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Sonntag, 12. November 2023

Die Moorkolonisation in Ostfriesland und im Emsland

Von Wilhelmsfehn nach Ostgroßefehn entlang des Großefehnkanals

Wilhelmsfehn I ist ein Stadtteil von Wiesmoor im Landkreis Aurich in Ostfriesland. Benannt wurde die Fehnkolonie nach Kaiser Wilhelm I. Der Ort entstand ab 1888 als östliche Verlängerung von Ostgroßefehn und ist mit diesem bis heute städtebaulich eng verbunden: Der Übergang ist fließend.


Fehn (niederländisch Veen ‚Moor‘) bezeichnet sowohl die Moorkanäle als auch die Siedlungen (Fehnsiedlung) entlang dieser Kanäle.

Die Endung -fehn (auch -vehn, -venn, -fenn, -feen) als Bestandteil von Ortsnamen bezeichnet im niederdeutschen Raum eine morastig-sumpfige Niederung oder ein Moor. Ortsnamen mit dieser Endung kommen am häufigsten in Ostfriesland vor, aber auch im Ammerland, in anderen Gebieten Niedersachsens und in Schleswig-Holstein.

In Ostfriesland und den unmittelbar angrenzenden Gebieten deutet ein Ortsname auf -fehn des Öfteren, aber nicht immer auf eine spezielle Form der Moorsiedlung aus der Zeit vom 17. bis zum 19. Jahrhundert hin, die an ins Moor getriebenen Kanälen entstanden ist.

Die Fehnkultur kann als eine Form der Binnenkolonisierung gelten, da sie bis dahin unbewohnte und unbewohnbare Gebiete für eine relativ intensive Besiedlung erschlossen hat. Sie hängt mit Kanalbau und Torfstechen zusammen und wurde in den Niederlanden entwickelt, wo die älteste Kolonie das im Jahr 1599 gegründete Oude Pekela ist.
Die „ideale“ Fehnsiedlung besteht, in den Niederlanden wie in Deutschland, aus einem oder mehreren ins Moor getriebenen, ursprünglich schiffbaren Kanälen, an denen die Siedlerhäuser wie an einer Perlenschnur aufgereiht sind. Der Fehnkanal, die Hauptwieke, diente zunächst zur Entwässerung des Moores, zum Abtransport des Torfes mit getreidelten Schiffen und zur Anfuhr von Baumaterial, Dünger usw. Von der Hauptwieke aus wurden häufig noch Seiten- und Nebenkanäle, die In- und Achterwieken, angelegt. Beiderseits der Kanäle errichteten die Siedler ihre einfachen, einheitlich gebauten Häuser. Die sich oft über Kilometer hinziehenden Reihensiedlungen wirken trotz ihrer Gleichmäßigkeit nicht eintönig. Neben ‚echten’ Fehnsiedlungen wurden jedoch auch solche Moorsiedlungen mit dem Grundwort Fehn belegt, denen der dafür so typische Kanal fehlt. Die jüngste derartige Siedlung ist Hinrichsfehn, die erst nach 1945 gegründet wurde.

Die Lebensbedingungen der ersten Siedler (Fehntjer) waren durchweg erbärmlich. Zur Wohnung dienten zunächst nur primitivste Hütten aus Torfplacken und die Nahrungsversorgung blieb auf wenige Komponenten beschränkt. Nachdem aber die erste Not überstanden war, verstanden es die Bewohner, ihre Wirtschaftsgrundlage auszubauen, und die Fehnsiedlungen erlebten in der Folgezeit einen merklichen Aufschwung. Das geflügelte Wort "Den Ersten sien Doad, den Tweten sien Not, den Dridden sien Broad" soll aus der Zeit der Fehnbesiedelung stammen. Viele Fehntjer fanden in der Neuzeit andere Einkommensquellen, zum Beispiel in der Seeschiffahrt.
Die Windmühle von Ostgroßefehn ist ein Pilotprojekt, Strom mit historischen Windmühlen zu erzeugen: 1992/93 wurde die Mühle mit Finanzhilfen der EU umgebaut und vollständig renoviert. Während die einzelnen Gebäude im alten Stil wieder ausgebaut wurden, erhielt die Windmühle zusätzlich zu der bisherigen Innenkonstruktion modernste Technik. Die anfallende mechanische Leistung soll in elektrische Energie umgewandelt werden. Dazu wurde neben den Mahlgängen ein Generator eingebaut, der die elektrische Energie in das Netz eingespeist. Das Pilotprojekt wurde in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Ostfriesland und der Universität Bremen realisiert. Diese Windmühle zeigt damit historische Mühlentechnik kombiniert mit modernster Elektrotechnik und zeigt die Möglichkeit der Windenergienutzung mit historischen Windmühlen auf.

Von Ostgroßefehn nach Westgroßefehn entlang des Großefehnkanals


Die Kreuzkirche in Marcardsmoor


Marcardsmoor ist eine Moorkolonie in Ostfriesland und ein Stadtteil von Wiesmoor. Der Ort liegt am Nordgeorgsfehnkanal. Der Ort wurde nach Eduard Marcard, ehemaliger Unterstaatssekretär im preußischen Landwirtschaftsministerium, benannt. Dieser hatte sich um neue Methoden in der Moorkultivierung verdient gemacht.

1907 entstand die Kreuzkirche. Die Kirche ist ein Rohziegelbau im neugotischen Stil mit vorgebauter Ostapsis. Im Norden befindet sich ein weiterer Vorbau als Aufgang zur Holzempore. Die Ausmalung des Innenraums wurde von Malermeister Remmers aus Friedeburg vorgenommen. Zu dem großen Kirchenareal gehören ein direkt an die Kirche angebautes Pfarrhaus und ein 1930 errichteter, 25 Meter hoher Glockenturm.

Das Museum der Armut in Moordorf

Vom harten Leben der Moorkolonisten zeugt das Museum in Moordorf. Moordorf ist seit der Gemeindegebietsreform von 1972 der größte Ortsteil der Gemeinde Südbrookmerland im Landkreis Aurich in Ostfriesland. Der Ort hat 6361 Einwohner (Stand: 1. Juli 2012) und liegt auf einer Höhe von etwa 3 m ü. NN. Ursprünglich war Moordorf ein Straßendorf, entwickelte sich jedoch durch die Ausweisung neuer Baugebiete zu einer Streusiedlung.


Das Moormuseum Moordorf ist eines der eigenwilligsten Museen in Nordwestdeutschland und daher zu einem Anziehungspunkt vor allem für Urlaubsreisende geworden . Es ist eines der meist besuchten Museen in Ostfriesland. Das „Museum der Armut“, wie es auch genannt wird, stellt in urwüchsiger Moorlandschaft die schwierige 200- jährige Entwicklungsgeschichte einer ostfriesischen Moorkolonie dar.

