Freitag, 28. April 2023

In Jever

Am Kirchplatz

Auf dem natürlichen Sandhügel wurde hier bereits seit der Steinzeit gesiedelt. Es gibt Zeugnisse einer frühen Kirchenburg. Mindestens ab dem 7. Jahrhundert wurden hier die Toten begraben. Eine erste hölzerne Kirche entstand vor dem 10. Jahrhundert. Steinkirchen aus Findlingen, Tuffstein aus der Eifel oder Backsteinen des örtlichen Feldbrandes folgten.


Kriegerische Verwüstungen sowie Stadt- und Kirchenbrände legten diesen Bereich oft in Schutt und Asche. Mehrfach wurde der Hügel mit Sand und Klei aufgehöht, darauf wieder gebaut und darin bestattet. So erreichte der Hügel eine Höhe von über zwölf Metern über dem Meeresspiegel - gegenüber einer natürlichen Höhe von 7 Metern.

1609 entstand das Rathaus. Mehrere Pütten (Brunnen) versorgten die Anwohner mit Trinkwasser. Die Ratspütt ist seit 1620 nachgewiesen, der klassizistische Aufbau stammt von 1822.

Im Altstadtcafé in Jever am Kirchplatz


Hier gibt es einen wunderbaren Ostfriesen-Tee und einen phantastischen Milchkaffee. Und für heiße Tage als Durstlöscher ein leckeres Erdinger Weißbier - auch alkoholfrei.

Die Stadtkirche von Jever

Mindestens neun Mal ist die Stadtkirche Jever in ihrer rund 1000-jährigen Geschichte abgebrannt und jedes Mal wurde sie im Sinn der Zeit wieder aufgebaut. Waren die frühesten Gottesdiensträume an dieser Stelle Basiliken aus Stein und Holz, wählte man im 16. Jahrhundert zum ersten Mal die Kreuzform. Der letzte Brand am 1. Oktober 1959 zerstörte weite Teile des Vorgängerbaus aus dem Jahr 1730. Erneut stand die Gemeinde vor die Frage, wie sich die Geschichte dieses Standorts und die Zukunft seiner Nutzer miteinander verbinden ließen. Der Architekt Dieter Oesterlen gewann den Neubau-Wettbewerb, indem er überlieferte Elemente mit seiner modernen Gestaltung verknüpfte: mit einem quergelagerten Raum, der durch markante Betonglasfenster zwischen gestaffelten Seitenwänden einen besonderen Akzent erhält.

Als am 1. Oktober 1959 die alte jeversche Stadtkirche, eine Schöpfung der Barockzeit, bis auf die Grundmauern niedergebrannt war, musste etwas Neues geschaffen werden: eine neue Kirche in einer alten Stadt. Dieser Herausforderung stellte sich der durch zahlreiche bedeutende Arbeiten bekannte Architekt Prof. Dieter Oesterlen (Hannover / Braunschweig). Er schuf ein Bauwerk, bei dem sich Altes und Neues miteinander verbanden.


So greift die Grundform der Kirche auf das griechische Kreuz der alten Stadtkirche zurück, dem modernen Baustoff Beton steht traditionelles Ziegelmauerwerk gegenüber, und die gefaltete Dachkonstruktion korrespondiert in ihren Giebeln mit den Häusern, die den Kirchplatz umgeben.

Durch die besondere Gestaltung des Eingangsbereichs, bei dem die Portale der alten Stadtkirche Verwendung fanden, gelang es sogar, den aus früherer Zeit stammenden Chorraum mit dem Edo-Wiemken-Grabmal harmonisch mit dem neuen Gebäude zu verbinden.

In der historischen Apsis befindet sich dieses denkmalgeschützte Edo-Wiemken-Denkmal, das an den letzten männlichen Häuptling des Jeverlandes erinnert und im Laufe der Geschichte bereits zwei Feuersbrünste überstanden hat. Es wurde durch Fräulein Maria, die Tochter Edo Wiemkens, in Auftrag gegeben und zwischen 1561 und 1564 von Schülern des Antwerpener Bildhauers Cornelis Floris geschaffen. Es gilt als bedeutendes Beispiel der niederländischen Renaissancekunst.

Das Innere der Kirche ist durch die zehn Glasbetonwände, eine Arbeit des Malers und Radierers Helmut Lander (Darmstadt), bestimmt. Ihre Farbgebung bildet einen starken Kontrast zu den rötlich-braunen Ziegelwänden. Durch ihre Struktur lenken sie den Blick hin auf den sakralen Mittelpunkt der Kirche, auf den Altar und auf das Kreuz. Der Altarstein aus grauem Granit stammt aus Oberitalien. Das vier Meter hohe Stahlkreuz vor der Stirnwand wurde von dem Berliner Kunstschmied Fritz Kühn gefertigt. Der barocke Taufstein links neben dem Altar gehört zu den wenigen Ausstattungsgegenständen, die aus der alten Stadtkirche erhalten geblieben sind.

Eine seiner Intentionen – so Dieter Oesterlen (1911–1994), Architekt der Stadtkirche – sei „die klare Trennung von Baudenkmal und Neubau“ gewesen. „Beide Baukörper kommen zu ihrer eigenen architektonischen Wirkung“.

Jever - Rathaus - Vor dem Rathaus befindet sich mit der Ratspütt einer der ältesten öffentlichen Brunnen.

Hier ist nur die Fassade noch original: 1963 wurde das Gebäude (von 1609–1616 durch Albert von Bentheim errichtet) wegen Baufälligkeit abgerissen und neu gebaut.


Das aus Backsteinen errichtete Gebäude mit zwei Geschossen ist mit Werksteinen gegliedert. In der Mitte der dreigliedrigen Fassade befindet sich das rundbogige Portal mit rechteckiger, durch Kerbschnittquader und Engelsköpfe verzierten Rahmung aus Sandstein, darüber ist das mit 1609 datiert Stadtwappen. Die steinerne, vom Bremer Steinhauer Heinrich Bartels mit Beischlagwangen versehene Freitreppe wurde 1621 dem Portal vorgesetzt. 1746 wurde eine Auslucht und ein Erker in die Fassade eingefügt. 1836 wurde der einst mächtige, dreigeschossige Volutengiebel abgetragen. Stattdessen wurde ein schlichter Giebel mit spätklassizistischem Giebelfußgesims errichtet. Sieben der ursprünglich neun Obelisken am Giebel wurden wiederverwandt.

Schloß und Schloßpark in Jever

Umgeben von einem idyllischen englischen Garten zählt das Schloss Jever zu den schönsten Baudenkmälern in Nordwestdeutschland.

Das Schloss Jever in Jever in Niedersachsen gründet auf einer Burg der Ostfriesischen Häuptlinge und war der Sitz der Herrschaft Jever. Es ist das bedeutendste profane Bauwerk der Stadt.


An der Stelle des heutigen Schlosses stand schon seit dem Mittelalter eine Wehrburg, die den Kern der späteren Stadt bildete. Die alte Festung wurde 1427 infolge von Streitigkeiten zwischen den Häuptlingsfamilien vollkommen zerstört. Ab 1428 wurde eine neue Burg unter Hayo Harlda errichtet und in der Folgezeit durch dessen Nachkommen Tanno Duren und Edo Wiemken erweitert. Mittelpunkt war ein mächtiger Bergfried, der ab dem 16. Jahrhundert in eine von Wassergräben und Wällen umgebene vierflügelige Schlossanlage integriert wurde. Von 1560 bis 1564 ließ die damalige Regentin Maria von Jever diverse Umbauarbeiten im Stil der Renaissance vornehmen.

Im Jahre 1667 gerieten die Herrschaft Jever und das Schloss in den Besitz des Fürstentums Anhalt-Zerbst. Die anhaltischen Landesherren, deren eigenes Fürstentum im heutigen Sachsen-Anhalt viele Tagereisen von Jever entfernt lag, hielten sich selten im Schloss auf und führten daher kaum größere Änderungen aus. Erst unter Fürst Johann August wurde der mächtige Mittelturm, der den kleinen Schlosshof vollkommen dominiert, von 1731 bis 1736 mit seiner barocken Haube bekrönt. Der 67 Meter hohe Turm bildet heute das Wahrzeichen der Stadt und findet sich samt dem Schloss auch als Markenzeichen des Jever Pilseners wieder.

Nach der Zerbster Teilung im Jahre 1793 bis zu ihrem Tod 1796 war Johann Augusts Enkelin, die Zarin Katharina die Große Besitzerin des Schlosses. Aufgrund ihrer Verpflichtungen in Russland hat sie das Schloss in dieser Zeit jedoch nicht bewohnt. 1818 fiel Jever an das Großherzogtum Oldenburg. Das Schloss wurde von den Oldenburger Herzögen als Nebenresidenz genutzt und die alten Verteidigungsanlagen in diesem Zusammenhang abgebrochen. Auch ein Teil der ehemaligen Wirtschaftsgebäude wurde abgerissen und der unmittelbare Bereich der Schlossinsel in einen Landschaftsgarten verwandelt.

Das Denkmal von Fräulein Maria in Jever


Das wohl bekannteste Denkmal der Stadt Jever ist das Fräulein-Maria-Denkmal an der Schloßstraße in Höhe der Fräulein-Maria-Straße. Das vom Berliner Bildhauer Harro Magnussen (1861–1908) entworfene Standbild zeigt die ehemalige Regentin Maria von Jever in höfischer Tracht, den Blick auf die ehemalige Residenz Schloß Jever zugewandt. In der rechten Hand hält sie die Urkunde zur Verleihung der Stadtrechte, die linke Hand liegt auf dem Kopf eines neben ihr sitzenden Windhundes. Das 2,20 Meter hohe und 550 Kilogramm schwere Standbild wurde in der Gießerei Gladenbeck in Friedrichshagen gegossen und am 5. September 1900 zum 400. Geburtstag von Maria eingeweiht.

In der Altstadt von Jever


Interessantes:

Der Begründer der Hof-Apotheke zu Jever war Caspar Xylander, der im Jahre 1673 von der Regentin Sophie-Auguste, die ihren noch minderjährigen Sohn Karl Wilhelm von Anhalt-Zerbst vertrat, das Privileg zur Gründung einer Apotheke in Jever erhielt.

