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Dienstag, 7. März 2023

Schuhstadt Pirmasens

Pirmasens bot lange als einzige Stadt in Rheinland-Pfalz die Voraussetzungen für die Durchführung internationaler Messen. Erst mit der Eröffnung des Messegeländes Idar-Oberstein und der Gründung einer dortigen Messegesellschaft im Jahr 2009 hat sich dies geändert. Das Gelände wurde ab 1949 von Ludwig Kieffer hauptsächlich für die damals noch florierende Schuhindustrie, speziell die Pirmasenser Schuh- und Lederwarenmesse aufgebaut, hat aber auch nach deren schleichendem Ende überlebt. Die gesamte Anlage bietet in sieben Hallen 20.000 m² überdachte Fläche, 48.000 m² Freiflächen inklusive Parkplätzen, einen Kongressbereich mit fünf Konferenzräumen und einen Sitzungssaal sowie 1700 PKW- und 100 Busparkplätze.


Neben den Messen wird das Gelände auch für Ausstellungen sowie Tagesveranstaltungen genutzt.

Nachdem früher vor allem die Pirmasenser Schuhmusterung (psm) und die plw (Internationale Messe für Leder, Schuh-Komponenten und mehr) den Ton angaben, sind neuere Messen wie die hageha (Verbrauchermesse für Handwerk, Gewerbe und Handel, von 1954 bis 2014), Gesundheitswelt oder die Kulinaria hinzugekommen. Ab dem Jahr 2004 wurde der Messestandort für 8,4 Millionen Euro im Rahmen der sogenannten Messe Vision 2007 erweitert. Seit 2001 findet jährlich im Februar/März die internationale Anjana, Messe für Angler, Jäger und Naturfreunde statt, die sich zur größten Verbrauchermesse für Natursportarten in Rheinland-Pfalz entwickelt hat.

Tja, Geschichte. Peter Kaiser ist seit Ende 2020 insolvent. Die Produktion in Pirmasens wurde per Ende April 2021 eingestellt und alle Mitarbeiter gekündigt.
Peter Kaiser - Europas älteste Schuhfabrik


Peter Kaiser galt bis zum Produktionsende am Standort Pirmasens als älteste unter den heute noch existierenden Schuhfabriken in Deutschland. Das 1838 gegründete Unternehmen fertigte 2012 in zwei Standorten in Pirmasens und Felgueiras (Portugal) etwa 940.000 Paar Schuhe. Nach Insolvenz Ende 2020 wurde die Produktion in Pirmasens stillgelegt und der Internetshop sowie die Produktion in Portugal in die neue Peter Kaiser Operations GmbH übernommen. 2020 meldete das Unternehmen Insolvenz an. In der Folge wurden der Internetshop, die Produktion in Portugal, die Namensrechte sowie ein kleiner Teil der Belegschaft durch den seitherigen Geschäftsführer sowie zwei weitere Investoren übernommen. Die Produktion in Pirmasens wurde per Ende April 2021 eingestellt und alle Mitarbeiter gekündigt.

Deutschlands ehemals größte Schuhfabrik

Das war mal die 1882 von Eduard Rheinberger gegründete Firma. In ihren besten Zeiten beschäftigte sie weit über 2.500 Mitarbeiter. Mein Großvater arbeitete dort als Meister in der Stepperei und erhielt für 50 Jahre Betriebszugehörigkeit das Bundesverdienstkreuz. Rheinberger ist Geschichte. 1996 endgültig geschlossen.
Neben der Lutherkirche stehend erinnert der Schusterbrunnen mit dem Standbild des Schusters Jean Joss an die Vergangenheit Pirmasens als Schuhstadt.

Der Schuster Jean Joss: Nach seiner Ausbildung zum Schuster, die er in Paris absolvierte, ließ sich Jean Joss in der Siebenhügelstadt nieder und legte den Grundstein für die Pirmasenser Schuhindustrie. Der Sage nach soll er bereits 1809 seine Frau in die preußische Rheinprovinz geschickt haben, wo sie einige paar Schuhe verkaufte. Nachdem sie von dort "mit schönem Gelde" zurückgekommen war, begannen sich auch andere Schuhmacher für den überregionalen Handel zu interessieren - was den Anfang des Pirmasenser Schuhexports darstellte, der später über den ganzen Erdball reichte.


