrhunderts ist ziemlich repräsentativ für das Werk von Alfred-Louis Frangeul.

Den Frauen zur Ehre: Die Törfwieven von Weener und Tant' Dientje am Ditzumer Hafen

Die Törfwieven von Weener

Seit 1853 gab es für das Ausladen und den Verkauf des Torfes ein vom Gemeindeausschuss beschlossenes "Torfreglement".

Etwa 800 größere und kleinere Torfschiffe (Muttjes) unter Segel landetet jährlich hier im Hafen von Weener über 6000 Fuder Torf an (1 Fuder (Pferdefuhrwerk) enthielt 45 prall gefüllte Körbe Brenntorf).

Nun begann die Arbeit der "Törfwieven". Es waren handfeste Frauen, die den Torf in Körbe füllten und dann auf die Pferdefuhrwerke verluden. Die 100 Liter Körbe wurden zunächst halb gefüllt, kräftig geschüttelt und anschließend bis zum Rand aufgefüllt. Sie wurden durch den Torfaufseher per Handschlag auf korrektes Füllen der Körbe verpflichtet.

Für den schweren Arbeitsvorgang arbeiteten die "Törfwieven" im Team. Meist füllten zwei Frauen den Torfkorb. Das Hintragen und Absetzen des gefüllten Torfkorbes auf die Hafenkaje übernahm eine dritte Frau. Eine vierte packte den Korb auf das bereitstehende Pferderfuhrwerk.

Zur Würdigung der schweren Arbeit dieser Frauen und um die Erinnerung an den lebhaften Hafenbetrieb in vergangenen Zeiten wach zu halten, wurde den "Törfwieven" ein Denkmal gewidmet.

Der Leeraner Bildhauer Karl-Ludwig (KaLu) Böke schuf die Figurengruppe nach Gesprächen mit einer Frau, die als Achtzehnjährige mit ihrer Mutter und Großmutter Anfang der fünfziger Jahre als "Törfwiev" tätig war.

Da also auch junge Mädchen diese Arbeit verrichteten, hat Böke zwei Frauen unterschiedlichen Alters dargestellt.


Erinnerung an den Alltag der Fischerfrauen:
Das Denkmal für Tant' Dientje am Ditzumer Hafen

Schwere Sturmfluten des Mittelalters führten zu einer etwa 90 Quadratkilometern großen Auswaschung des Moorbodens südwestlich von Emden und den Höhepunkt bildete die Antoniflut 1511, bei der ganze Dörfer, Klöster und Kirchspiele aufgegeben werden mussten – es war die Geburtsstunde des heutigen Dollarts, den sich die Niederlande und Deutschland teilen.

Die Bauern, die bislang in der eher kargen Moorlandschaft lebten, verlagerten ihre Tätigkeit von der Landwirtschaft zur Fischerei und hatten am Dollart als Wattfischer ein wesentlich besseres Auskommen.

Noch bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts trugen die Frauen der Fischer den Fang mit einem Tragejoch zu den Märkten und an diese Zeit erinnert die Bronzeskulptur „Tant´ Dientje“ des Künstlers Uwe Hantke: Die resolute Dame in bäuerlicher Tracht hat ihr Tragejoch auf den Rücken geschnallt, die beiden Körbe abgestellt und präsentiert ihre Schollen auf einem Tablett.

Das Denkmal befindet sich seit dem Jahr 2000 direkt am Sielbauwerk des Ditzumer Hafens und erinnert sehr berührend an den schweren Alltag der Frauen am Dollart.

In Dornumersiel in Ostfriesland zeigt die Figurengruppe „He is buten bleven“ (er ist draußen geblieben) die Lebenswirklichkeit der Menschen an der Nordsee. Die traurig melancholische Skulptur zeigt eine Seemannsfrau mit ihrem Kind, deren Mann „auf See geblieben“ ist. Christian Eisbein (* 5. Juli 1917 in Halle (Saale); † 1. Juli 2009 in Westerholt, Ostfriesland) schuf die Skulptur.


Diese Mahnmale findet man vielfach an den Küsten: Normandie, Port-en-Bessin, Denkmal für die Opfer des Meeres
Bretagne - Quiberon - Côte Sauvage - An der gefährlichen "Wilden Küste" kommen bei Rettungsaktionen auch immer wieder Retter ums Leben Das "Mémorial aux secouristes péris en mer" setzt ihnen ein Denkmal.

Dienstag, 14. November 2023

Zu Ehren der hart arbeitenden Frauen an den Küsten




Denkmale für die hart arbeitenden Frauen von der Küste in der Bretagne und an der Nordsee

Die Frauen von Cancale waren schon immer das starke Geschlecht.

