Samstag, 21. Oktober 2023

Urlaub in Sillenstede


Unsere Anreise zum Nordseeurlaub nach Sillenstede: 800 Kilometer quer durch Deutschland. Wir fahren immer am Sonntag, weil da kaum LKW-Verkehr auf der Autobahn ist.


Ferienwohnung Alexa Bingemer in Sillenstede: 2017, 2018, 2019 und 2020 unser Quartier in Sillenstede. Optimal geeignet für zwei Personen.



Von Sillenstede zu Fisch & Feinkost Flebbe in Heidmühle - unsere tägliche morgendliche Fahrt zu unserem Matjesbrötchen-Frühstück.


Hofgut Connhausen zwischen Sillenstede (Schortens) und Fedderwarden (Wilhelmshaven) - Was hat es mit den schwedischen Flaggen auf sich? Es gibt die Deutsch-Schwedische Gesellschaft zu Oldenburg e.V. und die feiert jedes Jahr in Connhausen das Mittsommerfest.


Dienstag, 3. Oktober 2023

Das Hundeverbot an Niedersachsens Deichen, verheerende Sturmfluten und die Aufgabe der Deichgrafen


Warum gilt in Niedersachsen ein Hundeverbot auf allen Deichen?

Bei aller touristischen Attraktivität der Deiche sind sie Schutzbauwerke. Diesem Zweck (siehe Niedersächsisches Deichgesetz) haben sich alle anderen Aktivitäten unterzuordnen.

Das Mitführen von Hunden ist grundsätzlich auf Deichen in Niedersachsen verboten.

Die Anwesenheit der Tiere auf den Deichen ist aus mehreren Gründen kritisch: Schafe geraten als Fluchttiere schnell in Panik, wenn sie die Vierbeiner erblicken. Vor allem trächtige Muttertiere sind gefährdet, weil es zu Frühgeburten oder einem Verlammen kommen kann. Gefährlich sind auch Krankheitserreger im Hundekot für Schafe. Deshalb dürfen Hunde auch dann nicht unangeleint auf das Deichgelände (Deiche, Deichverteidigungsweg, Treibselräumweg und Vorland), wenn keine Schafe in Sicht sind.

Gefahren drohen für die Deichsicherheit auch, wenn Hunde Löcher in die Grasnarbe wühlen. Jedes Loch in der Deichoberfläche ist ein möglicher Angriffspunkt, weil die heranbrechenden Wellen derartige Löcher ausspülen und im schlimmsten Fall einen Deichbruch zur Folge haben können.

Auch Blindenführhunde und Assistenzhunde dürfen niemals unangeleint auf das gesamte Deichgelände.

Die Deichschafe: Als Hüter der Deiche erfüllen sie eine wichtige Funktion: Tagaus und Tagein verdichten sie das Erdreich mit ihren Hufen und sorgen für einen stabilen Damm. So sind sie quasi die Angestellten des Hochwasserschutzes und bei Wind und Wetter auf ihren Deichen. Mit ihren Hufen verfestigen sie den Deich und tragen so zu seiner Stabilität bei.

Schafe halten die Grasnarbe dicht: Schafe haben einen tiefen Biss und halten das Gas sehr kurz. Deshalb werden die Halme dicker, es kommt zu einer besseren Bestockung. Schafe sorgen auch dadurch für die Stabilisierung der Deiche: Durch die bessere Bestockung werden auch die Graswurzeln kompakter und stabilisieren die Erde.


Informationstafel in Neuharlingersiel

Warum das Einhalten dieser Regeln so wichtig ist, das sehen wir u.a. auch an den Hochwassermarken am Sieltor von Neuharlingersiel: Mt dem "Blanken Hans" ist nicht zu spaßen!
Die oberste Marke kennzeichnet der Wasserstand der Februarflut von 1825. Die Februarflut von 1825, in Deutschland auch Große Halligflut genannt, war eine Flutkatastrophe vom 3. bis 5. Februar 1825 an der gesamten deutschen, dänischen und niederländischen Nordseeküste sowie im unteren Weser- und Elbegebiet und deren Nebenflüssen, bei der etwa 800 Menschen ertranken und sehr schwere Schäden entstanden. An nahezu allen Orten wurden die bis dahin beobachteten Rekordwasserstände deutlich überstiegen; sie dürfte eine der schwersten Fluten der letzten Jahrhunderte gewesen sein.

