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Sonntag, 17. September 2023

Was nicht jeder von Schortens weiß

Forst und Forsthaus Upjever

p Der Forst Upjever, um 1535 von Jevers Herrscherin Fräulein Maria gegründet, ist mit seinen heute 750 Hektar zu weiten Teilen ein Wirtschaftswald, dessen Böden Nutzen bringen sollen, aber er ist auch Jeverlands grüne Lunge.

Der Forst Upjever ist ein Waldgebiet westlich der Stadt Schortens im Landkreis Friesland. Das ursprünglich mit Eichen und Buchen angelegte Waldgebiet hat heute eine Größe von rund 740 Hektar und entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem Mischwald mit einem hohen Anteil Nadelholzbäumen. Der Wald ist heute ein gefragtes Naherholungsgebiet.


Dass der Wald auch ein Wirtschaftswald ist, das zeigt der ebenfalls bei Forsthaus und Krongutscheune ansässige Verein „Gattersäge Upjever“. Der am 16. November 2005 gegründete Verein „Gattersäge Upjever e. V.“ betreibt im Forst Upjever eine rund 100 Jahre alte Horizontalgattersäge. Neben dem Betrieb der Säge leistet der Verein Bildungsarbeit mit dem Schwerpunkt der Vermittlung der ökonomischen und ökologischen Zusammenhänge sowie des Begriffs der Nachhaltigkeit bei der Waldnutzung.

Vor mehr als zehn Jahren hat das Forstamt Neuenburg im Forst Upjever damit begonnen, die alten Moorgebiete in ihrer ursprünglichen Form wiederherzustellen.

Ein so alter Wald bietet also auch viel Historisches. Neben den Moorflächen so etwa auch die Friedrich-August-Allee und die Jeversche Allee, die Fräulein Maria von Jever im 16. Jahrhundert vom Schloss Jever bis zum Forsthaus in Upjever pflanzen ließ, und die seit kurzem wieder aufgeforstet werden.

Fliegerhorst Upjever:

1934 wurden größere Teile des Forstes für den Bau eines Flugplatzes gerodet. Seit dem 1. Mai 1936 existiert der Fliegerhorst Jever. Er wurde während des Zweiten Weltkrieges von den verschiedenen Einheiten der Luftwaffe und der Wehrmacht genutzt. Nach Kriegsende wurden dort zunächst ehemalige Zwangsarbeiter einquartiert, anschließend wurde der Fliegerhorst von dänischen Einheiten sowie der britischen Royal Air Force genutzt. 1961 wurde der Fliegerhorst dann an die Bundeswehr übergeben, die hier ab 1964 wieder regelmäßigen Flugbetrieb durchführte.

Zum 31. August 2005 wurde das seit 1983 dort stationierte Jagdbombergeschwader 38 „Friesland“ aufgelöst. Am 30. Juni 2006 wurde das Objektschutzbataillon der Luftwaffe aufgelöst und stattdessen das Objektschutzregiment „Friesland“ auf dem Fliegerhorst in Dienst gestellt.

Klosterpark Schortens und die Oestringer Pferdezucht

Die Pferdezucht hat Schortens berühmt gemacht: Im Mittelalter war Schortens Sitz der damals weltberühmten Pferdezucht der Oestringer. Aus dieser Zeit stammt auch das Wappen der Stadt, welches, ähnlich wie das niedersächsische Wappen, ein springendes Pferd enthält.


In jedem Fall war und ist die Stadt Schortens schon immer eng mit der Pferdezucht und damit auch mit dem Reiten verbunden gewesen. Diese enge Verbundenheit spiegelt sich auch am vielfältigen Angebot der Reitplätze und -wege in Schortens wieder.

Die Fläche des Stadtgebietes von Schortens ist 6.890 ha groß und wird mit den Reitwegen im Forst Upjever, dem Moorland und seinen offenen Weiden und Landstrichen dem Reitinteressierten keine Wünsche offen lassen.

Das Kloster Oestringfelde wurde 1175 nach einem Sieg der Östringer über die Rüstringer bei Schakelhave erbaut. Das Kollegiatstift mit Kirche, Wohn- und Nebengebäuden war der heiligen Mutter Maria geweiht und wurde das geistige Zentrum der Landgemeinde Östringen. Hier entstand die sogenannte Östringer Chronik, die einzige mittelalterliche Chronik des Jeverlandes, von der heute nur noch zum Teil abweichende Abschriften erhalten sind. 1272 wurden die Klostergebäude durch einen Brand zerstört. 1323 erfolgte die Grundsteinlegung für den Wehrturm des Klosters, der auch der Landesverteidigung diente. Nach der Pestepidemie um 1350 erhielt der Dominikanerorden in Norden die verlassenen Gebäude zum Aufbau eines Dominikanerinnenklosters und der Turmbau wurde mit Landesmitteln der Östringer vollendet.

