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Montag, 16. August 2021

In der Kurpfalz

Das Heidelberger Schloß ist wohl die berühmteste Ruine der Welt. Steil über dem Talgrund am Nordhang des Königstuhls, inmitten grüner Wälder, erhebt sich die Schloßruine aus rotem Neckartaler Sandstein. Mit ihrer Silhouette dominiert sie das Bild der Altstadt von Heidelberg.


Im 13. Jahrhundert errichteten die Pfalzgrafen bei Rhein und späteren Kurfürsten oberhalb von Heidelberg ihre erste Heidelberger Residenz. Aus der befestigten mittelalterlichen Burg entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte ein repräsentatives Schloß. Heute zählt Schloß Heidelberg mit seinen Renaissance-Palästen zu den bedeutendsten Kulturdenkmalen in Deutschland. Höhepunkt kurpfälzischer Baukunst war die Anlage des berühmten Schlossgartens „Hortus Palatinus“ zu Beginn des 17. Jahrhunderts.

Im 17. Jahrhundert wurde die Pfalz in den Dreißigjährigen Krieg und in den Pfälzischen Erbfolgekrieg verwickelt. Französische Truppen sprengten in mehreren Anläufen die mächtigen Mauern. Die Kurfürsten verloren im 18. Jahrhundert das Interesse an dem stark beschädigten Schloß und verlegten ihre Residenz nach Mannheim. Die notdürftig reparierten Schloßgebäude verfielen zusehends und brannten 1764 nach zwei Blitzeinschlägen aus.

Das Große Faß im Heidelberger Schloß ist eine von etwa 500.000 Menschen jährlich besichtigte Touristenattraktion im Heidelberger Schloss. Das heutige Fass ist das in zeitlicher Abfolge vierte derartige Riesenfaß.
Das Große Faß


Das vierte Faß wurde 1751 unter Kurfürst Karl Theodor vollendet und hatte ein Fassungsvermögen von 221.726 Litern. Heute fasst es nach Eintrocknung des Holzes noch 219.000 Liter. Es wurde nur dreimal gefüllt, weil es nie dicht war. Als Attraktion für die Besucher des Schlosses blieb es jedoch erhalten.

Die vier Großen Fässer im Heidelberger Schloß

  • Das Johann-Casimir-Fass 1591
  • Das Karl-Ludwig-Fass 1664
  • Das Karl-Philipp-Fass 1728
  • Das Karl-Theodor-Fass 1751

Die Fässer dienten zur Lagerung der Weinabgaben der pfälzischen Untertanen, die zuvor in lokalen Kellereien gesammelt wurden. Da der Wein auch zur Bezahlung lokaler Beamter genutzt wurde, war es schwierig, die genaue Menge des nach Heidelberg gelieferten Weins im Voraus abzuschätzen.

Die Schlossverwüstung in Folge des Pfälzischen Erbfolgekrieges 1693 überstand das zweite Fass unbeschadet. Laut Friedrich Peter Wundt hatten die Franzosen zwar die Absicht, das Fass mit dem Keller in die Luft zu sprengen. Der Pfarrer Johann Daniel Schmidtmann, Feldprediger in einem in französischen Diensten stehenden Regiment, hätte jedoch erwirken können, dass auf neue Befehle aus Versailles bezüglich der Zerstörung des Fasses gewartet wurde. Der König habe schließlich der Bitte um Erhaltung des Fasses entsprochen.

Schon unmittelbar nach der Zerstörung des Schlosses forderte Kurfürst Johann Wilhelm Vorschläge zur weiteren Nutzung des Fasses. Allerdings verfiel es weiterhin und wurde erst in den Jahren 1698 bis 1704 repariert. Trotz dieser Reparaturen blieb das Fass meistens ungefüllt. Erst 1724 und 1727/28 wurde unter Kurfürst Karl Philipp eine Rundumerneuerung durchgeführt, die das dritte Fass zum Ergebnis hatte. Es fasste 202.000 Liter und war damit rund 4.700 Liter größer geworden. Doch das Fass wurde immer wieder undicht, so dass schon 1740 von der Hofkammer ein Neubau geplant wurde.

Der Heidelberger Studentenkuß ist ein Konfekt aus Nougat, der von einer Zartbitter-Kuvertüre umhüllt wird. Hergestellt wird das Produkt seit 1863 von der ältesten Schokoladenmanufaktur Heidelbergs, der Chocolaterie Knösel.