Die Geschichte von Moordorf begann in der zweiten Hälfte des 18 . Jahrhunderts. Damals, im Jahre 1767, war Ostfriesland unter der Herrschaft Preußens. Der Siebenjährige Krieg (1756 – 1763) war beendet. König Friedrich II . hatte 1765 das Urbarmachungsedikt erlassen: Danach fielen die wüsten unbebauten Heidefelder und Moore an die Krone, wurden von dieser aufgeteilt und zwecks Kultivierung an Siedlungswillige vergeben .

Auch zwischen den alten Dörfern Walle und Victorbur lag damals ein weites und wildes Heidegebiet, durch das nur ein einsamer Postweg führte. Jäger streiften von Zeit zu Zeit über das Hochmoor; die Bauern aus der Nachbarschaft gruben wahllos Torf und hinterließen große Wasserkuhlen.

Die ersten Siedler kamen aus den Nachbargebieten Moordorfs. Später waren es Menschen aus dem ganzen ostfriesischen Raum und auch darüber hinaus, die sich in der Kolonie Moordorf niederließen . Nach 100 Jahren waren über 130 Familien in Moordorf ansässig, davon stammten 2/3 aus Ostfriesland. Entstehung und Entwicklung Moordorfs vollzogen sich unter unsagbaren Schwierigkeiten . – Als Ursachen hierfür sind einerseits fehlende Entwässerungsanlagen zu nennen (die Besiedlung begann 1767, aber erst mehr als 100 Jahre später wurde ein Kanal gebaut!), andererseits waren die staatlichen Stellen bei der Auswahl der Siedler mehr als nachlässig . Den mittellosen Siedlern wurden viel zu kleine Parzellen überlassen, so dass der unergiebige Boden schnell erschöpft war.

Die Erbpacht konnte nicht mehr bezahlt werden und die Kolonisten versanken in bittere Armut . Als Hauptursachen des Elends seinen hier die weitgehend planlose Besiedlung ohne staatliche Kontrolle, die viel zu kleinen Kolonate, der Mangel an Infrastrukturmaßnahmen wie der Anlage von Kanälen, wie in der Fehnkultur, die fehlende Siedlerauswahl und der Zustrom mittelloser Siedler genannt . Trotzdem beliefen sich jährlichen Einnahmen der Preußen auf stattliche 200.000 Taler. Moordorf als Moorkolonie gehörte zu den kinderreichsten und gleichzeitig ärmsten Dörfern Deutschlands. In den Betten der Lehmkaten übernachteten nicht selten 3 bis 4 Kinder in einem Bett. Bis weit in den Herbst liefen die Kinder barfuß. Dabei ist zu beachten, dass es im Moor wesentlich früher als in anderen Landstrichen friert. Für die Schule hatten die Kinder keine Zeit, da sie früh gezwungen wurden mitzuarbeiten oder zu betteln. Die Jungen und Mädchen landeten vielfach wieder als Knechte oder Mägde bei Bauern. Die bittere Armut und die dadurch auftretenden Begleiterscheinungen wie Betteln und der Verkauf von Stroh- und Binsenmatten und Böhnern (Topfschrubber aus Heidekraut) im Hausierhandel führten zu allerlei Gerüchten, welche historisch nicht belegbar sind. So hatten sich in Moordorf keine Zigeuner niedergelassen; ebenso wenig stammen die Moordorfer von „Sträflingen“ ab, wie es immer wieder hieß und gelegentlich noch heißt. Womöglich hängt das „Sträflingsgerücht“ mit einigen ausgedienten „landfremden“ Soldaten zusammen, die in Moordorf siedelten. Allerdings: Nur zwei von ihnen blieben auf Dauer in Moordorf.

Papenburg an der Ems, Deutschlands älteste Fehnsiedlung

Die Stadt Papenburg ist die nördlichste Stadt des Landkreises Emsland, unmittelbar angrenzend an den ostfriesischen Landkreis Leer. Die Stadt hat eine Länge von 11,5 Kilometer und erstreckt sich 15,5 Kilometer in die Breite. Sie befindet sich rund 13 Kilometer südlich der Stadt Weener und 38 Kilometer nördlich der Stadt Haren. Von Papenburg bis zur westlich gelegenen niederländischen Grenze sind es ca. 15 Kilometer. Im Süden der Stadt verläuft der Küstenkanal. Im Westen der Stadt verlaufen der Dortmund-Ems-Kanal sowie die Ems, die bis Herbrum weitgehend den Gezeiten unterliegt und Papenburg zur südlichsten Seehafen­stadt Deutschlands macht. Ein- bis zweimal jährlich wird die Ems mit Hilfe des Sperrwerks in Gandersum aufgestaut, sodass die Meyer Werft Hochseeschiffe in die Nordsee überführen kann.


Papenburg ist Deutschlands älteste und längste Fehn-Kolonie. Kanäle prägen das Stadtbild in Papenburg am Oben- und Untenende und waren lange Zeit die Hauptentwicklungsachsen. Das Netz aus Kanälen reicht vom Hafen an der Ems (Untenende) bis zum Küstenkanal im Südosten (Obenende) und hat eine Gesamtlänge von ca. 40 km bei einer Längsausdehnung von ca. 14 km.

Ursprünglich wurden die Kanäle angelegt, um das Moor zu entwässern um daraufhin den Torf abbauen zu können und als Brennstoff nutzbar bzw. verkaufsfähig zu machen. Alsbald wurden die Kanäle als effiziente Abtransportwege entdeckt, woraufhin Dutzende Holzschiffswerften entstanden, die Lastkähne bauten, welche zunächst von Menschenhand und später mehr und mehr von Pferden über die Wasserstraßen getreidelt wurden. In einigen Kanälen liegen, fest verankert, Nachbauten alter Schiffe – vom einfachen Kahn bis zur großen Brigg –, die an diese Zeit erinnern.

St. Antonius ist die katholische Stadtpfarrkirche von Papenburg im Landkreis Emsland. Die große neugotische Backstein-Hallenkirche wurde von 1875 bis 1877 nach Plänen des gebürtigen Papenburgers und Osnabrücker Diözesanbaumeisters Alexander Behnes erbaut. Sie ist vor allem durch die großteils erhaltene Originalausstattung bedeutend.




Mittwoch, 7. Juli 2021

Von Papenburg nach Großefehn

Die Brigg "Friederike", Papenburgs Wahrzeichen

Papenburg ist die nördlichste Stadt des Emslandes. An der Grenze zu Ostfriesland gelegen, werden dort bereits seit Jahrhunderten Schiffe gebaut. Während es heute die Kreuzfahrtriesen aus der Meyer Werft sind, die in Papenburg entstehen, waren es früher kleine Schiffe wie Tjalk, Schoner und Brigg, die zum Warenverkehr mit anderen Orten genutzt wurden.

Ihren zahlreichen Kanälen und Brücken verdankt die Stadt den Beinamen "Venedig des Nordens".