Denkmal für die Austernwäscherinnen von Cancale. Die Cancalaises waren schon immer das, was man heute emanzipiert nennt, hatten sie doch während des Jahres, derweil die Männer auf See waren, um Kabeljau vor Neufundland zu fangen, Haus und Hof zu versorgen.

Fontaine "Les laveuses d'huîtres" ("Oyster washers") - Place de la République, 35260 Cancale, Frankreich -

Die Pfarrkirche Saint-Méen, vor der das Denkmal steht, wurde von Alfred-Louis Frangeul zwischen 1876 und 1886 in einem Teil des Parks des alten Herrenhauses Bellevue erbaut. Am 2. September 1906 abgebrannt, wird sie im darauffolgenden Jahr von Arthur Regnault restauriert. Der Turm wurde zwischen 1931 und 1932 erbaut. Der neugotische Stil des 13. Jahrhunderts ist ziemlich repräsentativ für das Werk von Alfred-Louis Frangeul.






Den Frauen zur Ehre:
Die Törfwieven von Weener und Tant' Dientje am Ditzumer Hafen



Die Törfwieven von Weener

Seit 1853 gab es für das Ausladen und den Verkauf des Torfes ein vom Gemeindeausschuss beschlossenes "Torfreglement".

Etwa 800 größere und kleinere Torfschiffe (Muttjes) unter Segel landetet jährlich hier im Hafen von Weener über 6000 Fuder Torf an (1 Fuder (Pferdefuhrwerk) enthielt 45 prall gefüllte Körbe Brenntorf).

Nun begann die Arbeit der "Törfwieven". Es waren handfeste Frauen, die den Torf in Körbe füllten und dann auf die Pferdefuhrwerke verluden. Die 100 Liter Körbe wurden zunächst halb gefüllt, kräftig geschüttelt und anschließend bis zum Rand aufgefüllt. Sie wurden durch den Torfaufseher per Handschlag auf korrektes Füllen der Körbe verpflichtet.

Für den schweren Arbeitsvorgang arbeiteten die "Törfwieven" im Team. Meist füllten zwei Frauen den Torfkorb. Das Hintragen und Absetzen des gefüllten Torfkorbes auf die Hafenkaje übernahm eine dritte Frau. Eine vierte packte den Korb auf das bereitstehende Pferderfuhrwerk.

Zur Würdigung der schweren Arbeit dieser Frauen und um die Erinnerung an den lebhaften Hafenbetrieb in vergangenen Zeiten wach zu halten, wurde den "Törfwieven" ein Denkmal gewidmet.

Karl-Ludwig Böke schuf die Figurengruppe nach Gesprächen mit einer Frau, die als Achtzehnjährige mit ihrer Mutter und Großmutter Anfang der fünfziger Jahre als "Törfwiev" tätig war.

Da also auch junge Mädchen diese Arbeit verrichteten, hat Böke zwei Frauen unterschiedlichen Alters dargestellt.

Erinnerung an den Alltag der Fischerfrauen:
Das Denkmal für Tant' Dientje am Ditzumer Hafen

Schwere Sturmfluten des Mittelalters führten zu einer etwa 90 Quadratkilometern großen Auswaschung des Moorbodens südwestlich von Emden und den Höhepunkt bildete die Antoniflut 1511, bei der ganze Dörfer, Klöster und Kirchspiele aufgegeben werden mussten – es war die Geburtsstunde des heutigen Dollarts, den sich die Niederlande und Deutschland teilen.

Die Bauern, die bislang in der eher kargen Moorlandschaft lebten, verlagerten ihre Tätigkeit von der Landwirtschaft zur Fischerei und hatten am Dollart als Wattfischer ein wesentlich besseres Auskommen.

Noch bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts trugen die Frauen der Fischer den Fang mit einem Tragejoch zu den Märkten und an diese Zeit erinnert die Bronzeskulptur „Tant´ Dientje“ des Künstlers Uwe Hantke: Die resolute Dame in bäuerlicher Tracht hat ihr Tragejoch auf den Rücken geschnallt, die beiden Körbe abgestellt und präsentiert ihre Schollen auf einem Tablett.

Das Denkmal befindet sich seit dem Jahr 2000 direkt am Sielbauwerk des Ditzumer Hafens und erinnert sehr berührend an den schweren Alltag der Frauen am Dollart.