Im 19. Jahrhundert konnten sich junge Frauen häufig nur in Begleitung von Gouvernanten, älteren Schwestern oder Tanten in der Öffentlichkeit bewegen. Ein Kontakt mit gleichaltrigen Männern war also nur unter Aufsicht einer Anstandsdame möglich. Das Café Knösel am Marktplatz wurde zu einem beliebten Treffpunkt von jungen Damen der Heidelberger Mädchenpensionate, aber auch von Studenten der Ruprecht-Karls-Universität.

Der Konditormeister und Betreiber Fridolin Knösel erfand im Gründungsjahr seines Cafés, 1863, eine Schokoladenpraline mit einer Praline-Nougat-Schokoladen-Füllung auf dem Boden einer feinen Waffel mit Zartbitter-Kuvertüre. Das Gewicht des Studentenkuß beträgt mittlerweile 20 g, bis vor wenigen Jahren noch 30 g, der Durchmesser etwa Talergröße (5,5 cm). Der Clou bei dieser Studentenkuß genannten Süßigkeit war aber die Verpackung: eine kleine Schachtel, in der das Konfekt als galantes, harmloses Geschenk erschien – vielleicht mit einer handschriftlichen Botschaft, die von der Begleitung nicht eingesehen werden konnte.

Schloß und Park Schwetzingen - Schloß Schwetzingen diente vor allem den pfälzischen Kurfürsten Karl Philipp und Karl Theodor als Sommerresidenz.


Seine heutige Form erhielt das Schloss auf Befehl des Kurfürsten Johann Wilhelm ("Jan Wellem"), der in Düsseldorf regierte. Bekannt ist in erster Linie der im 18. Jahrhundert angelegte Schlossgarten.

Sonntag, 18. August 2019

Von Heidelberg durchs Neckartal nach Weinsberg

Das Haus zum Ritter ist das älteste noch erhaltene Haus Heidelbergs.

Das Hotel zum Ritter wurde 1592 vom Tuchhändler Carolus (Charles) Belier erbaut, der wegen seines protestantischen Glaubens aus dem habsburgischen Valenciennes geflohen war und sich in der Kurpfalz niedergelassen hatte. Der Renaissance-Bau, der heute unter Denkmalschutz steht, befindet sich mitten in der Heidelberger Altstadt, direkt gegenüber der Heiliggeistkirche. Es ist das einzige Bürgerhaus, das den großen Stadtbrand von 1693 während des Pfälzischen Erbfolgekrieges überstanden hat, weil es als einziges aus Stein gebaut war.




Ein warmer Sommertag in Heidelberg am Neckar. Genau das richtige Wetter für einen Trip den Neckar aufwärts. Unser erster Stopp aber liegt noch in Heidelberg: Das Schloß.


Denn an einem solchen Tag hat man von dort einen herrlichen Blick auf die Stadt und den Neckar.


Burg Hornberg – der Wohnsitz von Götz von Berlichingen


Götz von Berlichingen lebte 45 Jahre auf Burg Hornberg, für die er sich schon als Jugendlicher begeisterte. Das zur Burg gehörende, nach Urkundenlage zweitälteste noch bestehende Weingut der Welt betreibt unterhalb der Burg auf Steilterrassen traditionellen Weinbau.


Im Jahr 1517 kaufte Götz von Berlichingen, der Ritter mit der eisernen Hand, die Burg mit Steinbach und Haßmersheim für 6500 Gulden von Conz Schott von Schottenstein und lebte auf dieser, zusammen mit seiner Familie, bis zu seinem Tode 1562. Götz benannte sich seitdem nach seiner Burg, führte den Namen „von Berlichingen zu Hornberg“ und begründete die Hornberg-Rossacher Hauptlinie. Vom Bauernaufstand des Jahres 1525 blieb Burg Hornberg verschont, da Götz von Berlichingen vorübergehend erzwungenermaßen Hauptmann bei den Aufständischen war. Wegen seiner Teilnahme am Bauernkrieg wurde er 1528 nach Augsburg bestellt und für zwei Jahre gefangen gesetzt. Erst nachdem er Urfehde geschworen hatte, den Bezirk von Hornberg nicht mehr zu verlassen, Schadenersatz zu leisten und keine Rache zu üben, wurde er freigelassen. Ein Anklageverfahren vor dem Bundestag des Schwäbischen Bundes endete kurze Zeit später mit einem bedingten Freispruch, die Urfehde wurde 1541 von Kaiser Karl V. aufgehoben. Auf der Burg diktierte der Ritter seine Lebensgeschichte, die Johann Wolfgang von Goethe als Vorlage für seinen „Götz von Berlichingen“ diente. Im Jahr 1562 starb der „Ritter mit der eisernen Hand“ im Alter von 82 Jahren.