Es gibt noch "Schlabbeflicker":
Der letzte Schuhmacher von Pirmasens - familiengeführter Handwerksbetrieb in der 4. Generation - gegründet 1910


Neuffer - Auf den Spuren einer der einst größten Schuhfabriken in Pirmasens

Die Firma Neuffer war eine der größten Schuhfabriken im pfälzischen Pirmasens des 20. Jahrhunderts, in der zeitweise 5.000 Paar Schuhe täglich hergestellt wurden.

Im Jahr 1894 beantragte der aus St. Wendel stammende Fabrikant Emil Paqué eine Baugenehmigung für ein neues Fabrikgebäude mit Wohnhaus außerhalb der damaligen Stadtgrenzen. Bald nahm die Schuhfabrikation mit zunächst 150 Mitarbeitern und einer 22 PS-Dampfmaschine ihren Betrieb auf. Um die neuen Gebäude anzuschließen, wurde eine neue Straße gebaut und nach der Ehefrau von Emil Paqué Louise benannt.

Die Pläne für eine prächtige Fassade an der Neufferstraße wurden schon 1919 vom Architekten Josef Uhl (1887–1961) erstellt. Möglicherweise diente ihm das Berliner Stadtschloß als Inspiration: Zwei hintereinanderliegende Innenhöfe und eine Westfassade mit einem von einer Kuppel überhöhten Mittelportal mit Durchfahrt. Erst nach der Übernahme durch Emil Neuffer 1926 wurden die Arbeiten begonnen, die verschiedenste Stilelemente zu einem schlossartigen Eingang mit Säulen, auf denen vier Figuren stehen, kombinieren.

Ab 1990 wurde das historische Gebäude grundlegend renoviert und dient seither unter dem Namen Neuffer am Park als Gewerbepark, Bürokomplex, Restaurant und Kultur- und Dienstleistungszentrum.


Pirmasens - ehemalige Schuhfabrik Kopp - Ludwig Kopp AG - Elka-Schuhfabrik - Die ehemalige Schuhfabrik Kopp befindet sich im Stadtzentrum von Pirmasens. Der Fabrikkomplex (1907-1911 erbaut) ist denkmalgeschützt.

Die Fabrik in Pirmasens gründete 1857 der Kaufmann Hermann Schmidt aus Mannheim mit einem Pariser Exporteur. Sie produzierten Schuhe und verkauften sie bis nach Südamerika und den Orient, sodass die Firma bereits 1860 erweitert wurde.
1868 starb Schmidt, und die Mitarbeiter Ludwig Kopp und Karl Waltz übernahmen die Firmenleitung. Sie setzten früh auf Maschinen und führten als erste in Pirmasens die „Sohlendurchnähmaschine“ ein.

Ludwig Kopp war ab 1879 der alleinige Eigentümer der Firma, die für vier Generationen in Familienbesitz blieb. Die Schuhfabrik Kopp stand in der deutschen Schuhbranche für technische Innovationen. 1912 arbeiteten über 1.000 Angestellte für das Unternehmen. 1927 wurde Ludwigs Sohn Karl zudem der Vorsitzende des Reichsverbandes der Deutschen Schuhindustrie.

Wie andere Schuhfabriken in Pirmasens auch, spezialisierte sich Kopp auf die Herstellung von Damenschuhen. Nach dem Krieg wurde die Produktmarke Elka-Schuh etabliert, die für qualitativ hochwertige Schuhe stand. Durch die seit Mitte der 1960er Jahre wachsende Konkurrenz aus dem Ausland entschloss sich die Geschäftsleitung jedoch 1979, die Produktion mit den 130 verbliebenen Mitarbeitern einzustellen.
Das Unternehmen Carl Semler ist heute für seine bequemen und modischen Damenschuhe bekannt.

