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Dienstag, 13. August 2019

Auf den Spuren jüdischer Geschichte



Der alte jüdische Friedhof von Floß in der Oberpfalz

Am Ortsausgang Richtung Flossenbürg findet sich der jüdische Friedhof im oberpfälzischen Floß.

Die jüdische Gemeinde Floß (unweit Flossenbürg) errichtete 1692 ihren eigenen Friedhof, d. h. sieben Jahre nach der Niederlassungserlaubnis für die ersten Juden in Floß.

Der Friedhof wurde auch von den jüdischen Gemeinden in Schönsee, Waidhaus und bis 1901 auch von der jüdischen Gemeinde in Weiden genutzt. Der Friedhof wurde 1729, 1754 und 1780 erweitert und die Friedhofsfläche beträgt 7,50 Ar. 1775 wurde eine Mauer aus Granit um den Friedhof gebaut, die 1778 und 1842 erweitert wurde. Heute sind noch etwa 400 Grabsteine (Mazewot) erhalten und der älteste ist von 1692. Die letzte Beisetzung fand 1946 statt.


Der jüdische Friedhof von Rodalben in der Pfalz - ein Schock, diesen Friedhof zu sehen: Ungepflegt und verwildert, kein vernünftiger Zugang, kein Weg, keine Treppe, kein Hinweisschild.


Es gibt so Tage, an denen könnte man das große Kotzen kriegen. Zum Beispiel dann, wenn man den jüdischen Friedhof in Rodalben in der Südwestpfalz besucht. Zwar ist unten an der Straßenkreuzung ein Hinweisschild, aber das war es dann auch schon. Der Friedhof liegt - völlig unkenntlich und nicht ausgeschildert - ein paar Meter danach am Berghang. Es gibt keinen Weg dorthin oder eine Treppe. Der Zugang ist fast schon was für Bergsteiger. Und der Friedhof selbst: völlig verwildert und verwahrlost. Mehr als kniehohes Gras, selbstausgesäte Büsche und Sträucher, zugewucherte Grabsteine. So ist das ein völlig unwürdiger Ort. Hier kann man nur konstatieren: Vergessen und verdrängen will man wohl.

Die Geschichte der Juden in Pirmasens - Eine schwierige Spurensuche


In den zwanziger Jahren waren 800 der 40.000 Pirmasenser jüdischen Glaubens. Nachdem 1920 in München die NSDAP gegründet worden war, formierte sich 1922 eine Ortsgruppe in Pirmasens, die 1924 die größte der Pfalz war. Ortsgruppenleiter Richard Mann und Gauleiter Josef Bürckel aus Rodalben waren einflussreiche Parteifunktionäre. Mit dem "Eisenhammer" wurde in Pirmasens ein nationalsozialistisches Kampfblatt verlegt. Joseph Goebbels sprach 1928 in Pirmasens, ebenso Julius Streicher, der Herausgeber des Hetzblattes „Der Stürmer“. 1929 marschierten NSDAP-Mitglieder mit Schildern wie "Die Juden sind unser Unglück" durch die Straßen oder riefen "Juda verrecke", ohne dass dagegen etwas unternommen wurde. Zwischen 1933 und Januar 1936 verließen 67 jüdische Bewohner wegen des zunehmenden Drucks auf Juden in Deutschland Pirmasens, meist in Richtung USA, Frankreich oder Israel. 1937 wohnten noch 444 Juden in Pirmasens. Am 5. November 1938 fand der letzte Gottesdienst statt, vier Tage später wurden die Synagoge und viele jüdische Geschäfte und Wohnungen während der Novemberpogrome zerstört: In Anwesenheit der Kreisleitung wurden die Fenster aufgebrochen und das seit 1780 als jüdischer Betraum genutzte Gebäude mittels Benzin niedergebrannt. Die angerückte Feuerwehr schützte lediglich die Nachbargebäude. In derselben Nacht wurden alle männlichen Juden am Volksgarten zusammen getrieben und schließlich über die französische Grenze geschafft. Als am 1. September 1939 die Pirmasenser evakuiert wurden, um den Krieg mit Frankreich vorzubereiten, waren noch 200 Juden dabei. Viele konnten nicht zurückkehren, sondern wurden in Vernichtungslager und Ghettos deportiert, wo sie meist ermordet wurden. Nur 65 kehrten im Sommer 1940 nochmals heim und wurden im Oktober ins Konzentrationslager Gurs verschleppt. Die meisten von ihnen starben schon auf dem Transport, in Gurs, oder später im Konzentrationslager Auschwitz.