Bad Wimpfen am Neckar, ehem. Stauferpfalz

Die markante Stadtsilhouette der größten Kaiserpfalz nördlich der Alpen begrüßt ihre Gäste schon von weitem. Mit seinen historischen Gebäuden und dem schönen Fachwerk, hat Bad Wimpfen allerhand zu bieten. Ein Rundgang durch das Stauferstädtchen lässt Geschichte wieder lebendig werden. Zahlreiche historische Bauwerke wie der Blaue Turm, das Steinhaus, die Pfalzkapelle oder auch die Arkaden des Staufischen Palais, zeugen von vergangenen Zeiten. Viele Sehenswürdigkeiten der Stadt sind nur wenige Minuten fußläufig voneinander entfernt.


Heilbronn: Weinberge & Schemelsberg-Tunnel


Nach dem Tunnel ist es nicht mehr weit bis Weinsberg.


Im Bild oben die Burgruine Weibertreu bei Weinsberg.

Bekannt ist die Burg durch die namengebende „Treu-Weiber-Begebenheit“ vom 21. Dezember 1140, als nach der Kapitulation der belagerten Burg die Frauen (später „Treue Weiber von Weinsberg“ genannt) ihre Männer vor der Hinrichtung retteten, indem sie sie auf dem Rücken den Berg hinuntertrugen.

1140 war die Burg im Besitz der Welfen, die sich mit den Staufern um die Macht im Reich stritten. König Konrad III., in seinem Gefolge sein Bruder Friedrich II. von Schwaben und mehrere Bischöfe und Fürsten (u. a. Markgraf Hermann III. von Baden), belagerte die Burg mehrere Wochen lang und schlug am 21. Dezember 1140 in offener Feldschlacht den zum Entsatz heraneilenden Welf VI. Kurz darauf ergab sich die Burg. Dem Bericht der Kölner Königschronik zufolge versprach der König den Frauen auf der Burg Weinsberg freien Abzug und gab die Erlaubnis, „dass jede forttragen dürfte, was sie auf ihren Schultern vermöchte“. Auf die Männer wartete der Tod. Die Frauen nahmen den König beim Wort und trugen ihre Männer auf dem Rücken herab, denen sie so das Leben retteten, da der König sein Wort hielt. Die Frauen wurden als Treue Weiber von Weinsberg bekannt, und die Burg kam aufgrund dieser Begebenheit zu ihrem Namen Weibertreu (vermutlich im Lauf des 18. Jahrhunderts).

Weinsberg liegt an der Burgenstraße und der Württemberger Weinstraße.



Montag, 15. Juli 2019

Bayern und Pfalz, Gott erhalt's !!!

Im Foto links: Maikammer - Das Pfälzer Wappen - Die Rauten der Wittelsbacher und der Pfälzer Löwe - Die Oberpfalz in Bayern hat das gleiche Wappen. Was Wunder, gehörten doch die beiden Regionen über Jahrhunderte zusammen. Der Kurfürst residierte in Heidelberg und der Kurprinz als Statthalter in Amberg.

Der Pfälzer Löwe

Die Bayern sprechen immer vom bayerischen Löwen. Sie wissen nicht, dass sie da irren, weil es nämlich garkeinen bayerischen Löwen gibt. Denn das, was da auch heute im Landeswappen des Freistaates prangt, das ist ein Pfälzer.

Der Pfälzer Löwe ist erstmals in der Pfalzgrafschaft bei Rhein unter dem wittelsbachischen Pfalzgrafen Otto dem Erlauchten in dessen Reitersiegel von 1229 nachgewiesen.

Nach der Belehnung des bayerischen Herzogs Ludwig im Jahre 1214 mit der Pfalzgrafschaft bei Rhein erbte Herzog Otto II. von Baiern Mitte des 13. Jahrhunderts die Grafschaft Bogen und damit deren weiß-blaues Rautenwappen.

Jahrhundertelang dienten fortan der goldene Löwe im schwarzen Feld und die weiß-blauen Rauten als Familienwappen der altbayerischen UND pfälzischen Wittelsbacher. Aber im 16. Jahrhundert setzte sich dann die Unterscheidung des Löwen für die Pfalz und der Rauten für Bayern durch.