Das Wappen an der Hof-Apotheke enthält auf einem Hauptschild mit sechs Feldern für Norwegen, Schleswig, Holstein, Stormarn, Dithmarschen und Kniphausen, einen Mittelschild mit fünf Feldern: die Oldenburgischen Balken oben links, das Delmenhorster Kreuz oben rechts, das Lübecker Kreuz mit darüber schwebender Bischofsmütze unten links, das von Rot und Silber geschachte Wappen für Birkenfeld unten rechts und den Jeverschen Löwen auf der von unten eingepfropften Spitze. Erhalten geblieben ist auch ein größeres hölzernes Schild mit der Bezeichnung »Großherzogliche Hof-Apotheke«.

Das Stadtbild von Jever wird stark durch fünf Graften geprägt, die den historischen Stadtkern umgeben. Die Anlage der ursprünglich ringförmigen Graft erfolgte 1536 zusammen mit der Anlage von Erdwällen zur Sicherung der gerade neu ernannten Stadt. Über drei hölzerne Stadttore mit davorliegenden Brücken konnte diese Sicherungsanlage passiert werden. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Erdwälle beseitigt und anstatt der Tore mit ihren Brücken füllte man die dort liegenden Graften zur Überquerung mit Erde auf. Übrig blieben allein die Graften, die als Festungsgräben den Wallanlagen vorgelagert waren.

Die heute verbliebenen fünf getrennten Graften sind die Duhmsgraft und die Pferdegraft am Elisabethufer, die zweigeteilte Blankgraft am Von-Thünen-Ufer, die Prinzengraft beim Kreisamtsgebäude sowie die Schlossgraft, die eine eigene ringförmige Graftanlage um das Schloss Jever bildet. Aus der Vogelperspektive zeigen die Graften um Stadt und Schloss eine angedeutete „8“. Heute bilden die Graften mit ihren gepflegten Grünanlagen und dem jahrhundertealten Baumbestand einen grünen Ring um die historische Altstadt und laden zum Spaziergang und zum Verweilen ein.

Das wohl bekannteste Denkmal der Stadt Jever ist das Fräulein-Maria-Denkmal an der Schloßstraße in Höhe der Fräulein-Maria-Straße. Das vom Berliner Bildhauer Harro Magnussen (1861–1908) entworfene Standbild zeigt die ehemalige Regentin Maria von Jever in höfischer Tracht, den Blick auf die ehemalige Residenz Schloß Jever zugewandt. In der rechten Hand hält sie die Urkunde zur Verleihung der Stadtrechte, die linke Hand liegt auf dem Kopf eines neben ihr sitzenden Windhundes. Das 2,20 Meter hohe und 550 Kilogramm schwere Standbild wurde in der Gießerei Gladenbeck in Friedrichshagen gegossen und am 5. September 1900 zum 400. Geburtstag von Maria eingeweiht.

Jever und sein Fräulein Maria: An Fräulein Maria kommt in Jever niemand vorbei. Obwohl sie vor mehr als 400 Jahren starb - oder, wie man in Jever sagt, seit 1575 nicht mehr gesehen wurde - ist Maria allgegenwärtig: Eine Straße, ein Denkmal, ein Gymnasium und eine Kirchenglocke tragen ihren Namen. Sie war es, die Jever "am ersten Mittwoch im Fasten" - dem Aschermittwoch - 1536 die Stadtrechte verlieh. Maria von Jever, so ihr offizieller Name, regierte die Stadt und die dazugehörigen Ländereien so geschickt, dass sich Jever bis heute Marienstadt nennt.

Blaudruckerei Jever: Sabrina Schuhmacher aus Bramstedt übernahm die historische Blaudruckerei in Jever.

Die Blaudruckerei ist eine "lebendige Museumswerkstatt": Vor mehr als dreißig Jahren eröffnete Georg Stark seine Blaudruckerei in einer urigen Gasse Jevers, womit eine alte Tradition der Stadt wieder auflebte. Viele Gäste hat der historische Handwerker bereits mit seinem "Hexen und Blaufärben" verblüfft.

Hier wurde ein altes Kunsthandwerk wieder belebt. Der Blaufärberin kann bei der Arbeit zugeschaut werden und sie ist auch gerne bereit, die Geschichte und das Handwerk der Blaufärberei zu erklären. In der einzigen friesischen Blaufärberei werden Handdrucke historischer Muster auf Leinen, Samt und Seide gefertigt. Die Färbung erfolgt wie vor 300 Jahren mit Indigo. Die ca. 480 vorhandenen Druckstöcke sind 100 bis 300 Jahre alt und stammen aus ehemaligen Blaudruckereien in Ostfriesland und Norddeutschland. Die Ergebnisse dieser umfangreichen Handwerkskunst können selbstverständlich auch erworben werden. Ein Besuch lohnt sich.

Die Manufaktur befindet sich in einem Speicher von 1822, gelegen im alten Kattrepel in Jever hinter der Fußgängerzone Neue Straße. Der alte Speicher von 1822 im Herzen Jevers vereint Werkstatt, Verkaufsraum und Museum in einem.

Der Sagenbrunnen am „Alten Markt“ wurde 1995 von Bonifatius Stirnberg aus Aachen entworfen und gebaut. Der Brunnen zeigt Figuren aus fünf regional bekannten Sagen. Zu sehen ist das Frl. Maria von Jever, die der Sage nach nicht starb, sondern durch einen unterirdischen Gang beim Schloss Jever verschwand und irgendwann wiederkehren soll. Eine weitere Figurengruppe zeigt den Grafen Anton-Günter von Oldenburg mit seinem Apfelschimmel „Kranich“. Das Lieblingspferd des Grafen soll ihm das Leben gerettet haben, als bei einem Ausritt der beiden zur Insel Wangerooge dichter Nebel aufkam und der Graf die Orientierung verlor. Trotz gefährlich steigender Flut brachte das Pferd den Grafen wieder sicher ans Festland. Der große, weiße Scheeper Hase stieß angeblich nicht ganz nüchterne Bauern in den Graben. Das Hexenschiff zeigt zwei Hexen aus dem benachbarten Butjadinger Land, die der Sage nach mit Milchsieb als Boot und Kuhrippen als Ruder nach ihr Unwesen bei den Fischern des Jeverlandes trieben. Die Gudrunsage aus dem 9. Jahrhundert berichtet vom dänischen Sänger Horand, der gen „Givers“ auf dem Sande ritt. Dies ist angeblich die erste Nennung von Jever.

Gleichfalls am Alten Markt:

Das Glockenspiel am Hof von Oldenburg - Das markante Gebäude „Hof von Oldenburg“ am Alten Markt 14 ist eine historische Gaststätte, die 1798 als eines der ersten Gebäude außerhalb der Schutzanlagen der Stadt gebaut wurde.

Das Glockenspiel zeigt die Geschichte Jevers, vom sagenhaften Fräulein Maria bis zu Katharina der Großen. Ja, in der Tat, Jever war mal russisch gewesen.

Ein im April 1983 eingeweihtes Glockenspiel am "Hof von Oldenburg" lässt mehrfach am Tage die wichtigsten Herrschaften des Jeverlands Revue passieren. Es erscheinen in der Reihenfolge: Edo Wiemken der Jüngere, Maria von Jever, Graf Anton Günther, Fürst Johann August von Anhalt-Zerbst und Zarin Katharina II (Ja, in der Tat, Jever war mal russisch.).

Freitag, 21. April 2023

In Unterfranken - Teil 2

Würzburg: Die barocke Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung, allgemein unter der Bezeichnung #Käppele bekannt, liegt über der Würzburger Altstadt auf dem Nikolausberg. Die Kirche wurde nach Plänen von Balthasar Neumann errichtet. Zur Kirche hinauf führt ein terrassierter Stationsweg. Eigentümer ist die Katholische Kirchenstiftung Käppele.


Im Jahr 704 wurde Würzburg erstmals als „Castellum Virteburch“ urkundlich erwähnt und 2004 das 1300-jährige Stadtjubiläum gefeiert. Im Mittelalter war die Stadt ein bedeutendes wirtschaftliches, geistliches und hoheitliches Zentrum. Bis zur Industriellen Revolution blieb die überregionale Bedeutung hoch, es entstand ein eindrucksvolles Stadtbild. Dieses wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, insbesondere durch den Bombenangriff am 16. März 1945. Beim Wiederaufbau wurden bedeutende Einzeldenkmäler wie die meisten Kirchen der Altstadt äußerlich rekonstruiert, jedoch nur wenige Bürgerhaus-Ensembles und Traditionsinseln. Die ebenfalls im Krieg schwer beschädigte und anschließend wieder aufgebaute Würzburger Residenz mit Hofgarten und Residenzplatz wurde 1981 in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Sie war nach dem Aachener Dom das zweite deutsche Bauwerk auf der Liste.

Die Residenz in Würzburg: Beeindruckend schon von außen, faszinierend Tiepolos Deckenfresko im Treppenhaus, die Prunksäle und auch die barocke Gartenanlage.


Anders als die Münchner Residenz, die durch ein halbes Jahrtausend wuchs und daher Stilräume ganz verschiedener Epochen birgt, ist die Residenz Würzburg mit kurzen Unterbrechungen in knapp einer Generation und von Grund auf neu errichtet worden.

Das architekturgeschichtliche Einzugsgebiet der Würzburger Residenz reicht von Wien bis Paris und von Genua und Venedig bis Amsterdam. Der Bau fasst die Ergebnisse der großen abendländischen Architekturströmungen jener Zeit, der französischen Schlossarchitektur, des Wiener Barock und des oberitalienischen Palast- und Sakralbaues, zu einem Gesamtkunstwerk von erstaunlicher Universalität zusammen.