Samstag, 16. Oktober 2021

Für Austernliebhaber: Cancale

Blick auf Cancale
Cancale oder "Cancaven" in Altbretonisch heißt "die Bucht am Fluss". Cancale ist aus der Zusammenlegung von zwei historischen Gemeinden entstanden: la Houle, heute „Port de la Houle“, und dem Marktflecken „Cancale d’en haut“, dessen Häuser sich um die alte Kirche Saint-Méen de Judicaël scharten. Bis 1830 hatten die beiden Gemeinden nebeneinander existiert. Dann beschlossen die kirchlichen Behörden, sie zu einer einzigen zusammenzuschließen. Die Rue du Port wurde gebaut, um die beiden Häusergruppen zu verbinden. Ende des 19. Jahrhunderts wird eine neue Kirche Saint-Méen am Place de la République errichtet. Das Dorf wird größer, und mit der Zeit reihen sich neue Häuser entlang des ehemaligen Vau Baudet, der zum Hafen hinunterführt. Später kommen Neubauviertel hinzu, die die einzelnen Viertel zusammenschließen, bis die Gemeinde zum heutigen Cancale wird.

Die Frauen von Cancale waren schon immer das starke Geschlecht

Denkmal für die Austernwäscherinnen von Cancale. Die Cancalaises waren schon immer das, was man heute emanzipiert nennt, hatten sie doch während des Jahres, derweil die Männer auf See waren, um Kabeljau vor Neufundland zu fangen, Haus und Hof zu versorgen.

Fontaine "Les laveuses d'huîtres" ("Oyster washers") - Place de la République, 35260 Cancale, Frankreich -



Die Pfarrkirche Saint-Méen, vor der das Denkmal steht, wurde von Alfred-Louis Frangeul zwischen 1876 und 1886 in einem Teil des Parks des alten Herrenhauses Bellevue erbaut. Am 2. September 1906 abgebrannt, wird sie im darauffolgenden Jahr von Arthur Regnault restauriert. Der Turm wurde zwischen 1931 und 1932 erbaut. Der neugotische Stil des 13. Jahrhunderts ist ziemlich repräsentativ für das Werk von Alfred-Louis Frangeul.

Austern aus Cancale Mit seinen zahlreichen auf das Meer konzentrierten Aktivitäten lebt der Hafen im Rhythmus der Gezeiten. Er hatte sich in einer natürlich geschützten Bucht entwickelt und bekam mit der Errichtung zweier Uferdämme, die den gegenwärtigen Hafen umschließen, seine Struktur. Nach dem Niedergang der Bootswerften und der Hochseefischerei in Neufundland sind es heute die Austernzucht, deren Farmen bei Niedrigwasser sichtbar sind, und der Tourismus, die die Kais von La Houle lebendig erhalten.
Bereits Ludwig der XIV. soll regelmäßig Austern aus Cancale verzehrt haben. Waren es früher natürlich vorkommende Austern-Kulturen, die den Bedarf deckten, so sind es heute die modernen Austern-Zuchten, die den Markt beliefern. Und die früher in der Bretagne verbreitete Austern-Art, die flache Auster ("huître plate") wurde auch noch durch Seuchen fast völlig ausgerottet. Heutzutage wird in der Bretagne hauptsächlich die ursprünglich aus Kanada und Japan importierte Austern-Art "huître creuse" angeboten, die zwar in ihrem tiefer gewölbten Gehäuse einen größeren Fleischanteil bietet, im Geschmack aber nicht an das Aroma der Huître plate heranreichen soll.
In dem auf der westlichen Seite der Bucht des Mont-Saint-Michel gelegenen Ort und besonders in seinem Hafen "La Houle" mit seiner malerischen Häuserzeile ist die Auster das zentrale Thema. Die Auswahl an den Verkaufsständen am Hafen ist groß, und wer die Austern sofort essen möchte, kann das Dutzend (traditionell 13 Stück) gegen einen kleinen Aufpreis geöffnet verzehrfertig erhalten.

Auch die Restaurants bereiten sich auf die Mittagessenszeit vor. Neben der auch hier thematisch dominierenden Auster werden die verschiedensten Varianten an Miesmuschel-Gerichten ("Moules") und Meeresfrüchte-Tellern angeboten. Dabei können die Köche auf die heimischen Muschelbänke zurückgreifen: In der Bucht des Mont-Saint-Michel, z.B. in der Umgebung von Le-Vivier-sur-Mer unweit von Cancale, werden zunehmend auch Miesmuscheln kultiviert.