Die weißblauen Rauten kommen aus Niederbayern, vom Bogenberg bei Straubing. Der Bogenberg ist eine der bedeutendsten Marienwallfahrten Bayerns und hier waren die Grafen von Bogen beheimatet, deren Rautenwappen 1247 die Wittelsbacher als deren Erben als ihr Stammwappen übernommen haben. Seit 1835 wird es als Herzschild im Wappen der bayerischen Könige geführt und gilt seitdem als Symbol für ganz Bayern.

Apropos Strauubing: Es gab mal das Herzogtum Straubing-Holland.


Dieses Herzogtum bestand von 1353-1425. Es bestand aus zwei Komplexen: dem Kerngebiet an der Donau um Straubing und den unter Kaiser Ludwig dem Bayern (reg. als Herzog von Bayern 1294-1347, König ab 1314) an die Wittelsbacher gekommenen, niederländischen Lehen. Bereits Herzog Albrecht I. (reg. 1347-1404) verlegte Residenz und Verwaltung nach Den Haag. Durch eine geschickte Politik brachte er die straubingisch-holländische Linie der Wittelsbacher zu Ansehen und Einfluss. Mit Unterstützung niederbayerischer Gefolgsleute reformierte er Verwaltung und Wirtschaft in den niederländischen Territorien. Den niederbayerischen Landesteil verwalteten vor allem Viztume, die aber in enger Verbindung zu den Herzögen standen. Auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet fand ein reger Austausch statt. 1425 starben die straubingisch-holländischen Wittelsbacher in männlicher Linie aus. Das Kernland um Straubing erbten die Teilherzöge von München, Landshut und Ingolstadt, die nördlichen Territorien gingen an die Herzöge von Burgund über.

Pfälzer Residenzen

Residenzen der Pfälzer Wittelsbacher - Compilation - Die Pfalz war dereinst viel größer als der heutige Landesteil von Rheinland-Pfalz. die Oberpfalz gehörte z.B. dazu, "der Pfalz Land in Bayern", natürlich die heute in Baden-Württemberg liegende Kurpfalz und der heute zum Saarland gehörige Saarpfalzkreis.


Siehe zu dem Thema auch diesen Artikel.

Pfalz-Zweibrücken, Geschichte einer Dynastie

Aus der Linie Pfalz-Zweibrücken ist, nach dem Aussterben der bayerischen Linie, der letzte Kurfürst und erste König Bayerns (von Napoleons Gnaden) hervorgegangen. Und alle folgenden Herrscher Bayerns. Durchaus Grund genug, dieser Dynastie ein paar Schlaglichter zu widmen.

Die Wittelsbacher im Norden - Bergisches Land

Schloß Burg (auch Schloß Burg an der Wupper) ist eine ab dem späten 19. Jahrhundert rekonstruierte Höhenburg im Solinger Stadtteil Burg an der Wupper. Die Anlage war seit dem 12. Jahrhundert die Stammburg der Grafen und späteren Herzöge von Berg und ist heute das Wahrzeichen des Bergischen Landes. Zugleich ist sie eine der größten Burgen Westdeutschlands und die größte rekonstruierte Burganlage in Nordrhein-Westfalen.

   

Seit 1609 gehörte das Herzogtum Berg zum wittelsbachischen Haus Pfalz-Neuburg. Von 1742 bis 1799 war Berg Besitz der Linie Pfalz-Sulzbach unter Karl Theodor (1742–1799), auch Kurfürst von der Pfalz und Herzog von Pfalz-Neuburg, seit 1777 auch Kurfürst von Bayern. Der regierende Herzog von Berg war Maximilian Josef (1799–1806), auch Kurfürst von Bayern aus der Linie Pfalz-Birkenfeld-Bischweiler (Pfalz-Zweibrücken).

Maximilian I. Maria Michael Johann Baptist Franz de Paula Joseph Kaspar Ignatius Nepomuk (* 27. Mai 1756 in Schwetzingen bei Mannheim; † 13. Oktober 1825 in München) war bei Regierungsantritt im Jahre 1799 als Maximilian IV. zunächst Herzog von Bayern, Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von Jülich und Berg sowie Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches. Er begründete die Herrschaft des Wittelsbacher Hauses Pfalz-Zweibrücken über Bayern. Durch ein Bündnis mit dem napoleonischen Frankreich stieg er am 1. Januar 1806 zum ersten König des Königreichs Bayern auf. Bei seinen Untertanen wurde er mit der populären Kurzform seines Namens "König Max" genannt.

