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Dienstag, 5. Oktober 2021

Ein Blick nach Osten

Jena, Thüringen, Honigmann'sches Haus, Oberlauengasse 8, Buchhandlung - Foto von 1998 - Laut Inschrift über der Tür handelt es sich um die 1990 neu aufgebaute Fassade des früheren Honigmannschen Geschäftshauses in der Leutrastraße 28. Das Original war 1973 der Abrißbirne zum Opfer gefallen als die SED plante, die komplette Innenstadt mit "sozialistischen" Neubauten neu zu gestalten. Anlässlich der "Neugestaltung" des Stadtzentrums ab 1968 wurde die historische Innenstadt um den Eichplatz abgerissen.

In der DDR war die "Großplatte", die Plattenbau-Siedlungen, gang und gäbe (links im Bild: Chemnitz, Theaterstraße).

Der industrielle Wohnungsbau in Plattenbauweise mit vorgefertigten Betonteilen wurde seit 1957 in der DDR in großem Umfang realisiert.

Mit dem staatlichen Wohnungsbauprogramm von 1972, das die Beseitigung des Wohnraummangels bis 1990 zum Ziel hatte, wurde der Plattenbau zum wichtigsten Neubautyp erhoben. Neue Stadtteile oder ganze Städte mit bis zu 100.000 Einwohnern, wie Halle-Neustadt oder Jena Lobeda, wurden gänzlich in Plattenbauweise errichtet.

Die älteren Gebäude in den historischen Stadtkernen wurden nicht gefördert. Somit war der Verfall der historischen Innenstädte als Kehrseite des DDR-Wohnungsbauprogramms vorprogrammiert.

Das führte, wie etwa in Jena, zum Flächenabriss zugunsten innerstädtischer Plattenbauten.

Die Plattenbauwohnungen waren zur Zeit ihrer Entstehung bei der Bevölkerung begehrt, da diese Wohnungen im Gegensatz zu Altbauwohnungen vom Beginn des 20. Jahrhunderts mit standardisiertem Komfort wie fließendem warmen und kalten Wasser, Zentralheizung, Toilette in der Wohnung (Innen-WC) und Badewanne ausgestattet waren. Die Plattenbau-Mieten waren zwar etwas höher als die für eine Altbauwohnung, aber dennoch gering. Wohnungsmieten wurden in der DDR staatlich auf ein niedriges Niveau reguliert.


Wie sehr die Altbausubstanz dem Verfall preisgegeben war, das zeigen die folgenden Fotos (von 1992) aus Meißen.
Chemnitz war zu DDR-Zeiten eine besondere Stadt. 1953 hatte die SED ein Karl-Marx-Jahr ausgerufen. Und um die Verbundenheit der Arbeiter der Industriestadt Chemnitz mit dem Sozialismus herauszustellen, entschied die SED-Führung, gleich die ganze Stadt und damit auch den Bezirk nach dem Philosophen und Begründer des sogenannten "wissenschaftlichen Sozialismus" zu benennen. Karl-Marx-Stadt lautete von da an bis 1990 der Name einer der wichtigsten Industriestädte der DDR.

Das in Deutschland bekannteste Wahrzeichen von Chemnitz ist der große Kopf von Karl Marx an der Brückenstraße. Das Karl-Marx-Monument wurde 1971 eingeweiht und vom sowjetischen Künstler Lew Korbelew geschaffen. Es ist die zweitgrößte Büste der Welt, nach dem Lenin-Kopf von Ulan-Ude. Das Relief dahinter stellt den zentralen Satz aus dem Kommunistischen Manifest von Karl Marx in vier Sprachen dar: "Proletarier aller Länder vereinigt euch".

Das Gebäude hinter Marx war der Sitz der SED Bezirksleitung und wurde (und wird) im Volksmund deshalb "Parteisäge" genannt.
Seit mehr als einem Jahrzehnt wird um die Nutzung der ehemaligen SED-Zentrale sowie der brachliegenden Flächen dahinter gestritten. Ex-Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (59, SPD) wollte 2017 das riesige Gebäude abreißen lassen. Laut Angaben der Stadt ist ein Abbruch der "Parteisäge" weder geplant, noch könnte man dies bis 2025 umsetzen (dann ist Chemnitz Kulturhauptstadt Europas). Zudem steht das Gebäude, ebenso wie die anderen, aus der DDR stammenden Gebäude in der näheren Umgebung, unter Denkmalschutz. Damit wäre ein Abriss ohnehin nicht so einfach möglich. Die "Parteisäge" wird der Stadt weiter erhalten bleiben. Die Abriss-Pläne von Barbara Ludwig sind endgültig vom Tisch.

Nischel-Jubiläum am 9. Oktober 2021

Das karl-Marx-Monument wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Die zweitgrößte Porträtbüste der Welt wurde am 9. Oktober 1971 vor etwa 250.000 Menschen enthüllt. Seitdem ziert das Werk das Chemnitzer Stadtbild.

Montag, 4. Oktober 2021

Im sächsischen Vogtland

Die Große Kreisstadt Plauen ist ein Oberzentrum im Südwesten des Freistaates Sachsen und die Kreisstadt des Vogtlandkreises. Zugleich ist sie die größte Stadt des sächsischen Vogtlandes und fünftgrößte Stadt im Freistaat.

Plauen wird 1122 erstmals urkundlich erwähnt. Im Mittelalter wurde die Stadt ein Handelszentrum, ab dem 18. Jahrhundert ein bedeutender Standort der sächsischen Stoff- und Textilindustrie, was mit einem erheblichen Bevölkerungszuwachs einherging. Ab den 1920ern wurde die Industriestruktur der Stadt stärker durch verarbeitendes Gewerbe im Maschinenbau geprägt. Plauen wurde durch Bombenangriffe 1945 erheblich getroffen, aber überwiegend wieder aufgebaut.

Wahrzeichen der Stadt sind das Alte Rathaus mit seinem Renaissance-Giebel und der Kunstuhr sowie die Johanniskirche.

Das Alte Rathaus wurde im Jahr 1382 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, da aber bereits 1329 Bürgermeister und geschworene Bürger belegt sind, wurde es wahrscheinlich früher errichtet. Das Rathaus wurde mehrmals umgebaut. 1503 bis 1508 wurde ein spätgotisches Gebäude mit Vorhangbogenfenstern errichtet. Beim Stadtbrand von 1548 wurde auch das Rathaus schwer beschädigt, wobei der Nordflügel mit dem Bürgersaal erhalten blieb, der Südgiebel jedoch abbrannte. Der Wiederaufbau wurde noch im gleichen Jahr begonnen, wobei auf den spätgotischen Unterbau der noch bestehende Renaissancegiebel aufgesetzt wurde. Die Kunstuhr im Giebel wurde vom Hofer Meister Georg Puhkaw ebenfalls 1548 angebracht. „Zwei Löwen schlagen die Viertelstunden an, zwei Männer bewegen sich beim Stundenschlag. Der eine hebt bei jedem Schlag seinen rechten Arm, dessen Hand einen Stab hält. Der andere ruft die Stunde aus, was sich dadurch andeutet, dass sein großer Bart sich so auf und nieder bewegt, als ob er den Mund öffne. Die Uhr besitzt zwei Zifferblätter, von denen das größere für den Stunden- und Minutenzeiger und das kleinere für den Viertelstundenzeiger bestimmt ist. Zwischen den Löwen dreht sich eine Kugel, die die Mondphase anzeigt. Unter den Zifferblättern befindet sich eine Sonnenuhr.

