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Donnerstag, 24. März 2022

Impressionen einer Frühlingsreise nach Pannonien (Teil 2)

Eisenstadt, die Hauptstadt des Burgenlandes - Eisenstadt (bairisch-österreichisch Eisnstod ausgesprochen, ungarisch Kismarton ‚Klein-Martin‘, kroatisch Željezno, romani Tikni Marton oder Srasta, hebräisch Asch) ist die Landeshauptstadt des Bundeslandes Burgenland in Österreich. Eisenstadt ist eine Freistadt. Die Stadt liegt am Fuße des Leithagebirges und ist mit ihren 14.895 (Stand 1. Jänner 2021) Einwohnern die kleinste Landeshauptstadt in Österreich. Eisenstadt liegt am südlichen Fuße des Leithagebirges auf einer allmählich zur Wulkaebene abfallenden Terrasse.

Geschützt von dem bis über 400 m emporragenden Kamm des Leithagebirges, der von dichten Laubwäldern bedeckt ist, reifen auf den klimatisch günstigen Hängen Weintrauben, Marillen, Pfirsiche und Mandeln. Soweit das Auge reicht, ist alles mit Weinreben bepflanzt, die auch die Stadt von allen Seiten umsäumen.


Um die ungarische Adelsfamilie Esterházy für das Haus Habsburg einzunehmen, wurde sie 1648 vom römisch-deutschen Kaiser Ferdinand III. in seiner Funktion als König von Ungarn unter anderem mit der Region Eisenstadt belehnt und 1687 von seinem Nachfolger Leopold I. in den Reichsfürstenstand erhoben. Das Fürstengeschlecht wandelte durch rege Bautätigkeit das Bild der Stadt nachhaltig.

Die Familie Esterházy entwickelte sich bald zu einer der reichsten Adelsfamilien Mitteleuropas und hatte zahlreiche Schlösser zur Auswahl. Sie entschied sich für Eisenstadt als fürstlichen Hauptsitz, baute die frühere Wehrburg zum repräsentativen Schloss um und pflegte eine sehr aufwändige, eindrucksvolle Hofhaltung, die sogar zu Besuchen von Kaiserin Maria Theresia führte. Mit der Bestellung von Joseph Haydn zum fürstlichen Hofkapellmeister in den 1760er Jahren begann hier eine 30 Jahre anhaltende Glanzzeit des Kunstlebens.

Das Schloss Esterházy ist als einstige Fürstenresidenz ein Wahrzeichen der burgenländischen Landeshauptstadt Eisenstadt. Es ist im Besitz der Esterházy Privatstiftung.

Die römisch-katholische Bergkirche Eisenstadt (auch als Haydnkirche oder Kalvarienbergkirche bekannt) steht im Stadtteil Oberberg-Eisenstadt der Gemeinde Eisenstadt im Burgenland. Sie ist dem Fest Mariä Heimsuchung geweiht.

Bekannt ist die Kirche für den benachbarten „Kalvarienberg“, einen Wallfahrtsort, der sein Vorbild im Kalvarienberg Maria Lanzendorf hat. Die Bergkirche wird nach Joseph Haydn (1732–1809) auch „Haydnkirche“ genannt. Haydn hat unweit im Schloss Esterházy große Teile seines Lebens als Komponist und Kapellmeister gewirkt. Seit dem Jahr 1932 befindet sich in der Bergkirche das Haydn-Mausoleum, in dem der Sarg des Komponisten Joseph Haydn steht.

Den Stadtteil Unterberg charakterisieren das ehemalige jüdische Viertel und der alte jüdische Friedhof.

Schloß Halbturn, Sommersitz der Habsburger

Das Schloss Halbturn ist eine barocke Schlossanlage in Halbturn im burgenländischen Bezirk Neusiedl am See, östlich des Neusiedlersees.


Das Schloss wurde 1701 bis 1711 von Johann Lucas von Hildebrandt als Jagdschloss für Kaiser Karl VI. erbaut. Unter seiner Tochter Maria Theresia wurde es vom Hofbaumeister Franz Anton Hillebrandt umgebaut und wurde der Sommersitz von Albert von Sachsen-Teschen und Erzherzogin Marie Christine als Statthalter in Ungarn. Aus dieser Zeit stammen auch Fresken von Franz Anton Maulbertsch, darunter das Deckenfresko “Allegorie der Zeit und des Lichtes”, das als Hochzeitsgeschenk für Erzherzogin Marie Christine 1765 angefertigt wurde.

1945 wurde das Schloss von russischen Besatzungssoldaten ausgeplündert, 1949 brannte es ab, wobei nur der Mittelteil des Hauptgebäudes gerettet werden konnte. Erst nach und nach erfolgte die Rekonstruktion.

Das Schloss war seit 1955 in Besitz von Baron Paul Waldbott-Bassenheim, der es an die Landesregierung verpachtet hatte. Der Betrieb inklusive Weinbau und Weinkellerei wird seit dem Tod Waldbott-Bassenheims 2008 von dessen Neffen und Adoptivsohn Markus Königsegg-Aulendorf, und dessen Gattin Philippa, geborene Waldburg-Zeil-Hohenems bewirtschaftet. Die Räume im Schloss werden auch als Ausstellungsort und für die Halbturner Schlosskonzerte genutzt. Das Schloss steht unter Denkmalschutz und wird in der Österreichischen Kulturgüterliste (laut Haager Abkommen) geführt.

Tschardaken bei Halbthurn im Burgenland - Eine Tschardake ist eine Maisdarre, eine Einrichtung zum Trocknen und Aufbewahren von Maiskolben. Der Name rührt her von ihrer Ähnlichkeit mit den hölzernen Grenzwachtürmen aus der Zeit der österreichisch-türkischen Militärgrenze, die auch als Tschardaken bezeichnet wurden.
In Sankt Margarethen fand das wahrscheinlich weltweit erste Bildhauersymposion statt.

Die Geschichte der Bildhauersymposien ist sehr jung. Das 1. Internationale Bildhauersymposium in Sankt Margarethen 1959 wird als Anfangspunkt der Arbeitsform betrachtet.


Karl Prantl, der „Vater“ der Symposiumsbewegung, schrieb um 1959: „An uns Bildhauer selber gedacht, ist es so, dass wir durch die Erfahrungen von St. Margarethen, durch dieses Hinausgehen in den Freiraum – in den Steinbruch, auf die Wiesen – wieder frei wurden. Um dieses Freiwerden oder Freidenken in einem ganz weiten Sinn ging es. Für uns Bildhauer ist der Stein das Mittel, um zu diesem Freidenken zu kommen – zum Freiwerden von vielen Zwängen, Engen und Tabus.“

Die Skulpturen, die in den 1960er und 1970er Jahren in St. Margarethen entstanden sind, blieben vor Ort. Aufgestellt in einem heutigen Naturschutzgebiet, von dem man zum Neusiedler See hinunterblicken kann, bilden die bearbeiteten Steine - am Rande des Steinbruchs, in dem heute eine Opernbühne ist - einen weitläufigen Skulpturenpark, der jedem zugänglich und doch vielen nicht bekannt ist.