Freitag, 1. September 2017

Auf den Spuren der Pfälzer Wittelsbacher von Düsseldorf am Rhein bis Neuburg an der Donau


Düsseldorf - Rathaus und Reiterstandbild Jan Wellem

Die Düsseldorfer lieben ihren Jan Wellem. Jan Wellem, das war Johann Wilhelm, Kurfürst der Pfalz aus der Wittelsbacher Linie Pfalz-Neuburg, der hauptsächlich in Düsseldorf residierte, in seinen Herzogtümern Jülich und Berg (folgende Bilder: Schloß Burg im Bergischen Land).


Pfalz-Neuburg hatte Jülich und Berg 1614 im Vertrag von Xanten erhalten.


Neuburg erlebte unter dem Pfalzgrafen Ottheinrich, einer der schillerndsten Persönlichkeiten seiner Zeit, im frühen 16. Jahrhundert einen wahren Bauboom. 1556 erbte Ottheinrich die Kurpfalz und residierte fortan in Heidelberg.


Ach ja, zurück zu Jan Wellem: Das war auch der, dem das Schloß in Schwetzingen als Sommerresidenz der Pfälzer Kurfürsten seine heutige Form verdankt.

Ob er auch dafür verantwortlich zeichnet, dass die Düsseldorfer Altstadt heute als "Längste Theke der Welt" gilt, das ist nicht überliefert.


Mittwoch, 2. November 2016

Die vielen Pfälzer Residenzen


Neumarkt in der Oberpfalz - Pfalzgrafenschloß (im Hintergrund) und Residenzkirche "Zu unserer lieben Frau"

Im 15. und 16. Jahrhundert war Neumarkt pfälzische Residenzstadt. Pfalzgraf Johann verlegte seinen Regierungssitz dorthin und begann damit, die Stadt zur Residenz auszubauen, es entstanden unter anderem die Kirche St. Johannes, die Hofkirche und das Pfalzgrafenschloss. Es folgten die Pfalzgrafen Otto I., sein Sohn Otto II. und Friedrich II. von der Pfalz, der später Kurfürst wurde und nach Heidelberg übersiedelte.

Es kann einen schon verwirren, diese Vielzahl Pfälzer Residenzstädte kreuz und quer durch die heutigen Bundesländer Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern und sogar Nordrhein-Westfalen.


Auch Bacharach war mal Residenzstadt

Bringen wir doch mal etwas Klarheit und Struktur in die Geschichte anhand der historischen Ereignisse.

Friedrich I. (Barbarossa) hatte die sog. Pfalzgrafschaft bei Rheyn an einen Halbbruder vergeben. Später war sie kurzzeitig in der Hand der Welfen. Nach den Kämpfen des Welfen Otto IV. mit dem Staufer Friedrich II. um die Königskrone, wurde die Pfalzgrafschaft 1214 durch den Staufer an Ludwig I. von Wittelsbach (1214-1228) übertragen. Und in der Hand der Wittelsbacher blieb sie mit kurzer Unterbrechung im Dreißigjährigen Krieg. Spätestens ab 1214 war Heidelberg die Hauptresidenz der Pfalzgrafen bei Rhein.

Im Laufe der Jahrhundert, vor allem während des 15. Jahrhunderts entstanden zahlreiche Wittelsbacher Nebenlinien, die Kurpfalz (zwischen Kaub und Heidelberg/Mannheim, die Kurfürstentümer Bayern/Oberpfalz (Eger/Neumarkt/Amberg) und Bayern (Lech/Donau), das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken (südlich der Nahe, um Zweibrücken und Rapoltstein), Pfalz-Neuburg (Düsseldorf/Jülich) und Pfalz Sulzbach (bayerische Pfalz).

Nun denn, so hatte jeder Pfalzgraf so seine persönlichen Vorlieben, wo er denn zu residieren wünschte.


Auch das nordpfälzische Meisenheim war eine sog. Nebenresidenz ...


Im Zuge der Reformation wandten sich die kurpfälzischen Linien nach und nach dem Protestantismus zu, während die bayerischen Linien am katholischen Glauben festhielten. Als 1685 die katholische Neuburger Linie die Pfalzgrafschaft übernahm, wurde in zahlreichen Orten wieder der Katholizismus eingeführt.

... ebenso wie auch Neustadt (an der Weinstraße).


