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Samstag, 16. Oktober 2021

Souvenirs des Vacances: Le Vivier-sur-mer und Dol de Bretagne

Im letzten Artikel über Cancale und seine Austernzucht hatte ich auch Le Vivier-sur-mer und seine Muschelzucht erwähnt. Moules de bouchot, Pfahlmuscheln, werden hier in der Baie du Mont-Saint-Michel gezüchtet. Wegen der Gezeitenunterschiede von 14 Metern fahren die Züchter mit Amphibienfahrzeugen raus zu den Muschelbänken. Beeindruckend, wenn einem dann so ein Monster auf der Dorfstraße begegnet. Oder mit 30 km/h vor einem herzuckelt.


Hier hatten wir uns 1999 einquartiert, in ein Manoir, ein Herrenhaus.


Manoir de la Salmoniére in Le Vivier-sur-mer, 1999 unser Quartier in der Bretagne
40 Rue de la Grève, 35960 Le Vivier-sur-Mer, Frankreich

Unsere Unterkunft von 1999 ist heute nicht mehr existent, geschlossen. Schade drum, denn das war wirklich ein romantisches Quartier gewesen. Angelockt hatte uns auch, dass groß zu lesen war, man würde Deutsch, Englisch und Italienisch sprechen. Aber Pustekuchen, Madame konnte nur Französisch. Auf Deutsch kannte sie das Wort "Schlüssel" und auf Englisch "Cash". Und das bedeutete, es gab nur Barzahlung und zwar im Voraus.

Praktisch für uns, dass gerade mal schräg vis-à-vis auf der anderen Straßenseite sowas wie eine "bretonische Imbißbude" lag.


Den kleinen Supermarkt, wo wir immer für unser "Room Picknick" eingekauft haben, gibt es immer noch. Ist bloß kein deutscher Rewe-Markt mehr.

Von Le Vivier ist es nicht weit bis Dol de Bretagne mit seinen Geschäften und Restaurants.


Das vermutlich bereits in keltischer Zeit entstandene Dol war die frühere Hauptstadt der Bretagne. In der Mitte des 9. Jahrhunderts unter dem hl. Samson (bretonisch: Sant Samzun a Zol) als eines der sieben Gründungsbistümer der Bretagne entstanden, war es bis zur Französischen Revolution Sitz eines Erzbistums und entsprechend bis in das 16. Jahrhundert auch Ziel des Tro-Breizh, einer der bedeutendsten mittelalterlichen Wallfahrten.

Die Kathedrale Saint-Samson ist ein Meisterwerk der bretonischen Gotik und ein sehenswertes Zeugnis der reichen spirituellen Vergangenheit dieser Region. Nicht nur die Kathedrale, auch die schönen Herrenhäuser in der Grande-Rue-des-Stuarts ziehen die Besucher in ihren Bann.

Der Menhir du Champ-Dolent, etwas außerhalb von Dol de Bretagne, ist zusammen mit dem etwa gleichhohen Menhir von Kerloas das größte aus der Jungsteinzeit stammende, aufrechtstehende Steinmonument Frankreichs.

Der Name des Menhirs (Menhir du Champ Dolent, schmerzensreiches Feld) rührt daher, dass er an einer Stelle steht, in der in keltischer Zeit eine erbitterte Schlacht tobte. Von dem Menhir geht die Sage, dass er immer dann, wenn in der Pfarrgemeinde von Dol de Bretagne ein Mensch sterbe, ein kleines Stück im Erdboden versinke und dann, wenn er ganz versunken sei, gehe die Welt unter.

Nur drei Kilometer von der Stadt entfernt befindet sich der Mont-Dol, ein 65 m hoher Granitfelsen, Ursprung zahlreicher Legenden. Hier soll der Heilige Michael (Saint Michel) mit dem Teufel gekämpft haben. Die auf den Felsen sichtbaren Krallenspuren, der Sitz des Teufels sowie der Fußabdruck des Heiligen Michael zeugen von diesem legendären Kampf.

Für Austernliebhaber: Cancale

Blick auf Cancale
Cancale oder "Cancaven" in Altbretonisch heißt "die Bucht am Fluss". Cancale ist aus der Zusammenlegung von zwei historischen Gemeinden entstanden: la Houle, heute „Port de la Houle“, und dem Marktflecken „Cancale d’en haut“, dessen Häuser sich um die alte Kirche Saint-Méen de Judicaël scharten. Bis 1830 hatten die beiden Gemeinden nebeneinander existiert. Dann beschlossen die kirchlichen Behörden, sie zu einer einzigen zusammenzuschließen. Die Rue du Port wurde gebaut, um die beiden Häusergruppen zu verbinden. Ende des 19. Jahrhunderts wird eine neue Kirche Saint-Méen am Place de la République errichtet. Das Dorf wird größer, und mit der Zeit reihen sich neue Häuser entlang des ehemaligen Vau Baudet, der zum Hafen hinunterführt. Später kommen Neubauviertel hinzu, die die einzelnen Viertel zusammenschließen, bis die Gemeinde zum heutigen Cancale wird.

Die Frauen von Cancale waren schon immer das starke Geschlecht

Denkmal für die Austernwäscherinnen von Cancale. Die Cancalaises waren schon immer das, was man heute emanzipiert nennt, hatten sie doch während des Jahres, derweil die Männer auf See waren, um Kabeljau vor Neufundland zu fangen, Haus und Hof zu versorgen.