Der israelitische Teil des Alten Friedhofs wurde in der NS-Zeit völlig zerstört und aufgehoben. Nur wenige Grabsteine fanden sich nach dem Zweiten Weltkrieg wieder und wurden in einer Reihe aufgestellt.

Unsinnigerweise steht auf dem Gedenkstein, hier habe sich mal ein israelitischer Friedhof befunden. Unsinnig deswegen, weil nach jüdischem Ritus ein Friedhof ewig ist. Und wie wenig respektvoll man auch nach dem Zweiten Weltkrieg gegenüber den Opfern des Holocaust gewesen ist mag belegen, dass sich auf dem Gräberfeld ein Kinderspielplatz mit Sandkasten befunden hatte, den ich noch selbst aus meiner eigenen Kindheit kenne.

Der jüdische Friedhof von Busenberg im Pfälzerwald


Die Mikwe in Busenberg

Das Mikwe-Häuschen in Busenberg im Pfälzerwald war das einzig erhaltene in der Pfalz und wurde mittlerweile abgerissen.


Die ehemalige Synagoge in Dahn


Ein Betsaal war - zumindest vorübergehend - bereits 1769 vorhanden. Damals wurde der Amtsschreiber H. Schantz in Dahn von den Behörden in Colmar darauf hingewiesen, dass die Juden der Stadt nicht mehr in Dahn ihre Gottesdienste abhalten sollten, sondern wie bisher dazu nach Busenberg gehen sollten. 1815 erfährt man wiederum von einem Betsaal in einem jüdischen Privathaus. Nach einer mündlichen Überlieferung war der Betsaal im Haus Kirchgasse 5 mit den Giebelfenstern zur katholischen Kirche hin.

Eine erste Synagoge wurde um 1820 erbaut. Neben der Synagoge wurde 1843 das israelitische Schulhaus mit Lehrerwohnung und einer Mikwe im Keller erbaut. Nachdem dieses Gebäude nach einem halben Jahrhundert baufällig geworden war, wurde 1872/73 am selben Standort eine neue Synagoge erbaut. Zur Finanzierung des Neubaus war 1871 eine Kollekte in jüdischen Gemeinden der Pfalz und anderen bayrischen Regionen durchgeführt worden. Sie erbrachte immerhin 732 Gulden. 1.800 Gulden trugen die jüdischen Familien Dahns selbst durch Spenden bei. Weitere 1.000 Gulden wurden auf die Familien umgelegt. Diese wurde am 4. Juli 1873 feierlich eingeweiht.

Über 60 Jahre war die Dahner Synagoge Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens in der Stadt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 ging die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder schnell zurück. 1936/37 konnte bereits kein regelmäßiger Gottesdienst stattfinden, da die nötige Zehnzahl der jüdischen Männer nicht mehr erreicht wurde. Am 18. August 1937 verkaufte der letzte Gemeindevorsteher Josef Katz die Synagoge mit Schule an den Schreinermeister Ludwig Flory, der darin eine Schreinerwerkstatt einbaute. Die Mikwe im Untergeschoss der israelitischen Schule wurde 1938/39 zugeschüttet. Bis zur Gegenwart befindet sich die Schreinerwerkstatt in dem Gebäude, in dem zahlreiche Originalteile erhalten sind. 1991 wurde am Gebäude eine Gedenktafel angebracht.

Die Synagoge von Dornum

Die Synagoge in Dornum ist die einzige noch erhaltene in Ostfriesland. Sie wurde wenige Tage vor der Pogromnacht 1938 an einen Tischlermeister verkauft. Die Synagoge entging der Brandschatzung durch die Nationalsozialisten ob der engen dörflichen Bebauung, jedoch wurden die Fensterscheiben eingeschlagen und das Inventar auf dem Marktplatz verbrannt. Ein 1989 gegründeter Verein setzte sich zum Ziel, das Gebäude in seinen alten Zustand zurückzuführen, denn Jahrzehnte lang diente es als Möbellager und Geschäftshaus und war durch Umbauten stark verändert worden. 1991 wurde die Synagoge mit Mitteln der Denkmalpflege sowie der Gemeinde Dornum restauriert – seit 1992 ist sie Gedenkstätte.