Der Klosterpark (vollständiger Name Klosterpark Oestringfelde) ist eine unter Landschaftsschutz stehende alte Parkanlage in der Stadt Schortens im Landkreis Friesland. Die Parkanlage liegt im Westen der Stadt im Stadtteil Oestringfelde und fällt bereits aus der Vogelperspektive durch seine fast runde Struktur auf.

Der Klosterpark hat eine Größe von 8,78 Hektar und ist durch einen Ringgraben und eine parallel dazu verlaufende Wallhecke umgeben. Auf dem Gelände der Parkanlage befinden sich die Klosterruine, genauer gesagt, die Reste des ehemaligen Wehrturms des Klosters Oestringfelde und das Gebäude des RUZ, des Regionalen Umweltzentrums der Stadt Schortens.

Das Kloster wurde 1577 von Graf Johann VII. von Oldenburg aufgehoben und Graf Anton Günter von Oldenburg begann 1609 mit dem Abbruch der Gebäude. Der mächtige Turm stand noch rund 150 Jahre und wurde erst 1769 unter der Herrschaft von Friedrich August von Anhalt-Zerbst abgebrochen.

Sankt Stephanus in Schortens und Sankt Florian in Sillenstede
Zwei der bedeutendsten friesischen Kirchen

Sankt Stephanus in Schortens wurde von 1153 bis 1168 auf einer künstlichen Warft erbaut und ist die älteste sicher datierbare Steinkirche auf der ostfriesischen Halbinsel.


Das alte Dorf Schortens liegt hochwassersicher auf einem eiszeitlichen Geestrücken. Nicht weit von der Kirche entfernt wurde ein vom 6. bis zum 12. Jahrhundert belegtes Gräberfeld ausgegraben, das ungefährdet ohne jede künstliche Erhöhung im gewachsenen Boden liegt.

Dass die St.-Stephanus-Kirche trotzdem auf einer hohen Warft steht, ist einzig dem Verlangen der Oestringer, der hier ansässigen Friesen, zuzuschreiben, das Gebäude weithin sichtbar zu machen, das sie bald nach 1153 aus Stolz auf einen Sieg über ein überlegenes sächsisches Heer errichtet haben. Bis dahin besaßen die Schortenser keine eigene Kirche.

Nach den bis dahin üblichen Holzkirchen erbauten die Oestringer die erste steinerne Kirche auf der Ostfriesischen Halbinsel – aus Granitfindlingen von der heimischen Geest sowie Tuff aus der Eifel, der auf dem Wasserweg hertransportiert wurde. Das massive, 2 m breite Granit-Fundament, das im Baufortschritt von allen Seiten mit Sand und Heideplaggen angeworfen wurde, bildet den Kern der wirklich einmaligen, 4,50 m hohen Warft.

Die St.-Stephanus-Kirche wurde aus – hier erstmals verwendeten – Granitquadern und aus Tuffstein erbaut, den die Händler aus der Eifel mitbrachten, wenn sie ihre Waren zu Schiff in Köln verkauft hatten. Geweiht wurde sie dem heiligen Stephanus, dem ersten christlichen Märtyrer, von dem Kloster Rastede Reliquien besaß.

1361 ließ der Häuptling Keno I. tom Brok im Verlaufe einer Fehde die Nordwand unterminieren, die daraufhin einstürzte. Außerdem wurde das Reetdach mit dem hölzernen Dachstuhl angezündet. In einer Chronik heißt es: „Anno 1361 was Schortenser Kerke gebrennt van Juncker Keno uth Brockmerland unnd sinenn volcke.“ Tom Brook hat sie aber nur angezündet, nicht verbrannt, denn die Südseite ist in der alten Gestalt aus Granit und Tuff weitgehend erhalten geblieben. Nach dem Einsturz im 14. Jahrhundert wurde die Nordwand in uneinheitlicher Weise mit Tuff, Granit, Sandstein und Backstein erneuert, das Rundbogenportal zugemauert und die zerstörte Apsis neu aufgemauert.

Wir sehen hier auch die sog. Wetzrillen. Wetzrillen, auch Teufelskrallen genannt - Es gibt zahlreiche Erklärungen (Erklärungsversuche) für diese Wetzrillen, vom Schärfen von Waffen (sog. Weiheschliff) oder Werkzeugen bis zur Gewinnung von Steinpulver für abergläubische oder volksmedizinische Zwecke.