Donnerstag, 7. Oktober 2021

Busenberg im Pfälzerwald

Die Ruine der Burg Drachenfels ist der Rest einer Felsenburg im Südteil des Pfälzerwalds, dem deutschen Teil des Wasgaus (Rheinland-Pfalz). Vielleicht die typischste Felsenburg im Wasgau ist der Drachenfels - sozusagen ein aus dem Buntsandstein herausgewachsenes Gesamtkunstwerk. Die Anfänge der Burg sind weitgehend ungeklärt, sie wurde wohl um 1200 erbaut. Im Jahr 1335 wurde die Festung von der Freien Reichsstadt Straßburg zerstört. Im weiteren Verlauf wurde sie Ganerbenburg mit zeitweise über 20 gleichzeitigen Besitzern. Der Fürstenbund zerstörte die Burg 1523 im Kampf gegen Franz von Sickingen. Nach Sickingens Niederlage und seinem Tod auf Burg Nanstein bei Landstuhl Anfang Mai 1523 gegen die verbündeten Heere dreier Reichsfürsten rückten diese auch gegen den Drachenfels vor. Die Burg wurde angesichts der gewaltigen Übermacht vom Burgvogt, der mit lediglich acht Knechten in der Burg anwesend war, kampflos übergeben. Dennoch wurde die Burg am 10. Mai 1523 von den Siegern endgültig zerstört und ihr Wiederaufbau untersagt.


Die Burg ist von Busenberg aus über eine befestigte Straße anzufahren, die bis zur Drachenfelshütte des Pfälzerwald-Vereins führt. Von dort aus sind die letzten 200 m zur Burg zu Fuß zurückzulegen. Und zur Einkehr bietet sich der Weissensteiner Hof an.

https://www.weissensteinerhof.de/


Der höchstgelegene Teil des Burgfelsens wurde zum Bergfried ausgebaut. Wegen seines heutigen Aussehens wird der Turmrest im Volksmund „Backenzahn“ genannt; er macht die Ruine zu einer der auffälligsten Burgen in Rheinland-Pfalz.

Der Name der Burg könnte von dem Bild eines Drachens herrühren, das in die Sandsteinwand des ehemaligen Rittersaals eingraviert ist. Da allerdings unbekannt ist, wann es angefertigt wurde, besteht auch die Möglichkeit, dass mit dem Drachenbildnis auf den bereits existierenden Namen der Burg Bezug genommen wurde.

Die bescheidenen Reste der Burg im östlichen Bereich werden dominiert vom Backenzahn, dem Bergfriedrest im Osten. Auf dem Felsen sind nur wenige originale Mauerzüge erhalten. Gleichwohl vermittelt ein Aufstieg durch die teilweise in den Fels geschlagenen Aufgänge einen Eindruck von der Wehrhaftigkeit der Anlage. Auf dem Plateau des ehemaligen Bergfrieds finden sich Reste einer Zisterne. In den Fels geschlagene Kammern, Balkenlöcher und Abarbeitungen an dem Sandsteinfelsen belegen, dass er einst fast komplett von Fachwerk- oder Steingebäuden umgeben war.

Wesentlich mehr Bausubstanz ist von der Unterburg und der Toranlage erhalten. 1903 wurde bereits der Torturm durch zwei Rundbogenportale ergänzt. Reste von zwei weiteren Türmen, einer kleinen Zwingeranlage sowie Mauern und Gebäuden sind seit 1990 Schwerpunkt von Erhaltungs- und Ausgrabungsmaßnahmen der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz.

Wohl in der Spätzeit der Burg wurde der etwas niedriger gelegene westliche Burgfelsen ebenfalls bebaut. Ursache für solche Erweiterungen sind gewöhnlich Veränderungen im Besitz der Burgen, etwa bei Umwandlung des ursprünglichen Lehens in eine Ganerbschaft. Auf dem ehemals bebauten Westfelsen sind jedoch keine Mauern mehr erkennbar, er ist auch nicht zugänglich. Teile des Aufgangs sowie einer Wachstube an der Südseite des Felsens sind erhalten.

Die Anlage auf dem westlichen Felsen verfügte über eine separate kleine Unterburg und eine eigene Toranlage südöstlich des Burgfelsens, von der Reste eines Flankierungsturms mit Maulscharten erhalten sind. Bei der Anlage der Burggebäude auf dem westlichen Burgfelsen wurde der ehemalige Halsgraben mit einem mehrgeschossigen Gebäude überbaut. Von diesem sind lediglich die Balkenlöcher vorhanden, von denen mehrere das in den Fels geritzte ältere Drachenbild durchschlagen. Nach Norden wurde der Hof durch eine halbrunde Mauer abgeschlossen. Der Westfels kann nur von geübten Kletterern bestiegen werden.

Der jüdische Friedhof in Busenberg

Der Busenberger Judenfriedhof an der Bundesstraße in Richtung Bad Bergzabern liegt so weit von der Gemeinde weg, dass man den Kirchturm vom Friedhof aus nicht sehen konnte. Die Gesichter der Toten lagen in Richtung Osten, damit sie den Messias, wenn er aus Jerusalem kommt, sofort sehen können. Außerdem haben die Toten das bleibendes Ruherecht. Die Friedhöfe waren umfriedet und dürfen nicht mit Blumen geschmückt werden. Stattdessen legen die Juden Steine auf die Grabsteine. In Busenberg wurden z.T. jüdische Grabsteine von Christen für den Häuserbau gestohlen.


Der Friedhof wurde 1824 angelegt. Das Grundstück wurde vom Benjamin Lefy am 27. März 1824 zur Anlage des Friedhofes erworben. Er war über 150 Jahre zentrale Begräbnisstätte der vier jüdischen Gemeinden in den Wasgaudörfern Busenberg, Dahn, Erlenbach und Vorderweidenthal. Zunächst hatte der Friedhof eine Größe von 18,66 ar. 1877 und 1885 wurde er nach Westen hin auf seine heutige Größe erweitert. Es sind etwa 285 Grabsteine erhalten, die in 25 Reihen aufgestellt sind. In der NS-Zeit war die letzte Beerdigung die von Jakob Samuel aus Erlenbach im Juni 1939. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden im Dezember 1951 Simon Levy aus Dahn und im September 1958 seine Frau Sarah auf dem Friedhof beigesetzt. Bislang letzte Beisetzungen waren 1979 (Siegbert Lemberger aus Dahn), 2011 (Johanna Levy geb. Cohen) und 2016 (Karl-Heinz Levy, Ehemann von Johanna geb. Cohen).

Waren die Inschriften auf den Grabsteinen ursprünglich nur auf hebräisch, so werden sie im 19. Jhd. zweisprachig. Später trifft man sogar rein deutsche Inschriften an - ein Zeichen der kulturellen Assimilation der deutschen Juden. Zur leichteren Pflege des Friedhofs wurden in Busenberg die Gräbereinfassungen entfernt.

Der Friedhof gilt als einer der schönstgelegenen jüdischen Friedhöfe der Pfalz. Die Fläche umfasst 25,80 ar. Der Friedhof wurden mehrfach geschändet, teilweise völlig verwüstet, sodass so gut wie alle Grabsteine - soweit sie noch erhalten sind - schwere und schwerste Beschädigungen zeigen.