Le Vivier-sur-mer, das Zentrum der bretonischen Muschelzucht

Mittwoch, 13. Oktober 2021

Die Bretagne und die Meeresfrüchte

Cancale ist die nördlichste Gemeinde des Départements Ille-et-Vilaine. Sie liegt im Nordwesten der Bucht des Mont-Saint-Michel, etwa zehn Kilometer östlich von Saint-Malo, an der Côte d’Émeraude. Die Kernstadt gliedert sich in zwei Stadtteile: Die Oberstadt (La Ville Haute) liegt in 45 m Seehöhe über der Bucht und ist das Zentrum mit Kirche, Markt, Geschäften sowie der Badevillen-Siedlung an der Pointe du Hock und entlang der Rue Robert Surcouf, die für ihre Architektur und den malerischen Ausblick auf den Mont-Saint-Michel gerühmt wird. Der romantische Hafen (La Houle) liegt direkt am Meer und bietet gute Hotels und Restaurants. Im Stadtteil Port-Mer liegt ein beliebter Sandstrand. Die etwa vier Kilometer vom Stadtzentrum entfernte Pointe du Grouin ist ein beliebtes Ausflugsziel und markiert den nördlichsten Punkt des Stadtgebiets.


Cancale, das Zentrum der Austernzucht in der Bretagne

Cancale bezeichnet sich selbst als die "Austernhauptstadt" der Bretagne. Hier werden in der Gezeitenzone Austern gezüchtet, und zwar die Pazifische Felsenauster (5.000 t, Stand: 2000) und die seltenere Europäische Auster (1.000 t, Stand: 2000). Beide Sorten genießen bei Kennern einen guten Ruf. Die Austernzucht lässt sich in Cancale ab dem 13. Jahrhundert nachweisen. Heute bedeckt sie eine Fläche von 400 Hektar, 50 Betriebe beschäftigen je nach Jahreszeit 150 bis 300 Angestellte und erwirtschaften einen Umsatz von 3,8 Mio. Euro (Stand: 2000). Besucher können im Austernmuseum (La Ferme Marine) weiterführende Informationen über die Bedeutung der Austern erfahren.

Plateau des fruits de mer

Das wohl authentischste Meeresspeisen-Erlebnis in der Bretagne stellt die Meeresfrüchte-Platte ("Le plateau de fruits de mer") dar. Absolut frisch und kalt serviert werden die veschiedensten Muscheln und Schnecken sowie rosa und graue Crevetten, Langoustinen und ein Krebs ("tourteaux") und ergeben zusammen mit Mayonnaise, einer Portion Baguette und einem Muscadet ein köstliches, sinnliches Meeresspeisen-Erlebnis. Die Qualität dieser bretonischen Spezialität ist in der "charte du plateau de fruits de mer frais bretons", der Carta der frischen bretonischen Meeresfüchte-Platten genauestens in Bezug auf Frische, Vielfalt und Zusammenstellung geregelt. Auch werden die dieses "Gütesiegel" führenden Restaurants dort namentlich aufgeführt.


Wir kommen ja nicht umhin, bei unseren Aufenthalten in der Bretagne uns mehr als einmal eine Plateau des fruits de mer zu gönnen. Besonders gerne in Saint-Malo in der Ville Close, der engen Altstadt. Kein Problem, wenn einem dabei die Passanten auf den Teller schauen. Dürfen sich ruhig Appetit holen. Zu den Meeresfrüchten passt übrigens hervorragend ein auf der Maische gereifter kühler Muscadet sur lie aus dem Loire-Tal.
Eine leckere Austernsorte bietet auch der Ria d'Étel, ein vom Meer erobertes Flusstal, das eine von einer Vielzahl kleiner Inseln durchsetzte Bucht bildet. Die Étel-Flußauster, der Stolz der Region, ist so berühmt wie die Austern von Cancale.
U.a. hier gibt es die Austern aus dem Ria: Saint-Cado

Auch die Bucht von Quiberon ist ein Austernzuchtgebiet. Carnac ist eines der wichtigsten Zentren der Muschel- und Schalentierzucht. Le Pô beherbergt seit 1880 zahlreiche Austernfarmen. Generationen von Züchtern haben hier einander abgelöst, um Austern mit unvergleichlichem Geschmack zu produzieren. Die Bucht von Quiberon besitzt die größte Tiefwasser-Zuchtfläche mit mehr als 2500 Hektar Austernparks.

