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Dienstag, 20. Juni 2023

Von der Fossa Carolina zum Main-Donau-Kanal

Der Karlsgraben bei Treuchtlingen ist Zeugnis eines der größten ingenieurgeologischen Bauprojekte des Mittelalters und das wohl bedeutendste Boden-Denkmal aus karolingischer Zeit in Franken.

Bereits vor über 1200 Jahren versuchte Kaiser Karl der Große, eine schiffbare Verbindung zwischen Nordsee und Schwarzem Meer herzustellen. Bei Treuchtlingen nähern sich die Flusssysteme von Donau und Main bis auf wenige Kilometer. Dort begann man mit dem Bau eines Kanals, der Fossa Carolina. Geotechnische Baugrundprobleme führten wahrscheinlich dazu, dass das Werk nicht vollendet wurde.
Die Europäische Talwasserscheide bei Treuchtlingen

Was zunächst wie ein normaler Brunnen wirkt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Unikat. Durch eine Pumpe kann man an diesem besonderen Brunnen selbst Wasser fördern. Das Wasser teilt sich dann nach links und rechts in zwei kleine Bäche auf.

Der linke Bach fließt nach Süden in die Altmühl, von dort in die Donau und schließlich ins Schwarze Meer. Der rechte Arm führt das Wasser über die Schwäbische Rezat in den Main, weiter in den Rhein und schlussendlich nach einer gut 1000 km langen Strecke in die Nordsee.


Um eine schiffbare Verbindung über die Europäische Wasserscheide zwischen den beiden Flusssystemen herzustellen, befahl Karl der Große den Bau eines Kanals von der Altmühl zur Rezat. Diese beiden Flüsse nähern sich beim Treuchtlinger Ortsteil Graben in einem Tal auf knapp drei Kilometer mit einem Höhenunterschied von weniger als zehn Metern. Mit großem Aufwand begann man im Jahre 793 mit den Arbeiten an der Fossa Carolina. Ob der Kanal je fertiggestellt oder genutzt wurde, ist ebenso umstritten wie seine Bauart. Heute sind bei der Ortschaft Graben von dem auf 3000 Meter geplanten Kanal eine etwa 350 Meter lange Wasserfläche und einige angrenzende Erdwälle erhalten.

Im dünn besiedelten Europa der folgenden Jahrhunderte verfolgte man keine ähnlichen Projekte mehr.

Der Ludwig-Main-Donau-Kanal

Der Ludwig-Donau-Main-Kanal (auch Ludwigskanal oder regional „Alter Kanal“ genannt) war im 19. und 20. Jahrhundert eine 172,4 km lange Wasserstraße zwischen der Donau bei Kelheim und dem Main bei Bamberg. Im weiteren Sinne war der zwischen 1836 und 1846 erbaute Kanal Teil einer schiffbaren Verbindung zwischen der Nordsee bei Rotterdam und dem Schwarzen Meer bei Constanța. Durch die Überquerung der Europäischen Hauptwasserscheide nahm das ehrgeizige Bauvorhaben eine besondere Stellung ein. 100 Schleusen, teilweise in den Flüssen Altmühl und Regnitz, bewältigten insgesamt einen Höhenunterschied von 264 Metern (80 m Aufstieg von der Donau und 184 m Abstieg zum Main). Nachfolger des 1950 aufgelassenen Kanals ist der 1960 bis 1992 errichtete Main-Donau-Kanal.
Zwischen Beilngries und Nürnberg ist der Ludwig-Donau-Main-Kanal im historischen Umfang und mit einigen Funktionen weitgehend erhalten. Er wurde 2018 von der Bundesingenieurkammer als Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst ausgezeichnet.
Anläßlich des 150-jährigen Jubiläums des Ludwig-Main-Donau-Kanals im Jahr 1996 war auf dem Schloßplatz in Neumarkt i.d.Opf. ein Schleusentor des Alten Kanals ausgestellt gewesen.
Der Main-Donau-Kanal (MDK) ist eine rund 171 Kilometer lange Bundeswasserstraße in Bayern, die den Main bei Bamberg mit der Donau bei Kelheim verbindet.