Das Vogtland ist eine Region im Grenzgebiet von Bayern, Sachsen, Thüringen und Böhmen. Das Vogtland gilt als eine der vulkanisch aktivsten Zonen in Mitteleuropa. Anzeichen dafür sind Schwarmbeben, Mineralquellen und Gasaustritte. Mit 100 spürbaren kleinen Erdbeben im Jahre 1824 wurde dort zuerst ein Erdbebenschwarm beschrieben. Stärkere Beben in der Region gab es 1897, 1903, 1908, 1936 und 1962, 1985 und 2000 und 2014. Im Winter 1985/86 war das bisher stärkste gemessene Erdbeben im Vogtland / Böhmen, das eine Magnitude von 4,6 auf der Richterskala erreichte. Die aktuellste Schwarmbebenserie fand im Juli/August 2018 statt.

Quellen mit heilsamer Wirkung haben die Kurorte Bad Elster und in Bad Brambach mit der stärksten Radonquelle der Welt aufblühen lassen. Mit Marienbad, Franzensbad und Karlsbad auf der tschechisch-böhmischen Seite bilden die beiden sächsischen Staatsbäder das sogenannte Bäderfünfeck.


Bad Elster als Sachsens traditionsreichstes Staatsbad und eines der ältesten deutschen Moorheilbäder, liegt im Dreiländereck Böhmen, Bayern und Sachsen inmitten der weltweit bekannten, europäischen Bäderregion im Herzen Europas. Nachdem Bad Elster 1324 erstmals urkundlich Erwähnung fand, wurde hier 1669 die erste Quelle wissenschaftlich untersucht und dem damaligen Landesherren Herzog Moritz von Sachsen- Zeitz gewidmet.

Diese Heilquelle wusste 1795 auch Johann Wolfgang von Goethe in seinem Epos »Hermann und Dorothea« zu würdigen. Bereits 1818 wurden hier die ersten warmen Mineralwasserbäder in einfachen Holzschuppen angeboten, bevor Bad Elster dann 1848 zum »Königlich Sächsischen Staatsbad« erhoben wurde. Heute zählt das »Königsbad« zu den traditionsreichsten und renommiertesten Heilbädern Deutschlands.

Mit dem Königlichen Kurhaus besitzt Bad Elster ein herausragendes architektonisches Beispiel der Neo-Renaissance und bis heute ein Zeugnis für die Wertigkeit des Heilbades Bad Elster. Die repräsentative Gestaltung der Gesamtanlage unterstreicht dabei eindrucksvoll die internationale Bedeutung und die Akzeptanz des sächsischen Königsbades am Ende des 19. Jahrhunderts.

Das Königliche Kurhaus als »Haus des Gastes« mit seiner zentralen Lage im Herzen Bad Elsters vis-à-vis des ehrwürdigen Albert Bades und des König Albert Theaters ist heute eine zeitgemäße Veranstaltungsstätte mit »königlich-sächsischen« Ambiente. Im Jahr 1852 eröffnet und bis heute unter Berücksichtigung der Bedürfnisse mehrfach baulich verändert, zieht das unter Denkmalschutz stehende Albert Bad heute nicht nur Liebhaber der Architektur in seinen Bann.

Bad Elster besitzt seit über 100 Jahren eine überregionale Bedeutung als Gesundheitsstandort. Ein äußerst wichtiges und erfolgreiches Standbein ist die hier angebotene qualitätsvolle Rehabilitationsmedizin. In Verbund mit den traditionellen und modernen Kurangeboten und der hier existierenden hochwertigen Infrastruktur ist das Heilbad Bad Elster als traditionsreicher und anerkannter Reha-Standort in der ganzen Bundesrepublik Deutschland etabliert.

In bundesweiten Vergleichen rangieren dabei die Kliniken in Bad Elster vor allem im Rahmen der Qualitätssicherung auf den vordersten Rängen. Die fünf Kliniken als medizinische Kompetenzzentren decken mit ihren Leistungsangeboten fast das gesamte Indikationsspektrum der Rehabilitationsmedizin ab. Zusätzlich gibt es in Bad Elster eine Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit orthopädischen Erkrankungen. Damit stehen in Bad Elster über 2.000 Betten für stationäre Rehabilitationsmaßnahmen zur Verfügung.
Wernesgrün: Die Wernesgrüner Brauerei GmbH ist eine Bierbrauerei in Wernesgrün im sächsischen Vogtland. Die Brauerei hat 125 Mitarbeiter und gehörte seit dem Jahr 2002 zur Bitburger Getränkegruppe, seit Januar 2021 zur Carlsberg Brauerei.
Die Geschichte von Wernesgrüner beginnt am 18. März 1436. Die Brüder Schorer erhalten in Wernesgrün das Recht zum Brauen und Schenken – übrigens 56 Jahre bevor Kolumbus Amerika entdeckt. Das Schorersche Gut und das im Jahre 1589 errichtete Gläsersche Gut begründen die Brautradition, die Wernesgrün weit über seine Grenzen hinaus berühmt machen wird.

Die ersten Jahrhunderte sind sehr bewegt – und geprägt von zahlreichen Eigentümerwechseln. Bis im 18. Jahrhundert die Familien Günnel und Männel die damals noch getrennten Güter übernehmen. Am Ende des 19. Jahrhunderts beheimatete Wernesgrün sogar 6 eigenständige Brauereien – letztendlich setzen sich aber nur die beiden traditionsreichen Familienunternehmen durch. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gibt es Niederlassungen in ganz Deutschland und den benachbarten Niederlanden. Sogar auf der berühmten Hamburg-Amerika-Linie von Hapag-Lloyd werden die Biere aus Wernesgrün serviert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg werden in den Folgejahren beide Familien enteignet und ihre Brauereien 1974 zum VEB Exportbierbrauerei Wernesgrün vereint, um Tradition und Erfahrung zu bündeln. Zu dieser Zeit wurde bereits in viele Länder Europas und die USA geliefert. Auch auf Reisen mit der Interflug und auf Urlaubsschiffen wurde Wernesgrüner ausgeschenkt. Nach der deutschen Wiedervereinigung firmiert das Unternehmen als Wernesgrüner Brauerei und wird 1994 privatisiert.

Die Silberstadt Freiberg in Sachsen

Idyllisch am Fuße des Erzgebirges und nahe Dresden und Chemnitz gelegen, zählt die Silberstadt Freiberg zu einer der schönsten Städte Sachsens. „Glück auf” – so grüßen sich die Freiberger noch heute. Einst verband sich damit die Hoffnung auf reiche Silberfunde und die glückliche Heimkehr aus den Tiefen des Berges. Heute kündet der Gruß vom Stolz der Bürger und ihrer Liebe zu der Silberstadt Deutschlands. Sie ist eng mit dem Bergbau verbunden. Um 1162/70 entstanden, war Freiberg im hohen Mittelalter die größte Stadt in der Mark Meißen und deren wichtiger Handelsstandort. Die 1765 gegründete Bergakademie ist eine der ältesten bergbautechnischen Hochschulen weltweit.