Der Würzburger Hofarchitekt Balthasar Neumann, bei dem die Gesamtredaktion dieses gewaltigen Bauvorhabens lag, hatte sich jedenfalls nicht nur mit den führenden Architekten Deutschlands und Frankreichs auseinander zu setzen – mit Lucas von Hildebrandt und Maximilian von Welsch, mit Robert de Cotte und Germain Boffrand -, sondern auch mit zahlreichen Dekorationskünstlern wie etwa dem Italiener Antonio Bossi, dem »ornamentalen Genie« der Würzburger Residenz, oder den virtuosen Bildhauern und Schnitzern Johann Wolfgang van der Auwera aus Würzburg und Georg Adam Guthmann aus München und nicht zuletzt mit dem größten Freskenmaler des 18. Jahrhunderts, mit Giovanni Battista Tiepolo.

Diese Künstler haben Balthasar Neumanns unvergleichliche Raumfolge – Vestibül, Treppenhaus, Weißer Saal, Kaisersaal –, eine der großartigsten, die je im Schlossbau ersonnen wurde, in kongenialer Weise ausgestattet und überdies noch in einer schöpferischen Gemeinschaftsleistung das »Würzburger Rokoko« hervorgebracht, die temperamentvollste von allen Varianten dieses Stils in Deutschland.
Festung Marienberg in Würzburg

Die Festung Marienberg ist eine ehemalige Befestigung und ein ehemaliges fürstbischöfliches Schloss auf dem Marienberg oberhalb von Würzburg in Unterfranken. Sie trägt auch den Namen Festung Unser Frauen Berg.


Auf dem seit der späten Bronzezeit besiedelten Marienberg befand sich im frühen 8. Jahrhundert wahrscheinlich ein Kastell der fränkisch-thüringischen Herzöge mit einer Kirche, die 741 zur ersten Würzburger Bischofskirche erhoben wurde. Ab 1200 entstand eine ungewöhnlich große Burg, die im Spätmittelalter und in der Renaissance ausgebaut und erweitert wurde.

Die Erstürmung der Burg 1631 durch die Schweden im Dreißigjährigen Krieg veranlasste Johann Philipp von Schönborn, den Marienberg mit einem Kranz gewaltiger Bastionen zu umgeben, die das Erscheinungsbild der Burg maßgeblich prägen. 1945 brannte die Festung fast ganz aus, der Wiederaufbau dauerte bis 1990.

Bild links: Würzburg, Juni 1986, Erster Deutscher Umwelttag mit Umweltmesse; mein erster Auftrag für den Keystone Pressedienst.

Der 6. bis 8. Juni 1986 waren total verregnet, auf dem Messegelände auf der Talavera am Mainufer versank man regelrecht in der aufgeweichten Wiese.

Der Deutsche Umwelttag wurde erstmals in Würzburg veranstaltet und war bislang die einzige Veranstaltung ihrer Art.

Zwischen dem 6. Juni und dem 8. Juni 1986 versammelten sich in Würzburg eine "Große Koalition" aus Natur- und Umweltschutzverbänden, Bürgerinitiativen und Verbraucherzentralen zum ersten Deuschen Umwelttag. Unter dem Motto „Ja zum Leben - Mut zum Handeln“ trafen sich über 20.000 Teilnehmer in der Mainfrankenmetropole.

Die drei Tage währende Veranstaltung war stark geprägt vom Atomunfall in Tschernobyl aus dem gleichen Jahr. Trotz regnerischen Wetters kamen zehntausende von Besuchern zu Diskussionen, Vorträgen und Demonstrationen.

Schlußerklärung

In der am Ende der Veranstaltung vorgestellten "Würzburger Erklärung" wurden konkrete Maßnahmen für Landwirtschaft und Ökonomie gefordert, die den nachhaltigen Umweltschutz unterstützen und fördern sollten. Dabei standen bereits damals die Förderung der bäuerlich geprägtem Landwirtschaft, die Erschließung erneuerbarer und sauberer Energiequellen und der Ausstieg aus der Atomenergie im Vordergrund.

Parallel - am 6. Juni 1986 - wird in Bonn das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) gegründet.

Tja, ob damals die ganzen Umweltbewegten, Kernkraftgegner und Öko-Landwirtschaftler von dem roten Sportwagen des Reporters so begeistert waren, das mag ich lieber nicht beurteilen.



In Unterfranken



Unterfranken ist Bildstockland

Die sogenannte Viersäulenmarter (Bild links) ist ein bedeutender Bildstock auf der Gemarkung Sommerachs. Er befindet sich an der Landstraße KT 57 in Richtung Volkach. Erstmals beschrieben wurde der Bildstock im Jahr 1700. Diese Jahreszahl ist über der Kreuzigungsszene in den Zwickeln vermerkt.

Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs, am 27. Februar 1947, wurde die Marter von einem amerikanischen Armeefahrzeug beschädigt. Die Gemeinde beauftragte den Bildhauer Georg Schneider aus Würzburg, eine originalgetreue Kopie zu schaffen. Diese erhielt zusätzlich die Inschrift: „Wir haben die viersäulige Marter neu aufgerichtet zum Dank für den Schutz des Dorfes im Zweiten Weltkrieg, zum Gedenken der Gefallenen und Vermißten, als Bitte der Heimatlosen, als Bekenntnis des hl. Glaubens. Gemeinde Sommerach 1948“.

Ein Bildstock, auch als Marterl oder Marter bekannt ist ein religiöses Kleindenkmal. In Unterfranken ist die Errichtung und Pflege von Bildstöcken eine weit verbreitete Form der Volksfrömmigkeit. Sie sind als Anstoß zum Gebet unterwegs gedacht, als Zeichen der Dankbarkeit für überstandene Gefahren oder Seuchen, bzw. zur Erinnerung an besondere Unglücksfälle oder an bedeutende Menschen.

Seit dem Mittelalter entstand in Franken ein einmalig reichhaltiger und vielfältiger Bestand an Bildstöcken. Sie wurden zu Wahrzeichen der fränkischen Landschaft – untrennbar mit ihr verbunden.

Iphofen in Unterfranken

Iphofen ist eine Stadt im unterfränkischen Landkreis Kitzingen und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Iphofen. Durch den Weinanbau wurde die Stadt auch überregional bekannt. Mit ihrem malerischen, vollständig erhaltenen mittelalterlichen und barocken Altstadtensemble bildet Iphofen gleichzeitig einen touristischen und historischen Anziehungspunkt.


Die Kirchenburg von Mönchsondheim

Ausflug nach Mönchsondheim zur Kirchenburg; Unterfranken - Mönchsondheim ist ein Stadtteil der Stadt Iphofen im unterfränkischen Landkreis Kitzingen.


Der Stadtteil Mönchsondheim ist bekannt für sein Kirchenburgmuseum – ein wahres Kleinod unter den fränkischen Freilandmuseen.

Die Kirchenburg Mönchsondheim umfasst die befestigten Bereiche des Kirchhofes um die evangelisch-lutherische Kirche St. Bonifatius. Die Anlage gilt als eine der besterhaltenen ihrer Art in Franken und ist heute Mittelpunkt des Kirchenburgmuseums Mönchsondheim.

Mainbernheim - Mainbernheim ist eine Landstadt an der B 8 im unterfränkischen Landkreis Kitzingen.


Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Stadt im 9. Jahrhundert. Durch die Stadt führte eine wichtige Ost-West-Verbindung, die "Alte Reichsstraße". Diese war eine Fortsetzung der "Goldenen Straße" und prägte die Entwicklung des Ortes. Bis 1803 blieb Mainbernheim eine Reichsstadt und ist mit ihrem historischen Stadtkern und dem denkmalgeschützten Arkadenfriedhof eine wenig bekannte Touristenattraktion. Bei der Gebietsreform in Bayern erhielt Mainbernheim nach kurzer Zugehörigkeit zur Verwaltungsgemeinschaft Iphofen wieder seine verwaltungsmäßige Selbstständigkeit.

Die Mainbrücke Segnitz bei Marktbreit

Die 2010 neu erbaute Brücke ersetzte die Brücken von 1893 und deren Nachfolger von 1949.


Am Main bei Kitzingen


An der Mainschleife bei Volkach

Die Volkacher Mainschleife ist die größte Flußmäanderlandschaft in Bayern. Sie ist Teil des Maindreiecks.
Die Mainschleife bildet eine eigene naturräumliche Einheit und wurde zum Landschaftsschutzgebiet und Geotop erklärt. Sie liegt im Regierungsbezirk Unterfranken zwischen Kitzingen und Schweinfurt nahe der namensgebenden Stadt Volkach und bildet das Herzstück des Weinanbaugebietes Franken, wo auch ein eigener Bereich nach ihr benannt wurde.

Die zwei Kirchen von Rödelsee

Rödelsee ist ein Nachbarort von Iphofen
Bereits 1190 existierte in „Rotelse in episcopatu Wirzburgensis“ eine Kirche. Sie war dem Heiligen Bartholomäus geweiht. Er gilt als Schutzheiliger der Winzer. Diese Vorgängerkirche weihte der Eichstätter Bischof Otto von Hirschberg. In den konfessionellen Streitigkeiten der wechselnden Dorfherren zerfiel die simultan genutzte Kirche und musste nach dem Einsturz des Turms, der den Altar zerstörte, 1770 abgerissen werden. Die Gläubigen beschlossen zwei Kirchen zu errichten.

Evangelische St.-Bartholomäus-Kirche:

Auf dem Gelände der alten Kirche errichteten die evangelischen Bewohner 1780 ihr Gotteshaus als typisch evangelische Kirche im Markgrafenstil. Ihre übereinander gestaffelten Bestandteile Altar, Kanzel Orgel sind für diesen Baustil charakteristisch. Man sieht sie vorne im Bild.

Katholische St.-Bartholomäus-Kirche:

Die katholische Kirche Rödelsees entstand einige Jahre nach der evangelischen im Jahr 1783. Ein dreigeschossiger Fassadenturm gliedert das Gotteshaus. Der Patron Bartholomäus steht in einer Nische des Turmes.