Der Kanal wurde zwischen 1960 und 1992 erbaut. Mit ihm entstand eine durchgehende Großschifffahrtsstraße (genannt Europakanal) zwischen der Nordsee bei Rotterdam und dem Schwarzen Meer bei Constanța (Rumänien), die über Rhein, Main und Donau verläuft. Deshalb wird der Kanal auch als Rhein-Main-Donau-Kanal (RMD-Kanal) bezeichnet. Zur Planungs- und Bauzeit war auch die Bezeichnung Großschifffahrtsstraße Rhein-Main-Donau üblich. Regional wird er zur Unterscheidung von seinem Vorgänger Ludwig-Donau-Main-Kanal oft einfach Neuer Kanal genannt. Die 17 Kilometer lange Scheitelhaltung, die das Mittelgebirge Fränkische Alb als die Europäische Hauptwasserscheide Rhein–Donau überquert, ist mit 406 m ü. NHN der höchste Punkt des europäischen Wasserstraßennetzes.
Als Gütertransportweg (besonders für Containertransporte) verliert der RMD-Kanal stetig an Bedeutung, dagegen ist er zunehmend Anziehungspunkt für Touristen und Flusskreuzfahrten. Verschiedene Veranstalter von Flusskreuzfahrten haben inzwischen den Kanal als attraktive Verbindungsstrecke entdeckt, die Kreuzfahrten von Basel oder Rotterdam / Amsterdam über Nürnberg (nach Duisburg zweitgrößter deutscher Binnenhafen) und Regensburg nach Wien und Budapest erlaubt.

Die Schwimmstrecke des Langdistanz-Triathlons Challenge Roth wird im Main-Donau-Kanal bei Hilpoltstein geschwommen. Der Schiffsverkehr pausiert während des Wettkampfes.
Axel Koenders (NL): Beim Ironman Europe in Roth stellte er 1988 mit seiner Siegerzeit von 8:13:11 Stunden einen neuen Weltrekord über die Langdistanz auf. Koenders gehörte in den 80-ern zu den weltbesten Triathleten.

Beim Bau des Main-Donau-Kanals wurden umgerechnet knapp 460 Mio. Euro für Ausgleichsmaßnahmen für die Natur ausgegeben.

Freitag, 20. August 2021

Unterwegs in Mittelfranken

Mittelfranken (Abkürzung Mfr) liegt im fränkischen Teil von Bayern und ist sowohl ein Bezirk als auch ein Regierungsbezirk. Es liegt im Nordwesten Bayerns und grenzt im Westen an Baden-Württemberg, im Süden und Südosten an die bayerischen Regierungsbezirke Schwaben und Oberbayern, im Osten an die Oberpfalz sowie im Nordosten bzw. Norden an Oberfranken und Unterfranken. Verwaltungssitz des Bezirks und gleichzeitig Sitz der Bezirksregierung ist Ansbach. Die größte Stadt ist Nürnberg. Der Name Mittelfranken bezieht sich wie bei Ober- und Unterfranken auf die Lage zum Main. Oberfranken liegt an dessen Oberlauf, Unterfranken am Unterlauf und Mittelfranken dazwischen. Diese Benennung geht zurück auf die Gründung des Mainkreises im Zuge der von Graf Montgelas 1808 verfassten Konstitution des Königreichs Bayern. Die Einteilung der Territorien wurde dem französischen Vorbild angeglichen und orientierte sich primär an Flussnamen.

Am Altmühlsee im Fränkischen Seenland


Der Altmühlsee ist ein Stausee rund 44 km (Luftlinie) südwestlich von Nürnberg im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen im bayerischen Mittelfranken. Er gehört mit mehreren großen Seen in der Umgebung zum Fränkischen Seenland.