Die Technische Universität Bergakademie Freiberg ist eine staatliche Technische Universität in Freiberg im Bundesland Sachsen. Als Ressourcenuniversität konzentriert sie sich auf die Erkundung, Gewinnung, Verarbeitung, Veredlung und Wiederverwendung von Rohstoffen und Materialien.

Die Bergakademie Freiberg wurde 1765, in der Zeit der Aufklärung, durch Prinz Xaver von Sachsen nach den Plänen von Friedrich Wilhelm von Oppel (1720–1767) und Friedrich Anton von Heynitz unter dem Namen Kurfürstlich-Sächsische Bergakademie zu Freiberg (ab 1806: Königlich-Sächsische Bergakademie zu Freiberg) als Ausbildungsstätte für Bergleute gegründet. Diese Gründung war erforderlich, da Sachsen nach der Niederlage im Siebenjährigen Krieg den Bergbau forcieren musste, um seine Wirtschaft wieder aufbauen zu können.

Die Bergakademie ist damit die älteste noch bestehende montanwissenschaftliche Bildungseinrichtung der Welt, da die vier vor ihr gegründeten Akademien in Potosí (Bolivien, 1557–1786), Kongsberg (Norwegen, 1757–1814), Banská Štiavnica (1762–1919) und Prag (1762–1772) schon längst nicht mehr existieren. Nach der 1747 gegründeten École des Ponts et Chaussées ist sie weltweit die älteste technische Bildungseinrichtung. Die Mineralogische Sammlung der TU Bergakademie Freiberg ergänzt die Forschung.

An der Bergakademie wurden zwei chemische Elemente von Freiberger Wissenschaftlern entdeckt: das Indium (1863 von Ferdinand Reich und Theodor Richter) und das Germanium (1886 von Clemens Winkler).
Der Obermarkt in Freiberg misst 110 Meter mal 72 Meter. Der Obermarkt in Freiberg wurde fast 800 Jahre hindurch im Laufe der Geschichte niemals umbenannt und trägt daher noch immer seinen „Geburtsnamen“. Das historische Platzbild ist geschlossen erhalten.

Das dominierende Gebäude des Platzes – Obermarkt 24 – ist das an der Nordostseite des Marktplatzes stehende breit gelagerte Rathaus, das zwischen 1410 und 1474 errichtet wurde und in das Teile eines Vorgängerbaus einbezogen wurden. Es ist ein typischer Renaissance-Bau. In späteren Jahrhunderten erfolgten etliche Umbauten, z. B. Austausch des spätgotischen Steildachs durch das nun erhaltene Satteldach und der Giebel wurde 1857 in historisierender Art überformt. Der vorgestellte Turm beherbergt eine Turmuhr, die nach allen vier Seiten zeigt. An der Nordostecke des Gebäudes befindet sich ein Anbau von 1912 an Stelle der einstigen Stadtfronfeste (Stockhaus). Im ersten Geschoss befinden sich die Lorenzkapelle (1514) sowie ein aus Meißner Porzellan gefertigtes Glockenspiel, das täglich um 11:15 und 16:15 Uhr das Steigerlied „Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt“ intoniert.
In der Mitte des Marktes steht das bronzene Brunnendenkmal von 1897, das den wettinischen Stadtgründer Markgraf Otto den Reichen und vier Wappenlöwen zeigt. Eine alte Tradition Freiberger Studenten ist das „Löwenreiten“ nach dem Abschluss des Studiums, der früher solange betrieben wurde, bis die Polizei kam und die jungen Leute zur Kasse bat. Der Strafzettel, der ihnen Erregung öffentlichen Ärgernisses durch Löwenreiten bescheinigte, wurde dann stolz in der Heimat herumgezeigt.

Freiberg verfügt über 1250 technische, kunstgeschichtliche und kulturelle Denkmäler verschiedener Art und Größe. Die historische Altstadt, umgeben von Resten der Stadtmauer, besteht aus einem unzerstörten Stadtkern mit unverändertem Grundriss aus dem 12./13. Jahrhundert.

Bild oben: Haus Am Obermarkt 17 von ca. 1528

Das Haus Obermarkt 17 trägt den Namen Lißkirchner-Haus. Mit 32 m ist es das höchste Haus am Obermarkt. Das Renaissanceportal von 1530 zeigt Motive des Freiberger Bergbaus. Patrizierhaus der Familie Lißkirchner, gestalterisch und städtebaulich markantestes Wohngebäude am Obermarkt, hoch aufragender Renaissancebau mit Steildach, die Fenstergewände profiliert und architraviert, am bemerkenswertesten das reiche und in Vollendung ausgeführtes Portal das sog. Bergmannportal), innen wertvolle Ausstattung, bedeutsames Zeugnis der Baukunst im 16. Jahrhundert; künstlerisch, bau- und stadtentwicklungsgeschichtlich bedeutend, insbesondere das Portal (kunsthistorisch) singulär, zudem im Zusammenhang mit einzigartigem Ensemble des Obermarktes von besonderer städtebaulicher Bedeutung.

Alle übrigen Häuser sind Bürgerhäuser (auch verschiedentlich Patrizierhäuser genannt), die überwiegend aus dem 16. Jahrhundert stammen. Diese Häuser zeichnen sich wegen der – erfahrungsgemäß großen – Schneelasten im Winter durch hohe Satteldächer aus, die teilweise mit Dachgauben, Reliefs, Rundbögen- und anderen Portalen und stabwerkgeschmückten Fenstergewänden versehen sind.

Ein Kuriosum ist das Haus Obermarkt Nr. 11, das "Schmale Haus". Es ist schmalstes Haus am Obermarkt (zwei Achsen). War ursprünglich mit Nr. 12 mal ein Gebäude gewesen. Reste des historisierenden Ladeneinbaus sind noch vorhanden, z. T. bemerkenswerte Ausstattung; künstlerisch, bau- und stadtentwicklungsgeschichtlich bedeutend, zudem im Zusammenhang mit dem Ensemble des Obermarktes von singulärer baulicher Bedeutung.

Das Rathaus beherbergt im rückwertigen Anbau die Plastik eines Bermanns (s. Bild unten). Die Bergmannsplastik am Hintereingang des Freiberger Rathauses wurde gemäss Denkmaltopographie im Jahre 1913 wahrscheinlich durch den Freiberger Bildhauer Julius Hermann Karl Ludwig Godenschweg (1889-1947) gefertigt. Als Vorbild diente ein anlässlich der "Erzgebirgsausstellung für Gewerbe, Industrie, Bergbau, Forst- und Landwirtschaft" 1912 angefertigtes Standbild, dessen Entwurf von dem in Dresden ansässig gewordenen Langenauer Holzbildhauer Ernst Dagobert Kaltofen (1841-1922) stammte und das ebenfalls von Godenschweg ausgeführt wurde.

Das Denkmal, das den Freiberger Wappenschild trägt, erinnert an die Einstellung des Bergbaus im hiesigen Revier im Jahre 1913.