Die Bucht des Mont-Saint-Michel, Austern, Muscheln, Salzwiesenlämmer, Natur und Kultur

Der Mont-Saint-Michel, gesehen von Cancale (im Vordergrund Austernbänke)
Muscheln und Austern - Le-Vivier-sur-mer und Cancale


Le Vivier-sur-mer an der Bucht des Mont-Saint-Michel ist das Zentrum der bretonischen Muschelzucht. Da die Muschelbänke draußen in der Bucht liegen, die einen Gezeitenunterschied von vierzehn Metern hat, sind die Züchter mit Amphibienfahrzeugen unterwegs, Boote mit Rädern, die einem natürlich auch auf der Dorfstraße begegnen. Im Hafen kann man den Fischern bei der Verarbeitung ihres Produktes zusehen. Zum Beispiel das Wässern bis zum Verkauf. Nach der Ernte werden die Muscheln bis zum Verkauf im Hafen in Salzwasserbecken frisch gehalten.

Cancale ist das Zentrum der bretonischen Austernzucht. Cancale liegt an der Spitze der Halbinsel du Guesclin, unweit Saint-Malo. Cancale ist immaterielles Weltkulturerbe der UNESCO.
Cancale - Zentrum der Austernzucht -
Verkauf, Degustation und Restaurants direkt am Hafen


Bretonische Frauen waren schon immer das starke Geschlecht

Denkmal für die Austernwäscherinnen von Cancale. Die Cancalaises waren schon immer das, was man heute emanzipiert nennt, hatten sie doch während des Jahres, derweil die Männer auf See waren, um Kabeljau vor Neufundland zu fangen, Haus und Hof zu versorgen.

Fontaine "Les laveuses d'huîtres" ("Oyster washers") - Place de la République, 35260 Cancale, Frankreich -



Agneaux pré-salé

Agneau de pré-salé ist eine Lammart, die auf Salzwiesen Frankreichs, insbesondere in der Bucht des Mont Saint-Michel in der Bretagne und der Normandie gezüchtet wird. Durch diese Haltung ist ihr Fleisch besonders würzig.

Das für sein feines Fleisch und seinen außergewöhnlichen Geschmack berühmte Lamm von den Salzwiesen am Mont-Saint-Michel verdankt seine Besonderheit den Wiesen, auf denen es grast. Das Lamm wird nämlich auf den Weiden an der Küste gehalten, die regelmäßig bei Flut vom salzigen Meerwasser überschwemmt werden und dem Fleisch so seine köstliche salzige Note verleihen.

Das Lamm von den Salzwiesen am Mont-Saint-Michel, eine Grevine-Rasse, wurde mit einer geschützten Herkunftsbezeichnung AOP ausgezeichnet und profitiert von einem sehr eingeschränkten Aufzucht- und Produktionsgebiet, so dass es nur von zugelassenen Metzgern verkauft werden darf. Es wird bereits seit dem 11. Jahrhundert ungefähr in diesem Gebiet gezüchtet. Jedes Jahr im August findet an der Brücke in der Ortschaft Genêts das Salzwiesen-Fest zu Ehren des Lamms statt. Eine wunderbare Gelegenheit sowohl für alle Einheimischen aber auch Touristen, etwas mehr über die Aufzucht des Lamms von den Salzwiesen am Mont-Saint-Michel zu erfahren. Es werden auch die Arbeit der Hütehunde und die Wolle verarbeitenden Berufe vorgestellt. Außerdem wird das Fleisch vor Ort frisch gegrillt und kann probiert werden.

Cherrueix (Breton: Kerruer, Gallo: Chaéruér) ist eine französische Gemeinde mit 1121 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) im Département Ille-et-Vilaine in der Region Bretagne. Sie gehört zum Arrondissement Saint-Malo und zum Kanton Dol-de-Bretagne.


Die Kirche Notre Dame stammt aus dem 15. Jahrhundert und vis-à-vis gibt es eine kleine Bar und Restaurant, wo man sich auf einen Pastis niederlassen kann.

Chapelle Sainte-Anne, Cherrueix: Die Kapelle geht in ihren Ursprüngen auf das 11. Jahrhundert zurück. Die Namenspatronin, Sainte Anne, war zugleich die Schutzheilige eines der gewaltigsten Eindeichungsvorhabens jener Zeit, des Digue de la Duchesse Anne, eines Deichs, der den Marais de Dol zur Baie du Mont-Saint-Michel hin abschließt. Die Kapelle wurde im Jahr 1630 durch eine Flut zerstört, aber 1684 wieder aufgebaut.

Im Verlauf der Französische Revolution wurde die Kapelle säkularisiert, im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts restituiert. Bis heute findet am Tag der Hl. Anna eine Prozession der umliegenden katholischen Pfarreien statt.

Rund um die Kapelle gibt es seit 2005 ein Renaturierungsprojekt zur Wiederherstellung einiger der bis in die 1960er Jahre an dieser Stelle existierenden Lagunen.