Der Altmühlzuleiter ist ein etwa 4,7 Kilometer langer, in den 1970er Jahren entstandener, künstlicher Wasserlauf, mit dem bei Hochwasser in der Nähe der Ortschaft Gern bei Ornbau im Landkreis Ansbach der Altmühl Wasser entnommen und dem Altmühlsee nahe Streudorf bei Gunzenhausen im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen zugeführt wird. Der Zuleiter ist in der Regel gut 50 Meter breit und etwa zwei Meter tief. Altmühlzuleiter, Altmühlsee und Altmühlüberleiter dienen der Donau-Main-Überleitung. Bei normalem Wasserstand fließt das Wasser der Altmühl nicht durch den Altmühlsee, sondern wird in einem beim Bau des Sees neu angelegten Flussbett an diesem nördlich und östlich vorbeigeleitet. Der Altmühlzuleiter bildet die südliche Begrenzung der Wiesmet.

Unterwegs in Mittelfranken - In den Landkreisen Ansbach, Roth und Weißenburg-Gunzenhausen


Münster Heilsbronn (Mittelfranken, Landkreis Ansbach), Grablege der fränkischen Hohenzollern


Das Zisterzienserkloster Heilsbronn war einst ein bedeutendes geistliches und wirtschaftliches Zentrum in Franken. Mit der Weihe des Klosters im Jahre 1136 wurde es den Zisterziensern übergeben. Dieser Orden war nach dem Ursprungskloster Citeaux im Burgund benannt worden und wuchs vor allem dank der Persönlichkeit des Abtes Bernhard von Clairveaux im 12. und 13. Jahrhundert zum bedeutendsten Mönchsorden. 1132 bis 1139 wurde die Klosterkirche als romanische Basilika errichtet, danach jedoch bald gotisch umgestaltet und erweitert. Das Mittelschiff, das nördliche Seitenschiff, Teile des Querschiffs und der Choranlage sind vom romanischen Bau noch erhalten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Veränderungen, welche vor allem in der Barockzeit stattfanden, rückgängig gemacht. Der ursprüngliche Zustand wurde größtenteils wiederhergestellt. Die Grablegen mehrerer Kurfürsten von Brandenburg sowie Markgrafen von Ansbach befinden sich im Mittelschiff, welches noch Formen der Romantik zeigt.

Die Steinerne Rinne bei Rohrbach im Naturpark Altmühltal


Bei Rohrbach wuchs das Bachbett über seine Umgebung hinaus und es entstand ein eigentümlicher Kalktuffdamm, eine "Steinerne Rinne" von etwa 60 Metern Länge und bis zu 1,5 Metern Breite.

Die "Steinernen Rinnen" stellen eine geologische Besonderheit dar. Im Normalfall wird durch das fließende Wasser in der Regel Erdreich abgetragen. Bei der "Steinernen Rinne" geschieht jedoch genau das Gegenteil. Überwiegend an Waldhängen sammelt sich in unterirdischen Becken kalkreiches Wasser.

Eine Tonschicht verhindert das weitere Versickern. Sobald nun das Wasser an die Oberfläche tritt, bildet sich aus dem Sauerstoff der Luft und dem kohlensauren Kalk des Wassers der so genannte Kalktuff. Dieser überzieht dann Moose, Blätter und kleine Äste, wodurch im Laufe von vielen Jahren ein Damm gebildet wird. Auf diesem läuft in einer Rinne das kalkreiche Wasser des Bächleins dahin.

Steinerne Rinnen, auch wachsende Steine genannt, entstehen durch Kalkabscheidungen aus fließendem Wasser. Während sonst Kalktuffe meist flächig oder in breiten Wölbungen vorkommen, hat man es hier mit einer linearen, in Richtung des fließenden Wassers ziehenden Erhöhung zu tun. Gewöhnlich gräbt sich ein Bach durch die erosive Kraft des fließenden Wassers in sein Bett. Bei Steinernen Rinnen dagegen wird durch Kalkabscheidung das Bachbett erhöht.