Impressionen aus Sachsen - Teil 2: Chemnitz, Freiberg, Bad Elster und Erzgebirge

Ein paar Fakten zum "Nischel", dem Karl-Marx-Monument in Chemnitz

Das Karl-Marx-Monument ist eine 7,1 m (mit Sockel über 13 m) hohe und ca. vierzig Tonnen schwere Plastik, die den Kopf von Karl Marx stilisiert darstellt. Es ist das bekannteste Wahrzeichen der Stadt Chemnitz und befindet sich im Stadtzentrum an der Brückenstraße nahe der Kreuzung zur Straße der Nationen. Bei diesem Denkmal handelt es sich, nach dem 60 cm höheren Lenin-Kopf in Ulan-Ude, um die zweitgrößte Porträtbüste der Welt.

Auf der hinter dem Monument gelegenen Wand an der „Parteisäge“ (umgangssprachlich für das Gebäude des ehemaligen Rates des Bezirkes, mit seiner sägezahnförmig fortgeführten Bebauung, die in den 1980er Jahren der SED-Bezirksleitung als Domizil diente) sieht man den Schriftzug „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ aus dem Kommunistischen Manifest in den vier Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch und Russisch. Diese Wand gestaltete ein Künstlerkollektiv, an dem der Grafiker Helmut Humann beteiligt war.

Nischel ist der lokale Spitzname für das Denkmal und leitet sich aus der mitteldeutschen Bezeichnung für Kopf bzw. Schädel ab.

Die Stadt und der Bezirk Chemnitz wurden nach dem Zweiten Weltkrieg am 10. Mai 1953 in Karl-Marx-Stadt umbenannt. Damit wurde auch der Wiederaufbau der Stadt nach Plänen des sozialistischen Städtebaus eingeleitet. Mit einem Monument zu Ehren des Namensgebers der Stadt sollte diese Umwandlung in eine Stadt sozialistischen Typs verkörpert werden.

Am 9. Oktober 1971 wurde das Denkmal vor rund 250.000 Menschen eingeweiht, die sich auf der am Monument entlang führenden Karl-Marx-Allee (im Volksmund auch als „Nischelgasse“ oder „Schädelgasse“ bezeichnet), heute wieder Brückenstraße, befanden. Anwesend bei der Enthüllung des neuen Wahrzeichens der Stadt waren unter anderem Erich Honecker und Robert-Jean Longuet, Urenkel von Karl Marx.

Das Symbol der Stadt Karl-Marx-Stadt war auch Motiv der häufig genutzten Briefmarke zu 35 Pfennigen aus der Dauerserie Aufbau in der DDR.

(Quelle: Wikipedia)

Das Arbeitsamt Chemnitz war damals (1992) im ehemaligen Gebäude der SED-Bezirksleitung untergebracht, links vom Karl-Marx-Monument ("Nischel"). Warum ausgerechnet dort? Ganz einfach: In den ehemaligen Gebäuden der SED oder der Stasi oder in ehemaligen Kasernen der NVA oder der Roten Armee gab es die erforderliche Infrastruktur wie Telefon-, Telex- und Telefax-Anschlüsse.
Chemnitz hieß zu Zeiten der DDR Karl-Marx-Stadt und war die einzige Stadt in der DDR, die sich mit 3 "o" geschrieben hat: Gorl-Morx-Stod. Tja, so ist das mit dem sächsischen Dialekt.

Im Erzgebirge


Markgraf Otto von Meißen (1156-1190), der später den Beinamen "der Reiche" bekam, gilt als der eigentliche Stadtgründer Freibergs. Die Freiberger setzten ihm auf dem Obermarkt ein Denkmal in Form eines Brunnens.

Der Obermarkt in der Stadt Freiberg in Sachsen misst 110 Meter mal 72 Meter. Der Obermarkt in Freiberg wurde fast 800 Jahre hindurch im Laufe der Geschichte niemals umbenannt und trägt daher noch immer seinen „Geburtsnamen“. Das historische Platzbild ist geschlossen erhalten.

Das dominierende Gebäude des Platzes – Obermarkt 24 – ist das an der Nordostseite des Marktplatzes stehende breit gelagerte Rathaus, das zwischen 1410 und 1474 errichtet wurde und in das Teile eines Vorgängerbaus einbezogen wurden. Es ist ein typischer Renaissance-Bau. In späteren Jahrhunderten erfolgten etliche Umbauten, z. B. Austausch des spätgotischen Steildachs durch das nun erhaltene Satteldach und der Giebel wurde 1857 in historisierender Art überformt. Der vorgestellte Turm beherbergt eine Turmuhr, die nach allen vier Seiten zeigt. An der Nordostecke des Gebäudes befindet sich ein Anbau von 1912 an Stelle der einstigen Stadtfronfeste (Stockhaus). Im ersten Geschoss befinden sich die Lorenzkapelle (1514) sowie seit 1986 ein aus Meißner Porzellan gefertigtes Glockenspiel mit zwölf Glocken, das täglich um 11:15 und 16:15 Uhr das Steigerlied „Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt“ intoniert. Es können noch weitere Melodien, auch über eine Klaviatur, gespielt werden. Die Fassade ist mit unterschiedlichen Gewänden abwechslungsreich gestaltet. Der wappengeschmückte Erker von 1578, an dem der oben erwähnte Gaffkopf angebracht ist, setzt einen besonderen architektonischen Akzent.

In der Mitte des Marktes steht das bronzene Brunnendenkmal von 1897, das den wettinischen Stadtgründer Markgraf Otto den Reichen und vier Wappenlöwen zeigt. Eine alte Tradition Freiberger Studenten ist das „Löwenreiten“ nach dem Abschluss des Studiums, der früher solange betrieben wurde, bis die Polizei kam und die jungen Leute zur Kasse bat. Der Strafzettel, der ihnen Erregung öffentlichen Ärgernisses durch Löwenreiten bescheinigte, wurde dann stolz in der Heimat herumgezeigt.

Die Greifensteine, bis um 1900 der Greifenstein, sind eine Felsformation im Erzgebirge im Waldgebiet zwischen den Ortschaften Ehrenfriedersdorf, Geyer, Jahnsbach und Thum auf dem Gebiet der Stadt Ehrenfriedersdorf im sächsischen Erzgebirgskreis. Der höchste der sieben Granitfelsen erreicht eine Höhe von 731,7 m ü. NHN. Weitere sechs Felsen wurden durch Steinbrucharbeiten abgetragen, die 1923 endeten.

Industriekultur – Sachzeugen des goldenen Zeitalters

Nach dem Siebenjährigen Krieg und bis zum Zweiten Weltkrieg war Sachsen die führende Wirtschaftsregion Deutschlands. Industrie und Handel trafen sich in der Metropole Leipzig, dem weltweit führenden Messestandort. Sachsen war am dichtesten besiedelt und nicht nur in Chemnitz und Dresden, sondern auch in kleinen Städten und Dörfern stellten Unternehmen, die oft Weltmarktführer waren, vielfältigste Maschinen und Produkte her. So besitzt Sachsen viele Zeugen der sächsischen Industriegeschichte.
Bad Elster als Sachsens traditionsreichstes Staatsbad und eines der ältesten deutschen Moorheilbäder, liegt im Dreiländereck Böhmen, Bayern und Sachsen inmitten der weltweit bekannten, europäischen Bäderregion im Herzen Europas. Nachdem Bad Elster 1324 erstmals urkundlich Erwähnung fand, wurde hier 1669 die erste Quelle wissenschaftlich untersucht und dem damaligen Landesherren Herzog Moritz von Sachsen- Zeitz gewidmet. Diese Heilquelle wusste 1795 auch Johann Wolfgang von Goethe in seinem Epos »Hermann und Dorothea« zu würdigen. Bereits 1818 wurden hier die ersten warmen Mineralwasserbäder in einfachen Holzschuppen angeboten, bevor Bad Elster dann 1848 zum »Königlich Sächsischen Staatsbad« erhoben wurde. Heute zählt das »Königsbad« zu den traditionsreichsten und renommiertesten Heilbädern Deutschlands. Im Jahr 1852 eröffnet und bis heute unter Berücksichtigung der Bedürfnisse mehrfach baulich verändert, zieht das unter Denkmalschutz stehende Albert Bad heute nicht nur Liebhaber der Architektur in seinen Bann.