Die Mikwe in Busenberg

Ein Beispiel für den respektlosen Umgang mit jüdischem Erbe: Oktober 2017: Das Mikwe-Häuschen in Busenberg wurde abgebrochen. Seit 1998 hat der Dahner Heimatforscher Otmar Weber immer wieder an die Politik in Gemeinde und Kreis appelliert, das Mikwehäuschen in Busenberg dauerhaft zu erhalten, unter anderem in seinem im Januar 1998 erschienenen Buch "Die Synagogen der Pfalz von 1800 bis heute". Weber wies darauf hin, dass es bei diesem Mikwehäuschen um das pfalzweit einzige im Original erhaltene Gebäude über einem jüdischen Ritualbad handeln würde. 1996 wäre es auf Webers Initiative fast gelungen, die Mikwe mit Hilfe einer Privatspende aus den USA für den Zweck als Museum für Juden im Wasgau zu erwerben. Doch wurde das Fachwerkhäuschen damals an einen anderen Eigentümer verkauft. Die Bemühungen von Otmar Weber im Blick auf ein Engagement der Denkmalbehörden blieben auf Grund völliger Untätigkeit der Behörden erfolglos. Obwohl seit 2005 die Denkmalunterschutzstellung bei der Kreisverwaltung in Pirmasens lief, war bis Oktober 2017 nichts geschehen, worauf auf Anordnung der Kreisverwaltung der Abriss durch den jetzigen Besitzer erfolgt ist.


Die Mikwe war ein Haus, das früher ein rituelles Tauchbad für Juden beherbergte. Das Gebäude wurde, nachdem es in Privateigentum gelangt war, zu einem kleinen Wohnhaus umgestaltet und war bis 2017 in der Pfalz das einzige noch existierende ehemalige Mikwehaus. Da es mangels Pflege baufällig geworden war und nicht unter Denkmalschutz stand, wurde es im Oktober 2017 abgerissen.

Die Mikwe wurde in Busenberg zu Anfang des 18. Jahrhunderts errichtet, als offenbar die ersten Juden in den Wasgau­ort kamen. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Busenberg zu einem der Zentren des Judentums in der Südwest- und Südpfalz. 1824 wurde ein großer jüdischer Friedhof angelegt. In den 1880er Jahren erreichte die jüdische Gemeinde mit 31 Familien und 170 Personen ihren zahlenmäßigen Höchststand. Auch im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts war die Mikwe noch in Gebrauch. In dem Ritualbad, das bis 1890 in Gebrauch war, konnten sich Frauen nach Menstruation oder Geburt reinigen. Man wurde dreimal untergetaucht und durfte dieses Bad nur nackt und ohne Schmuck begehen. Das Wasser durfte nur lebendiges Quellwasser sein. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie endgültig aufgegeben und anschließend zu dem kleinen Wohnhaus umgebaut, das 2017 abgerissen wurde.

Busenberg, das Hammerdorf 2010


Im Jahr 2010 war Busenberg das "Hammerdorf" des SWR, Sieger eines Wettbewerbs von Dörfern aus Rheinland-Pfalz.

Samstag, 31. Juli 2021

Spurensuche: Die Geschichte der Juden im Burgenland

Das Jüdische Museum in Eisenstadt

Die ersten Juden auf heute burgenländischem Gebiet sind für das 13. Jahrhundert nachweisbar. Nach ihrer Vertreibung aus der Steiermark und Kärnten 1496 unter Kaiser Maximilian I. und aus Ödenburg und anderen ungarischen Städten nach der Schlacht von Mohács1526, fanden viele Vertriebene Zuflucht auf westungarischem, heute burgenländischem Gebiet.


Die Geschichte der Juden im Burgenland nahm in der österreichischen Geschichte des Judentums eine Sonderstellung ein. Dies lag an der besonderen geographischen Lage dieses Bundeslandes, dessen Geschichte als Teil Westungarns sich somit unter anderen politischen Rahmenbedingungen entwickeln konnte als jene des Restes von Österreich. Für die jüdische Geschichte hatte dies zur Konsequenz, dass im Burgenland Juden in zehn Gemeinden über drei Jahrhunderte hinweg in relativer Ruhe leben konnten, während sie im österreichischen Teil der Habsburgermonarchie immer wieder Vertreibungen und anderen Schikanen ausgesetzt waren.

Das blühende Leben in diesen Gemeinden endete jäh im Jahre 1938 nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. Von den etwa 4.000 burgenländischen Juden fiel ungefähr ein Drittel dem Holocaust zum Opfer, den beiden anderen Dritteln gelang die Flucht nach Israel, Australien oder in die USA. Für die meisten war es eine Flucht ohne Wiederkehr, sodass heute nur mehr verlassene Friedhöfe und Synagogen an diesen Teil burgenländischer Geschichte erinnern.

Ein besonders wichtiges Ereignis in der Geschichte der jüdischen Gemeinden des Burgenlandes war die 1669 einsetzende Vertreibung der Wiener Juden unter Kaiser Leopold I.. Wieder hatte das jüdische Leben in Österreich sein Ende gefunden. Ein Teil der Juden wanderte in die Mark Brandenburg aus, andere gingen nach Böhmen oder Mähren. Eine direkte Auswanderung nach Westungarn scheuten hingegen viele wegen der Türkengefahr. So kamen etwa 50 der nach Mähren ausgewanderten Juden erst im Jahre 1675 nach Eisenstadt, nachdem Fürst Paul Esterházy sich bereit erklärt hatte sie aufzunehmen.

Paul Esterházy machte dies nicht aus humanitären Gründen sondern für ihn standen wirtschaftliche Interessen im Vordergrund. Aber auch die Juden profitierten von den Maßnahmen des Fürsten. So stellte er für die Judengemeinden Schutzbriefe aus, in denen der Status der jüdischen Gemeinden sowie die Rechte und Pflichten der Untertanen bis in kleinste Detail festgeschrieben waren. Die Juden bezahlten der Familie Esterházy Schutzgebühren für die ihnen eingeräumten Rechte und nannten sich stolz Hochfürstlich Esterházy Schutzjuden. Die Schutzbriefe erloschen auch nicht mit dem Tode des Grundherrns sondern wurden bei jedem Herrscherwechsel erneuert. Diese langfristig günstigen Rahmenbedingungen förderten natürlich die Entwicklung des jüdischen Lebens und erzeugten bei den Gemeindemitgliedern im Laufe der Zeit Gefühle der Sesshaftigkeit und der Heimatverbundenheit, sodass die nun im Land siedelnden 3000 Juden die sogenannten Siebengemeinden (hebräisch Scheva Kehillot) bildeten:

  • Jüdische Gemeinde Eisenstadt
  • Jüdische Gemeinde Mattersburg
  • Jüdische Gemeinde Kittsee
  • Jüdische Gemeinde Frauenkirchen
  • Jüdische Gemeinde Kobersdorf
  • Jüdische Gemeinde Lackenbach
  • Jüdische Gemeinde Deutschkreutz

Es wurde den jüdischen Gemeinden auch die Niedere Gerichtsbarkeit übertragen. In weiterer Folge wurden jüdische Friedhöfe angelegt und Synagogen gebaut.


