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Samstag, 28. April 2018

Deutschlands berühmtester Pirat: Klaus Störtebeker

Er war mit Gewißheit der berühmteste deutsche Pirat: Klaus Störtebeker, hingerichtet am 20. Oktober 1401 in Hamburg. Er war neben den berüchtigten Kapitänen Gödeke Michels, Hennig Wichmann, Klaus Scheld und Magister Wigbold einer der Anführer der auch als Likedeeler (niederdeutsch: Gleichteiler) bezeichneten Vitalienbrüder.

Die Herkunft Störtebekers ist nicht bekannt. Es wird vermutet, dass er aus der Gegend von Rotenburg (Wümme)/Verden (Aller) stammt, anderen Meinungen zufolge stammt er aus Wismar. Im Liber proscriptorum, dem „Verfestungsbuch“ der Stadt Wismar, ist im Jahre 1380 ein Vorfall festgehalten, wonach zwei Wismarer Bürger aus der Stadt gewiesen wurden, weil sie einem anderen in einer Schlägerei verschiedene Knochenbrüche zugefügt hatten. Der Betroffene der Auseinandersetzung wird als "nicolao stortebeker" bezeichnet. Es spricht einiges dafür, dass dieser Nikolaus Störtebeker später als Klaus Störtebeker in die Geschichte einging.

Angeblich hat sich der Freibeuterkapitän den Namen Störtebeker (aus dem Niederdeutschen von „Stürz den Becher“) wegen seiner Trinkfestigkeit als Spitznamen verdient. So soll er einen 4-Liter-Humpen (einen ellenhohen Becher) Wein oder Bier in einem Zug leergetrunken haben.

Ins öffentliche Bewußtsein trat Störtebeker nach der Vertreibung der Vitalienbrüder von Gotland als Kapitän der Likedeeler. Dort hatten die Vitalienbrüder, die sich als Freibeuter selbstständig gemacht hatten, von 1394 bis 1398 Schutz hinter den Mauern der Stadt Visby gesucht. Ursprünglich unterstützten sie König Albrecht von Schweden im Kampf gegen die dänische Königin Margarethe I. und betrieben dazu auch Seeräuberei in Nord- und Ostsee. Den Übergriffen auf die Schiffe der Dänen und Lübecker, die auf dänischer Seite standen, folgten bald Überfälle auf andere Schiffe der Hanse. Hierfür hatten die Vitalienbrüder Kaperbriefe erhalten. Damit konnten sie die erbeuteten Waren in Wismar frei auf dem Markt verkaufen.


Seit 1396 hatte Störtebeker auch Unterstützung in Marienhafe, Ostfriesland, wo er eine Tochter des friesischen Häuptlings Keno ten Broke geheiratet haben soll. Zugleich soll ihm in der Kirche St. Marien Unterschlupf gewährt worden sein, weshalb der Kirchturm "Störtebekerturm" genannt wird. Am 15. August 1400 beurkundete Herzog Albrecht I. von Bayern und Graf von Holland und Hennegau einen mit den Vitalienbrüdern geschlossenen Vertrag. Diesem zufolge nahm er 114 Vitalienbrüder auf und stellte sie unter seinen Schutz. Diplomatischer Druck seitens der Hansestädte führte zum Verlust dieser Operationsbasis.

Ein bayerischer Herzog stellt im hohen Norden einen Schutzbrief aus? Ja, wie das denn?

Nun, das hat etwas mit dem Herzogtum Straubing-Holland zu tun.


Das wittelsbachische Teilherzogtum Straubing-Holland (auch Niederbayern-Straubing-Holland, Niederbayern-Straubing, Bayern-Straubing-Holland oder Bayern-Straubing) umfasste Teile des heutigen Niederbayern und der östlichen Oberpfalz sowie die niederländischen Grafschaften Hennegau, Holland, Zeeland und Friesland. Es bestand von 1353 bis 1425/29 und wurde von Straubing und Den Haag aus regiert. Das Herzogtum entstand in der Folge der wittelsbachischen Erbteilungen nach dem Tod des römisch-deutschen Kaisers Ludwigs des Bayern und zerfiel, als die Straubinger Linie im Mannesstamm ausstarb. Unter der Herrschaft der Herzöge von Straubing-Holland, die durch Ehebündnisse mit allen bedeutenden Nachbarn verbunden waren, wurde die Grundlage der niederländischen See- und Handelsmacht gelegt.