Impressionen aus Sachsen - Teil 1: Meißen

Meißen - An der Frauenkirche - Weinrestaurant Vincenz Richter

Die Altstadt von Meißen ist von herausragender kulturhistorischer Bedeutung. Speziell auch die "Kapelle unserer lieben Frauen St. Marien" (oder Frauenkirche) mit ihrem in der Zeit um 1450 bis 1520 entstandenen Marienaltar. Das Weinrestaurant Vincenz Richter verfügt über eine Antiquitätensammlung mit über 500 Originalen aus mehreren Jahrhunderten. Im Jahr 2000 wurde das Weingut Vincenz Richter erstmals im Gault-Millau beschrieben. Im gleichen Jahr erhielt der Betrieb seine erste internationale Auszeichnung. Im Rahmen des internationalen Weinvergleichs Internationales Vinalies Enologues de France der Union der Önologen von Frankreich und der Union der internationalen Önologen wurde der 1998 Meißner Kapitelberg Riesling – Spätlese bewertet in das Buch „1000 Vins du Monde, la selection de Enologues“ aufgenommen. Das Weingut wurde 1873 durch Vincenz Anton Richter, einen Oberst der kaiserlichen Armee, gegründet und ist mittlerweile seit vier Generationen im Familienbesitz.


Meißen in Sachsen

Die Frauenkirche in Meißen

Die evangelische Frauenkirche in der Altstadt von Meißen ist eine spätgotische Hallenkirche. Sie gehört zur Gemeinde St. Afra Meißen im Kirchenbezirk Meißen-Großenhain der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens.


Erstmals wurde die Kirche 1205 in einer Urkunde Bischof Dietrichs II. von Meißen als Kapelle der Heiligen Maria am Markt erwähnt. Etwa 100 Jahre später trat der Name Kapelle unserer lieben Frauen St. Marien oder Frauenkirche hervor. Die Kirche war dem Augustiner-Chorherrenstift St. Afra unterstellt. Die Afrakirche war die erste Pfarrkirche der Stadt und des Umlandes. Das Gotteshaus am Markt entwickelte sich zur Bürgerkirche und erhielt 1457 das Taufrecht. Nach zerstörerischen Stadtbränden entstand in der Zeit um 1450 bis 1520 ein neuer repräsentativer Bau als spätgotische Hallenkirche.

Im Turm wurde im Jahr 1929 anlässlich der 1000-Jahr-Feier von Meißen das erste stimmbare und somit auch spielbare Porzellanglockenspiel der Welt installiert. Am 1. Juni 1929 erklang gegen Mittag erstmals das Glockenspiel.

Das Spiel besteht aus 37 Glocken. Jede davon ist unter ihrem Henkel mit der Tonhöhe und den blauen Schwertern - dem Markenzeichen von MEISSEN® - gekennzeichnet. Die Entwicklung des Glockenspiels hat der damalige Generaldirektor der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen, Max Adolf Pfeiffer, anlässlich der 1000-Jahr-Feier der Stadt Meißen initiiert. Prof. Emil Paul Börner, dem Leiter eines Meisterateliers der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen, gelang mit seinem Team die Herstellung der abstimmbaren Glocken. Vor seinem 75. Geburtstag wurde das Glockenspiel durch die Initiative des Fördervereins und Dank der Unterstützung vieler Spender komplett saniert.

Brauhaus Meißen

Das Brauhaus Meißen ist ein Bauwerk der Renaissance auf dem Grundstück An der Frauenkirche 3 in der Altstadt von Meißen in Sachsen.

Errichtet wurde das Bahrmannsche Brauhaus zu Meißen auf gotischen Grundmauern bereits im Jahr 1570. Mit der Lage direkt im Zentrum der Stadt an der Frauenkirche erblickt man heute ein künstlerisch gestaltetes Giebelhaus aus der Zeit der Renaissance. Die erste urkundliche Erwähnung des Platzes bzw. Gebäudes kann auf das Jahr 1460 zurückverfolgt werden. Seinen Namen und seine Anerkennung erhielt das Brauhaus bis zuletzt durch die Vorfahren des heutigen Besitzers, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts noch Bier hinter den Gemäuern brauten.

Der Grundriss des Bahrmannschen Brauhauses erstreckt sich trapezförmig zwischen der Webergasse und der Rosengasse. Der Giebel blickt zum südwestlichen Marktzugang, wobei nicht nur dieser im Stile der Renaissance gehalten blieb. Insgesamt besteht das Bahrmannsche Brauhaus aus einem dreigeschossigen Vorderhaus und zwei Seitenflügeln. Viele Jahre gehörten die Gemäuer hinter der Fassade zum Stammhaus der Schwerter Brauerei. Das steinerne Gebäude wurde mit Bedacht als Brauhaus gewählt, um einen Funkenübersprung durch das lodernde Feuer zu verhindern. Der Türmer der nahegelegenen Frauenkirche musste den Vorgang ständig überwachen, da Funken schnell auf die Strohdächer der anliegenden Häuser überspringen konnten. In den 550 Jahren der Braugeschichte brach kein einziges Feuer aus.

1831 führte die sächsische Verfassung liberale Regelungen für die Entwicklung von Industrie und Gewerbe ein, wobei sich mehrere Brauereien der Stadt etablierten. Das Brauhaus ging an den Brau- und Malzmeister Johann Gotthelf Mühlberg und seinen Sohn, wobei den beiden der Brauerfolg versagt blieb.

Im Jahr 1868 ging das Gebäude aufgrund einer Versteigerung an Eduard Bahrmann, der bis heute Namensträger dieser Meißner Sehenswürdigkeit bleibt. Als Bierbrauer beherrschte er sein Handwerk gut und kreierte gar neue Sorten im Vergleich zum bekannten Meißner Braunbier. Nicht allein durch sein Schaffen und Werk gelang es der Stadt in den 70er und 80er Jahren des 19. Jahrhunderts zu einem enormen wirtschaftlichen Aufschwung. Ständig vergrößerte er sein Gewerbe und baute in anderen Gebäuden weiter aus.

Anfang des 20. Jahrhunderts zogen sich die Brüder Bahrmann zurück und das Gewerbe wurde in die Schwerter Brauerei umbenannt. Mehrere Immobilien und ein Gastronomiebetrieb gehören zu diesem Unternehmen. Der Name Bahrmannsches Brauhaus blieb bis heute erhalten. Allerdings gab es 1913 einen größeren Umbau des Gebäudes zu Wohnzwecken. Heute erinnern noch die weiten und kühlen Keller sowie die großen Erdgeschosshallen an das einstige Brauwesen.