Die Reste des ehemaligen jüdischen Viertels in Eisenstadt sind im Bereich der Museumsstraße/Unterbergstraße, unweit vom Schloß Esterházy, heute noch vorhanden. Bemerkenswert ist zudem die original erhaltene Privatsynagoge des Samson Wertheimer. In diesem Haus ist nun das Österreichische Jüdische Museum untergebracht. An den Torbögen einiger Häuser sind heute noch Krüge zu sehen, welche an den Stamm der Leviten erinnern. Die gut erhaltene Sabbatkette aus dem Jahre 1875 wurde benötigt, um am geheiligten Ruhetag Sabbat die Gasse abzuschließen.


Das Österreichische Jüdische Museum hatte das große Glück, sich in einem historischen Gebäude der ehemaligen Judengasse von Eisenstadt einrichten zu können. Es befindet sich somit an einem Ort, an dem mehr als 250 Jahre lang eine namhafte jüdische Gemeinde angesiedelt war. Das Museum wurde schon 1972 als erstes jüdisches Museum in Österreich nach 1945 gegründet.

Der Alte Jüdische Friedhof Eisenstadt steht unter Denkmalschutz. Die nachweisbar älteste Datierung eines Steines auf dem Friedhof bezeichnet das Jahr 1679. Im Jahr 1875 war der Friedhof voll belegt. Eine Bestandsaufnahme im Jahr 1922 ergab 1.140 Grabsteine mit ausschließlich hebräischen Grabinschriften. 2010 befanden sich 1.104 Grabsteine auf dem Friedhof.

Auch in den Gebieten, die heute das südliche Burgenland bilden, siedelten sich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts jüdische Familien an. So wohnten im Jahre 1697 in Stadtschlaining, das damals zum Herrschaftsgebiet der Familie Batthyány gehörte, 55 Juden. Ähnlich wie die Familie Esterházy im Norden war auch die Magnatenfamilie Batthyány den Juden wohlgesinnt und stellte für die jüdischen Gemeinden von Schlaining, Rechnitz und Güssing entsprechende Schutzbriefe aus. Zusätzlich zu diesen heute zum Burgenland gehörenden Städten entstanden auch noch in den ungarischen Städten Körmend und Groß-Kanisza entsprechende Gemeinden.


Während unter Kaiserin Maria Theresia die Judenpolitik noch zwischen den Extremwerten gänzliche Abschaffung des Judentums in Österreich und der Erlaubnis Fabriken mit christlichen Arbeiter betreiben zu dürfen schwankte, setzte ihr Sohn Joseph II. richtungsweisende Reformschritte, die bis in unsere Zeit nachwirken. In seinen Toleranzpatenten regelte er nicht nur die Rechte und Pflichten der Protestanten sondern auch die Juden erhielten an die jeweiligen örtlichen Gegebenheiten angepasste Patente. Während der Status der Wiener und niederösterreichischen Juden bereits am 2. Jänner 1782 festgeschrieben wurde, trat das Toleranzpatent für die ungarischen Juden erst am 31. März 1783 in Kraft. Die Juden waren nach wie vor Menschen zweiter Klasse, denen das Bürgerrecht verwehrt blieb, aber sie durften nun jedes Gewerbe ausüben. Außerhalb ihrer Ghettos durften sie jedoch nur wohnen, wenn sie eine Fabrik am offenen Land, die mit ihren Arbeitsplätzen dem Gemeinwohl dienten, gründeten.

Donnerstag, 8. August 2019

Im Dornumerland


Es gibt einige sehenswerte Mühlen im Dornumerland. Die bekannteste und gleichzeitg einzige Bockwindmühle Ostfrieslands steht in Dornum. Die Bockwindmühle in Dornum steht seit Juli 2019 allerdings komplett ohne Flügel da. Am Sonntag war ein Flügel bei laufendem Betrieb zu Boden gestürzt. Der Flügel fiel auf einen Platz, an dem wenige Minuten vorher noch eine Besuchergruppe gestanden hatte. Es wurde glücklicherweise niemand verletzt. Es entstand ein Sachschaden, den die Gemeinde als Eigentümerin der Mühle auf rund 60.000 Euro schätzt. Die Bockwindmühle von 1626 ist die letzte ihrer Art in der Region Aurich.

Dornum gehört zu den idyllischen, pittoresken und beschaulichen Orten an der Küste, die wir immer wieder gerne besuchen.

Als Teaser ein Kurzclip: Ein Streifzug durch Dornum. Dornum hat zwei Burgen. Im Film sehen wir die Neue Burg. Interessant auch der jüdische Friedhof. Und die Gastronomie bietet typisch Ostfriesisches.


Und hier nun die Langfassung:


Sankt Bartholomäus in Dornum in Ostfriesland

Die evangelisch-lutherische Bartholomäus-Kirche steht in der ostfriesischen Stadt Dornum und wurde Ende des 13. Jahrhunderts auf einer Warft errichtet.


Die Backsteinkirche wurde um 1270 bis 1290 auf einer acht Meter hohen Wurt als rechteckige Saalkirche gebaut. An der Ostwand und teilweise an der Südwand sind die Granitfundamente sichtbar. Der Innenraum wird heute von einem hohen Holztonnengewölbe abgeschlossen. Die reiche Ausstattung wurde zum großen Teil von Haro Joachim von Closter, Frey- und Edler Herr zu Dornum und Petkum und Schlossherr auf Norderburg, gestiftet. Hierzu gehört das bis zur Holzdecke reichende prachtvolle Altarretabel, das Hinrich Cröpelin im Jahr 1683 schuf. Noch aus der Erbauungszeit der Kirche stammt der Taufstein aus Baumberger Sandstein mit einem Fries aus Weinranken und sechs Rundbogenarkaden. Im Grabkeller unter der Kirche befindet sich das Erbbegräbnis der Dornumer Häuptlinge. Die Orgel des Schnitger-Schülers Gerhard von Holy von 1710/11 gehört zu den bedeutendsten erhaltenen Barockorgeln in Norddeutschland.

Die Synagoge von Dornum


Die Synagoge in Dornum ist die einzige noch erhaltene in Ostfriesland. Sie wurde wenige Tage vor der Pogromnacht 1938 an einen Tischlermeister verkauft. Die Synagoge entging der Brandschatzung durch die Nationalsozialisten ob der engen dörflichen Bebauung, jedoch wurden die Fensterscheiben eingeschlagen und das Inventar auf dem Marktplatz verbrannt. Ein 1989 gegründeter Verein setzte sich zum Ziel, das Gebäude in seinen alten Zustand zurückzuführen, denn Jahrzehnte lang diente es als Möbellager und Geschäftshaus und war durch Umbauten stark verändert worden. 1991 wurde die Synagoge mit Mitteln der Denkmalpflege sowie der Gemeinde Dornum restauriert – seit 1992 ist sie Gedenkstätte.

Der jüdische Friedhof


Dornumersiel

Dornumersiel ist ein Ortsteil der Gemeinde Dornum in Ostfriesland. Dornumersiel liegt unmittelbar an der Nordseeküste.