Die Geschichte Papenburgs ist eng mit dem Torfabbau verknüpft. Nachdem Dietrich von Velen das "Gut Papenburg" im Dezember 1630 von Friedrich von Schwarzenberg erworben hatte, ließ er zur Entwässerung Kanäle, sogenannte Wieken, ziehen. Damit legte er den Grundstein für die Erschließung der bis dahin unzugänglichen emsländischen Moore. Die Kanäle nutzte er gleichzeitig, um den Torf mit schmalen Schiffen zu den ostfriesischen Ziegeleien zu liefern. So wurde Papenburg zur ersten Moorkolonie Deutschlands.


Eindrucksvolles Zeugnis der Seefahrergeschichte Papenburgs sind sechs Schiffsnachbauten in Originalgröße, die über die Stadt verteilt am Hauptkanal liegen und so ein ganz besonderes Freilicht-Schifffahrts-Museum bilden. Beliebtes Fotomotiv und Wahrzeichen ist die Brigg "Friederike von Papenburg", die vor dem 1913 errichteten Rathaus ankert und eine Nebenstelle der Touristinformation ist.

St. Antonius ist die katholische Stadtpfarrkirche von Papenburg im Landkreis Emsland. Die große neugotische Backstein-Hallenkirche wurde von 1875 bis 1877 nach Plänen des gebürtigen Papenburgers und Osnabrücker Diözesanbaumeisters Alexander Behnes erbaut. Sie ist vor allem durch die großteils erhaltene Originalausstattung bedeutend.

Papenburg, im 17. Jahrhundert als Fehnkolonie an der Nordgrenze des Hochstifts Münster entstanden, hatte seit 1674/80 eine katholische Pfarrkirche. Der selige Niels Stensen, damals Weihbischof in Münster, weihte sie am 20. August 1682 auf das Patrozinium des heiligen Antonius von Padua.

Neubaupläne und einen Kirchbaufonds gab es bereits seit den 1840er Jahren. Die endgültigen Baupläne schuf Alexander Behnes 1871. Durch die Wirren des Deutsch-Französischen Kriegs und der Reichsgründung verzögerte sich die Grundsteinlegung bis zum 15. Juli 1875. Am 11. Dezember 1877 weihte der Osnabrücker Bischof Johannes Beckmann die neue Antoniuskirche. Die Anschaffung der Innenausstattung, des Geläuts und der ersten Orgel (auf der Empore im Nordquerschiff) dauerte bis 1885. Die reichen Wandmalereien von Gerhard Lamers und die Buntglasfenster entstanden 1911/12.

Unweit Papenburg, auf der linken Seite der Ems, im ostfriesischen Rheiderland, liegt Weener. Weener ist die einzige Stadt der historischen Region Rheiderland und erstreckt sich linksseits der Ems.


Von Weener nach Leer - Am Alten Hafen in Weener, Fahrt durch die Stadt, über die Jann-Berghaus-Brücke nach Leer, in der Altstadt und der Evenburg

Der staatl. anerkannte Erholungsort mit seiner über 1000-jährigen Geschichte ist das Zentrum des Rheiderlandes. Neben dem historischen „Alten Hafen“ wird das Stadtbild geprägt von Häusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert. In vergangenen Jahrhunderten hatte Weener einen Hafen an der Ems und lag an der linksemsischen Handelsroute ins südlich gelegene Münsterland. Die Stadt war vor allem durch ihre Vieh- und Pferdemärkte bekannt und exportierte landwirtschaftliche Handelsgüter. Mittlerweile spielen der Hafen als Warenumschlagsort und der Viehhandel keine Rolle mehr.

Durch ihren Seehafen ist die an Ems und Leda gelegene Stadt Leer seit Jahrhunderten vom Handel und der Seefahrt geprägt. Sie ist einer der größten deutschen Reederei-Standorte. Die Altstadt gilt wegen des guten Erhaltungszustands ihrer historischen Häuser als die „wertvollste“ der Region.

Mit der Pünte über die Jümme bei Wilthausen


Die Pünte in Wiltshausen (Landkreis Leer (Ostfriesland) im äußersten Nordwesten Niedersachsens) ist eine kleine handbetriebene Binnenfähre über die Jümme, dicht bei der Mündung in die Leda, die ihrerseits nach etwa 10 km hinter Leer in die Ems mündet. Sie verbindet die Orte Amdorf und Wiltshausen und ist die älteste handgezogene Fähre Nordeuropas.

Die Pünte wird bereits 1562 zum ersten mal urkundlich erwähnt. Sie wurde zuletzt bis 1975 vom Landkreis betrieben und dann aus Kostengünden eingestellt. Bei der Bekanntgabe der Schließung 1974 formierte sich sofort eine Bewegung unter den Bürgern zum "Verein zur Förderung und Erhaltung der historischen Pünte als Denkmal auf dem Wasser e.V." (Pünten-Verein), der den Fährbetrieb 1988 wieder aufnahm. 2002 wurde die Pünte unter Denkmalschutz gestellt.

Via Detern und Wiesmoor erreichen wir den Großefehnkanal.

Entlang des Großefehnkanals in Ostfriesland - 1633 von Emden gebauter, an das Fehntjer Tief bei Westgroßefehn anschließender Moorkanal von ca. 10km Länge und vier Schleusen, von denen die Eingangsschleuse von 1786 in den 1990er Jahren restauriert wurde; 1921-34 über den Großefehnanschlusskanal mit dem Nordgeorgsfehnkanal (und dem Ems-Jade-Kanal) zum Ringkanal verbunden.


Fehntjer-Land heißt die Landschaft in und um Großefehn, und das zu Recht. Denn hier in Westgroßefehn entstand 1633 das erste Fehngebiet aus unwirtlichem Moor. Vier Emder Bürger waren es, die den ersten Fehnkanal graben ließen, um das Land zu entwässern und um Torf auf „Törfmuttjes“ nach Emden transportieren zu können. Dort, wo der Großefehnkanal in die Flumm mündet und die Westgroßefehner Mühle steht, begann alles. Heute noch ist Großefehn – die älteste Fehnanlage Ostfrieslands – kreuz und quer von Kanälen, Wieken und Inwieken durchzogen, und überall sieht man die markanten weißen Klappbrücken, die darüberführen.



Sonntag, 6. Juni 2021

Im Emsland

Die Kuff Margarethe in Papenburg

Papenburg an der Ems, Deutschlands älteste Fehnsiedlung

Die Stadt Papenburg ist die nördlichste Stadt des Landkreises Emsland, unmittelbar angrenzend an den ostfriesischen Landkreis Leer. Die Stadt hat eine Länge von 11,5 Kilometer und erstreckt sich 15,5 Kilometer in die Breite. Sie befindet sich rund 13 Kilometer südlich der Stadt Weener und 38 Kilometer nördlich der Stadt Haren. Von Papenburg bis zur westlich gelegenen niederländischen Grenze sind es ca. 15 Kilometer. Im Süden der Stadt verläuft der Küstenkanal. Im Westen der Stadt verlaufen der Dortmund-Ems-Kanal sowie die Ems, die bis Herbrum weitgehend den Gezeiten unterliegt und Papenburg zur südlichsten Seehafen­stadt Deutschlands macht. Ein- bis zweimal jährlich wird die Ems mit Hilfe des Sperrwerks in Gandersum aufgestaut, sodass die Meyer Werft Hochseeschiffe in die Nordsee überführen kann.