Montag, 1. Oktober 2018

Pirmasens

Die Rheinberger-Villa in der Schachenstraße (Schwarzweißbilder)
und die ehemalige Behrens-Schuhleistenfabrik (unteres Foto)

Starten wir mit einer Fahrt durch die Schuhstadt ...


Pirmasenser Impressionen - Siedlung am Sommerwald, Wasserturm, Parkbrauerei, Rodalber Straße, Gärtnerstraße, Schützenstraße, Schützendreieck, Schäferstraße - eine Fahrt durch die Stadt an einem regnerischen Tag.

Pirmasens - Alter Friedhof - Ein Kultur-Projekt in Rheinland-Pfalz


Der Alte Friedhof in Pirmasens - Die einstige Leichenhalle ist heute das Kulturzentrum Carolinensaal, der Friedhof selbst eine Parkanlage im Herzen der Schuhstadt. Der Carolinensaal ist benannt nach der Landgräfin Caroline von Hessen-Darmstadt, Gemahlin des Stadtgründers von Pirmasens, Landgraf Ludwig IX., und eine gute Freundin des Preußenkönigs Friedrich II. (Friedrich der Große, "Der Alte Fritz"). Und auch der Landgraf selbst war ein Bewunderer Friedrichs. Er nun weniger dessen kultureller Leidenschaften, sondern vielmehr der "Langen Kerls", der Grenadiere der preußischen Armee.


Beckenhof - Gedenkstein für Ludwig Beck

Ein Gedenkstein am Beckenhof (Pirmasens in der Südwestpfalz) erinnert an Generaloberst Ludwig Beck, den führenden Kopf des Widerstandes deutscher Offiziere gegen das Nazi-Regime. Der Beckenhof wurde von seinen Vorfahren gegründet.


Der alte jüdische Friedhof in Pirmasens


Mahnmal für die Opfer des Holocaust


An der Nagelschmiedsbergschule in Pirmasens, heute Landgraf Ludwig Realschule plus, ehemalige jüdische Volksschule


Freitag, 26. Januar 2018

Zum Holocaust-Gedenktag (27. Januar): Jüdische Spuren in der Südwestpfalz


Holocaust-Mahnmal in Pirmasens

Erstmals werden Juden in Pirmasens Mitte des 18.Jahrhunderts urkundlich erwähnt; die Wurzeln einer jüdischen Gemeinde lassen sich bis in die sog. ‚Landgrafenzeit’ um 1765 zurückverfolgen. Der am Ausbau seiner Residenzstadt interessierte Landgraf förderte die Ansiedlungen von Juden, da diese durch Schutzgelder für zusätzliche Einnahmen sorgten und auch den Handel belebten. Um 1900 war die Pirmasenser jüdische Gemeinde die drittgrößte der Pfalz. Aber schon in den 1920-er Jahren war Pirmasens eine Hochburg der NSDAP. Mit dem "Eisenhammer" wurde in der Stadt ein NS-Kampfblatt herausgegeben, das durchaus dem Vergleich mit Julius Streichers Stürmer standhält. Bereits im Oktober 1940 wurden die südwestdeutschen ‪Juden‬ in Lager verschleppt. Sie waren die ersten Opfer der Massendeportationen aus dem Reich. Nur wenige von ihnen überlebten. Ein knappes Jahr nach der Zerstörung der Synagogen wurden die in ‪Baden‬, in der ‪Pfalz‬ und im ‪‎Saarland‬ lebenden Juden deportiert. Die systematisch vorbereitete Aktion war eine Art Generalprobe: Im Herbst des Folgejahres begannen im Zuge der "Endlösung der Judenfrage" die großen Deportationen in die neu errichteten Vernichtungslager im Osten.



Spuren einstigen jüdischen Lebens in der Südwestpfalz

Das Landjudentum im Wasgau wurde völlig ausgelöscht. Wir besuchen Zeugnisse des ehedem blühenden jüdischen Lebens.