In Alexandra's Cafe in Dornumersiel gibt es einen herrlichen Ostfriesentee.

Der Sielort ist einer der ältesten Häfen an der ostfriesischen Küste. Die Besiedelung des Ortes begann wahrscheinlich im 15. Jahrhundert. Nachdem in der St.-Peters-Flut am 22. Februar 1651 ein an der Küste gelegener Sielort, das später so genannte Altensiel, zerstört wurde, wurden 1653 unmittelbar nebeneinander das Dornumer und das Westeraccumer Siel angelegt. Einst trennte hier die Grenze Ostfriesland und das Harlingerland. Die beiden Orte Dornumersiel und Westeraccumersiel konnten erst nach Eindeichung der Polder entstehen. Eine erste urkundliche Erwähnung des Dorfes datiert auf das Jahr 1684. 1717 wurden sie durch die Weihnachtsflut fast vollständig vernichtet. Heute ist Dornumersiel ein Küstenseebad.

Neßmersiel

Dieses Seebad gehört - im Gegensatz zu vielen anderen an der Nordseeküste - zu den ganz und gar nicht überlaufenen.


Ab Neßmersiel fährt die Fähre nach Baltrum. Die Fährverbindung zwischen Neßmersiel und Baltrum ist abhängig von Ebbe und Flut. Daher sind die Abfahrtszeiten jeden Tag unterschiedlich.


Montag, 1. Oktober 2018

Pirmasens

Die Rheinberger-Villa in der Schachenstraße (Schwarzweißbilder)
und die ehemalige Behrens-Schuhleistenfabrik (unteres Foto)

Starten wir mit einer Fahrt durch die Schuhstadt ...


Pirmasenser Impressionen - Siedlung am Sommerwald, Wasserturm, Parkbrauerei, Rodalber Straße, Gärtnerstraße, Schützenstraße, Schützendreieck, Schäferstraße - eine Fahrt durch die Stadt an einem regnerischen Tag.

Pirmasens - Alter Friedhof - Ein Kultur-Projekt in Rheinland-Pfalz


Der Alte Friedhof in Pirmasens - Die einstige Leichenhalle ist heute das Kulturzentrum Carolinensaal, der Friedhof selbst eine Parkanlage im Herzen der Schuhstadt. Der Carolinensaal ist benannt nach der Landgräfin Caroline von Hessen-Darmstadt, Gemahlin des Stadtgründers von Pirmasens, Landgraf Ludwig IX., und eine gute Freundin des Preußenkönigs Friedrich II. (Friedrich der Große, "Der Alte Fritz"). Und auch der Landgraf selbst war ein Bewunderer Friedrichs. Er nun weniger dessen kultureller Leidenschaften, sondern vielmehr der "Langen Kerls", der Grenadiere der preußischen Armee.


Beckenhof - Gedenkstein für Ludwig Beck

Ein Gedenkstein am Beckenhof (Pirmasens in der Südwestpfalz) erinnert an Generaloberst Ludwig Beck, den führenden Kopf des Widerstandes deutscher Offiziere gegen das Nazi-Regime. Der Beckenhof wurde von seinen Vorfahren gegründet.


Der alte jüdische Friedhof in Pirmasens


Mahnmal für die Opfer des Holocaust


An der Nagelschmiedsbergschule in Pirmasens, heute Landgraf Ludwig Realschule plus, ehemalige jüdische Volksschule


Sonntag, 28. Januar 2018

Speyer und Worms, zwei der drei SchUM-Städte am Rhein


Als SchUM (auch: SCHUM (hebräisch שו״מ)) wird ein Verbund der drei im Mittelalter europaweit bedeutenden, miteinander kooperierenden jüdischen Gemeinden (Kehillot) in den drei Rheinstädten Speyer, Worms und Mainz bezeichnet.


Das Wort SchUM ist ein Akronym aus den hebräischen Anfangsbuchstaben der mittelalterlichen, auf die lateinische Sprache zurückgehenden Namen der drei Städte: Schin (Sch ש) für Schpira (Speyer), Waw (U ו) für Warmaisa (Worms) und Mem (M מ) für Magenza (Mainz).


Die jüdischen Gemeinden der Städte bildeten ein gemeinsames Gremium (Wa’ad SchUM), das Beschlüsse fasste, die für die jüdische Gemeinschaft bindend waren, und es gegenüber der Herrschaft vertrat.


1146 hat eine Versammlung in Troyes den Rabbinaten der SchUM-Städte die höchste Autorität in religiös-kultischen und rechtlichen Fragen zugesprochen. Die hier erarbeiteten Vorschriften galten als verbindlich und wurden 1220 auf einer Versammlung in Mainz im Takkanot Schum (תקנות שו״ם) schriftlich zusammengefasst. Aufgrund ihrer zentralen Bedeutung für die jüdischen Gemeinden in Zentraleuropa gelten sie als Geburtsstätte der aschkenasischen religiösen Kultur. Zu den herausragenden Gelehrtenpersönlichkeiten gehören etwa Gerschom ben Jehuda oder Raschi.

Nach der Blütezeit gemeinsamer Kultur im Hochmittelalter endete die große Zeit der jüdischen Gemeinden in den SchUM-Städten um 1350, als sie infolge der Großen Pest und den damit verbundenen Pestpogromen ausgelöscht wurden.

Siehe auch: Jüdische Spuren in der Südwestpfalz

Dienstag, 12. Dezember 2017

Rodalben


Das Gräfensteiner Amtshaus

Rodalben ist eine Stadt im rheinland-pfälzischen Landkreis Südwestpfalz und Sitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde. Mit über 7.000 Einwohnern ist sie die größte Kommune des Landkreises. Rodalben ist ein staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort. Rodalben wurde vermutlich als Siedlung des keltischen Stammes der Mediomatriker gegründet und später nach dem Fluss benannt. Als alb bezeichneten die Kelten Flüsse oder Bäche. Namensbestandteil Rod, zeitweise auch Roth, geht darauf zurück, dass in den Tälern durch das Roden (Rotten) der Wälder weite Wiesen- und Ackerflächen angelegt wurden.

1237, im Mittelalter, wurde Rodalben erstmals urkundlich als Meyerhof erwähnt. Es war über Jahrhunderte eine bäuerlich geprägte Ansiedlung, die zusammen mit Burg Gräfenstein bei Merzalben den Grafen von Leiningen gehörte. Um das Jahr 1360 dürfte die erste Pfarrkirche in Rodalben erbaut worden sein. Davon zeugen der noch erhaltene romanische Turm und der mit Fresken reich geschmückte gewölbte Chor.


Die Anfänge der Marienkirche liegen in romanischer Zeit um das 11./12. Jahrhundert. Das heutige Erscheinungsbild ist spätgotisch (14. Jahrhundert), die Wand- und Deckenmalereien stammen aus dieser Zeit. Der Turm wurde im 18. Jahrhundert erhöht und mit einem spitzen Helm bedacht.


An der Marienkirche erinnert die Brunnenanlage „Grünesputschfrau“ daran, dass einst Frauen aus Rodalben gebundenes Suppengrün auf dem Markt von Pirmasens verkauften.