Cherrueix ist auch berühmt für seinen phantastischen Knoblauch.
Das Weiße Moor

Das Weiße Moor ist der trockengelegte Teil des Moorlands gleich hinter dem Damm, der "Digue de la Duchesse Anne", dem Deich, der seit dem Mittelalter den Küstenverlauf definiert.
Der Digue de la Duchesse-Anne (auch Duchesse-Anne-Damm oder Bretagne-Damm) trennt die Bucht des Mont Saint-Michel vom Marais von Dol de Bretagne. Der Deich erstreckt sich etwa dreißig Kilometer von der Pointe von Château-Richeux (südlich von Cancale) im Westen bis zum Anstieg von Saint-Broladre im Osten. Wann genau der Bau des Deichs begann ist unbekannt, wahrscheinlich im 11. oder 12. Jahrhundert auf Initiative der Herzöge der Bretagne.
Wo die Kirchgänger ihre Altvorderen mit Füßen treten:
Saint-Georges-de-Gréhaigne in Ille-et-Vilaine, unweit des Mont-Saint-Michel --- mittelalterliche Grabplatten im Kirchenboden
Letzter Ort in der Bretagne vor Pontorson und dem Mont-Saint-Michel: Saint-Georges-de-Grehaigne mit seiner interessanten Kirche - auf dem Fußboden: Grabplatten aus dem Mittelalter.

Die Kirche Saint-Georges ist aus dem 11. Jahrhundert, als Priorei gegründet, seit 1926 Monument historique.



Sonntag, 10. Oktober 2021

Die Guesclin-Halbinsel unweit Saint-Malo

Die Pointe Du Grouin (bretonisch Beg an Trein) ist eine Landzunge an der Côte d’Émeraude in der nordöstlichen Bretagne Sie liegt etwa vier Kilometer nördlich der Gemeinde Cancale. Auf der Landzunge befindet sich das 1861 errichtete Semaphor zur Beobachtung des Schiffsverkehrs, von welchem auch Seenotrettungseinsätze geleitet werden und welcher als Wetterstation dient. Das Kap ist touristisch erschlossen durch zwei Restaurants und ein Hotel. Im Semaphor finden Kunstausstellungen statt. Außerdem findet man auf dem Kap noch Reste deutscher Bunkeranlagen aus dem Zweiten Weltkrieg.


Die mit Heidekraut bewachsene Pointe du Grouin ist Naturschutzgebiet und Teil des europäischen Netzwerks "Natura 2000". Die Pointe du Grouin besitzt eine außergewöhnliche Flora und Fauna. Über sechzig Pflanzenarten, Moorboden sowie diverse Sperlinge, Dompfaffen, Reptilien, diverse Schmetterlingsarten und Fledermäuse findet man hier.
Entlang des mit Farn bewachsenen östlichen Teils der Pointe du Grouin befindet sich die gegenüberliegende 1100 Meter lange und 100 Meter breite Insel Île des Landes. Die unbewohnte Insel Île des Landes ist ein ornithologisches und botanisches Reservat (Réserve ornithologique et botanique). Mantelmöwen (Goëlands marin), Kormorane, Austernfischer (Huîtrier pie) Brandseeschwalben (Sterne Caugek), Basstölpel (Fou de Bassan) und Lachmöwen (Mouette rieuse) nisten auf der Île des Landes.

Cancale, das Zentrum der bretonischen Austternzucht


Cancale ist aus der Zusammenlegung von zwei historischen Gemeinden entstanden: la Houle, heute „Port de la Houle“, und dem Marktflecken „Cancale d’en haut“, dessen Häuser sich um die alte Kirche Saint-Méen de Judicaël scharten. Bis 1830 hatten die beiden Gemeinden nebeneinander existiert. Dann beschlossen die kirchlichen Behörden, sie zu einer einzigen zusammenzuschließen. Die Rue du Port wurde gebaut, um die beiden Häusergruppen zu verbinden.

Mit seinen zahlreichen auf das Meer konzentrierten Aktivitäten lebt der Hafen im Rhythmus der Gezeiten. Er hatte sich in einer natürlich geschützten Bucht entwickelt und bekam mit der Errichtung zweier Uferdämme, die den gegenwärtigen Hafen umschließen, seine Struktur. Nach dem Niedergang der Bootswerften und der Hochseefischerei in Neufundland sind es heute die Austernzucht, deren Farmen bei Niedrigwasser sichtbar sind.