Die Rinne befindet sich in einem Laubwald, der eine üppige Bodenflora aufweist wie Moose, Farne und zahlreiche Blütenpflanzen. Der Wasserlauf wird durch kleine Wasserfälle und Seen im Kleinformat unterbrochen. Am Rand der Rinne findet man Gräser und Feuchtigkeit liebende Blumen (z. B. Sumpfdotterblume). Die Rohrbacher Rinne entspringt über dem Ornatenton in einer Quellnische des unteren Weißjura. Das Bächlein verlässt nach ca. 20 m Lauf die Nische und fließt dann ca. 100 m auf einem Tuffdamm den Hang abwärts. Bei der Quelle handelt es sich um eine Überlaufquelle.

Die Steinerne Rinne ist als Naturdenkmal und vom Bayerischen Landesamt für Umwelt als Geotop 577R004 ausgewiesen. Das Gelände ist durch einen Holzsteg gut erschlossen. Bei der Steinernen Rinne überwindet der Limeswanderweg, ein Teilabschnitt des Deutschen Limes-Wanderwegs, den Trauf der Fränkischen Alb.

Solnhofen im Altmühltal


Sola-Basilika, Zwölf Apostel und Steinbrüche

Steine aus dem Altmühltal

Steine aus dem Altmühltal als Deko für den ländlichen Garten (Steine aus dem Altmühltal in unserem Pfälzer Garten - wir sammeln im Abraum der Steinbrüche).


Achtung, wichtiger Hinweis für alle "Stein-Fans":

Steine sammeln ist - außer im Fossilien-Steinbruch des Landkreises Eichstätt - nur und lediglich im Abraum und Abfall (außerhalb des Bruchs) aktiver und in Betrieb befindlicher Steinbrüche möglich. Das Betreten der Steinbrüche und die Mitnahme von Steinen aus dem Bruch selbst ist nicht gestattet. Hinweisschilder machen darauf aufmerksam. Und aus diesem Grund sind für die Sammler außerhalb diese "Schuttberge" mit Abfallsteinen quasi zum Bedienen "ausgelegt".

Der Karlsgraben bei Treuchtlingen - Die Fossa Carolina


Der Karlsgraben bei Treuchtlingen - Der erste Vorläufer des Main-Donau-Kanals - Die Fossa Carolina (auch der Karlsgraben genannt) war eine Verbindung zwischen Schwäbischer Rezat und Altmühl in Bayern.

Zwischen Altmühl und Rezat liegt beim Dorf Graben (Ortsteil von Treuchtlingen) eines der größten technischen Kulturdenkmäler des frühen Mittelalters: die FOSSA CAROLINA (Karlsgraben). Eine heute noch 500 Meter lange Wasserfläche und daran anschließende Erdwälle zeugen von dem ersten Versuch, die Flusssysteme von Rhein und Donau durch eine Wasserstraße zu verbinden.

Karl der Große ließ hier im Jahre 793 einen rund 3000 Meter langen Kanal ausheben, um bequem mit Schiffen in den Südosten seines Reiches fahren zu können und den Nachschub für das fränkische Heer zu sichern.

Der Karlsgraben wurde vom Bayerischen Umweltministerium als eines der 100 schönsten Geotope Bayerns ausgezeichnet.

Donnerstag, 19. August 2021

Impressionen aus Bayern (VI)

Hier scheiden sich Rhein und Donau: Europäische Talwasserscheide im Ortsteil Graben von Treuchtlingen im Altmühltal.

Bei der Europäischen Talwasserscheide versuchte bereits Karl der Große Rhein und Donau durch einen Kanal zu verbinden. Insofern ist der Karlsgraben sozusagen der erste Vorläufer des Main-Donau-Kanals. Das ambitionierte Projekt des frühen Mittelalters scheiterte wegen schwerer Regenfälle. Die Überreste sind beim Treuchtlinger Ortsteil Graben noch heute zu besichtigen.


Die Fossa Carolina (auch der Karlsgraben genannt) war eine Verbindung zwischen Schwäbischer Rezat und Altmühl in Bayern.