Die zentrale Begräbnisstätte der Juden im Wasgau liegt auf der Busenberger Gemarkung an der B 427 in Richtung Bad Bergzabern. Über 150 Jahre diente der Friedhof der Beerdigung jüdischer Toter aus den vier Wasgau-Dörfern Busenberg, Dahn, Erlenbach und Vorderweidenthal, zum letzten Mal 1979. Heute ist er ein steinernes Zeugnis des vernichteten pfälzischen Landjudentums. Der Jude Benjamin Lefy hat am 27. März 1824 den Judenkirchhof von Josef Barthole gekauft.


Ein einmaliges Kulturdenkmal auf pfälzischem Boden war die Mikwe in Busenberg. Sie stand in der Talstraße gegenüber der ehemaligen israelitischen Schule und war das einzige Mikwehäuschen der Pfalz. Das kleine Badehäuschen hat mehr als 150 Jahre überdauert und bösen Zeiten getrotzt. 2017 wurde es abgerissen.


Die Synagoge von Dahn, versteckt zwischen Häusern, war im August 1938 noch rechtzeitig vom letzten Vorsteher der jüdischen Kultusgemeinde verkauft worden und ist als einzige im Wasgau erhalten geblieben.


Dienstag, 12. Dezember 2017

Gegen den neuen Judenhass auf Deutschlands Straßen !!!


Das Mahnmal für die Opfer des Holocaust am Bahnhof in Pirmasens

Das Existenzrecht des Staates Israel ist Staatsräson der Bundesrepublik. Aus gutem Grunde.


Und die Solidarität mit unseren "älteren Brüdern" (Papst Johannes Paul II.) ist uns Christen Verpflichtung.


Wir dürfen keinen Judenhass in unserem Lande dulden !!!

Die Synagoge von Dornum

Sie ist die einzige erhaltene Synagoge in Ostfriesland. Wenige Tage vor der Progromnacht 1938 wurde sie an einen Tischlermeister verkauft und entging so der Brandschatzung durch die Nationalsozialisten. Jedoch wurden die Fensterscheiben eingeschlagen und das Inventar auf dem Marktplatz verbrannt. 1991 wurde die Synagoge restauriert und dient heute als Gedenkstätte und Museum der jüdischen Kultur. Öffnungszeiten: freitags bis sonntags von 15:00 - 18:00 Uhr. Gruppenführungen nach Vereinbarung.

Kontakt:
Synagoge Dornum
Murra-Regner
Kirchstraße 6
26553 Dornum
Telefon: 04933-342


In der Gedenkstätte Synagoge Dornum ist eine Dauerausstellung zum jüdischen Leben in Ostfriesland untergebracht. Sie gliedert sich in die Bereiche „Geschichte“, „Kultur“ und „Religion“. Die Synagoge ist das einzige jüdische Gotteshaus in Ostfriesland, das nicht in der Reichspogromnacht zerstört wurde, da es bereits ein Jahr zuvor profaniert worden war. Die Synagoge in Dornum ist die einzige erhaltene und öffentlich zugängliche in Ostfriesland.

Dank des Einsatzes der nichtjüdischen Mitbürger hat die Synagoge im ostfriesischen Dornum die Pogromnacht von 1938 überstanden. Sie wurde damals nicht niedergebrannt. So ist sie heute ein wichtiger Zeuge des jüdischen Lebens und ein Dokumentationszentrum. Der Leiter, Georg Murra-Regner, erlaubte uns freundlicherweise, in der Synagoge zu filmen.