Papenburg ist Deutschlands älteste und längste Fehn-Kolonie. Kanäle prägen das Stadtbild in Papenburg am Oben- und Untenende und waren lange Zeit die Hauptentwicklungsachsen. Das Netz aus Kanälen reicht vom Hafen an der Ems (Untenende) bis zum Küstenkanal im Südosten (Obenende) und hat eine Gesamtlänge von ca. 40 km bei einer Längsausdehnung von ca. 14 km.

Ursprünglich wurden die Kanäle angelegt, um das Moor zu entwässern um daraufhin den Torf abbauen zu können und als Brennstoff nutzbar bzw. verkaufsfähig zu machen. Alsbald wurden die Kanäle als effiziente Abtransportwege entdeckt, woraufhin Dutzende Holzschiffswerften entstanden, die Lastkähne bauten, welche zunächst von Menschenhand und später mehr und mehr von Pferden über die Wasserstraßen getreidelt wurden. In einigen Kanälen liegen, fest verankert, Nachbauten alter Schiffe – vom einfachen Kahn bis zur großen Brigg –, die an diese Zeit erinnern.

Sankt Antonius in Papenburg

St. Antonius ist die katholische Stadtpfarrkirche von Papenburg im Landkreis Emsland. Die große neugotische Backstein-Hallenkirche wurde von 1875 bis 1877 nach Plänen des gebürtigen Papenburgers und Osnabrücker Diözesanbaumeisters Alexander Behnes erbaut. Sie ist vor allem durch die großteils erhaltene Originalausstattung bedeutend.


Der mächtige Turm der St.-Antonius-Kirche ragt 88 Meter in die Höhe. Er ist das Wahrzeichen des Papenburger Stadtteils Untenende und wird im Volksmund liebevoll „Langer Anton“ genannt.

Die St.-Antonius-Kirche wurde nach vierjähriger Bauzeit im Dezember 1877 eingeweiht. Sie steht auf einem Fundament mit mehr als einer Million Klinkern. Für jeden Stein, der über der Erde verbaut wurde, liegt auch einer unter der Erde.

Brigg "Friederike von Papenburg"


Das Museumsschiff Brigg "Friederike von Papenburg" ist das Wahrzeichen der Stadt, Deutschlands ältester und längster Fehnkolonie. Sie liegt im Hauptkanal direkt vor dem Rathaus und ist Teil des schwimmenden Schifffahrts-Museums und zugleich Nebenstelle der Tourist-Information Papenburg. Brautpaare können sich zudem an Bord trauen lassen.

Kuff Margaretha von Papenburg

Die Kuff (Plattbodenschiff) "Margaretha von Papenburg" liegt im Hauptkanal in der Nähe des Rathauses.


Dieser Schiffstyp aus dem 19. Jahrhundert wurde hauptsächlich in der Küstenschifffahrt eingesetzt und zeichnet sich durch eine füllige Form mit flachem Schiffsboden und stark gerundeten und hochgezogenen Bug- und Heckformen aus.

Schloß Clemenswerth, bei Sögel, südlich von Papenburg

Das Schloss Clemenswerth ist ein für Clemens August I. von Bayern errichtetes Jagdschloss in der Nähe des emsländischen Sögel. Die aus einem zentralen Hauptschloss und acht Pavillons bestehende Anlage gehört zu den Hauptwerken des westfälisch geprägten Barock. Das Jagdschloss, seine Nebengebäude und der Klostergarten sind für Besucher zugänglich und beherbergen das Emslandmuseum Schloss Clemenswerth.


Zur Person: Clemens August Ferdinand Maria Hyazinth von Bayern (* 16. August 1700 in Brüssel; † 6. Februar 1761 in Koblenz). Er war als Clemens August I. von 1723 bis 1761 Erzbischof von Köln und damit gleichzeitig Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches, Landesherr des zugehörigen Erzstifts sowie der Nebenländer Recklinghausen und Westfalen. Außerdem war er Legatus natus des Heiligen Apostolischen Stuhls zu Rom, Hochmeister des Deutschen Ordens, Fürstbischof von Regensburg, Münster, Osnabrück, Paderborn und Hildesheim sowie Inhaber anderer kirchlicher Würden.





Sonntag, 22. November 2020

Im Emsland


Das Schloss Clemenswerth ist ein für Clemens August I. von Bayern errichtetes Jagdschloss in der Nähe des emsländischen Sögel. Die aus einem zentralen Hauptschloss und acht Pavillons bestehende Anlage gehört zu den Hauptwerken des westfälisch geprägten Barock. Das Jagdschloss, seine Nebengebäude und der Klostergarten sind für Besucher zugänglich und beherbergen das Emslandmuseum Schloss Clemenswerth.


Papenburg


Papenburg - neugotische katholische Sankt-Antoniuskirche - Museumsschiffe - Im Eiscafé -
Papenburg ist die älteste Fehnkolonie (Moorkolonie).

Papenburg ist die nördlichste Stadt des Emslandes. An der Grenze zu Ostfriesland gelegen, werden dort bereits seit Jahrhunderten Schiffe gebaut. Während es heute die Kreuzfahrtriesen aus der Meyer Werft sind, die in Papenburg entstehen, waren es früher kleine Schiffe wie Tjalk, Schoner und Brigg, die zum Warenverkehr mit anderen Orten genutzt wurden.

Die Geschichte Papenburgs ist eng mit dem Torfabbau verknüpft. Nachdem Dietrich von Velen das "Gut Papenburg" im Dezember 1630 von Friedrich von Schwarzenberg erworben hatte, ließ er zur Entwässerung Kanäle, sogenannte Wieken, ziehen. Damit legte er den Grundstein für die Erschließung der bis dahin unzugänglichen emsländischen Moore. Die Kanäle nutzte er gleichzeitig, um den Torf mit schmalen Schiffen zu den ostfriesischen Ziegeleien zu liefern. So wurde Papenburg zur ersten Moorkolonie Deutschlands.

Binnenkanäle mit einer Gesamtlänge von mehr als 40 Kilometern führen bis ins Zentrum der Stadt, die deshalb auch "Venedig des Nordens" genannt wird.


Die Brigg "Friederike von Papenburg": Das Museumsschiff Brigg "Friederike von Papenburg" ist das Wahrzeichen der Stadt, Deutschlands ältester und längster Fehnkolonie. Sie liegt im Hauptkanal direkt vor dem Rathaus und ist Teil des schwimmenden Schifffahrts-Museums und zugleich Nebenstelle der Tourist-Information Papenburg. Brautpaare können sich zudem an Bord trauen lassen.