Zwischen Altmühl und Rezat liegt beim Dorf Graben (Ortsteil von Treuchtlingen) eines der größten technischen Kulturdenkmäler des frühen Mittelalters: die FOSSA CAROLINA (Karlsgraben). Eine heute noch 500 Meter lange Wasserfläche und daran anschließende Erdwälle zeugen von dem ersten Versuch, die Flusssysteme von Rhein und Donau durch eine Wasserstraße zu verbinden.

Karl der Große ließ hier im Jahre 793 einen rund 3000 Meter langen Kanal ausheben, um bequem mit Schiffen in den Südosten seines Reiches fahren zu können und den Nachschub für das fränkische Heer zu sichern.

Der Karlsgraben wurde vom Bayerischen Umweltministerium als eines der 100 schönsten Geotope Bayerns ausgezeichnet.

Münster Heidenheim am Hahnenkamm in Mittelfranken, Grablege der Heiligen Walburga


Walburga (auch Walburg, Waltpurde, Walpurgis, Walpurga, Valborg, in Frankreich Vaubourg, Falbourg, im normannischen Le Perche Gauburge) (* mutmaßlich um 710 im südenglischen Wessex; † mutmaßlich 25. Februar 779, nach anderen Quellen 780 in Heidenheim) war eine angelsächsische Benediktinerin und Äbtissin des Klosters Heidenheim. Walburga gilt als die Tochter des westsächsischen christlichen Königs im angelsächsischen Reich Richard von Wessex und wird von den meisten Quellen als eine Nichte des heiligen Bonifatius angesehen. In der katholischen und orthodoxen Kirche wird sie als Heilige verehrt.

Die Gründung des Klosters Heidenheim geht auf eine kraftvolle Welle des Aufbruchs im angelsächsischen Mönchtum zurück. Peregrinatio pro Christo – Wanderschaft um Christi Willen hieß das Motto, mit dem ganze Gruppen von Mönchen, aber auch Nonnen, im späten 7. und 8. Jahrhundert den sicheren Hafen ihrer heimischen Konvente verließen. Was zunächst als freiwillige Bußübung gedacht war, mündete schließlich in großangelegter Missionstätigkeit im damals noch überwiegend heidnischen Germanien. Unter der Regie des auch politisch geschickten Bonifatius, dem sog. "Apostel der Deutschen", wurden schließlich auch in Franken und Bayern Kirchenstrukturen nach römischem Vorbild eingepflanzt und Bistümer aufgebaut, 741/742 unter anderem in Eichstätt. Ein Netz neubegründeter Klöster sollte die Mission auf lokaler Ebene absichern.

Kloster Heidenheim war eines dieser fränkischen Urklöster. Die Anfänge des Hauses gehen auf den englischen Prediger, Mönch und Kirchenverwalter Wunibald zurück, der das Kloster im Jahre 752 mit Hilfe seines älteren Bruders Willibald, dem ersten Bischof von Eichstätt, als Missionszentrum gründete. Über sein Wirken als erster Abt ist wenig bekannt. Überliefert ist, dass er sich nicht nur mit den damals noch überwiegend heidnischen Bewohnern des Hahnenkamms herumgeschlagen hat, sondern offenbar auch heftig am Rheuma litt, weshalb er seinen Lebensabend am liebsten im italienischen Kloster Montecassino verbracht hätte. Er starb jedoch 761 in Heidenheim und wurde in der Klosterkirche begraben.