Die Porzellanmanufaktur

Meißner Porzellan (Handelsmarke: Meißener Porzellan) ist Porzellan aus der ersten europäischen und im 18. Jahrhundert lange Zeit führenden Manufaktur, die von ihrer Gründung bis zum Jahr 1863 auf der Albrechtsburg in Meißen, dann in einem eigenen Werk produzierte.


Der Alchemist Johann Friedrich Böttger behauptete Anfang des 18. Jahrhunderts, dass er aus wertlosen Materialien Gold herstellen könne. Als das dem sächsischen Kurfürsten August dem Starken in Dresden zugetragen wurde, ließ er Böttger in der Jungfernbastei einsperren, um ihn Gold herstellen zu lassen. Nach einigen Jahren wurde Johann Friedrich Böttger von Ehrenfried Walther von Tschirnhaus überzeugt, sich an dessen Versuchen zur Herstellung von Porzellan zu beteiligen und begann, Ende September 1707 in der Porzellan-Forschung tätig zu werden.

Die Experimente führten 1708 zur Erfindung des europäischen Porzellans. Vorausgegangen war 1707 die Erfindung von marmorierten Fliesen und des roten Böttgersteinzeugs (Jaspisporzellan), das noch einige Jahrzehnte neben dem Porzellan hergestellt wurde. 1710 patentierte der sächsische Kurfürst August der Starke als Auftraggeber die Herstellung und versuchte, das Verfahren als Geheimnis zu hüten.

Am 23. Januar 1710 erfolgte per Dekret von August dem Starken die öffentliche Bekanntgabe einer Gründung der „Königlich-Polnischen und Kurfürstlich-Sächsischen Porzellan-Manufaktur“, die nach Einrichtung einer Produktionsstätte in der Albrechtsburg in Meißen diese am 6. Juni 1710 übernahm. Die Manufaktur ging 1806 als „Königlich-Sächsische Porzellan-Manufaktur Meissen“ aus dem Besitz der Krone in das Eigentum des sächsischen Fiskus über. Im Zuge der verfassungsmäßigen Erneuerung des staatlichen Eigentums nannte sich das Unternehmen ab 1918 „Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen“. In der DDR war die Manufaktur ein Volkseigener Betrieb. Seit dem 26. Juni 1991 firmiert sie als „Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen GmbH“, deren Gesellschafter der Freistaat Sachsen ist. Die weltweit führende Porzellanmanufaktur gehört zu den international bekanntesten und ältesten deutschen Luxusmarken.

Zum Symbol für die Manufaktur sind die gekreuzten Kurschwerter geworden. Die Schwertermarke hatte sich ab 1731, als alle Porzellane aus Meißen mit einer Marke versehen sein mussten, gegen die AR-Marke („Augustus Rex“) und den Merkurstab durchgesetzt. Zur Kennzeichnung qualitativ nur bedingt brauchbarer Ware, aber auch zur Kennzeichnung der Weißware werden nach der Glasur an den Schwertermarken Schleifstriche angebracht. Die ersten Markierungen dieser Art sind auf Teilen aus der Zeit um 1764 zu finden.
Der Ratskeller befindet sich im historischen Bau des spätgotischen Rathauses direkt in der historischen Altstadt. Dies ist zweifellos das imposanteste Gebäude am Markt. Als Sitz der Meißner Ratsherren zwischen 1470 und 1486 erbaut, ist es vor einigen Jahren umfangreich saniert worden. Das Meißner Rathaus gilt als das älteste seiner Art im sächsischen Raum.

Der Ratskeller hatte im Mittelalter das Recht, fremde Biere auszuschenken und erfreute sich dadurch schon wachsender Beliebtheit. Denn zu der Zeit fand das Braurecht nur in Verbindung mit dem Bierzwangrecht statt, wo nach landesrechtlichem Privileg innerhalb einer sogenannten Biermeile allein Meißner Bier ausgeschenkt werden durfte. Nur im Ratskeller und Domkeller durften auswärtige Biere ausgeschenkt werden. Gleichzeitig erhielten die Ratsherren, die Kirch- und Schuldiener sonntags Ihren „freien“ Tischdrunk. Später dann, wurde für den Ratskeller im Obergeschoss noch ein großer Saal errichtet. Dort fanden in der Folge Gastlichkeiten des Rates statt. Ebenso Hochzeiten vornehmer Familien, Tanzveranstaltungen und später auch Theateraufführungen der städtischen Lateinschule.

Mittwoch, 4. August 2021

Persönliche Highlights in Sachsen

Er gehört zu den schönsten Marktplätzen in Deutschland - der historische Obermarkt in der Silberstadt Freiberg in Sachsen. Im 13. Jahrhundert wurde im Rahmen der Entstehung der Stadt auch der Marktplatz angelegt.

⁠Das Rathaus mit seinem Turm ist das Herzstück des mittelalterlichen Platzes. Eine Besonderheit des Turmes ist ein zwölfteiliges Glockenspiel aus Meißner Porzellan, welches zweimal täglich das Steigerlied erklingen lässt.

Markgraf Otto von Meißen (1156-1190), der später den Beinamen "der Reiche" bekam, gilt als der eigentliche Stadtgründer Freibergs. Die Freiberger setzten ihm auf dem Obermarkt ein Denkmal in Form eines Brunnens.

Eine alte Tradition Freiberger Studenten ist das „Löwenreiten“ auf den vier Löwen des Brunnens nach dem Abschluss des Studiums, das früher solange betrieben wurde, bis die Polizei kam und die jungen Leute zur Kasse bat. Der Strafzettel, der ihnen Erregung öffentlichen Ärgernisses durch Löwenreiten bescheinigte, wurde dann stolz in der Heimat herumgezeigt.

Meißen - Frauenkirche

Die evangelische Frauenkirche in der Altstadt von Meißen ist eine spätgotische Hallenkirche. Sie gehört zur Gemeinde St. Afra Meißen im Kirchenbezirk Meißen-Großenhain der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens.


Erstmals wurde die Kirche 1205 in einer Urkunde Bischof Dietrichs II. von Meißen als Kapelle der Heiligen Maria am Markt erwähnt. Etwa 100 Jahre später trat der Name Kapelle unserer lieben Frauen St. Marien oder Frauenkirche hervor. Die Kirche war dem Augustiner-Chorherrenstift St. Afra unterstellt. Die Afrakirche war die erste Pfarrkirche der Stadt und des Umlandes. Das Gotteshaus am Markt entwickelte sich zur Bürgerkirche und erhielt 1457 das Taufrecht. Nach zerstörerischen Stadtbränden entstand in der Zeit um 1450 bis 1520 ein neuer repräsentativer Bau als spätgotische Hallenkirche.

Im Turm wurde im Jahr 1929 anlässlich der 1000-Jahr-Feier von Meißen das erste stimmbare und somit auch spielbare Porzellanglockenspiel der Welt installiert. Am 1. Juni 1929 erklang gegen Mittag erstmals das Glockenspiel.