Eine schmucke Visitenkarte hat die Zuckerstadt Ochsenfurt am Main im Landkreis Würzburg mit diesen Fachwerkhäusern entlang der Hauptstraße aufzuweisen. Das geschlossene Ensemble zwischen Würzburger Tor und Neuem Rathaus ist für Einheimische wie für Fremde ein beschaulicher Anziehungspunkt.
Am Marktplatz von Ochsenfurt befindet sich als Herzstück der historischen Altstadt das Neue Rathaus. Dessen breite Front beherrscht deutlich Platz und Hauptstraße und ist schon von weitem als Zentrum des Gemeindelebens zu erkennen. Seit dem Ende des 15. Jahrhunderts plante man die Errichtung eines neuen Amtsgebäudes an dieser Stelle, das schließlich im Jahre 1515 vollendet war. Die Freitreppe mit der spätgotischen Maßwerkbrüstung, das hoch übers Dach hinausragende Lanzentürmchen und die Kreuzigungsgruppe mit den Bäumen davor verleihen dem Rathaus einen malerischen Eindruck.
Als Wahrzeichen der Stadt besitzt das Lanzentürmchen eine 1560 vom Würzburger Uhrmachermeister Hans Sycher angefertigte Figuren- und Monduhr, deren Schauspiel zu jeder vollen Stunde man sich unbedingt ansehen sollte. In der obersten Etage stoßen bei jedem Glockenschlag zwei Ochsen mit den Hörnern aneinander. Die Scheibe der astronomischen Uhr zeigt Mondalter und Mondphase an. Ein Gerippe als Sinnbild der Vergänglichkeit wendet das Stundenglas, während sich neben ihm zwei Fenster öffnen, aus denen Ratsherren blicken. Darunter bewegt ein bärtiger Bürgermeister den Mund zu jedem Glockenschlag. Am unteren Ende des Türmchens erscheint eine Jungfrau mit dem Wappen Frankens in einer kleinen Öffnung.

Alte Mainbrücke in Ochsenfurt, die als zweitälteste Steinbrücke Deutschlands gilt.

Die Steinpfeiler der Alten Mainbrücke wurden zwischen 1200 und 1350 errichtet. Von 1512 bis 1520 wurde der hölzerne Überbau durch Steinbögen ersetzt. Am 31. März 1945 sprengte die Wehrmacht den mittleren Bogen.
Im Jahre 1957 wurde die Alte Mainbrücke nach Abtrag von zwei Pfeilern mit einem Betonbalken über der Hauptöffnung wiederhergestellt, um einen modernen Schiffsverkehr zu ermöglichen. Im September 2006 wurde das Bauwerk wegen Einsturzgefahr voll gesperrt, und im April 2007 folgte der Abbruch des Betonträgers. Im selben Jahr war der Restabbruch und anschließende Neubau in ähnlicher Form geplant. Nachdem die Bauforschung den historischen Wert des Bauwerks dargestellt und die Brücke auf eine Stufe mit der Alten Mainbrücke in Würzburg und der Steinernen Brücke in Regensburg gestellt hatte, wurde generalsaniert. Mit Fördermitteln des Freistaates Bayern, Zuschüssen des Amtes für Denkmalschutz, des Bundes sowie der Stadt Ochsenfurt wurde die Brücke ab 2010 wiederaufgebaut und Ende Juni 2012 mit einem Mittelteil aus Spannbeton feierlich eingeweiht.

Die Alte Mainbrücke ist die älteste steinerne Brücke in Würzburg und verbindet die Altstadt mit dem Mainviertel und dem Marienberg, auf dem die Festung steht. Über Jahrhunderte bildete sie einen der wichtigsten Verbindungswege im Stadtgebiet. Sie wurde vom Baumeister Enzelin im 12. Jahrhundert errichtet. Teile der heutigen Brücke stammen noch von diesem ersten Bau.
Die Alte Mainbrücke ist eines der Wahrzeichen Würzburgs. Berühmt ist sie insbesondere wegen der „Brückenheiligen“, 12 überlebensgroßer Steinfiguren von Persönlichkeiten (nicht ausschließlich Heiligen), die teils in enger Beziehung zu Würzburg standen. Sie schmücken seit dem 18. Jahrhundert die Plattformen über den Brückenpfeilern.

Im Bild: St. Johannes von Nepomuk. Für seine Heiligsprechung 1729 hatte sich Friedrich Karl von Schönborn stark gemacht.




Würzburg, Residenz, Treppenhaus mit dem Deckenfresko von Tiepolo
Giovanni Battista Tiepolo (auch Giambattista Tiepolo und Giovanbattista Tiepolo; * 5. März 1696 in Venedig; † 27. März 1770 in Madrid) war einer der bedeutendsten venezianischen Maler des ausklingenden Barock und des Rokoko. Sein Werk umfasst Darstellungen von Heldenepen, Historien, Opernszenen, Götterfesten und auch Altäre, bei denen er eine Vielzahl dieser Gemälde mit Putten und Amoretten bereicherte. Auf dem Deckenfresko der Würzburger Residenz – seinem Hauptwerk – hat Tiepolo auch sich selbst (links über der Ecke) dargestellt, dazu den Architekten Balthasar Neumann (mit Schärpe und riesigem Hund) und den Stuckateur Antonio Giuseppe Bossi (schräg rechts über Neumann, mit auffälligem Umhang).

[WIRD FORTGESETZT]

Im Hunsrück


Die Nunkirche bei Sargenroth

“Die Nunkirche ist das Bauwerk, welches den Hunsrück charakterisiert und von dem die Hunsrücker, ob nah oder weiter entfernt, ehrfurchtsvoll sprechen und mit Liebe und Anhänglichkeit ihrer gedenken, denn die Nunkirche ist die Repräsentation der Hunsrücker Geschichte und die Repräsentation des Charakters der Hunsrücker Bewohner.” So beschrieb ein Bewohner der Region die Nunkirche zur Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert.

Die Nunkirche (Nuwe Kirche, neue Kirche) ist eine romanische Wallfahrtskirche und eines der markanten Wahrzeichen der Hunsrückhöhen. Die Nunkirche liegt auf einer Anhöhe zwischen dem Simmerbachtal und dem Soonwald unmittelbar am Dorfrand von Sargenroth. Direkt östlich grenzen das mit Orchideen bewachsene Rochusfeld und der Bismarckturm an die Nunkirche an.

Nunkirche (“Nuwe Kirche”, neue Kirche) wurde sie wohl im Gegensatz zu den Kirchen von Simmern und Kirchberg genannt. Ihrem Namen zum Trotz ist sie unzweifelhaft eines der ältesten Gotteshäuser des Hochlandes. Im Mittelalter fanden hier unter freiem Himmel die “Hundgedinge” (Gerichte) statt, hier haben wir eine der wenigen Wallfahrtsorte des Hunsrücks.

Die ursprüngliche Kirche wurde um die erste Jahrtausendwende im Auftrag von Erzbischof Willigis aus Mainz gebaut, um die Mainzer Ansprüche im Bereich des Hunsrücks gegenüber den Trierer Kurfürsten zu manifestieren. Die erste Erwähnung findet sich 1072 als Eigenkirche des Gaugrafengeschlechts der Bertholde.

Die Nunkirche gilt als Mutterkirche des nahen Klosters Ravengiersburg.


Die Historische Weiherschleife in Idar-Oberstein

Seit dem 15. Jahrhundert wurden die heimischen Edelsteinvorkommen in sogenannten Schleifmühlen verarbeitet. Von diesen standen einmal 183 am Idarbach, an der Nahe und an anderen Bachläufen um Idar-Oberstein. Am Idarbach allein waren es 56 Schleifen. In den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurden die Bachschleifen nacheinander stillgelegt. Sie zerfielen und waren schon nach kurzer Zeit aus dem Landschaftsbild verschwunden.

Einen Großteil ihrer beschwerlichen Arbeit verrichteten die Schleifer bäuchlings auf sogenannten "Schleifenkippstühlen" liegend.

Die „Historische Weiherschleife" - eigentlich Kallwiesweiherschleife - blieb mit Unterbrechungen bis 1945 in Betrieb. Sie drohte dann zu zerfallen, wurde aber 1953/54 restauriert. Nach einer erneuten Renovierung und teilweise Erneuerung in den Jahren 1996/97 ist sie wieder für Besichtigungen geöffnet. Sie ist die letzte mit Wasserrad angetriebene Achatschleifmühle am Idarbach.

   

Sie ist das Wahrzeichen von Idar-Oberstein: Die Felsenkirche


Um die Erbauung rankt sich eine Sage: Um die Mitte des elften Jahrhunderts lebten die Brüder Wyrich und Emich von Oberstein auf der Burg Bosselstein. Beide liebten Bertha von Lichtenburg und, als Wyrich von der Verlobung seines jüngeren Bruders mit eben jener erfuhr, stürzte er Emich aus dem Fenster der Burg. Gezeichnet von seiner schweren Schuld beichtete Wyrich die Tat einem Abt. Als Sühne sollte er mit eigenen Händen eine Kapelle an der Stelle, an der sein Bruder gestorben war, errichten. Als der Bau vollendet war, bat Wyrich Gott um ein Zeichen der Vergebung. Ein Quell entsprang dem Felsen, der heute noch fließt. Bei der Einweihung der Kapelle sank Wyrich am Altar tot vor dem Abt nieder.


Diamant- und Edelsteinbörse Idar-Oberstein: Im Jahr 1974 wurde die Diamant- und Edelsteinbörse Idar-Oberstein (DEIO) in Idar-Oberstein, Rheinland-Pfalz, als weltweit erste kombinierte Börse für sowohl Diamanten als auch für Farbedelsteine eröffnet. 1975 wurde sie in den Weltverband der Diamantbörsen aufgenommen, dem mittlerweile 29 Börsen angehören.

Das Fausthaus in Bad Kreuznach


War angeblich das Wohnhaus des Doktor Faust: Das Faust-Haus in Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz).

Interessant auch die Brückenhäuser über der Nahe:


Wie über dem Arno in Florenz gibt es auch in Bad Kreuznach auf der Brücke über die Nahe Brückenhäuser. Früher und heute von Handwerkern bewohnt, in der Neuzeit finden wir aber auch dort Souvenirläden.