Die ehemalige Synagoge in Dahn


Donnerstag, 19. Oktober 2017

Vor 77 Jahren: Im Oktober 1940 begann die Vernichtung der Juden im Südwesten


Erstmals werden Juden in Pirmasens Mitte des 18.Jahrhunderts urkundlich erwähnt; die Wurzeln einer jüdischen Gemeinde lassen sich bis in die sog. ‚Landgrafenzeit’ um 1765 zurückverfolgen. Der am Ausbau seiner Residenzstadt interessierte Landgraf förderte die Ansiedlungen von Juden, da diese durch Schutzgelder für zusätzliche Einnahmen sorgten und auch den Handel belebten. Um 1900 war die Pirmasenser jüdische Gemeinde die drittgrößte der Pfalz. Aber schon in den 1920-er Jahren war Pirmasens eine Hochburg der NSDAP. Mit dem "Eisenhammer" wurde in der Stadt ein NS-Kampfblatt herausgegeben, das durchaus dem Vergleich mit Julius Streichers Stürmer standhält. Bereits im Oktober 1940 wurden die südwestdeutschen ‪Juden‬ in Lager verschleppt. Sie waren die ersten Opfer der Massendeportationen aus dem Reich. Nur wenige von ihnen überlebten. Ein knappes Jahr nach der Zerstörung der Synagogen wurden die in ‪Baden‬, in der ‪Pfalz‬ und im ‪‎Saarland‬ lebenden Juden deportiert. Die systematisch vorbereitete Aktion war eine Art Generalprobe: Im Herbst des Folgejahres begannen im Zuge der "Endlösung der Judenfrage" die großen Deportationen in die neu errichteten Vernichtungslager im Osten.


Holocaust-Mahnmal in Pirmasens



Der alte jüdische Friedhof von 1813 in Pirmasens

Spuren einstigen jüdischen Lebens in der Pfalz


Die Mikwe in Busenberg - Das Mikwe-Häuschen in Busenberg im Pfälzerwald ist das einzige in der Pfalz.




Der jüdische Friedhof von Rodalben:


Dienstag, 29. August 2017

In und um Pirmasens


Das Alte Rathaus in Pirmasens

In unserem ersten Video fahren wir von der Hackmesserseite kommend durch den Stadtteil Niedersimten nach Pirmasens (mehr von der Hackmesserseite sehen wir noch beim Umland).


In Niedersimten befindet sich das Westwallmuseum in den ehemaligen Festungsanlagen der Gersfeldhöhe.


Follgend ein Querschnitt von Pirmasens: Die Fußgängerzone Untere Hauptstraße mit der Lutherkirche, der ehemaligen Garnisonskirche, dem Schusterbrunnen, dem Forum Alte Post mit dem Josef-Krekeler-Platz.


Pirmasens hatte einst die größte jüdische Gemeinde der Pfalz. Sie wurde im Dritten Reich vernichtet.




Auch der "Alte Friedhof" ist sehr interessant. Dazu siehe diesen Artikel.

Ein Gedenkstein am Beckenhof erinnert an Generaloberst Ludwig Beck, den führenden Kopf des Widerstandes deutscher Offiziere gegen das Nazi-Regime. Der Beckenhof wurde von seinen Vorfahren gegründet.


Pirmasens nennt sich das "Tor zum Pfälzerwald", den aber wollen wir mal quasi beiseite liegen lassen und stellen zum Umland die Region der Hackmesserseite vor, beispielhaft an der Gemeinde Vinningen.


Vinningen auf der Hackmesserseite - Vinningen ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Südwestpfalz in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Pirmasens-Land an. Vinningen liegt im Zweibrücker Hügelland südwestlich von Pirmasens nahe der Grenze zu Frankreich. Bis ins 5. Jahrhundert lassen sich fränkische Siedlungsspuren zurückverfolgen. Die älteste erhaltene Erwähnung des Ortes stammt von 1212. Das Dorf Vinningen lag im Amt Lemberg der Grafschaft Zweibrücken-Bitsch und dort in der gleichnamigen Amtsschultheißerei Vinningen.

Der Begriff "Hackmesserseite" stammt aus der Zeit der franz. Revolution 1789.

Die Wogen der Revolution ergriffen 1792 auch die Dörfer um Trulben mit Eppenbrunn, Hilst, Schweix und Ludwigswinkel.