1863 von dem gleichnamigen Schuhmacher gegründet, ist es die zweitälteste Schuhfabrik in Pirmasens und wird inzwischen von der fünften Generation der Eigentümerfamilie geführt.



Donnerstag, 2. November 2017

Der letzte Schuhmacherbetrieb in Pirmasens


Die wichtigste Ausrüstung des Outdoor-Fotografen hatte eine Reparatur nötig. Meine Trekking-Boots. Und da habe ich in der Tat in Pirmasens noch einen Schuster gefunden. Der letzte Handwerksbetrieb seiner Art in der Schuhstadt.

Der letzte Schuhmacher von Pirmasens 13102017 from Franz Roth on Vimeo.

An die Zeit als es in Pirmasens noch viele Schuhmacher gegeben hat erinnert der Schusterbrunnen in der Fußgängerzone. Er erinnert an den Schuster Jean Joss, dessen bronzenes Abbild den Brunnen bekrönt. Nach seiner Ausbildung zum Schuster in Paris ließ sich Jean Joss in der "Siebenhügelstadt" nieder und legte den Grundstein für die Pirmasenser Schuhindustrie. Der Legende nach soll er bereits 1809 seine Frau in die preußische Rheinprovinz geschickt haben, wo sie einige paar Schuhe verkaufte. Nachdem sie von dort "mit schönem Gelde" zurückgekommen war, begannen sich auch andere Schuhmacher für den überregionalen Handel zu interessieren - was den Anbeginn des Pirmasenser Schuhexports darstellte, der später über den ganzen Erdball reichte.

Pirmasens - Der Schusterbrunnen - Denkmal für den Schuster Joss from Franz Roth on Vimeo.

Dienstag, 11. Juli 2017

Im Elsaß und der Südwestpfalz: Das Hanauer Land und die Garnisonsstadt Pirmasens


Die blauen Häuser im Hanauer Land: Die blaue Farbe war früher das Kennzeichen für die Häuser der armen Hugenotten, die sich andere Farben wie Ocker nicht leisten konnten. Dieses Blau war ein Abfallprodukt der Kobaltproduktion, bleihaltig und giftig. Heute ist die blaue Farbe natürlich ohne Blei und nicht mehr gesundheitsschädlich. Besonders pittoresk in Uttenhoffen sind die Ferme Bleue und die Forge Bleue (die blaue Schmiede), die auch Gästezimmer bzw. Ferienwohnungen anbieten.


Uttenhoffen - Die blauen Häuser des Hanauer Landes von franz-roth-tv

Bouxwiller (Buchsweiler) im Hanauer Land (Pays de Hanau) im Elsaß (Départment Bas-Rhin (67) - Bouxwiller war Residenz der Grafen von Hanau-Lichtenberg. Durch Erbe war Hanau-Lichtenberg Landgraf Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt zugefallen, der die Residenz von hier ins pfälzische Pirmasens verlegte, um dort als Fürst des Deutschen Reiches eine (bewaffnete) Armee unterhalten zu können, was ihm auf französischem Territorium nicht gestattet gewesen wäre.


Bouxwiller im Pays de Hanau (Elsaß) von franz-roth-tv

Unter Landgraf Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt wird am 5. April 1757 der Grundstein für die neue Hof- und Garnisonskirche gelegt. Am 4. Oktober 1761 wird die Kirche geweiht und heißt im Volksmund bald "Untere Kirche". 1793 werden die Glocken an die französische Revolutionsarmee abgeliefert und erst 1861 erhält die Lutherkirche ein neues Geläut.

Am 9. August 1944 wird die Lutherkirche bei alliierten Luftangriffen zerstört. Der Wiederaufbau erfolgt von 1947 bis 1949.

Am 5. November 1949 werden die Gebeine Landgraf Ludwigs IX. in der Gruft zwischen Altar und Taufstein wieder beigesetzt.


Neben der Lutherkirche stehend erinnert der Schusterbrunnen mit dem Standbild des Schusters Jean Joss an die Vergangenheit Pirmasens als Schuhstadt.