Diese Rillen findet man im europäischen Bereich an mittelalterlichen Friedhofsmauern, Kirchen, Kreuzen oder Rechtsaltertümern (Gerichtsgebäude, Grenzstein, Pranger) zumeist im Außenbereich und in Bodennähe.

Es gibt aber auch eine profane Erklärung: Im Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert vor der Einführung der Zündhölzer wurde mit Feuerstahl Feuer gemacht. Am Sandstein der Kirchen schlug man damit Funken, die zusammen mit Zunder entflammt wurden. So entzündeten die Kirchgänger ihre Laternen für den Heimweg.

Mit Sankt Florian in Sillenstede verfügt Schortens auch über die größte Granitquaderkirche Frieslands.

Die heutige evangelisch-lutherische St.-Florian-Kirche wurde im Jahre 1233 fertiggestellt. Sie ist mit 48 m Länge die größte und bedeutendste Granitquaderkirche Frieslands. Die Kirche wurde St. Florian, dem Schutzpatron in Feuers- und Wassernot, geweiht. Wie in zahlreichen lutherischen Gemeinden Nordwestdeutschlands findet sich auf dem Kirchendach anstelle eines Wetterhahnes ein Schwan, der im christlichen Kontext als Symbol für den Reformator Martin Luther gedeutet wird. In der seit der Reformation protestantischen Kirche befindet sich ein Taufstein aus dem Jahre 1250, einer der ältesten und wertvollsten Taufsteine im Oldenburger Land. Der Passionsaltar von 1515/1520 ist aus Eichenholz geschnitzt und zeigt die Leidensgeschichte Jesu Christi in 13 Bildern. Ein weiteres Prunkstück ist die Johann-Adam-Berner-Orgel aus dem Jahre 1757.



Dienstag, 4. Juli 2023

Urlaub in Sillenstede

"Frieslands schönstes Dorf", das nimmt unser Urlaubsort Sillenstede für sich in Anspruch. Nicht zu Unrecht. Am östlichen Rand des Geestkernes der ostfriesischen Halbinsel, liegt der Ort Sillenstede auf einem Geestausläufer zwischen Jever und Wilhelmshaven. Südlich des Geestausläufers befinden sich die Marschbucht und anmoorige Niederungen mit der Maade und nördlich befindet sich die bis nach Jever reichende verlandete Meeresbucht mit ihren Prielsystemen. Der Ort, an den die alten Priele heranführten, hatte nicht zuletzt durch diese Meeresanbindung im Mittelalter für das Wirtschafts- und Handelsgeschehen der Region eine wichtige Bedeutung.

Fahrt in den Urlaub an der Nordsee (im Jahr 2019), nach Sillenstede (Stadt Schortens in Friesland). Wir fahren immer am Sonntag, weil dann auf den Autobahnen weniger (bis gar keine) LKW unterwegs sind. Deshalb achten wir immer darauf, eine Unterkunft zu kriegen, bei der nicht der Bettenwechsel nur samstags möglich ist. Auch achten wir darauf, nicht zu Zeiten zu fahren, in denen Beginn oder Ende der Schulferien ist, um Urlaubsreiseverkehr zu vermeiden.


2018 hatten wir etwas Pech gehabt: Tadellos durch Rheinland-Pfalz gekommen, aber ab Bonn war der Teufel los. NRW hatte Ferienbeginn (hatten wir nicht drauf geachtet). Die ganze A1 nur Baustellen und Staus. Wir haben 8 1/2 Stunden gebraucht.

2017 und 2018 war das unser Weg an die Nordsee: Von Walshausen die A8 bis Kreuz Saarbrücken, dann die A1 bis Dreieck Vulkaneifel, ab dort die A48 bis Kreuz Koblenz und dort auf die A61.

2019 haben wir dann die Strecke über die A63 entdeckt, die viel angenehmer zu fahren ist (und auch kürzer). Beim Dreieck Kaiserslautern von der A6 auf die A63 und beim Kreuz Alzey auf die A61.

Das Autobahnkreuz Alzey (kurz: Kreuz Alzey) verbindet die beiden Autobahnen BAB A 61 (Anschlussstellen-Nr. 54) und BAB A 63 (Anschlussstellen-Nr. 8) nördlich der rheinhessischen Weinstadt Alzey miteinander.

Autobahndreieck Erfttal - Das Autobahndreieck Erfttal ist ein Autobahndreieck in Nordrhein-Westfalen, das sich südwestlich von Köln befindet. Hier zweigt die Autobahn 61 in Richtung Mönchengladbach von der Autobahn 1 ab. Das Autobahndreieck Erfttal beschließt den Teil der A1 ab dem Autobahnkreuz Bliesheim, der auf einer Trasse zusammen mit der A 61 verläuft. Folgt man der A 1 in Richtung Köln, so überquert man zuerst die Erft, bevor man den Naturpark Rheinland im Bereich Ville erreicht.