Cancale ist das Zentrum der bretonischen Austernzucht. Cancale liegt an der Spitze der Île du Guesclin, unweit Saint-Malo. Dieser hübsche Hafen ist ein Genuss für die Augen und den Gaumen. Die als "Site remarquable du goût", Ort mit besonders schmackhaften Spezialitäten, ausgezeichnete Stadt Cancale ist seit langem bekannt für ihre hervorragenden Austern und Muscheln. Eine weitere, zweifellos "schmackhafte" Beigabe ist, dass diese jodhaltigen Köstlichkeiten mit der wundervollen Aussicht auf den von der Bucht umgebenen Mont Saint-Michel genossen werden können.

Schon die Römer aßen hier Austern. Den Status als Stadt erwarb sich der Ort durch die Belieferung des Königshofes mit Austernkörben und Seeleuten. Im 19. Jahrhundert machen sich die Seeleute auf nach Neufundland und überlassen ihren Ehefrauen die Leitung des Marktes und des Handels.

Das Kommen und Gehen der Boote, die Arbeit der Austernzüchter und der Rhythmus der Gezeiten sorgen stets für ein lebhaftes Treiben im von Landungsbrücken gesäumten Hafen. Bei Ebbe bestimmen die Austernparks die Landschaft – und das auf einer Fläche von mehr als 360 Hektar. Die früher gefangenen Cancale-Austern werden heute gezüchtet. Der Planktonreichtum der Bucht des Mont Saint-Michel verleiht ihnen ihren typischen Geschmack.

Die idyllische Chapelle du Verger in der Biegung einer kleinen Sandbucht zeigt Votivbilder der Seefahrerfrauen. Eine bemerkenswerte Modellbootflotte wurde an Leinen aufgehängt.
Île und Fort du Guesclin


Das Fort du Guesclin liegt auf der Gezeiteninsel Île du Guesclin nordöstlich von Saint Coulomb, zwischen Saint-Malo und Cancale im Département Ille-et-Vilaine in der Bretagne in Frankreich.

Das erste Gebäude wurde im Jahre 1026 von einem Wachtmeister von Guesclin errichtet. Es war eine durch zwei Mauern, flankiert von drei Türmen und einem Donjon, geschützte Burg. Die Wasserversorgung erfolgte mittels einer 33 m tiefen Zisterne. Im Jahre 1207 besetzte Johann Ohneland, der König von England, die Festung, bis Juhel III de Mayenne sie zurückgewann. Die Guesclins verließen das Fort 1259 und ließen sich in Plessis-Bertrand nieder. Das um 1500 zerfallene Fort wurde im Jahre 1589 an Guillaume de Chateaubriant aus dem Hause Rieux verkauft. Das alte Gebäude wurde dem Erdboden gleichgemacht, und Sébastien Le Prestre de Vauban (1633–1707) erbaute später eine Festung, um die Küste vor den Engländern zu schützen.

Nachdem sein militärischer Wert im Jahre 1826 verloren ging, wurde das Fort verkauft und in ein Ferienhaus umgewandelt. Im Jahre 1942 wurden die Räumlichkeiten von der deutschen Armee besetzt und im Zuge der Errichtung des Atlantikwalls ein Flak-Geschütz installiert. Nach der alliierten Landung von 1944 gelangte das Fort in den Besitz des Bürgermeisters von Saint-Servan. Er verkaufte es im Jahr 1959 an den Sänger Léo Ferré (1916–1993), der dort bis 1968 lebte.

Das Fort wurde 1996 von den Erben Léo Ferrés an den Geschäftsmann Robert Porcher (1928–2011) verkauft, der das Gebäude restaurierte und als Wohnsitz nutzte.

Samstag, 17. Juli 2021

Gaumenfreuden am Meer

Urlaub in der Bretagne, das sind für uns auch immer Gaumenfreuden: Meeresfrüchte, Austern, Muscheln, so wie im Bild oben in Saint-Malo, der "Ancien Cité des Corsairs" am Ärmelkanal.

Muscheln und Austern - Le-Vivier-sur-mer und Cancale


Le Vivier-sur-mer an der Bucht des Mont-Saint-Michel ist das Zentrum der bretonischen Muschelzucht. Da die Muschelbänke draußen in der Bucht liegen, die einen Gezeitenunterschied von vierzehn Metern hat, sind die Züchter mit Amphibienfahrzeugen unterwegs, Boote mit Rädern, die einem natürlich auch auf der Dorfstraße begegnen. Nach der Ernte werden die Muscheln bis zum Verkauf im Hafen in Salzwasserbecken frisch gehalten. Cancale ist das Zentrum der bretonischen Austernzucht. Cancale liegt an der Spitze der Ile du Guesclin, unweit Saint-Malo. Cancale ist immaterielles Weltkulturerbe der UNESCO.
Plateau des fruits de mer