Bad Münster am Stein (1991)


In Bad Münster war meine Mutter in den Sechziger Jahren mehrmals zu Kur gewesen.

Bad Münster am Stein-Ebernburg, wie es korrekt und amtlich heißt, ist heute ein Stadtteil von Bad Kreuznach (am 1. Juli 2014 wurde es nach Bad Kreuznach eingemeindet). Bad Münster am Stein-Ebernburg liegt zwischen 108 und 320 Metern über dem Meeresspiegel zu Füßen der Ebernburg in dem Porphyrbergland von Münster am Stein, Teil des Nordpfälzer Berglands, mit Wäldern und Weinbergen, umrahmt von den Felsmassiven des Rheingrafensteins und des Rotenfels an der Nahe.

Die größte Dichte von Gradierwerken in Deutschland (rund 1,4 km) erstreckt sich im Salinental von der Nachbarstadt Bad Kreuznach bis zum Kurgebiet Bad Münsters.

Seit 1729 ist die heutige Form der Gradierwerke zur Salzgewinnung in Bad Münster am Stein belegt. Das schwach salzhaltige Wasser der Solequelle wurde früher durch Wasserräder und wird heute mit elektrisch angetriebenen Pumpen auf die Gradierwerke gefördert. Von dort rieselt es mit einer unzähligen Menge von Wassertropfen an den etwa acht Meter hohen Schwarzdornwänden in ein Auffangbecken herab, während die Luft in der Umgebung mit verschiedenen Salzbestandteilen wie Iod-, Brom- und Strontium-Ionen sowie dem Edelgas Radon angereichert wird. Durch die Verdunstung des Wassers während des Herabrieselns in die Auffangbecken wird der Salzgradient (Anteil) der Sole erhöht. Die Wasserräder und ein Teil der Kunst (Gestänge zur Kraftübertragung) können noch besichtigt werden.

Das 1911 im Jugendstil nordischer Prägung erbaute Kurmittelhaus im Kurpark gilt als eines der schönsten Fachwerkgebäude der Region. Es enthält die Brunnenhalle mit den Heilquellen Maximilianquelle und Rheingrafenquelle, die in drei Glasröhren aufsteigen.

Geburtshaus W.O. von Horn in Horn im Hunsrück - W. O. von Horn, eigentlich Friedrich Wilhelm Philipp Oertel (* 15. August 1798 in Horn (Hunsrück); † 14. Oktober 1867 in Wiesbaden) war ein deutscher evangelischer Pfarrer und Volks- und Jugendschriftsteller.


Familiengeschichte: Horn im Hunsrück, Geburtsort meiner Mutter (Jahrgang 1927). Mein Großvater (Jahrgang 1894) war ein wohlreputierter Bauer. Seine Zuchtbullen des Glanrindes waren preisgekrönt.


Auch im Zweiten Weltkrieg musste der Opa wieder die Uniform anziehen. Er hatte im WW I die Hölle von Verdun überlebt. Der älteste Sohn wurde mit 20 bei Stalingrad vermisst.


Nach dem Krieg arbeitete meine Mutter als Kindergärtnerin. Meinen Vater hat es auf "Hamsterfahrt" nach Horn verschlagen.

Und die Sommer meiner Kindheit habe ich dort erlebt, auf dem Bauernhof genau vis-à-vis des ehem. Pfarrhauses, wo W.O. von Horn (Wilhelm Oertel, 1798 - 1867) wirkte. Der Hof existiert nicht mehr. Die Stallungen und Wirtschaftsgebäude sind abgerissen.

Von der Pfalz in den Hunsrück - Ab Hohenecken über Kaiserslautern, die A6, die A63 und die A61 bis Rheinböllen.


Windpark Kisselbach im Hunsrück (gesehen von der Autobahn A61) - Der Windpark Kisselbach ist ein Windpark auf dem Gebiet der Verbandsgemeinde Rheinböllen im Hunsrück. Die zehn Windkraftanlagen befinden sich in kommunalem Waldgebiet in unmittelbarer Nähe entlang der Autobahn A 61 auf einer Höhe von 450 m ü. NN - 500 m ü. NN. Die Anlagen wurden zwischen Juli und Oktober 2006 in Betrieb genommen.


Im Hunsrück stehen außergewöhnlich viele Windkraftanlagen. Doch die Stimmung der Einwohner kippt. Der strukturschwache Hunsrück versucht mit seiner wunderschönen Natur einen touristischen Aufschwung herbeizuführen. Gleichzeitig wird mit gigantischen Windparks genau diese Landschaft verschandelt.

Quo vadis, Hunsrück?

Wie es scheint ist der ganze Hunsrück mit Windrädern zugepflastert. Und der Eindruck trügt nicht: Mit mehr als 300 Windrädern gilt der Rhein-Hunsrück-Kreis als bundesweiter "Vorreiter" der sog. "Energiewende". Und die Hunsrücker freuen sich über ihre verspargelte Landschaft: Sieben Millionen Euro nehmen die Gemeinden kreisweit jährlich an Pacht ein.

Siehe Auch: Der Hunsrück dreht am Rad

Die Landschaft sei zerstört, es gebe keine freien Sichtachsen mehr, und die Menschen würden krank. „Ich bin ein glühender Verfechter der Energiewende“, sagt Piroth von sich selbst. Man müsse „raus aus der Verbrennung fossiler Energien.“ Nur: So, wie das hier gemacht wurde, sei es falsch. Der Hunsrück, das Mittelgebirge zwischen Rhein, Nahe und Mosel, dem der Filmemacher Edgar Reitz in seinem „Heimat“-Epos ein cineastisches Denkmal setzte, sei in den vergangenen zehn Jahren zum „Windkraft-Industriegebiet“ mutiert. Und am schlimmsten sei es im Rhein-Hunsrück-Kreis.

Passend dazu: Windrad abgebrannt

Zwischen Vinningen und Obersimten (Kreis Südwestpfalz) hat am Donnerstagabend, 29. November 2018, 17.56 Uhr, ein Windrad Feuer gefangen.

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Am Donnerstagabend war der Generator-Block des Windrads aus bislang ungeklärter Ursache in Brand geraten. Die Flammen in großer Höhe konnten nicht direkt gelöscht werden, also ließ die Feuerwehr das Feuer kontrolliert abbrennen. Das Gebiet um das Windrad wurde wegen der Gefahr herabfallender Trümmer weiträumig abgesperrt. Der Windpark Vinningen besteht aus vier Windrädern.

Das Feuer konnte nicht gelöscht werden, da das Windrad sehr hoch sei und sich im Inneren viele elektrische Teile befänden. Verletzt wurde laut Polizei niemand, es gebe aber eine große Rauchentwicklung. Der Sachschaden wurde von der Polizei auf etwa 500 000 Euro geschätzt.

Donnerstag, 20. April 2023

Die Pegnitz, ein fränkischer Fluß

Die Pegnitz ist ein Fluss in Franken, der sich nach einem fast 113 km langen, insgesamt südwestlichen Lauf in Fürth mit der linken Rednitz zur Regnitz vereint. Auf dem Fließweg mit seinem längeren und auch wasserreicheren Oberlauf Fichtenohe ist er über 128 km lang.

Die Pegnitzquelle ist eine typische Karstquelle der Fränkischen Schweiz in der Stadt Pegnitz. Sie befindet sich auf 425 Meter Höhe nahe dem Schlossberg. Der Ablauf des Quelltopfes gibt dem Fluss Pegnitz seinen Namen. Die Schüttung des Quelltopfes war früher so stark, dass dort die Zaußenmühle betrieben werden konnte. Diese wurde um 1500 erbaut, doch im Dreißigjährigen Krieg zerstört. 1710 wurde die Mühle als Fachwerkhaus neu errichtet. Zu dieser Zeit war die Pegnitzquelle auch für die Versorgung der Stadt mit sauberem Trinkwasser zuständig. Die mittlere Quellschüttung beträgt heute etwa 5 Liter pro Sekunde; sie ist jedoch stark von Niederschlägen abhängig.
Der unterirdische Durchbruch der Pegnitz gilt als karsthydrogeologische Besonderheit. Während die Pegnitz den Wasserberg in weitem Bogen umfließt, verliert der Mühlbach am Nordhang des Berges einen Teil seines Wassers in Klüften des Kalkes und in eine Ponorhöhle, welche ein stark verzweigtes Gangsystem im stark zerklüfteten und brüchigen Werkkalk bildet.

An der Pegnitz - Nürnberg - Lauf - Artelshofen - Lungsdorf


Die Pegnitz in Nürnberg - Die Pegnitz, Nürnbergs Stadtfluss, durchfließt das Stadtgebiet auf einer Länge von ca. 14 km. Ihr Name leitet sich von dem vorkeltischen Wort "paginza" ab, was so viel bedeutet wie schlammiger, sandiger Fluss. Der Wasserlauf entspringt auf der, nordöstlich von Nürnberg gelegenen, Frankenalb. Von seiner Quelle in der Stadt Pegnitz legt der Fluss eine Strecke von 117 km zurück, bevor er sich im Fürther Stadtgebiet mit der Rednitz vereinigt.


Hochwasser der Rednitz in Nürnberg, Stadtteil Katzwang, am 2. Juni 2013 - Am 4.6. erreichte die Rednitz ihren Maximalpegel, kurz vor der Warnstufe 4. 2013 wurden dann auch die Überschwemmungsgebiete ausgeweitet. Das Überschwemmungsgebiet links und rechts der Rednitz auf Nürnberger Stadtgebiet stammte aus dem Jahr 1927.

Gemächlich (meist jedenfalls) fließt die Pegnitz heute durch Nürnberg und teilt die Altstadt in zwei Hälften. Die Gefahr durch Hochwasser wurde durch Baumaßnahen nach dem Zweiten Weltkrieg (Hochwassertunnel) minimiert.