Im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) wurden große Teile der Kurpfalz von französischen Truppen verwüstet (so auch das Heidelberger Schloß zerstört). Als die altbayerische Linie der Wittelsbacher im Jahr 1777 ausstarb, trat Kurfürst Karl Theodor aus der Linie Pfalz-Sulzbach die Erbschaft als „Kurfürst von Pfalz-Bayern“ an.

Samstag, 30. April 2016

30. April - 1816 - 2016 - Vor 200 Jahren kam die Pfalz zum Königreich Bayern


Die Napoleonische Ära war Geschichte, auf dem Wiener Kongreß wurde Europa neu geordnet. Und zu den "Hinterlassenschaften" des französischen Kaisers gehörte auch das ehemalige Département du Mont-Tonnerre, das Donnersberg-Département, welches im wesentlichen die ehemalige wittelsbachische Kurpfalz umfasste. Und so wirde auch der Verbleib der Pfalz neu geregelt. Sie wurde 1815 zunächst dem Kaiserreich Österreich zugeschlagen, jedoch holten sich die Wittelsbacher im Vertrag von München am 30. April 1816 ihr altes Gebiet zurück, das mit diesem Vertrag Österreich an das Königreich Bayern abtrat.

So mag dieses Jubiläum uns Anlaß sein, die insgesamt weit über 600-jährige gemeinsame Geschichte Bayerns und der Pfalz ein wenig zu beleuchten und auch ein paar Orte zu benennen, die es sich zu besuchen lohnt.

Die "alte" Kurpfalz

Die Kurpfalz war dereinst wesentlich größer als die Gebiete, die 1816 an Bayern fielen, denn sie erstreckte sich auch rechtsrheinisch.


Heidelberg war die Hauptstadt der Kurpfalz gewesen. Genauer: Eine von zwei Hauptstädten. Denn die Pfälzer Wittelsbacher hatten auch Besitz weitab von Rhein und Neckar, im Osten, Bayerns, die Oberpfalz. Und dort gab es natürlich auch so etwas wie eine Hauptstadt, eine Residenz. Die hat im Laufe der Geschichte mehrfach gewechselt. Meist war es Amberg, aber auch Sulzbach oder Neumarkt (folgendes Bild).


Noch gut erkennbar ist die einstige Zusammengehörigkeit der Pfalzgrafschaft bei Rheyn, wie die Rheinpfalz im Mittelalter hieß, das Kurfürstentim Pfalz, und der "Pfalz Land in Baiern", der damals gebräuchliche Begriff für die "Obere Pfalz", am gemeinsamen Wappen.

Dieses Wappen zeigt links im Schild die weiß-blauen Wittelsbacher Rauten und rechts auf schwarzem Grund den Pfälzer Löwen.

Ja, den Pfälzer Löwen, nicht den bayerischen Löwen, denn den gibt es überhaupt nicht!

Auch der im heutigen Wappen des Freistaates gezeigte Löwe ist der Pfälzer Löwe und steht für die alten pfälzischen Gebiete Bayerns.

Das Foto links zeigt das Rathaus von Maikammer in der Pfalz mit dem Pfälzer Wappen.

Die weiß-blauen Rauten stammen übrigens aus Niederbayern. Ganz genau aus Straubing. Vom Bogenberg. Hier waren die Grafen von Bogen beheimatet, deren Geschlecht, wie es so hieß, im Mannesstamme ausgestorben ist und deren Wappen, die Rauten, ihre Erben, die Wittelsbacher übernommen haben. Wir sehen den Bogenberg über der Donau im folgenden Bild. Der Bogenberg ist übrigens eine der bedeutendsten Marienwallfahrten Bayerns.


Das linksrheinische Territorium des Königreiches Bayern wurde von 1816 bis 1837 als Rheinkreis bezeichnet.

1837 wurde der Rheinkreis in Pfalz umbenannt.

Auch die Bezeichnung Rheinpfalz war gebräuchlich und wird heute so auch noch von der Oberpfälzern zur Unterscheidung zu "ihrer" Pfalz benutzt.

Das Gebiet blieb, mit Ausnahme des 1920 abgetrennten Teils, der ungefähr dem heutigen Saarpfalz-Kreis entspricht, bis zur Gründung des Landes Rheinland-Pfalz am 30. August 1946 bayrisch.

So finden wir noch eine Reihe von Zeugnissen der bayerischen Zeit, etwa das "Forum Alte Post" in Pirmasens, das ehemalige Königlich Bayerische Postamt.