Dienstag, 13. Oktober 2015

Pirmasens in der Südwestpfalz

Das "Forum Alte Post"

Meine Heimatstadt Pirmasens ist eine ziemlich spröde Schöne, die sich einem nicht auf den ersten Blick erschließt. Viele halten sie für ziemlich gesichtslos. Nicht ganz zu Unrecht, aber sie hat durchaus auch einige interessante Ecken.


Vom Landauer Tor kommend fahren wir über die Walhalla-Kreuzung in die Obere Hauptstraße ein, parken am Rand der Fußgängerzone und besuchen die Lutherkirche, einst Garnisonskirche der Stadt Pirmasens und Begräbnisstätte des Landgrafen Ludwig IX. Neben der Lutherkirche der Schusterbrunnen mit dem Standbild des Schusters Joß.

Im folgenden Film sehen wir das zu einer Event-Stätte umgewidmete ehemalige Königlich Bayerische Postamt, das Forum Alte Post und den neugestalteten Platz davor.


Unweit das Mahnmal für die Opfer des Holocaust. In meinen Augen nicht gerade ein Glücksgriff der Gestaltung - kein Hinweisschild, das auf dieses Mahnmal verweist, nur ein paar winzige Inschriften auf den Stelen selbst.


Der Alte Friedhof in Pirmasens - Die einstige Leichenhalle ist heute das Kulturzentrum Carolinensaal, der Friedhof selbst eine Parkanlage im Herzen der Schuhstadt. Der Carolinensaal ist enannt nach der Landgräfin Caroline von Hessen-Darmstadt, Gemahlin des Stadtgründers von Pirmasens, Landgraf Ludwig IX., und eine gute Freundin des Preußenkönigs Friedrich II. (Friedrich der Große, "Der Alte Fritz").


Donnerstag, 1. Oktober 2015

Pirmasens - Die Lutherkirche, einst Hof- und Garnisonskirche


Unter Landgraf Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt wird am 5. April 1757 der Grundstein für die neue Hof- und Garnisonskirche gelegt. Am 4. Oktober 1761 wird die Kirche geweiht und heißt im Volksmund bald "Untere Kirche". 1793 werden die Glocken an die französische Revolutionsarmee abgeliefert und erst 1861 erhält die Lutherkirche ein neues Geläut.

Am 9. August 1944 wird die Lutherkirche bei alliierten Luftangriffen zerstört. Der Wiederaufbau erfolgt von 1947 bis 1949.

Am 5. November 1949 werden die Gebeine Landgraf Ludwigs IX. in der Gruft zwischen Altar und Taufstein wieder beigesetzt.


Neben der Lutherkirche finden wir den Schusterbrunnen, eine Reminiszenz an Pirmasens Vergangenheit als Deutsche Schuhmetropole.


Wir haben oben gelesen, dass 1793 die Glocken der Lutherkirche an die französische Armee abgeliefert worden waren. Nun, das war das Jahr der Schlacht bei Pirmasens.

Die Schlacht bei Pirmasens fand am 14. September 1793 während des Ersten Koalitionskriegs bei Pirmasens. Sie fand zwischen französischen Truppen und alliierten preußischen und österreichischen Soldaten statt und endete mit einem Sieg der Verbündeten.

Die Franzosen jedoch besetzen am 25.11.1793 Pirmasens wieder und brandschatzen es.

Auf dem alten Friedhof zu Pirmasens befinden sich die Gräber zweier in der Schlacht gefallener, preußischer Offiziere. Der eine ist Albrecht Otto Johann von Möllendorff (1755–1793).

Der zweite, nahezu identische Grabstein ist ohne Text.

Es ist die Grabstätte von Premierlieutenant Hans Friedrich Georg Ludwig Wilhelm von Borstell (1770–1793), dem ältesten Sohn des an der Pirmasenser Schlacht beteiligten Generals und Kommandeurs des 7. Kürassierregiments, Hans Friedrich Heinrich von Borstell (1730–1804).