Das Jahrhundert-Hochwasser von 1909: In der Nacht von 4. auf 5. Februar 1909 stieg das Wasser der Pegnitz innerhalb von zwei Stunden über zwei Meter an und erreichte den bislang unerreichten Höchststand von 4,67 Meter an der Museumsbrücke. Auch der Hauptmarkt stand fast drei Tage unter Wasser. Die Nürnberger konnten sich hier und in der Altstadt nur noch mit Booten fortbewegen. Der Sachschaden war immens. Die Häuser auf Höhe der Kleinweidenmühle (die wir auch im Video sehen) hatte es besonders schwer getroffen. Viele sind infolge der Fluten zum Teil eingestürzt.

Lauf an der Pegnitz (amtlich Lauf a.d. Pegnitz, fränkisch: Laff an der Bengadz) ist Sitz des Landratsamtes des mittelfränkischen Landkreises Nürnberger Land. Die Stadt befindet sich rund 17 Kilometer östlich von Nürnberg und ist Teil der Metropolregion Nürnberg. Die Stadt wird im zentralen Stadtgebiet von Ost nach West von der namensgebenden Pegnitz durchflossen. Das Wenzelschloss, eine auf einer Insel im Fluss gelegene Wasserburg, errichtete Karl IV. von 1356 bis 1360 als Zwischenstation der Goldenen Straße zwischen Nürnberg und Prag.

Artelshofen ist ein Gemeindeteil der Gemeinde Vorra im Landkreis Nürnberger Land (Mittelfranken, Bayern). Das landwirtschaftlich geprägte Artelshofen besteht aus etwa 100 Gebäuden inklusive Anbauten und ist von Feldern, Wiesen und Wäldern umgeben. Schloss Artelshofen ist ein Herrensitz in Vorra-Artelshofen im Nürnberger Land. Die Ursprünge des Anwesens reichen wahrscheinlich bis in das späte 13. Jahrhundert, die erste urkundliche Erwähnung datiert von 1361, im 16. Jahrhundert wurde schließlich im Wesentlichen der gegenwärtige, zurzeit gut erhaltene Zustand erreicht. Schloss Artelshofen befindet sich in Privatbesitz und wird seit 2014 von einer gemeinnützigen Stiftung unterhalten.

Lungsdorf ist ein Gemeindeteil der Gemeinde Hartenstein im Landkreis Nürnberger Land. Das Dorf Lungsdorf liegt südwestlich von Velden und nordöstlich von Rupprechtstegen an der Staatsstraße 2162 sowie an der Pegnitz. Oberfranken und die Oberpfalz grenzen in unmittelbarer Nähe an. Der Ort ist ein typisches Straßendorf und besteht aus etwa 20 zum Teil denkmalgeschützten Gebäuden.
Kanufahren auf der Pegnitz:

Der abwechslungsreiche Flusslauf der Pegnitz, der durch das wildromantische Pegnitztal, vorbei an urigen Wäldern und imposanten Felsen der Frankenalb führt, macht die Kanutour zum Erlebnis. Die Pegnitz ist ein allerdings wilder Fluss, dessen Markenzeichen enge Kurven und hereinragende Bäume sind. Das bringt zum einen eine große Artenvielfalt mit sich, daher wird dieser Flusslauf nicht verändert, zum anderen erfordert die Pegnitz dadurch schon etwas paddeltechnisches Geschick.

Der Pegnitz-Fluss ist ein ökologisch wertvolles Gewässer, das sich durch Fischartenreichtum und Pflanzenvielfalt auszeichnet. Gleichzeitig ist die Pegnitz ein wichtiger Rückzugsbereich vieler einheimischer Vogelarten. Beim Befahren der Pegnitz ist deshalb unbedingt Rücksicht auf die Belange der Natur, aber auch der übrigen Nutzungsberechtigten, wie Fischer und Grundstücksanlieger, zu nehmen.

Um einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Nutzern der Pegnitz zu erreichen und gleichzeitig die Natur im Bereich der Pegnitz zu schützen, hat das Landratsamt Nürnberger Land im Jahr 2012 eine Verordnung erlassen, die allgemeingültig ist. Ergänzend dazu gibt es seit 2017 eine Allgemeinverfügung, die das Befahren der Pegnitz in Abhängigkeit des Wasserstandes regelt.
Im Karst des Frankenjura
Karstkundlicher Wanderweg: Bei Neuhaus an der Pegnitz, Mittelfranken, Landkreis Nürnberger Land, Fränkische Schweiz, kurz vor der Grenze zur Oberpfalz: Der etwa 13 km lange Rundweg führt den Wanderer zu kleineren Höhlen und anderen typischen Karstformen des oberen Pegnitzgebietes, als Höhepunkt auch zur Maximiliansgrotte.

An der Meilkapelle bei Neuhaus an der Pegnitz, auf einer Anhöhe zwischen Neuhaus und Krottensee, eine kleine Feldkapelle aus dem 18. Jahrhundert.
In einem Seitental der Pegnitz: Die Andreaskirche im Ankatal in der Hersbrucker Alb

Die Andreaskirche ist eine Karsthöhle im Gemeindegebiet der mittelfränkischen Stadt Velden im Landkreis Nürnberger Land in Bayern.


Die Andreaskirche liegt bei Rupprechtstegen in der Fränkischen Schweiz. Die Andreaskirche ist eine sogenannte Hallenhöhle. Ihren Namen hat die Höhle der Legende nach davon, dass hier die ersten Christen der Region ihre Gottesdienste abgehalten haben sollen. Die geräumige Felsenhalle besitzt drei Eingänge, ist elf Meter lang, 20 Meter breit und sieben Meter hoch. Die Höhle hat drei Zugänge. Von der Vorgrotte aus führen einige enge Gänge in das zerklüftete Gestein. Die Höhle wird stark besucht und es sind nur noch vereinzelt Sintergruppen, Mondmilch und Deckenkolke zu finden. Erwähnenswerte Tropfsteine befinden sich nicht in der Höhle. Die Höhle ist ganzjährig frei zugänglich, liegt im Ankatal und ist von Rupprechtstegen oder Raitenberg aus über verschiedene Wanderwege erreichbar.

Wahrscheinlich wurde die Höhle bereits in der Bronzezeit und von den Kelten genutzt. In Krisen- und Kriegszeiten des Mittelalters war sie ein Rückzugsort der umliegenden Bevölkerung. In einer ausgeschlagenen Felsnische stand der Überlieferung nach ein Altar.

Im Ankatal kann man eines der typischen Phänomene der Fränkischen Schweiz beobachten: Die Tummler. Das Ankatal ist ein so genanntes Trockental in der fränkischen Karstlandschaft. Im Normalfall versickern die Niederschläge oder verschwinden in Ponoren. Nach starken Regenfällen und bei der Schneeschmelze aber sieht man sie, Wasseraustrittsstellen die meist trocken sind und nur für jeweils kurze Phasen Wasser speien, die aber kurzzeitig mit hohen Schüttungen und geysirartigen Wasserfontänen komplette Täler überschwemmen können. Die sog. Tummler.

Tummler oder auch als Hungerbrunnen werden in Franken allgemein als periodisch schüttende Karstquellen bezeichnet. Man findet sie meist in einem Trockental, also ein Tal was vor langer Zeit von einem Wasserlauf geformt wurde, der aber jetzt geologisch bedingt in der meisten Zeit des Jahres nur noch unterirdisch weiterfließt. In den trockenen Jahreszeiten sucht man Wasser oder Quellen also vergebens. Einzig das ausgetrocknete und steinige Bachbett ist zu erkennen.

Das kann sich aber schnell ändern. Bei starken Regenschauern oder Schneeschmelze, versickert innerhalb kurzer Zeit viel Wasser im Karstgestein, sammelt sich unterirdisch, steigt an und tritt mit enormen Druck, Macht und Getöse aus höher gelegenen Felsöffnungen hervor. Die beste Zeit um Tummler zu entdecken sind also eher die milderen und regenreichen Phasen des Winters, am besten in Kombination mit Schneeschmelze.

Freitag, 14. April 2023

Die Kraft der Windes - Windmühlen in Friesland und Ostfriesland


Die Accumer Mühle ist eine Galerieholländerwindmühle im Schortenser Stadtteil Accum. Sie wurde 1746 errichtet und ist heute in einem voll funktionsfähigem Zustand. Der Erhalt und Betrieb der Mühle wird durch den Arbeitskreis Accumer Mühle e.V. sichergestellt.


Die ursprünglich als Getreide- und Peldemühle gebaute Windmühle verfügt heute über zwei voll betriebsfähige Mahlgänge, einen Sechskornsichter zur Mehlfeinsortierung und eine Haferquetsche. Die Mühle ist 16 m hoch, das Flügelkreuz mit je zwei Jalousie- und zwei Segelflügeln misst 20m, die Windrose 5m. Die 1846 erbaute, zur Mühle gehörige Scheune wurde vollständig restauriert. Als Cafe und Versammlungsraum bietet sie bis zu 80 Personen Platz. 1990/91 wurde ein Backhaus mit einem nachgebauten Tunnelbackofen errichtet. Mühle, Backhaus und Scheune ermöglichen heute den Werdegang vom Korn zum Brot praktisch und theoretisch zu vermitteln.

Die Windmühle von Sillenstede (Schortens) - Die in Privatbesitz (bewohnt) befindliche Mühle liegt an der Niedersächsischen Mühlenstraße. Sie ist gleichwohl im Ort nur schwer zu finden, denn sie liegt versteckt (von außerhalb des Dorfes sieht man sie gut) und ist nicht ausgeschildert.


Vor 150 Jahren war die Sillensteder Mühle markantes Gebäude im Ort. Inzwischen liegt sie etwas versteckt – ringsherum ist eine Wohnsiedlung entstanden. Die Mühle wurde 1862 errichtet. Erstes Zeugnis davon legt eine alte Anzeige in einer Tageszeitung vom 8. April 1872 ab.