Das wohl authentischste Meeresspeisen-Erlebnis in der Bretagne stellt die Meeresfrüchte-Platte ("Le plateau de fruits de mer") dar. Absolut frisch und kalt serviert werden die veschiedensten Muscheln und Schnecken sowie rosa und graue Crevetten, Langoustinen und ein Krebs ("tourteaux") und ergeben zusammen mit Mayonnaise, einer Portion Baguette und einem Muscadet ein köstliches, sinnliches Meeresspeisen-Erlebnis. Die Qualität dieser bretonischen Spezialität ist in der "charte du plateau de fruits de mer frais bretons", der Carta der frischen bretonischen Meeresfüchte-Platten genauestens in Bezug auf Frische, Vielfalt und Zusammenstellung geregelt. Auch werden die dieses "Gütesiegel" führenden Restaurants dort namentlich aufgeführt.


Meeresfrüchteplatten gibt es an der deutschen Nordseeküste leider nicht. Aus welchen Gründen auch immer. Wahrscheinlich, weil die Nachfrage in Deutschland gering wäre, denn viele empfinden das rohe Meeresgetier als "eklig". Um dennoch in den Genuß von Grünschalmuscheln oder gegrillten Scampi zu kommen muss man deshalb zu Gastronomen aus dem mediterranen Bereich, zum Italiener. In Schortens zum Beispiel zu "La Trattoria".


Nordseefisch gibt es natürlich, auch Nordseekrabben, Granat genannt.

Fisch und Feinkost Flebbe in Schortens

Ein Tipp für leckere Matjes- oder Bismarck-Brötchen und auch zum Einkauf von Fisch, Granat und hausgemachten Salaten.




Dienstag, 23. Mai 2017

Bretagne: Austern und Meeresfrüchte


Das wohl authentischste Meeresspeisen-Erlebnis in der Bretagne stellt die Meeresfrüchte-Platte ("Le plateau de fruits de mer") dar. Absolut frisch und kalt serviert werden die veschiedensten Muscheln und Schnecken sowie rosa und graue Crevetten, Langoustinen und ein Krebs ("tourteaux") und ergeben zusammen mit Mayonnaise, einer Portion Baguette und einem Muscadet ein köstliches, sinnliches Meeresspeisen-Erlebnis. Die Qualität dieser bretonischen Spezialität ist in der "charte du plateau de fruits de mer frais bretons", der Carta der frischen bretonischen Meeresfüchte-Platten genauestens in Bezug auf Frische, Vielfalt und Zusammenstellung geregelt. Auch werden die dieses "Gütesiegel" führenden Restaurants dort namentlich aufgeführt.

Cancale ist das Zentrum der bretonischen Austernzucht. Cancale liegt an der Spitze der Ile du Guesclin, unweit Saint-Malo.



Cancale liegt auf der Halbinsel du Guesclin. Hier ist auch einer unserer Lieblingsplätze in der Bretagne.

Ile du Guesclin und Pointe du Grouin - Unser Lieblingsplatz in der Bretagne:

Was man hier heute sieht ist ein Fort aus dem 18. Jahrhundert, das - wer sonst? - Vauban erbaut hat.

Seit 1026 bis zu ihrem Abriß durch Vauban stand hier eine Burg, die die Herren von Cancale hatten errichten lassen.

Der französische Chansonnier Léo Ferré erwarb im Jahr 1959 auf der Suche nach einem Ort, an dem er abgeschieden vom Trubel des öffentlichen Lebens arbeiten und seine Sehnsucht nach dem Meer stillen konnte, die Île du #Guesclin. Bis 1963 schuf er hier einige seiner bekanntesten Stücke wie Paname, Jolie môme und die Musik zu den Chansons d'Aragon, zehn Gedichten des Dichters Louis Aragon.

Das nach wie vor in Privatbesitz befindliche Fort (keine Besichtigung möglich!) ist nur bei Ebbe trockenen Fußes zu erreichen.

Die Pointe du Grouin ist die äußerste Landspitze. Die vorgelagerte Île des Landes ist ein Vogelschutzgebiet.


In der näheren Umgebung:

Dol de Bretagne und Umgebung: Mont-Dol, Le Vivier-sur-mer, Rotheneuf, Cherrueix - Le Vivier ist das Zentrum der bretonischen Muschelzucht an der Baie du Mont-Saint-Michel, Cherrueix sozusagen die Welthauptstadt der Strandsegler. Dol de Bretagne selbst mit seiner Kathedrale Saint-Samson ist ein alter Bischofssitz und auf dem nahen Mont Dol soll dereinst der Erzengel Michael mit dem Teufel gekämpft haben.