Die Kuff (Plattbodenschiff) "Margaretha von Papenburg" liegt im Hauptkanal in der Nähe des Rathauses. Dieser Schiffstyp aus dem 19. Jahrhundert wurde hauptsächlich in der Küstenschifffahrt eingesetzt und zeichnet sich durch eine füllige Form mit flachem Schiffsboden und stark gerundeten und hochgezogenen Bug- und Heckformen aus.



Montag, 5. August 2019

Im Fehntjer Land - Die Moorkolonisation


Es gibt bestimmte Regionen in Friesland und Ostfriesland, die wir immer wieder gerne besuchen. Und dazu zählt auch das Fehntjer Land, die Region der Moorkanäle, Hebebrücken und Windmühlen.


Im Land der Fehn - Ostgroßefehn, Westgroßefehn - Deutsche Fehnroute - Fehn sind Kanäle aus der Zeit der Moorkolonisation.

Wir haben die Route fortgesetzt, die uns vor zwei Jahren bis zur Windmühle von Ostgroßefehn geführt hatte.


Von Wilhelmsfehn nach Westgroßefehn in Ostfriesland. Fehn (niederländisch Veen ‚Moor‘) bezeichnet sowohl die Moorkanäle als auch die Siedlungen (Fehnsiedlung) entlang dieser Kanäle.

Die Endung -fehn (auch -vehn, -venn, -fenn, -feen) als Bestandteil von Ortsnamen bezeichnet im niederdeutschen Raum eine morastig-sumpfige Niederung oder ein Moor. Ortsnamen mit dieser Endung kommen am häufigsten in Ostfriesland vor, aber auch im Ammerland, in anderen Gebieten Niedersachsens und in Schleswig-Holstein.

In Ostfriesland und den unmittelbar angrenzenden Gebieten deutet ein Ortsname auf -fehn des Öfteren, aber nicht immer auf eine spezielle Form der Moorsiedlung aus der Zeit vom 17. bis zum 19. Jahrhundert hin, die an ins Moor getriebenen Kanälen entstanden ist.

Die Fehnkultur kann als eine Form der Binnenkolonisierung gelten, da sie bis dahin unbewohnte und unbewohnbare Gebiete für eine relativ intensive Besiedlung erschlossen hat. Sie hängt mit Kanalbau und Torfstechen zusammen und wurde in den Niederlanden entwickelt, wo die älteste Kolonie das im Jahr 1599 gegründete Oude Pekela ist.

Die „ideale“ Fehnsiedlung besteht, in den Niederlanden wie in Deutschland, aus einem oder mehreren ins Moor getriebenen, ursprünglich schiffbaren Kanälen, an denen die Siedlerhäuser wie an einer Perlenschnur aufgereiht sind. Der Fehnkanal, die Hauptwieke, diente zunächst zur Entwässerung des Moores, zum Abtransport des Torfes mit getreidelten Schiffen und zur Anfuhr von Baumaterial, Dünger usw. Von der Hauptwieke aus wurden häufig noch Seiten- und Nebenkanäle, die In- und Achterwieken, angelegt. Beiderseits der Kanäle errichteten die Siedler ihre einfachen, einheitlich gebauten Häuser. Die sich oft über Kilometer hinziehenden Reihensiedlungen wirken trotz ihrer Gleichmäßigkeit nicht eintönig. Neben ‚echten’ Fehnsiedlungen wurden jedoch auch solche Moorsiedlungen mit dem Grundwort Fehn belegt, denen der dafür so typische Kanal fehlt. Die jüngste derartige Siedlung ist Hinrichsfehn, die erst nach 1945 gegründet wurde.

Die Lebensbedingungen der ersten Siedler (Fehntjer) waren durchweg erbärmlich. Zur Wohnung dienten zunächst nur primitivste Hütten aus Torfplacken und die Nahrungsversorgung blieb auf wenige Komponenten beschränkt. Nachdem aber die erste Not überstanden war, verstanden es die Bewohner, ihre Wirtschaftsgrundlage auszubauen, und die Fehnsiedlungen erlebten in der Folgezeit einen merklichen Aufschwung. Das geflügelte Wort "Den Ersten sien Doad, den Tweten sien Not, den Dridden sien Broad" soll aus der Zeit der Fehnbesiedelung stammen. Viele Fehntjer fanden in der Neuzeit andere Einkommensquellen, zum Beispiel in der Seeschifffahrt.

Das Museum der Armut in Moordorf

Vom harten Leben der Moorkolonisten zeugt das Museum in Moordorf.


Nach dem Erlass des Urbarmachungsediktes durch König Friedrich II., der 1744 die Macht in Ostfriesland angetreten hatte, begann 1767 in der Südbrookmer Vogtei die Besiedlung von Moordorf. Die Preußischen Verwaltung teilte die wüsten unbebauten Heidefelder und Moore auf und vergab sie zwecks Kultivierung an Siedlungswillige. Im Gegensatz zu anderen Projekten der Binnenkolonisation der Preußen geschah die Besiedelung in Moordorf sehr unvorbereitet. Während etwa in den Fehnsiedlungen die Gründer durch die Anlage von Kanälen für eine Entwässerung sorgten und damit eine wichtige Voraussetzung für eine zügige Kultivierung schufen, überließ die preußische Verwaltung die ersten Siedler in Moordorf ihrem Schicksal.

Auch für die Auswahl der Siedler zeigten die staatlichen Stellen kein großes Interesse. Unter den ersten Kolonisten fanden sich viele mittellose Tagelöhner oder Heuerleute aus dem Umland, die der dortigen Überbevölkerung zu entkommen versuchten. Die Mehrheit der Siedler (70 Prozent) stammte aus Ostfriesland, die anderen aus den Provinzen Oldenburg und Hannover sowie dem übrigen Deutschland. Hinzu kamen ausgediente Soldaten aus dem Heer des Königs, von denen nur zwei dauerhaft in Moordorf verblieben. Die Preußen lockten sie mit der Hoffnung auf eine eigene Landstelle nach Moordorf.