Auf der A1 - Tunnel bei Köln-Lövenich: Der A1-Tunnel am Autobahnkreuz Köln-West mit seinen sechs Fahrstreifen ist seit Anfang 2013 befahrbar. Er ist rund 1,5 Kilometer lang und hat den Staat 200 Millionen Euro gekostet. Die Lärmschutzeinhausung Lövenich, auch Tunnel Lövenich oder Autobahntunnel Köln Lövenich oder auch Einhausung Lövenich genannt, ist eine 1500 Meter lange Lärmschutz-Einhausung der A1 im Stadtgebiet Köln. Sie wurde in einer Stahl-Glas-Konstruktion ausgeführt, die in siebenjähriger Bauzeit als Pilotprojekt errichtet wurde.

Die Einhausung ist 1500 Meter lang, 38 Meter breit und besteht aus zwei Tunnelröhren mit jeweils drei Fahrspuren pro Fahrtrichtung. Die verglaste Oberfläche beträgt 30.000 m², mit rund 20.000 einzelnen Glasscheiben. Insgesamt besteht die Lärmschutzeinhausung aus drei Betonwänden mit rund 4,5 m lichter Höhe, je eine an den Fahrbahnseiten und eine auf dem Mittelstreifen. Sie beinhaltet 1500 jeweils 2,5 Tonnen schwere Fensterelemente, die als Rauch und Wärmeabzugsanlage fungieren und über elektrische Zahnstangenantriebe verstellbar sind.

Der Streckenabschnitt wird täglich von rund 130.000 Fahrzeugen frequentiert. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit ist auf 80 Kilometer pro Stunde begrenzt.


Nach Ankunft gibt es erstmal einen schönen Kaffee ...
... und eine genüßliche Zigarette auf dem Balkon.
Zum Abendessen geht es dann nach Schortens in die Trattoria (einkaufen kann man ja am Sonntag nicht).


Am Montagmorgen geht es dann erneut nach Schortens-Heidmühle.


Unser Ziel ist Fisch & Feinkost Flebbe in der Menkestraße, wo wir nicht nur immer Fischbrötchen mit Doppelmatjes frühstücken, sondern auch Fisch fürs Abendessen einkaufen.


Unterwegs passieren wir unser quasi Schortenser "Zweitquartier", (z.B. für ein verlängertes Wochenende) - Wenn es nur ein paar Tage sind und sich das Anmieten einer Ferienwohnung nicht lohnt.


Ich breche mal eine Lanze für ein preiswertes Hotel - Wenn wir ein paar Tage in Schortens sind, dann quartieren wir uns nun schon seit Jahren im "Hotel am Bahnhof " ein. Einfach, keine Sterne, die klassische Unterkunft etwa für Monteure und Vertreter. Kein Schnickschnack. Schnörkellos. Aber preiswert. Das Frühstück reichhaltig und gut. Und die Zimmer: Kein Luxus, aber durchaus zum dort aufhalten. Da haben wir in Drei-Sterne.Häusern schon bedeutend schlechter logiert, in teuren und kleinen Zimmern.

Bäckerei und Konditorei Ulfers Eden in Sillenstede - Hier gibt es manchmal ein köstliches Trester-Brot aus der Maische des Friesischen Brauhauses zu Jever. Und hier gibt es leckere Kuchen und auch die "Jever'schen Leidenschaften", ein Feingebäck. Und Zeitungen kann man auch erwerben.


Echte Leidenschaft. Jever'sche Leidenschaften:

„Good backen – good snacken“ lautet das Motto der handwerklichen Bäckerei und Konditorei aus dem friesischen Jever. Ulfers/Eden, entstanden aus zwei traditionsreichen Bäckerei- und Konditoreibetrieben, ist alleiniger Hersteller der markenrechtlich geschützten Spezialität „Echte Leidenschaften“, die von Jever aus in alle Welt versandt wird.

Die feinen, leicht gezuckerten Blätterbrezeln werden einzeln von Hand geschlungen. Jeversche Leidenschaften sind ein traditionelles ostfriesisches Teegebäck aus Weizenmehl. Wie in seinem gesamten Sortiment legt Bäckermeister und Konditor Thomas Ulfers Wert auf die Qualität und Herkunft der eingesetzten Rohstoffe und verzichtet auf industriell gefertigte Vor- und Fertigmischungen.