Die allgemeine Entwicklung machte auch vor der Sillensteder Mühle nicht hat. Im Jahre 1964 musste der Mühlenbetrieb aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt werden. Der neue Pächter richtet in der Mühle einen Landhandel ein. Die Eigentümer des Anwesens haben danach noch zweimal gewechselt, bis 1978 die Familie Schmitz aus Bottrop im Ruhrgebiet den Besitz übernahm. Die Mühle wurde gründlich renoviert, Mühlenkopf und Windrose erneuert, Segelgatterflügel montiert und das Objekt zu Wohnzwecken umgebaut, ohne dass die äußere Gestaltung beeinträchtigt wurde. Die Arbeiten waren 1999 beendet. So ist die Sillensteder Windmühle als imposantes Bauwerk bis heute erhalten. Ringsherum sind im Lauf der Jahre viele Wohnhäuser entstanden.

Das Agrarkulturerbe Ditzumer Mühle (erbaut 1769)


Ditzum ist ein Sielhafen im Bereich der Emsmündung. Die Windmühle ist ein sog. Agrarkulturerbe, d.h. ein Denkmal, das Zeugnis ablegt von der alten bäuerlichen Kultur des Rheiderlandes.

Die Stumpenser Mühle bei Horumersiel im Wangerland, derzeit im Dornröschenschlaf - Rund vier Jahrzehnte stand sie im Eigentum der Familie Kramme aus Dortmund, die den Galerieholländer in den siebziger Jahren vor dem Verfall bewahrte. Die Mühle wurde damals zu einer Teestube umgebaut. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Müller „Dodi“ Adden noch einen florierenden Müllerbetrieb und Landhandel dort geführt. Vor einigen Jahren haben Wolf und Erika Kramme die Mühle aus Altersgründen verkauft.


Die Windmühle stammt aus dem Jahr 1816, ist also mehr als 200 Jahre alt und die einzige historische Mühle im Wangerland.

Die Windmühle von Ostgroßefehn

Zweistöckiger Galerieholländer mit Windrose. Müllerhaus und Anbauten, Pelde und Mahlmühlen. Die Firsthöhe beträgt 21m, Galeriehöhe 8m, Flügelflucht 22m, drei Mahlgänge, davon Motormahlgang, max. erreichbare Energie 30 KW.


1804 wurde die Mühle von Jann Fokken Mühler erbaut. Um 1900 erzeugt die Mühle auch Strom. 20 Personen sind zu diesem Zeitpunkt in der Mühle und der dazugehörigen Bäckerei angestellt. Die Mühle wird bis 1968 gewerblich genutzt. Von 1969 bis 1988 wird die Mühle als mühlen- und fehngeschichtliches Museum der Gemeinde Großefehn genutzt. 1991 erwarb die Gemeinde Großefehn die Windmühle mit Müllerhaus und Nebengebäude.

1992/93 wurde die Mühle mit Finanzhilfen der EU umgebaut und vollständig renoviert. Während die einzelnen Gebäude im alten Stil wieder ausgebaut wurden, erhielt die Windmühle zusätzlich zu der bisherigen Innenkonstruktion modernste Technik. Die anfallende mechanische Leistung soll in elektrische Energie umgewandelt werden. Dazu wurde neben den Mahlgängen ein Generator eingebaut, der die elektrische Energie in das Netz eingespeist. Das Pilotprojekt wurde in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Ostfriesland und der Universität Bremen realisiert. Diese Windmühle zeigt damit historische Mühlentechnik kombiniert mit modernster Elektrotechnik und zeigt die Möglichkeit der Windenergienutzung mit historischen Windmühlen auf.

Die Mühle und das angrenzende Packhaus dienen heute als Kunstgalerie mit russischer Malerei. Unter dem Reetdach werden in einem Standesamt-Zimmer Ehen geschlossen. Der benachbarte Mühlenhof dient heute als Familienzentrum. Vor seiner Haustür liegt das ehemalige „Törfmuttje“ „Antje“, die heute als ein kleines Café dient.

Montag, 10. April 2023

Wir lieben Dornum

Am historischen Alten Markt

Wir lieben diesen Ort, selbst in der Saison nicht überlaufen. So fahren wir bei jedem Nordseeaufenthalt immer wieder hin. Der Ort hat zwei Burgen, die Bningaburg und die Norderburg.


Das barocke Wasserschloß im historischen Ortskern: Das Schloß wurde im 14. Jahrhundert von Häuptling Hicko Kankena als Norderburg (so wird sie manchmal auch heute noch genannt) erbaut. Im 17. Jahrhundert baute Haro Joachim von Closter die Burg zu einer Vierflügelanlage mit Vorburg aus. Der Herrlichkeitsbesitzer hat das Schloss mit besonderen Portalen, Giebeldreiecken und Wappen verwandter Familien sowie Skulpturen und Sinnsprüchen ausgestattet.

Auf der Norderburg ereignete sich 1397 das wohl bekannteste – und auch literarisch verarbeitete – Familiendrama der ostfriesischen Geschichte: Der Sohn des Erbauers der Norderburg, Lütet, erschlug – angeblich auf Anraten seiner Schwiegermutter – seine Gemahlin Ocka wegen angeblicher Untreue und Aufsässigkeit. Daraufhin zeigte sich die Schwiegermutter Foelke Kampana, Ehefrau des Häuptlings Ocko II. tom Brok und im Volksmund die „Quade Foelke“ genannt, von ihrer starken Seite und übernahm kurzerhand die Burg. Sowohl Lütet als auch sein Vater wurden auf Befehl der Schwiegermutter enthauptet.

Die Schloßstraße führt durch das Torhaus von 1678 mit seinem Turmhelm von 1707 und endet auf dem weiten Platz der Vorburg, in dem ebenfalls die von alten Bäumen gesäumte barocke Schlossallee mündet. Der Platz ist von niedrigen Gebäuden umgeben, die einst Wirtschaftsgebäude und der Marstall waren. Vom Platz der Vorburg führt eine hölzerne Brücke über den das Schloss umgebenden Wassergraben zum Schlossportal. Über dem Portal befindet sich ein monumentaler Giebel, der in seinem Mittelpunkt Pallas Athene, die griechische Göttin der Weisheit und der Kriegskunst, zeigt.

Die Beningaburg ist eine mittelalterliche Niederungsburg. Nach der Legende erbaute zwischen 1375 und 1380 Olde Hero Attena von Dornum die Wasserburg.

Zwischen 1350 und 1400 zog die Häuptlingsfamilie der Attena nach Dornum und errichtete die Norderburg, die Oster- oder Beningaburg und die Westerburg.

In der sächsischen Fehde 1514 wurden die Burgen zerstört.

Die Beningaburg: Es war ein langer Weg durch die wechselvolle Geschichte alter ostfriesischer Geschlechter: In der 2. Hälfte des 14.Jahrhunderts erbaute Hero Attena die Burg. Sie war fast 100 Jahre im Besitz der Familie und wechselte durch Erbschaft zum Geschlecht Kankena, bis sie Anfang des 16.Jahrhunderts durch Heirat an die Beningas fiel. Nach der sächsischen Fehde wurde die Burg Mitte des 17. Jahrhunderts teilweise wieder aufgebaut und blieb bis Anfang des 19.Jahrunderts im Besitz der Familie Beninga. Von da ab bis heute wechselten mehrfach die Besitzer. Umgeben von alten Bäumen und dem Burggraben beherbergen die historischen Gemäuer der Beningaburg ein Hotel mit Restaurant. Die Bilder der Geschlechterfolge der Beningas sind im Ahnensaal der Burg zu besichtigen.

Die Westerburg wurde nach der sächsischen Fehde nicht wieder aufgebaut.

Sankt Bartholomäus Dornum - Mit der zweitgrößten Orgel Ostfrieslands und prachtvoller Kanzel -


Die aus Feldbrandsteinen gegen Ende des 13. Jahrhunderts gebaute Einraumkirche steht auf einer über 8 m hohen Warft (künstlich aus Erde aufgeschütteter Siedlungshügel, der dem Schutz von Menschen und Tieren bei Sturmfluten diente). Durch die damaligen technischen Möglichkeiten konnte der aufgeschüttete Untergrund nur unzureichend verdichtet werden und eignete sich dahert häufig nicht als Fundament für das gesamte Kirchengebäude. Aus diesem Grund ging man dazu über, Kirchenschiff und Glockenturm in größerem Abstand voneinander getrennt zu errichten. Beim Absinken der einen Gebäudesektion konnte so eine Destabilisierung der anderen weitestgehend vermieden werden.

Das Innere der Kirche hat die Familie von Closter gestiftet, die über 200 Jahre in Dornum residierte. Sehenswert sind die aus dem Jahr 1663 errichtete prachtvolle Kanzel, der Hochalter. Das Innere der Kirche besticht durch seine prächtige Ausstattung mit zahlreichen Emporen, den Herrenstühlen der alten Häuptlingsfamilien von Closter und Kankena, mit kostbaren Grabsteinen und Epitaphen und der reich verzierten Kanzel. Für ostfriesische Verhältnisse eher ungewöhnlich ist die Farbgebung des Innenraums, die den barocken Gesamteindruck des Kirchenraums stark hervorhebt.

Noch aus der Erbauungszeit der Kirche stammt der Taufstein aus Baumberger Sandstein mit einem Fries aus Weinranken und sechs Rundbogenarkaden. Zu den zahlreichen Grabplatten gehören die des Haro von Closter († 1568) und Gerhard II. von Closter († 1594), deren ganzfigurige Reliefs in dem belgischen Syenit hineingearbeitet wurden.

Prunkstück ist die 1997/98 renovierte Orgel. Sie wurde 1710/11 von dem Orgelbauer Gerhard von Holy, einem Schüler Arp Schnitgers geschaffen. Mit 32 Registern und 1770 Pfeifen ist sie die zweitgrößte historische Orgel Ostfrieslands und ist als "Instrument von Europäischer Bedeutung" eingestuft.

Die Häuptlingsgruft von Sankt Bartholomäus in Dornum - Im Grabkeller unter der Kirche befindet sich das Erbbegräbnis der Dornumer Häuptlinge.

Die Synagoge von Dornum

Die ehemalige Synagoge in Dornum ist die einzige weitgehend im Originalzustand erhaltene Ostfrieslands. Die Jüdische Gemeinde Dornum nutzte sie von 1841 bis zum 7. November 1938. Die letzten jüdischen Bewohner verließen Dornum 1940. Heute dient das Gebäude als Gedenkstätte und jüdisches Museum. Träger ist der Förderverein Synagoge Dornum.