Die ersten Siedler erhielten Grundstücke von 50 Ruten Breite (etwa 188 m) entlang des sogenannten Schwarzen Weges, einem Teilstück der von Aurich nach Norden führenden Heerstraße, zugewiesen. Diese sollten die sie in Richtung Moor verbreitern. Durchschnittlich waren die Kolonate zwischen 2 und 6 Diemat (etwa zwischen 11.400 und 34.200 m²) groß. Damit waren die Parzellen viel zu klein, um die Siedler zu ernähren. Hinzu kam, dass der unergiebige Boden durch die Moorbrandkultur schnell erschöpft war. So konnte die Bewohner die Erbpacht häufig nicht mehr zahlen. Viele Kolonisten versanken in Armut. Als Hauptursachen des Elends gelten die weitgehend planlose Besiedlung ohne staatliche Kontrolle, die viel zu kleinen Kolonate, der Mangel an Infrastrukturmaßnahmen, wie die Anlage von Kanälen im Moor (siehe auch Fehnsiedlungen), die fehlende Siedlerauswahl und der unaufhörliche Zustrom mittelloser Siedler. Dennoch war die innere Kolonisation des moorreichen Ostfrieslands im 18./19. Jahrhundert ein lohnendes Projekt des preußischen Staates. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts auf stattliche 200.000 Taler bei nur geringen Investitionen. So vergab die Verwaltung weiterhin Kolonate in Moordorf. Dazu kam die wilde Besiedlung und die häufig praktizierte Teilung der ohnehin schon zu kleinen Grundstücke. Infolge von Geburtenüberschüssen und der nicht nachlassenden Zuwanderung nahm die Bevölkerung schnell sehr stark zu. Moordorf gehörte so zu den bevölkerungsreichsten Moorkolonien in Ostfriesland, war aber gleichzeitig deren ärmste. Die Verfasser einer Untersuchung aus dem Jahre 1869 stuften 49 Prozent der Einwohner als arm ein.

In Moordorf spitzte sich die soziale Situation weiter zu. Der Ort gehörte zu den kinderreichsten und gleichzeitig ärmsten Dörfern Deutschlands. Die Siedler lebten in armseligen Lehmkaten, die oftmals aus nur zwei Räumen bestanden: einem Wohnraum und einem Stall. In diesen Hütten übernachteten nicht selten drei bis vier Kinder in einem Bett. Die große Armut des Ortes drückte sich auch in der Bekleidung aus, sodass die Moordorfer sofort erkennbar waren. Bis weit in den Herbst liefen die Kinder barfuß herum, und das, obwohl es im Moor wesentlich früher als in anderen Landstrichen friert. An schulische Bildung war bei den meisten Kindern nicht zu denken. Sie mussten schon früh zum Lebensunterhalt der Familien beitragen. Die Jungen und Mädchen landeten vielfach als Knechte oder Mägde beim Bauern, mussten bei den Eltern mitarbeiten oder betteln.

Die große Armut und die dadurch auftretenden Begleiterscheinungen, wie das Betteln und der Verkauf von selbstgeflochtenen Weidekörben und Trödel, führten zu vielen Gerüchten, welche von Historikern längst widerlegt sind. So hieß es lange Zeit, der Ort sei von Zigeunern – seinerzeit ein Schimpfwort – besiedelt worden oder eine Strafkolonie gewesen.

Papenburg im Emsland ist die älteste Fehnkolonie (Moorkolonie) in Deutschland.


Papenburg - neugotische katholische Sankt-Antoniuskirche - Museumsschiffe - Im Eiscafé



Montag, 15. Juli 2019

Emsland und Ammerland


Die Wittelsbacher im Norden - Emsland

Schloß Clemenswerth, bei Sögel, südlich von Papenburg, Emsland, Niedersachsen; Jagdschloß des Kölner Erzbischofs (Fürstbischof) Clemens August aus dem Hause Wittelsbach (Bayern). Ja, der Bursche, der da hoch im Norden auf dem Sockel steht, das ist wahrhaftig ein Bajuware: Clemens August Ferdinand Maria Hyazinth von Bayern (* 16. August 1700 in Brüssel; † 6. Februar 1761 in Koblenz). Er war als Clemens August I. von 1723 bis 1761 Erzbischof von Köln und damit gleichzeitig Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches, Landesherr des zugehörigen Erzstifts sowie der Nebenländer Recklinghausen und Westfalen. Außerdem war er Legatus natus des Heiligen Apostolischen Stuhls zu Rom, Hochmeister des Deutschen Ordens, Fürstbischof von Regensburg, Münster, Osnabrück, Paderborn und Hildesheim sowie Inhaber anderer kirchlicher Würden.

Papenburg, Deutschlands älteste Fehnsiedlung

Papenburg ist die nördlichste Stadt des Emslandes. An der Grenze zu Ostfriesland gelegen, werden dort bereits seit Jahrhunderten Schiffe gebaut. Während es heute die Kreuzfahrtriesen aus der Meyer Werft sind, die in Papenburg entstehen, waren es früher kleine Schiffe wie Tjalk, Schoner und Brigg, die zum Warenverkehr mit anderen Orten genutzt wurden.


Die Geschichte Papenburgs ist eng mit dem Torfabbau verknüpft. Nachdem Dietrich von Velen das "Gut Papenburg" im Dezember 1630 von Friedrich von Schwarzenberg erworben hatte, ließ er zur Entwässerung Kanäle, sogenannte Wieken, ziehen. Damit legte er den Grundstein für die Erschließung der bis dahin unzugänglichen emsländischen Moore. Die Kanäle nutzte er gleichzeitig, um den Torf mit schmalen Schiffen zu den ostfriesischen Ziegeleien zu liefern. So wurde Papenburg zur ersten Moorkolonie Deutschlands.

Binnenkanäle mit einer Gesamtlänge von mehr als 40 Kilometern führen bis ins Zentrum der Stadt, die deshalb auch "Venedig des Nordens" genannt wird.

Im Ammerland - Residentstadt Rastede (Schloßpark und Palais-Garten) und Bad Zwischenahn (letzteres an einem Regentag - Zwischenahner Meer, Kurpark und Spieker, das Freilichtmuseum


Das Ammerland ist eine Teillandschaft der Oldenburger Geest. Das Ammerland ist wie kaum eine andere Region mit zahlreichen wunderschönen Parks und Gärten ausgestattet. In der Mitte der Region liegt das Zwischenahner Meer. Es ist nach dem Dümmer und dem Steinhuder Meer das drittgrößte Binnengewässer Niedersachsens.


Rastede nennt sich Residenzstadt, weshalb es Spötter oft "Das Potsdam von Oldenburg" nennen.

Im Palais-Garten von Rastede im Ammerland kann man ganz toll Hochzeitsfotos machen. Eine herrliche Kulisse.




Samstag, 13. Juli 2019

So muss ein Sommer sein

Ein Sommertag im Tal der Wiesent in der Fränkischen Schweiz

  


Uns "älteren Herrschaften" tun zur Zeit ob der Kälte so ziemlich alle Knochen weh. Fast überlegen wir bereits, die Heizung anzuschalten. 14 Grad sind wirklich gottserbärmlich kalt.

Was haben wir diesen heißen Sommer letztes Jahr genossen. Kurze Hose, leichte Kleidung, einer unserer schönsten Urlaube im Norden seit langem.