Auf der Störtebekerstraße

Für den Autofahrer bieten sich reizvolle Touren auf der „Störtebekerstraße“ an. Sie führt von der Wesermündung über Wilhelmshaven, Norden, Emden und Leer an der Küste entlang.


Mittwoch, 7. Februar 2018

Schillig. Kirche am Meer


Kirche am Meer

Sankt Marien in Schillig - In der friesischen Diaspora hat die katholische Kirchengemeinde Schillig ein beeindruckendes Gotteshaus erbaut. Neben der modernen architektonischen Form verfügt die Kirche auch über eine beeindruckende Akkustik. Das Kruzifix und die Madonna sind Dauerleihgaben des Freilichtmuseums Cloppenburg.


Kirche am Meer - Die katholische Kirche Sankt Marien in Schillig - Seit Einführung der Reformation in der Herrschaft Jever im 16. Jahrhundert waren alle Kirchen des Wangerlands evangelisch. 1824 wurde in Jever wieder eine katholische Kirche gebaut. Nach Schillig kam eine nennenswerte Zahl von Katholiken erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als viele Heimatvertriebene in den ehemaligen Marinekasernen Unterkunft fanden. In den folgenden Jahren gewann der Tourismus immer größere Bedeutung. Der 1954 gegründete Campingplatz am Deich entwickelte sich in den 1970er Jahren zum größten Zeltplatz an der Nordseeküste mit 1.500 Stellplätzen.

Für die kleine katholische Ortsgemeinde, vor allem aber für die Urlauber wurde 1967 in unmittelbarer Nachbarschaft zum Campingplatz von dem Cloppenburger Architekten Gerd Rohling die erste Marienkirche gebaut. Die Baumaterialien hielten den rauen klimatischen Bedingungen jedoch nicht stand; 2008 wurde ein Bedarf von 1,6 Millionen Euro allein für die Bauerhaltung festgestellt. So fiel auf Bistumsebene die Entscheidung, an dem exponierten und viel besuchten Ort einen einladenden Neubau in Angriff zu nehmen. Der Grundstein wurde nach Abriss der alten Kirche im Herbst 2010 gelegt. Die Baukosten werden auf 4,7 Millionen Euro beziffert, ein großer Teil davon für die aufwendige Fundamentierung im weichen und feuchten Untergrund. Zur Finanzierung trugen das Bonifatiuswerk sowie zahlreiche Einzelspender bei. Die neue Marienkirche aus dunklem Backstein wurde von den Kölner Architekten Ulrich und Ilse Maria Königs entworfen. Der Grundriss hat die Form eines lateinischen Kreuzes, das jedoch nicht rechtwinklig, sondern gerundet umschrieben ist. Dadurch sind die Wandflächen wellenförmig rhythmisiert. Das Motiv der Welle kehrt in der Dachkonstruktion wieder, die an anrollende und aufbrandende Meereswogen erinnert. Das Dach gibt durch große Glasflächen den Blick zum Nordseehimmel frei. Der helle Innenraum ist vom Kontrast der weißen geschwungenen Wände zum dunklen Steinfußboden mit Spuren fossiler Meerestiere geprägt. Die sandfarbenen Bänke sind im Halbkreis auf den Altar hingeordnet. Die dreieckig an den Hauptraum angefügte Marienkapelle, in deren Spitze das Marienbild steht, lädt zur Einzelandacht ein. 2014 erhielten die Architekten Ilse und Ulrich Königs sowie das Bauwerk den Fritz-Höger-Preis für Backstein-Architektur in Silber in der Kategorie Öffentliche Bauten. 2015 wurde der Kirchenbau für seine besondere Architektur mit dem Preis der Oldenburgischen Landesbank für Architektur und Ingenieurbau ausgezeichnet.

Karte:


Dienstag, 12. Dezember 2017

Rodalben


Das Gräfensteiner Amtshaus

Rodalben ist eine Stadt im rheinland-pfälzischen Landkreis Südwestpfalz und Sitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde. Mit über 7.000 Einwohnern ist sie die größte Kommune des Landkreises. Rodalben ist ein staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort. Rodalben wurde vermutlich als Siedlung des keltischen Stammes der Mediomatriker gegründet und später nach dem Fluss benannt. Als alb bezeichneten die Kelten Flüsse oder Bäche. Namensbestandteil Rod, zeitweise auch Roth, geht darauf zurück, dass in den Tälern durch das Roden (Rotten) der Wälder weite Wiesen- und Ackerflächen angelegt wurden.