 


"Rätsel" nennt sich diese Plastik links im Bild.

Das Gebäude der VR-Bank im Hintergrund steht an der Stelle der "alten Juddeschul", eines jüdischen Betsaales und einer Schule. Das originale Gebäude wurde abgebrochen.

In Rodalben bestand eine jüdische Gemeinde bis 1937 zur staatliche Auflösung. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./18. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden Juden 1581 genannt. Nach 1745 nahmen die Juden Rodalbens (Sitz der Grafschaft Gräfenstein, die zur Markgrafschaft Baden-Baden gehörte) den badischen Landesrabbiner Natanael Weil als ihren religiösen und geistigen Führer an. Nachdem 1776 Rodalben zur Markgrafschaft Baden-Durlach kam, wohnten einige Zeit keine Juden mehr am Ort. Im 19. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Einwohner zu. 1802 wurden in Rodalben und dem benachbarten Petersberg zusammen 100 jüdische Einwohner gezählt, die Mehrzahl wohl in Petersberg, da 1823 in Rodalben selbst nur 49 jüdische Personen lebten. 1809/10 werden folgende jüdischen Familien in Rodalben (vermutlich mit Petersberg) genannt: Herz Bauer (Kurzwarenhändler), Samuel Bauer (Kurzwarenhändler), Benedikt Baer, Jacques Joseph, Lion Joseph (Kurzwarenhändler), Levi Keim, Meyer Hirsch (Kaufmann), Isaac Neuberger. Die Zahl jüdische Einwohner stieg im Laufe der folgenden Jahrzehnte auf 66 (1836/37) und 93 (1848, in 19 Familien), um danach durch Aus- und Abwanderung langsam zurückzugehen: 1875 90, 1900 80 jüdische Einwohner.

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine jüdische Elementar-/Religionsschule, ein rituelles Bad sowie einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die israelitische Schule bestand von 1869 bis 1937.


Gegen den neuen Judenhass auf Deutschlands Straßen !!!


Das Mahnmal für die Opfer des Holocaust am Bahnhof in Pirmasens

Das Existenzrecht des Staates Israel ist Staatsräson der Bundesrepublik. Aus gutem Grunde.


Und die Solidarität mit unseren "älteren Brüdern" (Papst Johannes Paul II.) ist uns Christen Verpflichtung.


Wir dürfen keinen Judenhass in unserem Lande dulden !!!

Die Synagoge von Dornum

Sie ist die einzige erhaltene Synagoge in Ostfriesland. Wenige Tage vor der Progromnacht 1938 wurde sie an einen Tischlermeister verkauft und entging so der Brandschatzung durch die Nationalsozialisten. Jedoch wurden die Fensterscheiben eingeschlagen und das Inventar auf dem Marktplatz verbrannt. 1991 wurde die Synagoge restauriert und dient heute als Gedenkstätte und Museum der jüdischen Kultur. Öffnungszeiten: freitags bis sonntags von 15:00 - 18:00 Uhr. Gruppenführungen nach Vereinbarung.

Kontakt:
Synagoge Dornum
Murra-Regner
Kirchstraße 6
26553 Dornum
Telefon: 04933-342


In der Gedenkstätte Synagoge Dornum ist eine Dauerausstellung zum jüdischen Leben in Ostfriesland untergebracht. Sie gliedert sich in die Bereiche „Geschichte“, „Kultur“ und „Religion“. Die Synagoge ist das einzige jüdische Gotteshaus in Ostfriesland, das nicht in der Reichspogromnacht zerstört wurde, da es bereits ein Jahr zuvor profaniert worden war. Die Synagoge in Dornum ist die einzige erhaltene und öffentlich zugängliche in Ostfriesland.

Dank des Einsatzes der nichtjüdischen Mitbürger hat die Synagoge im ostfriesischen Dornum die Pogromnacht von 1938 überstanden. Sie wurde damals nicht niedergebrannt. So ist sie heute ein wichtiger Zeuge des jüdischen Lebens und ein Dokumentationszentrum. Der Leiter, Georg Murra-Regner, erlaubte uns freundlicherweise, in der Synagoge zu filmen.

Die ehemalige Synagoge in Dahn


Mittwoch, 25. Oktober 2017

Südwestpfalz: Wieder ein Kulturgut dem Erdboden gleichgemacht


Bis letzten Samstag stand in Busenberg im Kreis Südwestpfalz ein Haus, das früher ein rituelles Tauchbad für Juden beherbergt haben soll: das sogenannte Mikwe-Haus. Nun wurde das Gebäude aus dem frühen 19. Jahrhundert überraschend abgerissen.

===> So berichtet der SWR.

Das kleine Gebäude wurde am Wochenende auf Betreiben der Kreisverwaltung Südwestpfalz von dem privaten Eigentümer abgerissen – zum Entsetzen des Dahner Heimatforschers Otmar Weber, der darauf verwies, dass dieses Mikwe-Haus pfalzweit das letzte dieser Art gewesen sei. Das Gebäude selbst sei nicht schützenswert und baufällig gewesen, teilte dazu ein Sprecher der Kreisverwaltung am Dienstag mit.


Seit mehr als 25 Jahren setzte sich der Theologe und Heimatforscher Otmar Weber aus Dahn für die Erhaltung des jüdischen Kulturguts im Wasgau ein. Seinen Recherchen zufolge war die Mikwe in Busenberg die einzige in der Pfalz. Weber setzte sich auch - leider erfolglos - dafür ein, das Häuschen unter Denkmalschutz stellen zu lassen.

In dem Ritualbad, das bis 1890 in Gebrauch war, konnten sich Frauen nach Menstruation oder Geburt reinigen. Man wurde dreimal untergetaucht und durfte dieses Bad nur nackt und ohne Schmuck begehen. Das Wasser durfte nur lebendiges Quellwasser sein.

Die Mikwe wurde zu Anfang des 18. Jahrhunderts errichtet, als die ersten Juden in den Wasgau­ort kamen. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Busenberg zu einem der Zentren des Judentums in der Südwest- und Südpfalz. In Busenberg bestand eine jüdische Gemeinde bis 1939. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 1784 wurden bereits 79 jüdische Einwohner gezählt. Die Busenberger Gemeinde war die älteste und zentrale Gemeinde der jüdischen Gemeinden im Wasgau (Dahn, Erlenbach, Vorderweidenthal). Die zentrale Rolle zeigt sich auch in dem in Busenberg für diese Gemeinden befindlichen Friedhof.


Die Geschichte der Landjuden im Wasgau endete im Dritten Reich: Sie wurden alle vernichtet. Heute gibt es keine jüdischen Gemeinden mehr.

Noch ein plattgemachtes Kulturgut

Es ist ja nun leider nicht das einzige einzigartige Baudenkmal, das in der Südwestpfalz sang- und klanglos verschwunden ist.


Auf dem Felsenbrunnerhof im Landkreis Südwestpfalz wurde im Jahr 2009 das letzte erhaltene Herrenhaus aus der Zeit des Landgrafen Ludwig IX., ein ehedem stattlicher spätbarocker Mansardenbau aus dem Jahr 1788, abgerissen! Berichten zufolge konnten sich Eigentümer und ein potentieller Käufer nicht einigen. Die zuständige Denkmalbehörde des Landkreises Südwestpfalz nahm daraufhin das Gebäude aus der Denkmalliste und gab es zum Abriß frei!