Papenburg, Deutschlands älteste Fehnsiedlung

Papenburg ist die nördlichste Stadt des Emslandes. An der Grenze zu Ostfriesland gelegen, werden dort bereits seit Jahrhunderten Schiffe gebaut. Während es heute die Kreuzfahrtriesen aus der Meyer Werft sind, die in Papenburg entstehen, waren es früher kleine Schiffe wie Tjalk, Schoner und Brigg, die zum Warenverkehr mit anderen Orten genutzt wurden. Die Geschichte Papenburgs ist eng mit dem Torfabbau verknüpft. Nachdem Dietrich von Velen das "Gut Papenburg" im Dezember 1630 von Friedrich von Schwarzenberg erworben hatte, ließ er zur Entwässerung Kanäle, sogenannte Wieken, ziehen. Damit legte er den Grundstein für die Erschließung der bis dahin unzugänglichen emsländischen Moore. Die Kanäle nutzte er gleichzeitig, um den Torf mit schmalen Schiffen zu den ostfriesischen Ziegeleien zu liefern. So wurde Papenburg zur ersten Moorkolonie Deutschlands. Binnenkanäle mit einer Gesamtlänge von mehr als 40 Kilometern führen bis ins Zentrum der Stadt, die deshalb auch "Venedig des Nordens" genannt wird.

Bestes Wetter auch beim Besuch der Burg Berum.


Der Seehof im Pfälzerwald bei Erlenbach - bei 35° Celsius, wie am 2. Juli 2015, eine willkommene Erfrischung. Idyllisch gelegener Badesee am Fuß der Burg Berwartstein.



Mittwoch, 3. Juli 2019

Die Moorkolonisation in Ostfriesland


Im Fehntjer Land

Fehn (niederländisch Veen ‚Moor‘) bezeichnet sowohl die Moorkanäle als auch die Siedlungen (Fehnsiedlung) entlang dieser Kanäle.


Die Endung -fehn (auch -vehn, -venn, -fenn, -feen) als Bestandteil von Ortsnamen bezeichnet im niederdeutschen Raum eine morastig-sumpfige Niederung oder ein Moor. Ortsnamen mit dieser Endung kommen am häufigsten in Ostfriesland vor, aber auch im Ammerland, in anderen Gebieten Niedersachsens und in Schleswig-Holstein.

In Ostfriesland und den unmittelbar angrenzenden Gebieten deutet ein Ortsname auf -fehn des Öfteren, aber nicht immer auf eine spezielle Form der Moorsiedlung aus der Zeit vom 17. bis zum 19. Jahrhundert hin, die an ins Moor getriebenen Kanälen entstanden ist.

Die Fehnkultur kann als eine Form der Binnenkolonisierung gelten, da sie bis dahin unbewohnte und unbewohnbare Gebiete für eine relativ intensive Besiedlung erschlossen hat. Sie hängt mit Kanalbau und Torfstechen zusammen und wurde in den Niederlanden entwickelt, wo die älteste Kolonie das im Jahr 1599 gegründete Oude Pekela ist.

Die „ideale“ Fehnsiedlung besteht, in den Niederlanden wie in Deutschland, aus einem oder mehreren ins Moor getriebenen, ursprünglich schiffbaren Kanälen, an denen die Siedlerhäuser wie an einer Perlenschnur aufgereiht sind. Der Fehnkanal, die Hauptwieke, diente zunächst zur Entwässerung des Moores, zum Abtransport des Torfes mit getreidelten Schiffen und zur Anfuhr von Baumaterial, Dünger usw. Von der Hauptwieke aus wurden häufig noch Seiten- und Nebenkanäle, die In- und Achterwieken, angelegt. Beiderseits der Kanäle errichteten die Siedler ihre einfachen, einheitlich gebauten Häuser. Die sich oft über Kilometer hinziehenden Reihensiedlungen wirken trotz ihrer Gleichmäßigkeit nicht eintönig.

Die Lebensbedingungen der ersten Siedler (Fehntjer) waren durchweg erbärmlich. Zur Wohnung dienten zunächst nur primitivste Hütten aus Torfplacken und die Nahrungsversorgung blieb auf wenige Komponenten beschränkt. Nachdem aber die erste Not überstanden war, verstanden es die Bewohner, ihre Wirtschaftsgrundlage auszubauen, und die Fehnsiedlungen erlebten in der Folgezeit einen merklichen Aufschwung. Das geflügelte Wort "Den Ersten sien Doad, den Tweten sien Not, den Dridden sien Broad" soll aus der Zeit der Fehnbesiedelung stammen. Viele Fehntjer fanden in der Neuzeit andere Einkommensquellen, zum Beispiel in der Seeschifffahrt.

Marcardsmoor

Die Kreuzkirche in Marcardsmoor wurde 1907 erbaut.


Marcardsmoor ist eine Moorkolonie in Ostfriesland und ein Stadtteil von Wiesmoor.

Der Ort wurde nach Eduard Marcard, ehemaliger Unterstaatssekretär im preußischen Landwirtschaftsministerium, benannt. Dieser hatte sich um neue Methoden in der Moorkultivierung verdient gemacht.

Marcardsmoor liegt auf dem Oldenburgisch-Ostfriesischen Geestrücken und dort innerhalb des ostfriesischen Zentralmoores. Um 1900 wies die Gegend noch eine Torfmächtigkeit von etwa acht Metern auf. Seit den 1950er-Jahren besteht in Gestalt der Landesstraße 12 auch eine Straßenverbindung nach Wiesmoor und weiter zur Autobahn 28. Bis dahin waren der Nordgeorgsfehnkanal sowie eine Feldbahn die wichtigsten Verkehrsträger.

Der Ort war der erste, der im späten 19. Jahrhundert nach der so genannten "Deutschen Hochmoorkultur" angelegt wurde. Diese sah vor, dass nach der Entwässerung des Moores mithilfe von Kunstdünger eine landwirtschaftliche Nutzung ermöglicht werden sollte. Nachdem von 1882 bis 1888 der Ems-Jade-Kanal angelegt wurde, begann die preußische Zentralmoorkommission mit der Kultivierung eines rund 2.100 Hektar großen Gebietes nördlich und südlich des Kanals.

1888 war der Kanal bereits fertiggestellt. Diese relativ kurze Bauzeit läßt sich durch den massiven Einsatz von Arbeitskräften und die militärische Wichtigkeit dieses Projektes erklären. Der militärische Aspekt scheint auch der Grund für die relativ kurze Moorstrecke des Kanals (10 km) zu sein, der nach ursprünglichen Plänen das Hochmoor für die Besiedlung vorbereiten und eine größere Fläche entwässern sollte. Durch diesen Kanal war es möglich geworden, militärische Güter von Emden nach Wilhelmshaven (gegr. 1869) zu transportieren, ohne die offene See benutzen zu müssen.

Das Museum der Armut in Moordorf

Vom harten Leben der Moorkolonisten zeugt das Museum in Moordorf.


Nach dem Erlass des Urbarmachungsediktes durch König Friedrich II., der 1744 die Macht in Ostfriesland angetreten hatte, begann 1767 in der Südbrookmer Vogtei die Besiedlung von Moordorf. Die Preußischen Verwaltung teilte die wüsten unbebauten Heidefelder und Moore auf und vergab sie zwecks Kultivierung an Siedlungswillige. Im Gegensatz zu anderen Projekten der Binnenkolonisation der Preußen geschah die Besiedelung in Moordorf sehr unvorbereitet. Während etwa in den Fehnsiedlungen die Gründer durch die Anlage von Kanälen für eine Entwässerung sorgten und damit eine wichtige Voraussetzung für eine zügige Kultivierung schufen, überließ die preußische Verwaltung die ersten Siedler in Moordorf ihrem Schicksal.

