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Montag, 5. August 2019

In Mittelfranken unterwegs (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen)

Deutschordensschloß Ellingen

Ellingen, einer der schönsten Barockstädte Süddeutschlands, die aus gutem Grund als "Perle des Fränkischen Barock" bezeichnet wird. Sie befindet sich im Schnittpunkt des Fränkischen Seenlandes und des Naturparks Altmühltal. Der seit 2007 als Welterbe anerkannte Limes verläuft direkt über Ellinger Gemarkung.

Der Deutsche Orden erhielt im Jahr 1216 das Spital zu Ellingen als Lehen. Ellingen wurde Sitz des Landkomturs der Ballei Franken und wuchs zur reichsunmittelbaren Herrschaft heran. Bis etwa zum Jahr 1500 ging es mit dem Deutschen Orden und damit Ellingen stetig bergauf. Das 16. Jahrhundert brachte die Reformation und mit ihr die Bauernkriege, den Religionswechsel vieler umliegender Territorien und damit einen erheblichen wirtschaftlichen Einbruch des Deutschen Ordens. 1525 verlor der Orden Ostpreußen. Die Finanzkraft des Ordens ließ nach. Dazu kamen zwischen 1575 und 1630 große Hexenverfolgungen in Ellingen und im umliegenden Ordensgebiet, die mindestens 200 Tote gekostet haben. Der Untergang der Mittelalterlichen Ordensstruktur und Ordensmacht war gekommen. 1633 im Dreißigjährigen Krieg hatte Ellingen keine Einwohner mehr. Doch der Orden baute sein Gebiet systematisch wieder auf. Die Getreidelieferungen an kaiserliche Regimenter in den Kriegen Ludwigs XIV. im Westen, die Soldatenlieferungen in den Türkenkriegen nach Ungarn, die Getreidelieferungen im Spanischen Erbfolgekrieg ab dem Jahr 1703 an Reich, Habsburg, Bayern und Franzosen brachten noch einmal einen kometenhaften Anstieg der Finanzkraft des Ordens. Das dadurch eintretende goldene Jahrhundert Ellingens erlebte seinen Höhepunkt unter dem Landkomtur Carl Heinrich, Freiherr von Hornstein, der Ellingens barockes Stadtbild in seiner Gartenlandschaft entwarf und das Schloss sowie große Teile der prächtigen Bauten im Ellinger Stadtbild errichten ließ, die Ellingen, als „die Perle des fränkischen Barock“ bis heute prägen. Übrigens: Eine Militärurkunde von 1808 bezeichnet Ellingen erstmals als Stadt. Im Jahre 1815 wurde das Schloss Ellingen Residenz des Feldmarschalles Fürst von Wrede. Um 1939 wurde das Schloss an den bayerischen Staat verkauft. Das Schloss enthält ein Deutschordens-Museum, Prunkräume und das Kulturzentrum Ostpreußen. Das Schloss ist ganzjährig zu besichtigen.

Kastell Biricianum (Biriciana) in Weißenburg

Die Regio Biriciana vermittelt mit Resten von Römerstraßen, dem teilweise noch sichtbaren Verlauf des Limes, den Kastellen, Bauernhöfen, den Weißenburger Römerthermen und insbesondere dem Römermuseum mit seinen religiösen oder sonstigen Gegenständen aus der damaligen Zeit ein anschauliches Bild der Menschen, der Kultur und des alltäglichen Lebens in der (damals römischen) "Provinz". Das rekonstruierte Nordtor des Römerkastells (porta decumana) wurde zum Symbol der "Regio Biriciana", die mit Weißenburg als Mittelpunkt zu lohnenden Ausflügen in das nahe Umland, nach Ellingen (Sablonetum), dem römischen Gutshof am Nagelberg bei Treuchtlingen, dem Römerbad Theilenhofen (Iciniacum) oder zum Kleinkastell (Burgus) auf dem Jura bei Burgsalach auffordert. Das Nordtor ist zum neuen Aushängeschild des "römischen" Weißenburg geworden und bereichert damit auch die gesamte Regio Biriciana mit Limes, römischen Gutshöfen (villae rusticae) und weiteren Kastellen. Am 15. Juli 2005 hat die Welterbekommission der UNESCO im südafrikanischen Durban den obergermanisch-raetischen Limes als "Welterbe" anerkannt.

Wie die alten Römer einst der Kälte trotzten: antike Fußbodenheizung im Kastell Biricianum (Biriciana)

Naturwunder "Steinerne Rinnen"

Von diesen eigenartigen Naturwundern gibt es in der Region mindestens fünf.