Damit kam seine Schwester Walburga zum Zuge, die aus dem südenglischen Kloster Wimborne stammte. Sie übernahm nicht nur die Leitung des Klosters Heidenheim, sondern wandelte es in ein Doppelhaus um. Diese in England populäre Klosterstruktur stellte auf dem Kontinent eine sensationelle, ja unerhörte Neuerung dar: Mönche und Nonnen lebten gemeinsam unter einem Dach – wenngleich auch räumlich fein säuberlich voneinander getrennt –, und zwar unter dem Kommando einer Frau! Als Vorsteherin dieses bedeutenden Doppelklosters, welches im übrigen das erste und für lange Zeit überhaupt einzige Doppelkloster auf dem Kontinent gewesen ist, hat sich Walburga einen hervorragenden Namen erworben. Fast 30 Jahre lang organisierte sie den Klosterbetrieb und behauptete sich dabei auch gegen Machtansprüche der männlichen Klosterfraktion. Sie kümmerte sich nicht nur um die spirituellen und ganz irdischen Bedürfnisse ihrer gemischten Gemeinschaft, wie Seelsorge, Bildung, Behausung, Kleidung, täglich Brot und Krankenpflege, sondern organisierte darüber hinaus auch den Missionsbetrieb und das religiöse Leben in der Region. Wie ihre "Kolleginnen" in den frühen Doppelklöstern Englands, dürfte auch Walburga aktiv in der Außenwelt ihres Klosters zugange gewesen sein und umfassende Kontakte zu kirchlichen und weltlichen Machtinstanzen unterhalten haben. Diese Möglichkeiten wurden jedoch im Zuge der karolingischen Reform grundlegend beschnitten, als den Nonnen ein hinfort viel strengeres und hinter Klostermauern abgeschirmtes Leben verordnet wurde.

Etwa zehn Jahre nach ihrem Tod – Walburga starb 788 oder wenig später in Heidenheim, wo sie beigesetzt wurde – löste der Eichstätter Bischof Geroh das Doppelkloster kurzerhand auf, um es sodann in ein Stift für Säkularkanoniker umzuwandeln. Ein Teil des Klosterbesitzes scheint dabei in die Tasche des Bischofs und den Neubau des Eichstätter Doms geflossen zu sein. Über die in Heidenheim ansässigen Weltgeistlichen ist kaum etwas überliefert. Diese häufig aus dem Adel stammenden Herren unterstanden dem Bischof. Sie hatten kein Ordensgelübde abgelegt, waren also auch nicht zur Armut verpflichtet. Theoretisch sollten sie sich um die Seelsorge kümmern.

In diese Zeit der Stiftskanoniker fällt die Hebung und Überführung der Gebeine Walburgas. Die Heilige ruhte ursprünglich vermutlich an der Stelle des heutigen Walburga-Grabmals, wo sie die ersten 90 Jahre nach ihrem Tod offensichtlich keine besondere Beachtung fand. Beim Bau der neuen Stiftskirche ab 870 stieß man nun auf ihr Grab. Die Knochen wurden geborgen und an einem 21. September, irgendwann im Zeitraum zwischen 870 und 876, vom Bischof Otger mit viel Aufheben nach Eichstätt gebracht. Um diesen Reliquienraub zu rechtfertigen, wurde dann recht schnell eine Wundergeschichte in Umlauf gebracht: Sie erzählt davon, wie die Bauarbeiter achtlos mit ihren dreckigen Schuhen auf dem Grab Walburgas herumgetrampelt seien und sich die Heilige für diese Respektlosigkeit unverzüglich mit einem Mauereinsturz gerächt habe. Dieses Zeichen veranlaßte den damaligen Eichstätter Bischof, sie an einen würdigeren Ort zu überführen: Eichstätt, wo die Gebeine bis heute in einer eigenen Gruftkapelle des Benediktinerinnenklosters St. Walburg verehrt werden. Die außerordentlichen Wunderzeichen, die sich bei der Überführung ihrer Reliquien ereigneten, und vor allem die Wunder um das Walburgis-Öl – jener heilsamen Flüssigkeit, die sich beim Grab der hl. Walburga sammelt – haben für eine fast explosionsartige Ausbreitung der Walburga-Kultes in weiten Teilen des Reiches gesorgt.