Erstmals wird eine Synagoge in Dornum um 1730 erwähnt. Die heute noch erhaltene Synagoge in Dornum ließ die örtliche Gemeinde 1841 erbauen. Das Geld hierfür nahmen die Dornumer Juden bei einem christlichen Geldverleiher auf, wobei Häuser und Wertgegenstände der jüdischen Familien als Sicherheit angegeben wurden. In den folgenden fast 100 Jahren modernisierte die Gemeinde das Gebäude mehrfach. So erhielt die Synagoge im Jahre 1920 elektrisches Licht. Eine Heizung wurde jedoch nie eingebaut. Dies stellte in den Wintermonaten ein Problem dar, da der Boden nur aus gestampften Lehm bestand. In den Folgejahren verließen viele Juden den Ort aus wirtschaftlichen Gründen. Der Machtantritt der Nationalsozialisten verstärkte diesen Trend noch. Ende 1933 hatte bereits ein Drittel der Juden Dornum verlassen. Im August 1933 wurde die Hohe Straße, an der die Synagoge und viele jüdische Wohnungen lagen, in Adolf-Hitler-Straße umbenannt. Nach 1933 wurde die Synagoge in Dornum kaum noch genutzt, da die erforderliche Zahl von zehn männlichen Gottesdienstbesuchern für eine Minjan nicht mehr erreicht wurde. Wilhelm Rose, der letzte Gemeindevorsteher, verkaufte die Synagoge schließlich am 7. November 1938 für 600 Reichsmark an den örtlichen Tischlermeister August Teßmer, dessen Haus unmittelbar an das Synagogengebäude grenzte. Dieser nutzte das Gebäude fortan als Möbellager. Den Verkaufserlös, der für den jüdischen Hilfsverein bestimmt war, überwies Rose an das Landesrabbinat Emden. Während der Novemberpogrome 1938 drangen örtliche SA- und SS-Mitglieder in das Gebäude ein und entwendeten Einrichtungsgegenstände, die sie anschließend auf dem Marktplatz verbrannten.

Die Bockwindmühle in Dornum im Landkreis Aurich wurde 1626 erbaut und ist damit die älteste erhaltene Windmühle Ostfrieslands. Sie entstand während des Dreißigjährigen Krieges, kurz nachdem die Truppen des Grafen von Mansfeld die Grafschaft Ostfriesland besetzt hatten (1622–1624). Nachdem im Sommer 2019 ein Flügel abgefallen war, wurde die historische Bockwindmühle in Dornum nun wieder repariert. Der 600 Kilo schwere Holzflügel war von innen verrottet gewesen.

Pittoreskes Dornum in Ostfriesland - ein Bummel durch den Ort


Der jüdische Friedhof von Dornum in Ostfriesland
Die Jüdische Gemeinde Dornum bekam das Grundstück im Jahre 1721 von der Ortsherrlichkeit zugewiesen. Das vor dem Ort gelegene Gelände war zunächst gemietet und konnte 1723 gekauft werden. Bis 1938 wurden die jüdischen Toten aus Dornum auf diesem Friedhof bestattet.


In der sogenannten Reichskristallnacht wurden Unterlagen über den Friedhof und der jüdischen Gemeinde auf dem Marktplatz verbrannt. In der Folgezeit wurde das Grundstück für 150 Reichsmark verkauft. Die Grabsteine wurden entfernt und in der Marktstraße gelagert. Etwa 150 Grabsteine wurden zweckentfremdet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Friedhof auf alliierte Anordnung wieder hergerichtet. Da keine Unterlagen mehr vorhanden waren, konnten die verbliebenen 36 Grabsteine keinem Grab mehr zugeordnet werden.

Die Grabplatte des am 31. Oktober 1721 verstorbenen Aaron Levy (Aharon ben Jehuda Blitz) ist der älteste Grabstein. Diese Platte dokumentiert mit drei anderen die sephardische Begräbnistradition.

Der jüngste Grabstein ist für den am 6. November 1938 verstorbene Wolf (Adolf) Abrahams.

Dornumersiel

Dornumersiel liegt unmittelbar an der Nordseeküste. Der Hauptort der Gemeinde, Dornum, befindet sich etwa 5 Kilometer entfernt in südwestlicher Richtung.


Der Sielort ist einer der ältesten Häfen an der ostfriesischen Küste. Die Besiedelung des Ortes begann wahrscheinlich im 15. Jahrhundert. Nachdem in der St.-Peters-Flut am 22. Februar 1651 ein an der Küste gelegener Sielort, das später so genannte Altensiel, zerstört wurde, wurden 1653 unmittelbar nebeneinander das Dornumer und das Westeraccumer Siel angelegt. Einst trennte hier die Grenze Ostfriesland und das Harlingerland. Die beiden Orte Dornumersiel und Westeraccumersiel konnten erst nach Eindeichung der Polder entstehen. Eine erste urkundliche Erwähnung des Dorfes datiert auf das Jahr 1684. 1717 wurden sie durch die Weihnachtsflut fast vollständig vernichtet. Heute ist Dornumersiel ein Küstenseebad.

In Dornumersiel zeigt die Figurengruppe „He is buten bleven“ (er ist draußen geblieben) die Lebenswirklichkeit der Menschen an der Nordsee. Die traurig melancholische Skulptur zeigt eine Seemannsfrau mit ihrem Kind, deren Mann „auf See geblieben“ ist. Christian Eisbein (* 5. Juli 1917 in Halle (Saale); † 1. Juli 2009 in Westerholt, Ostfriesland) schuf die Skulptur.

Alexandra's Cafe in Dornumersiel



St.-Matthäus-Kirche (Resterhafe) - Dornum, Ostfriesland


Die evangelisch-lutherische St.-Matthäus-Kirche im Dornumer Stadtteil Resterhafe wurde vermutlich gegen Ende des 13. Jahrhunderts als Saalkirche aus Backsteinen im Stil der Frühgotik errichtet. Sie steht auf einer fünf Meter hohen freistehenden Warft. Bis zur Reformation unterstand die Kirche dem Erzbistum Bremen.

Ob die heutige Kirche einen Vorgängerbau aus Holz hatte, ist unklar. Vermutlich wurde im späten 13. Jahrhundert die freistehende Kirchwarft bis auf eine Höhe von 5 Metern über Normalnull aufgeschüttet. Auf dem höchsten Punkt wurde anschließend das Fundament aus schweren Granitsteinen gelegt, auf dem dann um 1270 der Bau des heutigen Gotteshauses begann. Es wurde im Stil der Frühgotik aus Backsteinen errichtet und dem Evangelisten Matthäus geweiht.

Zu Zeiten ihrer Erbauung hatte die Kirche Steingewölbe und größere Dimensionen als heute. Im Laufe der Jahrhunderte verschlechterte sich der Zustand des Gebäudes aber derart, dass die Gewölbe abgebrochen werden mussten.

Im Jahre 1806 waren erneut große Umbaumaßnahmen nötig. Dabei wurde die Kirche im Westen um etwa 6 Meter verkürzt. In der so entstandenen Westwand entstand ein neuer Eingang und die beiden alten Portale im Norden und Süden wurden vermauert. Im Zuge der Arbeiten wurden auch die beiden Giebel im Osten und im Westen abgebrochen und das Gebäude mit einem Walmdach abgedeckt.

Die lettnerartige Schranke zwischen Chor und Schiff ist ein Werk des frühen 17. Jahrhunderts. Sie besteht aus Gitterstäben mit einem oberen Abschluss aus durchbrochenen Ranken.

Der protestantische Flügelaltar mit seinen Inschriften wurde ebenfalls im 17. Jahrhundert geschaffen. Er ist vom reformatorischen Bildersturm geprägt. In Norddeutschland traten daran anschließend im 16. und 17. Jahrhundert in den reformierten, aber auch lutherischen Kirchen Schriftaltäre an die Stelle der mittelalterlichen Bildwerke. Auf seinen Flügeln führt er rechts das Glaubensbekenntnis und links die Zehn Gebote auf. Die Kreuzigungsdarstellung in seinem zentralen Feld wurde erst 1830 hinzugefügt. Sie wurde von dem in Resterhafe amtierenden Pastor Kittel gemalt und geht auf das Vorbild des Altargemäldes der St.-Bartholomäus-Kirche in Dornum zurück, das seinerseits eine Kopie eines Werks des flämischen Malers Anthonis van Dyck ist. Eine Wappentafel krönt den Altar.

Blick vom Hafen von Neßmersiel auf die Insel Baltrum (Baltrum ist die kleinste der ostfriesischen Inseln)

Neßmersiel ist ein Ortsteil der Gemeinde Dornum im Landkreis Aurich in Niedersachsen.

Neßmersiel liegt etwa fünf Kilometer nordwestlich von Dornum. Das Dorf besteht hauptsächlich aus Ferienhäusern. Es grenzt unmittelbar an die Nordsee und liegt direkt hinter dem Deich. Der Badeort ist der kleinste an der ostfriesischen Nordseeküste.


Das gemütlich gelegene Sieldorf liegt im Schutze der Deiche (Seedeich, alter Westerdeich und alter Osterdeich), am Nationalpark Niedersächsiches Wattenmeer, Weltnaturerbe. Südlich der Ortschaft entlang verläuft die Störtebekerstraße.

Der ursprüngliche um 1570 errichtete Hafen, von dem aus Getreide und Raps nach Bremen, Hamburg, den Niederlanden und Norwegen verschifft wurde, verschlammte durch die Eindeichung zur Landgewinnung und musste gegen 1700 aufgegeben werden. Er wurde näher zur See verlegt, doch 1930 war er auch nicht länger zu befahren. Erst 1969/70 errichtete man einen Fährhafen, von dem aus Baltrum angefahren wird.

Neßmersiel ist das "Mekka der Wattwanderer". Von hier starten die unter fachkundiger Leitung geführten Wattwanderungen durch den Nationalpark niedersäsisches Wattenmeer und zu den Inseln Baltrum und Norderney.