Die Steinerne Rinne bei dem kleinen Örtchen Rohrbach im mittelfränkischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen (Bayern) gehört zu den bemerkenswertesten Naturwundern der Fränkischen Alb. Hier baut sich ein Bach sozusagen seinen eigenen Damm. Solche Steinernen Rinnen (von denen es einige im Naturpark Altmühltal gibt) entstehen, wenn das Wasser des Baches den Kalksandstein des Jura auslöst und in Verbindung mit dem Luftsauerstoff bei einer bestimmten Fließgeschwindigkeit des Wassers Tuff bildet. Diese Dämme wachsen pro Jahr ungefähr um einen Zentimeter. Sie ist u.a. mit Video in diesem Artikel zu sehen.

Drei weitere Steinerne Rinnen, die Steinernen Rinnen von Wolfsbronn, Kurzenaltheim und Oberweiler, finden sich in dem nicht weit entfernten Meinheim am Rande des Altmühltals und am Fuße des Hahnenkamms. Das deutlich bekannteste Geotop ist die Steinerne Rinne bei Wolfsbronn (Bild links), die sich etwa 500 m westlich des Meinheimer Ortsteils befindet. Die Rinne ist etwa 130 m lang, 160 cm hoch und stark mit Moos bewachsen. Die gewundene Rinne ist von mehreren kleinen Wasserfällen durchbrochen. Aufgrund der geologischen Gegebenheit, vielfältigen und seltenen Flora wurde das Gelände 1984 als Naturschutzgebiet und Geotop ausgewiesen. Sie verdankt ihre besondere Konstellation nicht zuletzt der jahrelangen Pflege durch Eduard Völklein. Die Rinne verzeichnet alljährlich einen hohen touristischen Zuspruch.

Münster Heidenheim

Kloster Heidenheim war Keimzelle der Christianisierung in Franken. Als spirituelles Zentrum, Wissensraum und Stätte kultureller Innovation spielte es über Jahrhunderte eine Schlüsselrolle bei der zivilisatorischen Entwicklung der Region.


Mehr in diesem Artikel.


Freitag, 26. Januar 2018

Vandalismus: Naturdenkmal zerstört


Einem Akt von Vandalismus ist die sog. Steinerne Rinne (Bilder oben) bei Langenaltheim (bzw. Wolfsbronn oder Meinheim) am Rande des oberen Altmühltals zum Opfer gefallen. Auf etwa 15 Metern Länge wurde die Kalktuffrinne abgebrochen und anschließend abtransportiert. Die "Steinerne Rinne" bei der Gemeinde Meinheim war ursprünglich rund 30 Meter lang. Die Polizei kann den Zeitraum der Tat bisher nur auf die vergangenen zwei Wochen eingrenzen. Am 6. Januar hatte der Waldbesitzer das Naturdenkmal zuletzt unversehrt gesehen, am 20. Januar entdeckte er die Tat.

Diese Steinernen Rinnen, typisch für den Frankenjura, (siehe auch Video) wachsen pro Jahr um zwei bis drei Millimeter. Man kann ermessen, wie alt so ein Damm von 1,60 Meter Höhe ist.

Steinerne Rinnen, auch wachsende Steine genannt, entstehen durch Kalkabscheidungen aus fließendem Wasser. Während sonst Kalktuffe meist flächig oder in breiten Wölbungen vorkommen, hat man es hier mit einer linearen, in Richtung des fließenden Wassers ziehenden Erhöhung zu tun. Gewöhnlich gräbt sich ein Bach durch die erosive Kraft des fließenden Wassers in sein Bett. Bei Steinernen Rinnen dagegen wird durch Kalkabscheidung das Bachbett erhöht.


Die Steinerne Rinne bei Rohrbach im Naturpark Altmühltal -- Hier baut sich ein Bach seinen eigenen Damm - Bei Rohrbach wuchs das Bachbett über seine Umgebung hinaus und es entstand ein eigentümlicher Kalktuffdamm, eine "Steinerne Rinne" von etwa 60 Metern Länge und bis zu 1,5 Metern Breite.

Video in HD:


The Making of "Steinerne Rinne"


Der Dreh des Films über die Steinerne Rinne: Im zum Teil nostalgischen Touch, old-style, im Stile alter zerkratzter Filme, sepiafarben.

Ähnliche Artikel:

https://rothfranz.wordpress.com/2009/06/01/naturwunder-steinerne-rinne/
https://rothfranz.wordpress.com/2015/08/09/die-steinerne-rinne-bei-rohrbach/

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