Zusammen mit zwölf Nationalgardisten erreichten mehrere Bürger unter der Führung des Oberförsters Weiß aus dem französischen Roppeviller am 8. November 1792 Eppenbrunn und pflanzten einen Freiheitsbaum. Die Freiheitskämpfer zogen am gleichen Tag auch noch nach Trulben und pflanzten dort einen weiteren Baum als "Zeugen der Freiheit". Die Dörfer Kröppen, Hilst und Schweix folgten dem Beispiel am nächsten Tag. Die in "freie Franken" umgewandelten Bürger erklärten dem Oberamt Pirmasens, keine Salzsteuer mehr zu bezahlen und der Darmstädter Regierung "... keinen Pfennig mehr zu entrichten". 1.000 Klafter Holz, das der Landgraf bereits an Zweibrücker Holzhändler verkauft hatte, teilten die Aufständischen unter sich auf. Schultheißen wurden abgesetzt und die herrschaftlichen Jäger und Waldhüter vertrieben. Die widerspenstigen Dörfer schufen eine neue Gemeindeverwaltung nach französischem Vorbild und stellten an die Pariser Nationalversammlung den Antrag auf Vereinigung mit der französischen Republik. Bereits schon am 14. Februar 1793 entsprach die Pariser Nationalversammlung dem Bittgesuch und erklärte die freiheitsliebenden Dörfer zu französischem Staatsgebiet. Bitscher Freiheitsleute brachten ihren pfälzischen Brüdern ein Geschenk mit: die Guillotine, im Volksmund "Hackmesser" genannt. Dieses Mordinstrument soll eifrig in Tätigkeit gewesen sein.

In Erinnerung an die blutigen Opfer entstand daraufhin der Name "Hackmesserseite"

Montag, 9. November 2015

Jahrestage - 9. November: Pogromnacht und Fall der Mauer


9. November 1989 - "The Fall of the Wall" - Die Mauer fällt, der Anfang vom Ende der DDR, die erste Phase der Deutschen Einheit.


9. November 1938 - Die Pogromnacht, der Holocaust, die Vernichtung jüdischen Lebens in Deutschland.


Nürnberg: Mahnmal anstelle der 1874 im maurisch-byzantinischen Stil erbauten und 1938 durch die Nationalsozialisten niedergerissenen Synagoge // 1970 Stele (August Hofmann, Hochbauamt, Bildhauer Zink), 1988 Relief (Reinhard Heiber, Akad. d. bild. Künste).


Auch in Nürnberg: Zur Erinnerung an die Synagoge in der Essenweinstraße. Im folgenden Video das Holocaust-Mahnmal im südwestpfälzischen Pirmasens.


Die Synagoge in Dornum in Ostfriesland wurde dank des Einsatzes der nichtjüdischen Mitbürger vor der Zerstörung bewahrt und ist heute eine Gedenkstätte.


Die Synagoge von Dahn in der Südwestpfalz wurde ebenfalls vor der Zerstörung bewahrt. Aber dadurch, dass die jüdische Gemeinde sie verkaufte. In ihr ist bis heute ein Gewerbebetrieb untergebracht.


Donnerstag, 22. Oktober 2015

Vor 75 Jahren - Die Deportation der Juden im Südwesten


Bereits im Oktober 1940 wurden die südwestdeutschen ‪#Juden‬ in Lager verschleppt. Sie waren die ersten Opfer der Massendeportationen aus dem Reich. Nur wenige von ihnen überlebten. Ein knappes Jahr nach der Zerstörung der Synagogen wurden die in ‪Baden‬, in der ‪Pfalz‬ und im ‪‎Saarland‬ lebenden Juden deportiert. Die systematisch vorbereitete Aktion war eine Art Generalprobe: Im Herbst des Folgejahres begannen im Zuge der "Endlösung der Judenfrage" die großen Deportationen in die neu errichteten Vernichtungslager im Osten.

Mehr hier bei der ZEIT: Artikel

Holocaust-Mahnmal in Pirmasens


Spuren einstigen jüdischen Lebens in der Pfalz










Dienstag, 13. Oktober 2015

Pirmasens in der Südwestpfalz

Das "Forum Alte Post"

Meine Heimatstadt Pirmasens ist eine ziemlich spröde Schöne, die sich einem nicht auf den ersten Blick erschließt. Viele halten sie für ziemlich gesichtslos. Nicht ganz zu Unrecht, aber sie hat durchaus auch einige interessante Ecken.


Vom Landauer Tor kommend fahren wir über die Walhalla-Kreuzung in die Obere Hauptstraße ein, parken am Rand der Fußgängerzone und besuchen die Lutherkirche, einst Garnisonskirche der Stadt Pirmasens und Begräbnisstätte des Landgrafen Ludwig IX. Neben der Lutherkirche der Schusterbrunnen mit dem Standbild des Schusters Joß.

Im folgenden Film sehen wir das zu einer Event-Stätte umgewidmete ehemalige Königlich Bayerische Postamt, das Forum Alte Post und den neugestalteten Platz davor.