Die St. Annenkirche in Annaberg-Buchholz im Erzgebirge ist eine Hallenkirche an der Schwelle zwischen Spätgotik und Renaissance und mit 65 Metern Länge und 40 Metern Breite die größte reine Hallenkirche der Spätgotik in Sachsen. Der Turm ist 78 Meter, der Innenraum der Kirche 28 Meter hoch. Sie ist das Wahrzeichen der Stadt und weithin sichtbar. Die St. Annenkirche wurde ursprünglich ab 1499 als katholisches Gotteshaus errichtet. 1539 wurde sie evangelisch-lutherisch.


Von den verschiedenen Altären in der St. Annenkirche ist der 1521 geweihte Bergaltar der bemerkenswerteste. Er verbindet in vielerlei Hinsicht Formen der Gotik mit Einflüssen der Renaissance. Seine hohe kunstgeschichtlich Bedeutung und überregionale Bekanntheit gewinnt er aus den vier Bildtafeln auf seiner Rückseite. Die dem Maler Hans Hesse zugeschriebenen Werke zeigen eindrucksvoll eine erzgebirgische Bergbaulandschaft und bergmännisches Leben vor 500 Jahren. Der Altar wurde von der Bergknappschaft in Auftrag gegeben.

Die Greifensteine, bis um 1900 der Greifenstein, sind eine Felsformation im Erzgebirge im Waldgebiet zwischen den Ortschaften Ehrenfriedersdorf, Geyer, Jahnsbach und Thum auf dem Gebiet der Stadt Ehrenfriedersdorf im sächsischen Erzgebirgskreis. Der höchste der sieben Granitfelsen erreicht eine Höhe von 731,7 m ü. NHN. Weitere sechs Felsen wurden durch Steinbrucharbeiten abgetragen, die 1923 endeten.

Wo heute noch 7 Granitfelsen Höhen bis zu 732 m ü.N.N. erreichen, standen vor 200 Jahren noch 13 solcher Felsen. 6 davon sind im Laufe der Zeit Steinbrechern zum Opfer gefallen. Da der Granit in dieser Gegend nur an sehr wenigen Stellen zutage tritt, wurde er schon seit Jahrhunderten als begehrter Bruchstein genutzt. Der Greifensteingranit ist bereits 1483 (nach der Leipziger Teilung) für Grenzsteine zwischen dem kurfürstlichen und herzoglichen Sachsen verwendet worden.

Eine Karte von 1601 zeigt nördlich von den Felsen einen Steinbruch. 1683 hatten Christoph und Hans Ulrich einen Steinbruch in Besitz. Aus Granit wurden unter anderem Werkstücke, Tür- und Grabsteine hergestellt. Im 19. Jahrhundert benutzten Freiberger Metallurgen den Greifensteingranit für ihre Amalgierwerke. Auch Wassertröge bis zu vier Meter Länge und Viehtränken fertigten die Steinmetze. So sind den Steinbrucharbeiten 6 Felsen zum Opfer gefallen, ehe Schutzmaßnahmen angeordnet wurden.

Industriekultur – Sachzeugen des goldenen Zeitalters - Kalkofen Lengefeld

Nach dem Siebenjährigen Krieg und bis zum Zweiten Weltkrieg war Sachsen die führende Wirtschaftsregion Deutschlands. Industrie und Handel trafen sich in der Metropole Leipzig, dem weltweit führenden Messestandort. Sachsen war am dichtesten besiedelt und nicht nur in Chemnitz und Dresden, sondern auch in kleinen Städten und Dörfern stellten Unternehmen, die oft Weltmarktführer waren, vielfältigste Maschinen und Produkte her. So besitzt Sachsen viele Zeugen der sächsischen Industriegeschichte.

Das Denkmal "Kalkofen" zeigt zwei gut erhaltenen Brennöfen eines ehemaligen Kalkwerkes aus dem 19. Jahrhundert.




Montag, 2. August 2021

Im Erzgebirge


Das Kalkwerk Lengefeld war ein Kalk-Bergwerk südwestlich der sächsischen Stadt Pockau-Lengefeld im Erzgebirge. Es war das letzte mit Schachtförderung arbeitende Bergwerk Sachsens bzw. der deutschen Seite des Erzgebirges.

Die Kalkförderung reicht am Standort Lengefeld bis ins 16. Jahrhundert zurück. Bis heute blieb hier ein geschlossener Denkmalbestand erhalten, der einen Einblick in die fast 500-jährige Geschichte der Kalkförderung und -verarbeitung gewährt. Die historischen Anlagen des Kalkwerks Lengefeld sind deshalb eine ausgewählte Stätte des UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge.

[Blick auf die historischen Tagesanlagen von der Straßenseite (B 101)]


Das Museum Kalkwerk Lengefeld zählt zu den bedeutendsten technischen Denkmalen der alten Bindemittelindustrie in Europa. Hier lässt sich der Abbruch von Kalkstein bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Technische Anlagen der Kalkgewinnung und -verarbeitung zeugen von dieser langen Tradition.


Die Greifensteine, bis um 1900 der Greifenstein, sind eine Felsformation im Erzgebirge im Waldgebiet zwischen den Ortschaften Ehrenfriedersdorf, Geyer, Jahnsbach und Thum auf dem Gebiet der Stadt Ehrenfriedersdorf im sächsischen Erzgebirgskreis. Der höchste der sieben Granitfelsen erreicht eine Höhe von 731,7 m ü. NHN. Weitere sechs Felsen wurden durch Steinbrucharbeiten abgetragen, die 1923 endeten.


Räuchermänner - oder Räuchermännl, wie sie liebevoll im sächsischen Erzgebirge genannt werden - haben ihren Ursprung in dem traditionell starken christlichen Glauben der Bewohner der Region. Zunächst waren Räuchermännchen schlicht Abdeckungen für Räucherkerzen und Räucherkegel und dienten dem komfortablen Abbrennen von Weihrauch, dem leichteren Transport des duftenden Inhalts bzw. der Vermeidung von Haus- und Wohnungsbränden.
Volkskunst aus dem Erzgebirge: Nußknacker und Räuchermännchen

Der originale Nußknacker aus dem sächsischen Erzgebirge ist weltweit wohl der bekannteste Vertreter der erzgebirgischen Volkskunst und stellt für viele Menschen ein ganz besonderes Symbol der Weihnachtszeit dar. Mit seiner meist leuchtend bunt bemalten Fantasie-Unifom und seinem grimmigen Gesichtsausdruck ist er schon seit 1870 aus der weihnachtlichen Dekoration kaum mehr wegzudenken. Diese traditionelle Darstellung des Nußknackers entstammt den besonderen Lebensumständen der Bewohner des Erzgebirges nach der Schließung der Erzminen zu dieser Zeit. Der Urtyp des Erzgebirge Nussknacker stammt aus dem Jahre 1865 und wird der Familie Füchtner zugeschrieben, die noch heute eine Werkstatt betreibt.


Meißen und sein Porzellan

Meißner Porzellan (Handelsmarke: Meißener Porzellan) ist Porzellan aus der ersten europäischen und im 18. Jahrhundert lange Zeit führenden Manufaktur, die von ihrer Gründung bis zum Jahr 1863 auf der Albrechtsburg in Meißen, dann in einem eigenen Werk produzierte. Am 23. Januar 1710 erfolgte per Dekret von August dem Starken die öffentliche Bekanntgabe einer Gründung der „Königlich-Polnischen und Kurfürstlich-Sächsischen Porzellan-Manufaktur“, die nach Einrichtung einer Produktionsstätte in der Albrechtsburg in Meißen diese am 6. Juni 1710 übernahm.