Fontaine "Les laveuses d'huîtres" ("Oyster washers") - Place de la République, 35260 Cancale, Frankreich -



Die Pfarrkirche Saint-Méen, vor der das Denkmal steht, wurde von Alfred-Louis Frangeul zwischen 1876 und 1886 in einem Teil des Parks des alten Herrenhauses Bellevue erbaut. Am 2. September 1906 abgebrannt, wird sie im darauffolgenden Jahr von Arthur Regnault restauriert. Der Turm wurde zwischen 1931 und 1932 erbaut. Der neugotische Stil des 13. Jahrhunderts ist ziemlich repräsentativ für das Werk von Alfred-Louis Frangeul.

Austern aus Cancale Mit seinen zahlreichen auf das Meer konzentrierten Aktivitäten lebt der Hafen im Rhythmus der Gezeiten. Er hatte sich in einer natürlich geschützten Bucht entwickelt und bekam mit der Errichtung zweier Uferdämme, die den gegenwärtigen Hafen umschließen, seine Struktur. Nach dem Niedergang der Bootswerften und der Hochseefischerei in Neufundland sind es heute die Austernzucht, deren Farmen bei Niedrigwasser sichtbar sind, und der Tourismus, die die Kais von La Houle lebendig erhalten.
Bereits Ludwig der XIV. soll regelmäßig Austern aus Cancale verzehrt haben. Waren es früher natürlich vorkommende Austern-Kulturen, die den Bedarf deckten, so sind es heute die modernen Austern-Zuchten, die den Markt beliefern. Und die früher in der Bretagne verbreitete Austern-Art, die flache Auster ("huître plate") wurde auch noch durch Seuchen fast völlig ausgerottet. Heutzutage wird in der Bretagne hauptsächlich die ursprünglich aus Kanada und Japan importierte Austern-Art "huître creuse" angeboten, die zwar in ihrem tiefer gewölbten Gehäuse einen größeren Fleischanteil bietet, im Geschmack aber nicht an das Aroma der Huître plate heranreichen soll.
In dem auf der westlichen Seite der Bucht des Mont-Saint-Michel gelegenen Ort und besonders in seinem Hafen "La Houle" mit seiner malerischen Häuserzeile ist die Auster das zentrale Thema. Die Auswahl an den Verkaufsständen am Hafen ist groß, und wer die Austern sofort essen möchte, kann das Dutzend (traditionell 13 Stück) gegen einen kleinen Aufpreis geöffnet verzehrfertig erhalten.

Auch die Restaurants bereiten sich auf die Mittagessenszeit vor. Neben der auch hier thematisch dominierenden Auster werden die verschiedensten Varianten an Miesmuschel-Gerichten ("Moules") und Meeresfrüchte-Tellern angeboten. Dabei können die Köche auf die heimischen Muschelbänke zurückgreifen: In der Bucht des Mont-Saint-Michel, z.B. in der Umgebung von Le-Vivier-sur-Mer unweit von Cancale, werden zunehmend auch Miesmuscheln kultiviert.


Le Vivier-sur-mer, das Zentrum der bretonischen Muschelzucht

Freitag, 15. Oktober 2021

Ein Morgen in Saint-Malo

Morgens früh ist auf der Chaussée du Sillon schon ganz schön was los. In beide Richtungen fegen die Jogger beim Frühsport an einem vorbei. Und dann ist da noch, fröhlich und lautstark, eine Gruppe junger Amerikanerinnen unterwegs auf dem Weg in die Altstadt. Erkennungszeichen: Alle tragen Cowboyhut. Ob sie wohl aus Texas sind?
Zeit fürs Mittagessen, Muscheln und Austern.



Montag, 27. April 2015

"Nachtisch": Tagesausklang am Helgolandkai

Frisch aus der Nordsee: Unser Abendessen in der "Trattoria" im friesischen Schortens. Meeresfrüchte mediterran zubereitet. Immer wieder ein Genuß.

Und ebenfalls ein Genuß ist es immer wieder, nach dem Essen noch die paar Kilometer nach Wilhelmshaven zu fahren und den Tag am Helgolandkai mit Blick auf den Jadebusen ausklingen zu lassen.


Peugeot 207 CC von franz-roth-tv

Der Helgolandkai in Wilhelmshaven (WHV) an einem Sommerabend im Juli 2010. Die "Helgoland" ist gerade eingelaufen. Einige Impressionen. Eine kühle Brise von See tut gut nach einem heißen Tag mit 39 Grad Celsius. Draußen im Jadebusen der Leuchtturm Arngast. Sein Name ist Erinnerung an ein untergegangenes Dorf. Was kaum jemand weiß: der Jadebusen war in alten Zeiten komplett und vollständig mit einem Hochmoor, einem schwimmenden Moor bedeckt. Solche gibt es noch an der gegenüberliegenden Seite in Budjadingen. Aber jede Sturmflut reißt immer weitere Teile mit sich in die Nordsee. Auch wenig bekannt: die Jade ist igentlich gar kein richtiger Fluß! Sie hat keine Quelle, sondern entsteht durch den Zusammenfluß von Entwässerungskanälen in der Wesermarsch.