Unweit das Mahnmal für die Opfer des Holocaust. In meinen Augen nicht gerade ein Glücksgriff der Gestaltung - kein Hinweisschild, das auf dieses Mahnmal verweist, nur ein paar winzige Inschriften auf den Stelen selbst.


Der Alte Friedhof in Pirmasens - Die einstige Leichenhalle ist heute das Kulturzentrum Carolinensaal, der Friedhof selbst eine Parkanlage im Herzen der Schuhstadt. Der Carolinensaal ist enannt nach der Landgräfin Caroline von Hessen-Darmstadt, Gemahlin des Stadtgründers von Pirmasens, Landgraf Ludwig IX., und eine gute Freundin des Preußenkönigs Friedrich II. (Friedrich der Große, "Der Alte Fritz").


Freitag, 12. Juni 2015

Juden in Pirmasens - eine Spurensuche mit Hindernissen

Das Mahnmal für die Opfer des Holocaust am Bahnhof in Pirmasens

Die Stadt Pirmasens in der Südwestpfalz hatte bis zum Dritten Reich die größte jüdische Gemeinde der Pfalz. Aber Pirmasens war auch eine braune Hochburg. Es war die braune Hochburg der Pfalz. Schon in den frühen Zwanziger Jahren gab es eine Ortsgruppe der NSDAP und in der Stadt wurde mit dem "Eisenhammer" ein nationalsozialistisches Hetz- und Kampfblatt herausgegeben, das den Vergleich mit dem "Stürmer" nicht zu scheuen brauchte.

Schon 1940 vermeldete der Gauleiter Josef Bürckel nach Berlin, dass Pirmasens "judenfrei" sei.

Es gibt heute keine jüdische Gemeinde mehr in Pirmasens. Die Pirmasenser Juden wurden vernichtet. Und es ist nicht leicht, in der Stadt heute noch Spuren der einst blühenden Gemeinde zu finden.

An die Deportation in die Vernichtung soll ein Mahnmal gegenüber des Bahnhofs erinnern. Doch dieses "Mahnmal" ist, gelinde gesagt, ein schlechter Scherz.


Kein Hinweisschild rundum. Die Inschriften en miniature. So versteckt man wirklich seine Vergangenheit. Zwei Stelen in einer Parkanlage mit Sitzbänken zum "Chillen", nein, das ist fürwahr kein würdiger Ort des Gedenkens. Die Gestaltung mit dem Prellbock und den Gleisen, so könnte es auch ein Denkmal für die Deutsche Bahn sein. Läge doch nahe an einem Bahnhof, oder?

Am Ort der ehemaligen Synagoge


Erst 1995, 50 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, wurde das seit 1945 so benamte Schustergässel in Synagogengasse umbenannt und bezeugt nun wieder den Ort, die Gasse, in der bis zu ihrer Zerstörung durch die Nationalsozialisten die Pirmasenser Synagoge gestanden hatte.

Die Überreste des israelitischen Friedhofs

Der in den 20-ern stillgelegte "Alte Friedhof" beherbergte auch einen israelitischen Teil. Der wurde in der NS-Zeit völlig zerstört und aufgehoben. Nur wenige Grabsteine fanden sich nach dem Zweiten Weltkrieg wieder und wurden in einer Reihe aufgestellt.

  

Unsinnigerweise steht auf dem Gedenkstein, hier habe sich mal ein israelitischer Friedhof befunden. Unsinnig deswegen, weil nach jüdischem Ritus ein Friedhof ewig ist. Und wie wenig respektvoll man auch nach dem Zweiten Weltkrieg gegenüber den Opfern des Holocaust gewesen ist mag belegen, dass sich auf dem Gräberfeld ein Kinderspielplatz mit Sandkasten befunden hatte, den ich noch selbst aus meiner eigenen Kindheit kenne.

Der alte jüdische Friedhof von 1813

Durch einen reinen Zufall hatten wir erfahren, dass es in Pirmasens einen alten jüdischen Friedhof gibt. Wir haben ihn jahrelang gesucht, denn der jüdische Friedhof von 1813 liegt versteckt in einem Industriegebiet in der Zeppelinstraße. Kein Wegweiser, kein Hinweisschild auch hier. Nur schwer zu finden.