Der Alchemist Johann Friedrich Böttger behauptete Anfang des 18. Jahrhunderts, dass er aus wertlosen Materialien Gold herstellen könne. Als das dem sächsischen Kurfürsten August dem Starken in Dresden zugetragen wurde, ließ er Böttger in der Jungfernbastei einsperren, um ihn Gold herstellen zu lassen. Nach einigen Jahren wurde Johann Friedrich Böttger von Ehrenfried Walther von Tschirnhaus überzeugt, sich an dessen Versuchen zur Herstellung von Porzellan zu beteiligen und begann, Ende September 1707 in der Porzellan-Forschung tätig zu werden. Die Experimente führten 1708 zur Erfindung des europäischen Porzellans.
Die Manufaktur in der Talstraße in Meißen

Im Januar 1916 öffnete die Schauhalle auf einem Nachbargrundstück der Manufaktur an der Talstraße ihre Türen. Bis 2014 wurde das Firmenmuseum in eigener Regie geführt und im Laufe der Zeit um eine Schauwerkstatt und ein 2006 erbautes Besucherzentrum erweitert. Seit 2015 betreut die Meissen Porzellan-Stiftung GmbH als Eigentümerin der Museumsobjekte das Porzellan-Museum. Hier werden Meißner Porzellane von 1710 bis in die Gegenwart chronologisch geordnet gezeigt, um die gestalterische Entwicklung der verschiedenen Epochen zu verdeutlichen.

Der Tafelaufsatz von der Hochzeit August des Starken

Sonntag, 1. August 2021

Unterwegs in Sachsen

Das Rathaus von Plauen im Vogtland


Ein paar Fakten zum "Nischel", dem Karl-Marx-Monument in Chemnitz


Das Karl-Marx-Monument ist eine 7,1 m (mit Sockel über 13 m) hohe und ca. vierzig Tonnen schwere Plastik, die den Kopf von Karl Marx stilisiert darstellt. Es ist das bekannteste Wahrzeichen der Stadt Chemnitz und befindet sich im Stadtzentrum an der Brückenstraße nahe der Kreuzung zur Straße der Nationen. Bei diesem Denkmal handelt es sich, nach dem 60 cm höheren Lenin-Kopf in Ulan-Ude, um die zweitgrößte Porträtbüste der Welt.

Auf der hinter dem Monument gelegenen Wand an der „Parteisäge“ (umgangssprachlich für das Gebäude des ehemaligen Rates des Bezirkes, mit seiner sägezahnförmig fortgeführten Bebauung, die in den 1980er Jahren der SED-Bezirksleitung als Domizil diente) sieht man den Schriftzug „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ aus dem Kommunistischen Manifest in den vier Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch und Russisch. Diese Wand gestaltete ein Künstlerkollektiv, an dem der Grafiker Helmut Humann beteiligt war.

Nischel ist der lokale Spitzname für das Denkmal und leitet sich aus der mitteldeutschen Bezeichnung für Kopf bzw. Schädel ab.

Die Stadt und der Bezirk Chemnitz wurden nach dem Zweiten Weltkrieg am 10. Mai 1953 in Karl-Marx-Stadt umbenannt. Damit wurde auch der Wiederaufbau der Stadt nach Plänen des sozialistischen Städtebaus eingeleitet. Mit einem Monument zu Ehren des Namensgebers der Stadt sollte diese Umwandlung in eine Stadt sozialistischen Typs verkörpert werden.


Am 9. Oktober 1971 wurde das Denkmal vor rund 250.000 Menschen eingeweiht, die sich auf der am Monument entlang führenden Karl-Marx-Allee (im Volksmund auch als „Nischelgasse“ oder „Schädelgasse“ bezeichnet), heute wieder Brückenstraße, befanden. Anwesend bei der Enthüllung des neuen Wahrzeichens der Stadt waren unter anderem Erich Honecker und Robert-Jean Longuet, Urenkel von Karl Marx.

Das Symbol der Stadt Karl-Marx-Stadt war auch Motiv der häufig genutzten Briefmarke zu 35 Pfennigen aus der Dauerserie Aufbau in der DDR.


Als ich Meißen 1992 das erste Mal sah, ich war gräßlich enttäuscht: Alles braunkohlebraun, häßlich, erst wenige Gebäude renoviert. Das hat sich nun gründlich verändert.


Meißen ist die älteste Porzellan-Manufaktur Europas und steht seit ihrer Gründung im Jahre 1710 für einzigartiges Kunsthandwerk und für höchste Porzellanqualität. Das geschichtsträchtiges Signet, die blauen Gekreuzten Schwerter, steht weltweit für diese Attribute ein. Die Qualität Meißener Porzellans beginnt im manufaktureigenen Bergwerk unweit von Meißen, in dem tagtäglich reinstes Kaolin abgebaut wird. Die weiße Tonerde ist der Schlüssel zu der signifikanten Strahlkraft Meißener Porzellans. Die richtige Mischung des Kaolins mit einheimischem Feldspat und Quarz wurde in Meißen in über 300 Jahren verfeinert und wird bis heute von Hand hergestellt. In der Kreation der Porzellane ist das Begehen neuer innovativer Wege ebenso in der Tradition der Manufaktur verankert, wie das sich stete Besinnen auf das eigene reiche Erbe. Dafür kann MEISSEN aus dem weltweit größten und ältesten Bestand an Gipsformen, historischen Modellen und Vorlagen schöpfen, die unter anderem zur Reproduktion für nahezu alle Formen genutzt werden können, die je in der Manufaktur geschaffen wurden. Bereits im 13. Jahrhundert gilt Porzellan an den europäischen Fürstenhöfen als höchstbegehrtes Gut und wird zu horrenden Preisen aus China importiert. In Europa versucht man sich ab Anfang des 18. Jahrhunderts mit der Herstellung des „Weißen Goldes“, was unter der Führung des Hofalchimisten Johann Friedrich Böttger 1708 in Meißen gelingt. Dieser Mythos, der damals beginnt und 1710 mit der Gründung der Manufaktur durch August den Starken, Kurfürst von Sachsen, besiegelt wird, erfindet sich bis heute immer wieder neu.


Das Erzgebirge ist ein Mittelgebirge in Sachsen und Böhmen. Knapp nördlich der Kammlinie verläuft die deutsch-tschechische Grenze. Die höchsten Erhebungen sind der Keilberg und der Fichtelberg.

Die erzgebirgische Natur wurde seit der ersten Besiedlungswelle im Mittelalter intensiv durch menschliche Eingriffe geformt und hat eine vielseitige Kulturlandschaft entstehen lassen. Insbesondere der Bergbau mit Halden, Stauanlagen, Gräben und Pingen prägte an vielen Orten das Landschaftsbild und die Lebensräume von Pflanzen und Tieren auch direkt. Eine Auswahl historisch weitgehend original erhaltener technischer Denkmäler sowie mit dem Montanwesen in Verbindung stehender Einzeldenkmale und Sachgesamtheiten (17 auf sächsischer und fünf auf tschechischer Seite) gehören seit 2019 als Montanregion Erzgebirge zum UNESCO-Welterbe.