Und es gab bis dahin ja schon eine ganze Reihe verheerenter Sturmfluten: Eine der größten Naturkatastrophen an der Nordseeküste war die Weihnachtsflut von 1717. Tausende Menschen und Vieh kamen in den Fluten an der friesischen und ostfriesischen Küste ums Leben. Als Weihnachtsflut wird die Sturmflut an der kontinentaleuropäischen Nordseeküste vom 24. Dezember auf den 25. Dezember 1717 bezeichnet. Sie wurde von einem plötzlich einsetzenden Nordweststurm verursacht. Zwischen den Niederlanden und Dänemark kam es zu zahlreichen Deichbrüchen und verheerenden Überschwemmungen. Von Tondern im nördlichen Herzogtum Schleswig bis zum ostfriesischen Emden ertranken etwa 9.000 Menschen; auch in den Niederlanden starben 2.500 Personen. Eine erneute Sturmflut erfolgte in der Nacht vom 25. auf den 26. Februar 1718.

Die Weihnachtsflut von 1717 war die verheerendste Sturmflut der Neuzeit und markiert den Wendepunkt im Deichbau. Mit ihr begann der moderne und organisierte Küstenschutz an der Nordsee.

Und vergessen wir nicht die beiden Marcellusfluten: Marcellusflut ist der Name zweier Flutkatastrophen an der Nordsee, die jeweils am 16. Januar (Gedenktag des heiligen Marcellus) stattfanden. Erste Marcellusflut (1219) - Grote Mandränke (‚großes Ertrinken‘) und Zweite Marcellusflut (1362), auch: Mandrankels, Grote Madetuen oder Grote Mandrenke.

Auch Sankt Willehad in Accum wurde durch die Weihnachtsflut schwer beschädigt.


1719 wurde die heutige Kirche gebaut, nachdem die Vorgängerkirche von mehreren Sturmfluten, so auch von der Weihnachtsflut 1717, schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde und so baufällig war, dass sie nur noch unter Lebensgefahr betreten werden konnte.

Eine Besonderheit ist das im Inneren der Kirche befindliche Grabmal für den Häuptling Tido von Inn- und Kniphausen († 18. Februar 1565) und seine Frau Eva von Renneberg († 1579). Es befindet sich vorne in der Kirche neben dem hölzernen Abendmahltisch. Der Doppelgrabstein aus schwarzem Marmor ist ein Beispiel bester flämischer Renaissance-Porträtplastik.

Im unmittelbar an der Nordseeküste liegenden Dornumersiel ertranken in der Weihnachtsflut fast alle Einwohner.


In Dornumersiel zeigt die Figurengruppe „He is buten bleven“ (er ist draußen geblieben) die Lebenswirklichkeit der Menschen an der Nordsee. Die traurig melancholische Skulptur zeigt eine Seemannsfrau mit ihrem Kind, deren Mann „auf See geblieben“ ist. Christian Eisbein (* 5. Juli 1917 in Halle (Saale); † 1. Juli 2009 in Westerholt, Ostfriesland) schuf die Skulptur.

Noch Wochen und Monate nach der Flutkatastrophe von Weihnachten 1717 wurden Leichen angeschwemmt. Der junge ostfriesische Pastor Johann Christian Hekelius lebte damals in Resterhafe/Schwittersum. Die kleine Kirche liegt auf einer hohen Warft und ragte während der Sturmflut wie eine Insel aus den Fluten hervor. Hekelius schildert in seiner Chronik sehr eindrücklich das ganze Ausmaß der Katastrophe.


In Neuharlingersiel gibt es ja die Ferienresidenzen Deichgraf. Aber ein Deichgraf ist keinesfalls eine nostalische Reminiszez an alte Zeiten. Es gibt immer noch Deichgrafen! Touristen reiben sich oft verwundert die Augen, wenn sie von diesem scheinbar veralteten Posten hören. Wenn Besucher den Begriff Deichgraf hören, denken sie vielleicht an Hauke Haien, die Figur, die Theodor Storm in seiner Novelle „Der Schimmelreiter“ beschrieb. Dabei sind seine Aufgaben aktueller denn je. Deichgraf (auch Deichvogt, Deichgeschworener, Deichrichter, Deichhauptmann) ist die Bezeichnung des Vorstehers eines genossenschaftlich organisierten Deichverbandes, der Deichacht, der für die Unterhaltung und Anlage der Deiche zuständig ist. Wichtigste Aufgabe dabei ist die Deichschau.

Die Anlieger der Deiche sind verpflichtend Mitglied der Deichacht.

So war z.B. auch meine Frau, als sie noch in Ostfriesland lebte, Mitglied der Deichacht ihres Dorfes und hatte bei Hochwasserlagen die Deichkrone im Auge zu behalten und im Falle, das Wasser stieg gefährlich an, sofort ihren Deichgrafen zu unterrichten.