1237, im Mittelalter, wurde Rodalben erstmals urkundlich als Meyerhof erwähnt. Es war über Jahrhunderte eine bäuerlich geprägte Ansiedlung, die zusammen mit Burg Gräfenstein bei Merzalben den Grafen von Leiningen gehörte. Um das Jahr 1360 dürfte die erste Pfarrkirche in Rodalben erbaut worden sein. Davon zeugen der noch erhaltene romanische Turm und der mit Fresken reich geschmückte gewölbte Chor.


Die Anfänge der Marienkirche liegen in romanischer Zeit um das 11./12. Jahrhundert. Das heutige Erscheinungsbild ist spätgotisch (14. Jahrhundert), die Wand- und Deckenmalereien stammen aus dieser Zeit. Der Turm wurde im 18. Jahrhundert erhöht und mit einem spitzen Helm bedacht.


An der Marienkirche erinnert die Brunnenanlage „Grünesputschfrau“ daran, dass einst Frauen aus Rodalben gebundenes Suppengrün auf dem Markt von Pirmasens verkauften.

 


"Rätsel" nennt sich diese Plastik links im Bild.

Das Gebäude der VR-Bank im Hintergrund steht an der Stelle der "alten Juddeschul", eines jüdischen Betsaales und einer Schule. Das originale Gebäude wurde abgebrochen.

In Rodalben bestand eine jüdische Gemeinde bis 1937 zur staatliche Auflösung. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./18. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden Juden 1581 genannt. Nach 1745 nahmen die Juden Rodalbens (Sitz der Grafschaft Gräfenstein, die zur Markgrafschaft Baden-Baden gehörte) den badischen Landesrabbiner Natanael Weil als ihren religiösen und geistigen Führer an. Nachdem 1776 Rodalben zur Markgrafschaft Baden-Durlach kam, wohnten einige Zeit keine Juden mehr am Ort. Im 19. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Einwohner zu. 1802 wurden in Rodalben und dem benachbarten Petersberg zusammen 100 jüdische Einwohner gezählt, die Mehrzahl wohl in Petersberg, da 1823 in Rodalben selbst nur 49 jüdische Personen lebten. 1809/10 werden folgende jüdischen Familien in Rodalben (vermutlich mit Petersberg) genannt: Herz Bauer (Kurzwarenhändler), Samuel Bauer (Kurzwarenhändler), Benedikt Baer, Jacques Joseph, Lion Joseph (Kurzwarenhändler), Levi Keim, Meyer Hirsch (Kaufmann), Isaac Neuberger. Die Zahl jüdische Einwohner stieg im Laufe der folgenden Jahrzehnte auf 66 (1836/37) und 93 (1848, in 19 Familien), um danach durch Aus- und Abwanderung langsam zurückzugehen: 1875 90, 1900 80 jüdische Einwohner.

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine jüdische Elementar-/Religionsschule, ein rituelles Bad sowie einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die israelitische Schule bestand von 1869 bis 1937.


Montag, 18. September 2017

Rodalben in der Südwestpfalz


Rodalben liegt im südwestlichen Pfälzerwald in der Talaue der Rodalb einige Kilometer oberhalb der Mündung des kleinen Flusses in den Schwarzbach. Die Stadt Pirmasens, zugleich Verwaltungssitz des Landkreises Südwestpfalz, ist 5 km entfernt.


Rodalben 18-09-2017 von franz-roth-tv

An der Marienkirche erinnert die Brunnenanlage „Grünesputschfrau“ daran, dass einst Frauen aus Rodalben gebundenes Suppengrün auf dem Markt von Pirmasens verkauften.


Geburtshaus von Dr. Johann Peter Frank (1745–1821), Leibarzt des russischen Zaren Alexander I. und Napoleons.




Dienstag, 18. Oktober 2016

Fresken aus der Zeit um 1300 - In der Pfalz und in Bayern


Sie stammen in etwa aus der gleichen Zeit, um das Jahr 1300, und sie haben in der Art der Darstellung eine frappante Ähnlichkeit: Die Fresken in der Marienkirche in Rodalben in der Pfalz und diejenigen im Chor von Sankt Vitus in Kottingwörth im Altmühltal (Bayern).