Siehe auch diesen Artikel von 2015.

Ähnliche Artikel:


Donnerstag, 19. Oktober 2017

Vor 77 Jahren: Im Oktober 1940 begann die Vernichtung der Juden im Südwesten


Erstmals werden Juden in Pirmasens Mitte des 18.Jahrhunderts urkundlich erwähnt; die Wurzeln einer jüdischen Gemeinde lassen sich bis in die sog. ‚Landgrafenzeit’ um 1765 zurückverfolgen. Der am Ausbau seiner Residenzstadt interessierte Landgraf förderte die Ansiedlungen von Juden, da diese durch Schutzgelder für zusätzliche Einnahmen sorgten und auch den Handel belebten. Um 1900 war die Pirmasenser jüdische Gemeinde die drittgrößte der Pfalz. Aber schon in den 1920-er Jahren war Pirmasens eine Hochburg der NSDAP. Mit dem "Eisenhammer" wurde in der Stadt ein NS-Kampfblatt herausgegeben, das durchaus dem Vergleich mit Julius Streichers Stürmer standhält. Bereits im Oktober 1940 wurden die südwestdeutschen ‪Juden‬ in Lager verschleppt. Sie waren die ersten Opfer der Massendeportationen aus dem Reich. Nur wenige von ihnen überlebten. Ein knappes Jahr nach der Zerstörung der Synagogen wurden die in ‪Baden‬, in der ‪Pfalz‬ und im ‪‎Saarland‬ lebenden Juden deportiert. Die systematisch vorbereitete Aktion war eine Art Generalprobe: Im Herbst des Folgejahres begannen im Zuge der "Endlösung der Judenfrage" die großen Deportationen in die neu errichteten Vernichtungslager im Osten.


Holocaust-Mahnmal in Pirmasens



Der alte jüdische Friedhof von 1813 in Pirmasens

Spuren einstigen jüdischen Lebens in der Pfalz


Die Mikwe in Busenberg - Das Mikwe-Häuschen in Busenberg im Pfälzerwald ist das einzige in der Pfalz.




Der jüdische Friedhof von Rodalben:


Dienstag, 29. August 2017

In und um Pirmasens


Das Alte Rathaus in Pirmasens

In unserem ersten Video fahren wir von der Hackmesserseite kommend durch den Stadtteil Niedersimten nach Pirmasens (mehr von der Hackmesserseite sehen wir noch beim Umland).


In Niedersimten befindet sich das Westwallmuseum in den ehemaligen Festungsanlagen der Gersfeldhöhe.


Follgend ein Querschnitt von Pirmasens: Die Fußgängerzone Untere Hauptstraße mit der Lutherkirche, der ehemaligen Garnisonskirche, dem Schusterbrunnen, dem Forum Alte Post mit dem Josef-Krekeler-Platz.


Pirmasens hatte einst die größte jüdische Gemeinde der Pfalz. Sie wurde im Dritten Reich vernichtet.




Auch der "Alte Friedhof" ist sehr interessant. Dazu siehe diesen Artikel.

Ein Gedenkstein am Beckenhof erinnert an Generaloberst Ludwig Beck, den führenden Kopf des Widerstandes deutscher Offiziere gegen das Nazi-Regime. Der Beckenhof wurde von seinen Vorfahren gegründet.


Pirmasens nennt sich das "Tor zum Pfälzerwald", den aber wollen wir mal quasi beiseite liegen lassen und stellen zum Umland die Region der Hackmesserseite vor, beispielhaft an der Gemeinde Vinningen.


Vinningen auf der Hackmesserseite - Vinningen ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Südwestpfalz in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Pirmasens-Land an. Vinningen liegt im Zweibrücker Hügelland südwestlich von Pirmasens nahe der Grenze zu Frankreich. Bis ins 5. Jahrhundert lassen sich fränkische Siedlungsspuren zurückverfolgen. Die älteste erhaltene Erwähnung des Ortes stammt von 1212. Das Dorf Vinningen lag im Amt Lemberg der Grafschaft Zweibrücken-Bitsch und dort in der gleichnamigen Amtsschultheißerei Vinningen.

Der Begriff "Hackmesserseite" stammt aus der Zeit der franz. Revolution 1789.

Die Wogen der Revolution ergriffen 1792 auch die Dörfer um Trulben mit Eppenbrunn, Hilst, Schweix und Ludwigswinkel.

Zusammen mit zwölf Nationalgardisten erreichten mehrere Bürger unter der Führung des Oberförsters Weiß aus dem französischen Roppeviller am 8. November 1792 Eppenbrunn und pflanzten einen Freiheitsbaum. Die Freiheitskämpfer zogen am gleichen Tag auch noch nach Trulben und pflanzten dort einen weiteren Baum als "Zeugen der Freiheit". Die Dörfer Kröppen, Hilst und Schweix folgten dem Beispiel am nächsten Tag. Die in "freie Franken" umgewandelten Bürger erklärten dem Oberamt Pirmasens, keine Salzsteuer mehr zu bezahlen und der Darmstädter Regierung "... keinen Pfennig mehr zu entrichten". 1.000 Klafter Holz, das der Landgraf bereits an Zweibrücker Holzhändler verkauft hatte, teilten die Aufständischen unter sich auf. Schultheißen wurden abgesetzt und die herrschaftlichen Jäger und Waldhüter vertrieben. Die widerspenstigen Dörfer schufen eine neue Gemeindeverwaltung nach französischem Vorbild und stellten an die Pariser Nationalversammlung den Antrag auf Vereinigung mit der französischen Republik. Bereits schon am 14. Februar 1793 entsprach die Pariser Nationalversammlung dem Bittgesuch und erklärte die freiheitsliebenden Dörfer zu französischem Staatsgebiet. Bitscher Freiheitsleute brachten ihren pfälzischen Brüdern ein Geschenk mit: die Guillotine, im Volksmund "Hackmesser" genannt. Dieses Mordinstrument soll eifrig in Tätigkeit gewesen sein.

In Erinnerung an die blutigen Opfer entstand daraufhin der Name "Hackmesserseite"

Montag, 9. November 2015

9./10. November 1938 - Die Pogromnacht


Das hier, diese "Sippentafel", das war etwas, was entscheidend war, ob man zu den Verfolgten gehören würde. Das war der sog. "Ariernachweis". Reichte 3 Generationen zurück. Musste für jede Familie im Reich erstellt werden. Die Grundlage waren die sog. Nürnberger Gesetze.


Kennen die meisten, wenn überhaupt, sicher nur vom Hörensagen. Hier zum Anschauen. Erstellt von meinem Großvater mütterlicherseits. Erster Eintrag unter Geburtsjahr 1815 (!!!) - geboren noch vor der Schlacht bei Waterloo.

9. November 1938 - Die Pogromnacht, der Holocaust, die Vernichtung jüdischen Lebens in Deutschland.


Nürnberg: Mahnmal anstelle der 1874 im maurisch-byzantinischen Stil erbauten und 1938 durch die Nationalsozialisten niedergerissenen Synagoge // 1970 Stele (August Hofmann, Hochbauamt, Bildhauer Zink), 1988 Relief (Reinhard Heiber, Akad. d. bild. Künste).