Unweit: Die Steinerne Rinne von Wolfsbronn am Hahnenkamm

Samstag, 12. Mai 2018

Der Karlsgraben bei Treuchtlingen


Dieser Brunnen beim Treuchtlinger Ortsteil Graben steht an der südlichsten Stelle der europäischen Hauptwasserscheide. Der linke Ausfluß ergießt sich in den Karlsgraben, den ersten Versuch Karls des Großen vor über tausend Jahren, Rhein und Donau zu verbinden, und somit ins Schwarze Meer. Der rechte, nördliche, Ausfluß leitet sein Wasser in die Rezat und über Rednitz, Regnitz, Main und Rhein nach rund 1.000 Kilometern in die Nordsee.

Der Karlsgraben beim Treuchtlinger Ortsteil Graben ist der erste Vorläufer des Rhein-Main-Donau-Kanals. Hier versuchte bereits Karl der Große Altmühl und Rednitz, und damit Rhein und Donau, zu verbinden. Das ambitionierte Projekt des frühen Mittelalters scheiterte an den damaligen Witterungsverhältnissen, denn dauernde schwere Regenfälle verschütteten immer wieder den ausgehobenen Kanal.

Der Karlsgraben wurde vom Bayerischen Umweltministerium als eines der 100 schönsten Geotope Bayerns ausgezeichnet.


Neuere wissenschaftliche Untersuchungen belegen nun, dass der Kanal wohl tatsächlich in Betrieb gewesen ist.



Seine geheimnisvolle Geschichte machen den Karlsgraben zu einem touristischen Muss, das natürlich auch in den Reiseführern gerne präsentiert wird.


Und hier findet man ihn:



Montag, 25. Dezember 2017

Am ersten Weihnachtstag des Jahres 800: Karl der Große wird zum Kaiser gekrönt


Bilder: Kloster Lorsch - Das Kloster Lorsch war eine Benediktinerabtei in Lorsch im südhessischen Kreis Bergstraße in Deutschland. Es wurde 764 gegründet und war bis zum hohen Mittelalter ein Macht-, Geistes- und Kulturzentrum. Es ist heute UNESCO-Weltkulturerbe. Die Torhalle des ehemaligen Klosters Lorsch ist wahrscheinlich der älteste erhaltene Bau Deutschlands aus karolingischer Zeit.

 

Es ist der Weihnachtsmorgen des Jahres 800. Wie jedes Jahr waren auch jetzt wieder unzählige Gläubige zur Papstmesse in die Basilika am Grab des Heiligen Petrus zusammen gekommen. Doch in diesem Jahr war der wohl mächtigste Herrscher Europas unter ihnen. Der Franken- und Langobardenkönig Karl nahm am Weihnachtsgottesdienst teil. Während der Weihnachtsmesse geschah etwas Denkwürdiges. König Karl kniete am Altar nieder und als er aufstand setzte ihm Papst Leo der Dritte die Kaiserkrone aufs Haupt, während das Volk ihm zujubelte. Mit dieser Zeremonie war aus dem König der Franken ein römischer Kaiser geworden, dessen Machtbereich sich über weite Teile Europas ausbreitete.

Neben Kloster Lorsch gehören auch die Reste der Sola-Basilika in Solnhofen im Altmühltal zu den erhaltenen architektonischen Zeugnissen aus der Zeit Karls.


Unweit, bei Treuchtlingen, versuchte er erstmals eine schiffbare Verbindung zwischen Nordsee und Schwarzem Meer zu errichten. Die Reste des Karlsgrabens, der Fossa Carolina finden wir noch heute.

Der Karlsgraben bei Treuchtlingen - Der erste Vorläufer des Main-Donau-Kanals - Die Fossa Carolina (auch der Karlsgraben genannt) war eine Verbindung zwischen Schwäbischer Rezat und Altmühl in Bayern.


Der Karlsgraben bei Treuchtlingen war der ambitionierte Versuch Karls des Großen Rhein und Donau bereits im frühen Mittelalter durch eine Wasserstraße zu verbinden. Das Projekt scheiterte an den damaligen Witterungsverhältnissen.

Verwandter Artikel: Die Missionare Frankens