Auch für die Auswahl der Siedler zeigten die staatlichen Stellen kein großes Interesse. Unter den ersten Kolonisten fanden sich viele mittellose Tagelöhner oder Heuerleute aus dem Umland, die der dortigen Überbevölkerung zu entkommen versuchten. Die Mehrheit der Siedler (70 Prozent) stammte aus Ostfriesland, die anderen aus den Provinzen Oldenburg und Hannover sowie dem übrigen Deutschland. Hinzu kamen ausgediente Soldaten aus dem Heer des Königs, von denen nur zwei dauerhaft in Moordorf verblieben. Die Preußen lockten sie mit der Hoffnung auf eine eigene Landstelle nach Moordorf.

Die ersten Siedler erhielten Grundstücke von 50 Ruten Breite (etwa 188 m) entlang des sogenannten Schwarzen Weges, einem Teilstück der von Aurich nach Norden führenden Heerstraße, zugewiesen. Diese sollten die sie in Richtung Moor verbreitern. Durchschnittlich waren die Kolonate zwischen 2 und 6 Diemat (etwa zwischen 11.400 und 34.200 m²) groß. Damit waren die Parzellen viel zu klein, um die Siedler zu ernähren. Hinzu kam, dass der unergiebige Boden durch die Moorbrandkultur schnell erschöpft war. So konnte die Bewohner die Erbpacht häufig nicht mehr zahlen. Viele Kolonisten versanken in Armut. Als Hauptursachen des Elends gelten die weitgehend planlose Besiedlung ohne staatliche Kontrolle, die viel zu kleinen Kolonate, der Mangel an Infrastrukturmaßnahmen, wie die Anlage von Kanälen im Moor (siehe auch Fehnsiedlungen), die fehlende Siedlerauswahl und der unaufhörliche Zustrom mittelloser Siedler. Dennoch war die innere Kolonisation des moorreichen Ostfrieslands im 18./19. Jahrhundert ein lohnendes Projekt des preußischen Staates. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts auf stattliche 200.000 Taler bei nur geringen Investitionen. So vergab die Verwaltung weiterhin Kolonate in Moordorf. Dazu kam die wilde Besiedlung und die häufig praktizierte Teilung der ohnehin schon zu kleinen Grundstücke. Infolge von Geburtenüberschüssen und der nicht nachlassenden Zuwanderung nahm die Bevölkerung schnell sehr stark zu. Moordorf gehörte so zu den bevölkerungsreichsten Moorkolonien in Ostfriesland, war aber gleichzeitig deren ärmste. Die Verfasser einer Untersuchung aus dem Jahre 1869 stuften 49 Prozent der Einwohner als arm ein.

In Moordorf spitzte sich die soziale Situation weiter zu. Der Ort gehörte zu den kinderreichsten und gleichzeitig ärmsten Dörfern Deutschlands. Die Siedler lebten in armseligen Lehmkaten, die oftmals aus nur zwei Räumen bestanden: einem Wohnraum und einem Stall. In diesen Hütten übernachteten nicht selten drei bis vier Kinder in einem Bett. Die große Armut des Ortes drückte sich auch in der Bekleidung aus, sodass die Moordorfer sofort erkennbar waren. Bis weit in den Herbst liefen die Kinder barfuß herum, und das, obwohl es im Moor wesentlich früher als in anderen Landstrichen friert. An schulische Bildung war bei den meisten Kindern nicht zu denken. Sie mussten schon früh zum Lebensunterhalt der Familien beitragen. Die Jungen und Mädchen landeten vielfach als Knechte oder Mägde beim Bauern, mussten bei den Eltern mitarbeiten oder betteln.

Die große Armut und die dadurch auftretenden Begleiterscheinungen, wie das Betteln und der Verkauf von selbstgeflochtenen Weidekörben und Trödel, führten zu vielen Gerüchten, welche von Historikern längst widerlegt sind. So hieß es lange Zeit, der Ort sei von Zigeunern – seinerzeit ein Schimpfwort – besiedelt worden oder eine Strafkolonie gewesen.

Papenburg im Emsland ist die älteste Fehnkolonie (Moorkolonie) in Deutschland.


Papenburg - neugotische katholische Sankt-Antoniuskirche - Museumsschiffe - Im Eiscafé



Mittwoch, 1. August 2018

Emsland und Rheiderland: Papenburg und Weener

Vor dem Rathaus von Papenburg



Impressionen aus Papenburg

St. Antonius ist die katholische Stadtpfarrkirche von Papenburg im Landkreis Emsland. Die große neugotische Backstein-Hallenkirche wurde von 1875 bis 1877 nach Plänen des gebürtigen Papenburgers und Osnabrücker Diözesanbaumeisters Alexander Behnes erbaut. Sie ist vor allem durch die großteils erhaltene Originalausstattung bedeutend.

Das Museumsschiff Brigg "Friederike von Papenburg" ist das Wahrzeichen der Stadt, Deutschlands ältester und längster Fehnkolonie. Sie liegt im Hauptkanal direkt vor dem Rathaus und ist Teil des schwimmenden Schifffahrts-Museums und zugleich Nebenstelle der Tourist-Information Papenburg. Brautpaare können sich zudem an Bord trauen lassen.

Die Kuff (Plattbodenschiff) "Margaretha von Papenburg" liegt im Hauptkanal in der Nähe des Rathauses. Dieser Schiffstyp aus dem 19. Jahrhundert wurde hauptsächlich in der Küstenschifffahrt eingesetzt und zeichnet sich durch eine füllige Form mit flachem Schiffsboden und stark gerundeten und hochgezogenen Bug- und Heckformen aus.

Weener in Ostfriesland - Weener ist die einzige Stadt der historischen Region Rheiderland und erstreckt sich linksseits der Ems. In vergangenen Jahrhunderten hatte Weener einen Hafen an der Ems und lag an der linksemsischen Handelsroute ins südlich gelegene Münsterland. Weener war vor allem durch seine Vieh- und Pferdemärkte bekannt und exportierte landwirtschaftliche Handelsgüter. Mittlerweile spielen der Hafen als Warenumschlagsort und der Viehhandel keine Rolle mehr.


Die Jann-Berghaus-Brücke über die Ems in Leer in Ostfriesland ist neben der Erasmusbrücke eine der größten Klappbrücken Westeuropas. Sie liegt zwischen den Leeraner Stadtteilen Leerort und Bingum im Verlauf der B 436. Diese Engstelle müssen auch die aus Papenburg kommenden Kreuzfahrtschiffe der Meyer-Werft auf ihrem Weg in die Nordsee passieren.