Auch in Nürnberg: Zur Erinnerung an die Synagoge in der Essenweinstraße. Im folgenden Video das Holocaust-Mahnmal im südwestpfälzischen Pirmasens.


Die Synagoge in Dornum in Ostfriesland wurde dank des Einsatzes der nichtjüdischen Mitbürger vor der Zerstörung bewahrt und ist heute eine Gedenkstätte.


Die Synagoge von Dahn in der Südwestpfalz wurde ebenfalls vor der Zerstörung bewahrt. Aber dadurch, dass die jüdische Gemeinde sie verkaufte. In ihr ist bis heute ein Gewerbebetrieb untergebracht.


Donnerstag, 22. Oktober 2015

Vor 75 Jahren - Die Deportation der Juden im Südwesten


Bereits im Oktober 1940 wurden die südwestdeutschen ‪#Juden‬ in Lager verschleppt. Sie waren die ersten Opfer der Massendeportationen aus dem Reich. Nur wenige von ihnen überlebten. Ein knappes Jahr nach der Zerstörung der Synagogen wurden die in ‪Baden‬, in der ‪Pfalz‬ und im ‪‎Saarland‬ lebenden Juden deportiert. Die systematisch vorbereitete Aktion war eine Art Generalprobe: Im Herbst des Folgejahres begannen im Zuge der "Endlösung der Judenfrage" die großen Deportationen in die neu errichteten Vernichtungslager im Osten.

Mehr hier bei der ZEIT: Artikel

Holocaust-Mahnmal in Pirmasens


Spuren einstigen jüdischen Lebens in der Pfalz










Donnerstag, 18. Juni 2015

Was ist da nur los? Heruntergekommene jüdische Kulturgüter in der Südwestpfalz


Auf unserer Spurensuche nach Zeugnissen jüdischen Lebens in der Südwestpfalz sind wir auf zwei Kulturgüter gestoßen, deren erbarmungswürdiger Zustand uns schockiert hat.

Da wäre zum einen die Mikwe in Busenberg, wohl die einzig erhaltene in der ganzen Südpfalz.


Und zum andern der jüdische Friedhof in Rodalben.


Freitag, 12. Juni 2015

Busenberg im Pfälzerwald - Wasgau - Dahner Felsenland


Bekannt ist Busenberg im Pfälzerwald (Landkreis Südwestpfalz) für seine Burgruine Drachenfels, einen der möglichen Handlungsorte der Siegfried-Sage. Denn auch auf diesem Drachenfels soll der Nibelungenheld gewesen sein.


Landesweit in Rheinland-Pfalz bekannt wurde die Gemeinde, als sie im Jahr 2010 den Titel "Hammerdorf des Jahres" des SWR errang, bei dem es um einen Wettkampf verschiedener Gemeinden des Landes geht.



Spuren jüdischer Geschichte

Die Landjuden der Pfalz sind nahezu vollständig dem Terror des Dritten Reiches zum Opfer gefallen. Es gibt keine jüdischen Gemeinden mehr im Wasgau. Aber wir finden noch Spuren ihrer einst reichen Geschichte. So auch in Busenberg.

Der alte jüdische Friedhof zum Beispiel befindet aich auf der Anhöhe gegenüber des kleinen Parkplatzes am Fuße des Drachenfelses.


In leider erbarmungswürdigem Zustand aber ist das Mikwe-Häuschen im Ort, bei dem es sich um das einzig erhaltene der ganzen Südpfalz handeln soll.


Vor dem Haus gegenüber, dem ehemaligen jüdischen Schulhaus, erinnern Stolpersteine an die ehemaligen Bewohner.

Juden in Pirmasens - eine Spurensuche mit Hindernissen

Das Mahnmal für die Opfer des Holocaust am Bahnhof in Pirmasens

Die Stadt Pirmasens in der Südwestpfalz hatte bis zum Dritten Reich die größte jüdische Gemeinde der Pfalz. Aber Pirmasens war auch eine braune Hochburg. Es war die braune Hochburg der Pfalz. Schon in den frühen Zwanziger Jahren gab es eine Ortsgruppe der NSDAP und in der Stadt wurde mit dem "Eisenhammer" ein nationalsozialistisches Hetz- und Kampfblatt herausgegeben, das den Vergleich mit dem "Stürmer" nicht zu scheuen brauchte.

Schon 1940 vermeldete der Gauleiter Josef Bürckel nach Berlin, dass Pirmasens "judenfrei" sei.

Es gibt heute keine jüdische Gemeinde mehr in Pirmasens. Die Pirmasenser Juden wurden vernichtet. Und es ist nicht leicht, in der Stadt heute noch Spuren der einst blühenden Gemeinde zu finden.

An die Deportation in die Vernichtung soll ein Mahnmal gegenüber des Bahnhofs erinnern. Doch dieses "Mahnmal" ist, gelinde gesagt, ein schlechter Scherz.


Kein Hinweisschild rundum. Die Inschriften en miniature. So versteckt man wirklich seine Vergangenheit. Zwei Stelen in einer Parkanlage mit Sitzbänken zum "Chillen", nein, das ist fürwahr kein würdiger Ort des Gedenkens. Die Gestaltung mit dem Prellbock und den Gleisen, so könnte es auch ein Denkmal für die Deutsche Bahn sein. Läge doch nahe an einem Bahnhof, oder?

Am Ort der ehemaligen Synagoge


Erst 1995, 50 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, wurde das seit 1945 so benamte Schustergässel in Synagogengasse umbenannt und bezeugt nun wieder den Ort, die Gasse, in der bis zu ihrer Zerstörung durch die Nationalsozialisten die Pirmasenser Synagoge gestanden hatte.

Die Überreste des israelitischen Friedhofs

Der in den 20-ern stillgelegte "Alte Friedhof" beherbergte auch einen israelitischen Teil. Der wurde in der NS-Zeit völlig zerstört und aufgehoben. Nur wenige Grabsteine fanden sich nach dem Zweiten Weltkrieg wieder und wurden in einer Reihe aufgestellt.

  

Unsinnigerweise steht auf dem Gedenkstein, hier habe sich mal ein israelitischer Friedhof befunden. Unsinnig deswegen, weil nach jüdischem Ritus ein Friedhof ewig ist. Und wie wenig respektvoll man auch nach dem Zweiten Weltkrieg gegenüber den Opfern des Holocaust gewesen ist mag belegen, dass sich auf dem Gräberfeld ein Kinderspielplatz mit Sandkasten befunden hatte, den ich noch selbst aus meiner eigenen Kindheit kenne.

Der alte jüdische Friedhof von 1813

Durch einen reinen Zufall hatten wir erfahren, dass es in Pirmasens einen alten jüdischen Friedhof gibt. Wir haben ihn jahrelang gesucht, denn der jüdische Friedhof von 1813 liegt versteckt in einem Industriegebiet in der Zeppelinstraße. Kein Wegweiser, kein Hinweisschild auch hier. Nur schwer zu finden.