Die Windmühle von Sillenstede (Schortens) - Die in Privatbesitz (bewohnt) befindliche Mühle liegt an der Niedersächsischen Mühlenstraße. Sie ist gleichwohl im Ort nur schwer zu finden, denn sie liegt versteckt (von außerhalb des Dorfes sieht man sie gut) und ist nicht ausgeschildert. Vor 150 Jahren war die Sillensteder Mühle markantes Gebäude im Ort. Inzwischen liegt sie etwas versteckt – ringsherum ist eine Wohnsiedlung entstanden.


Die Mühle wurde 1862 errichtet. Erstes Zeugnis davon legt eine alte Anzeige in einer Tageszeitung vom 8. April 1872 ab. Darin gibt Friedrich Peters Oelrichs als Erbauer bekannt, dass er die Zimmerarbeiten zum Bau einer neuen Windmühle bei Sillenstede zur „Ausverdingung“ aufsetzen wird.

Unter Ausverdingung verstand man zu jener Zeit eine öffentliche Ausschreibung von Baumaßnahmen. Die Vergabe der Arbeiten sollte danach am 19. April 1862 ab „2 Uhr nachmittags“ in H. E. Frerichs Wirtshaus erfolgen, wozu qualifizierte Annehmer eingeladen wurden.

Die Aktion muss wohl von Erfolg gekrönt gewesen sein, auch wenn davon keine Nachricht überliefert ist, denn am 8. Mai wird durch eine weitere Anzeige bekannt gemacht, dass die Anfuhr der erforderlichen 80 000 Steine von Siebethshaus nach Sillenstede „unter der Hand“ vergeben werden soll. Schließen kann man daraus, dass im Sommer 1862 die Mühle gebaut wurde, denn am 10. Oktober 1862 zeigt Friedrich Peters Oelrichs öffentlich an, dass er die Lieferung von 2400 festen Moorsoden und bedeutende Erdarbeiten bei der neuen Mühle ausverdingen will.

Zu diesem Zeitpunkt muss die Windmühle bereits betriebsbereit gewesen sein. Der Standort an der „Osterpiep“ lag seinerzeit noch außerhalb des bebauten Ortsbereichs, so dass noch keine Gebäude den Wind be­einträchtigten – die Ortsnähe war jedoch wichtig.

Im alten „Jückenregister“ der Gemeinde Sillenstede sind in dieser Zeit ein Wohnhaus und die Windmühle aufgeführt. Das Jückenregister ist ein Vorgänger des heutigen Grundbuchs. Somit muss mit der Windmühle gleichzeitig ein Müllerhaus entstanden sein.

Allerdings wird der Erbauer wohl nicht lange Freude an seiner Mühle gehabt haben. Das Jückenregister berichtet nämlich auch, dass die Erben des Friedrich Peters Oelrichs die Mühle bereits im Jahr 1867 an den Müller Johann Hermann Eilks verkauft haben.

Der neue Müller der Sillensteder Mühle war eine seinerzeit bekannte Person im Ort. Er bekleidete von 1895 bis 1910 auch das Amt des Gemeindevorstehers in Sillenstede. Dieses Amt entspricht in etwa der Funktion eines heutigen Bürgermeisters – Eilks muss dieses Amt mit viel Engagement ausgeführt haben. So wurden in seiner Amtszeit die ersten kommunalen Straßenbauten im Ort geplant und ausgeführt. Als Eigentümer der Sillen­steder Windmühle folgen im Jahr 1912 dann Friedrich St. Eilks, im Jahr 1919 dessen Witwe Gesine, geborene Tjarks, und später eine Erbengemeinschaft der Familie Eilks.

Der Mühlenbesitz ging schließlich im Jahr 1928 an den Müller Meent Hinrich Meents über, der alten Sillen­steder Bürgern noch in guter Erinnerung ist. Um 1950 führte er die Feinmüllerei ein und produzierte in der Mühle kleie­freies Mehl für die Backwarenproduktion. Bald darauf ließ er das Windwerk abnehmen und in den Stumpf eine Motormühle einbauen.

Die allgemeine Entwicklung machte auch vor der Sillensteder Mühle nicht hat. Im Jahre 1964 musste der Mühlenbetrieb aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt werden. Der neue Pächter richtet in der Mühle einen Landhandel ein. Die Eigentümer des Anwesens haben danach noch zweimal gewechselt, bis 1978 die Familie Schmitz aus Bottrop im Ruhrgebiet den Besitz übernahm. Die Mühle wurde gründlich renoviert, Mühlenkopf und Windrose erneuert, Segelgatterflügel montiert und das Objekt zu Wohnzwecken umgebaut, ohne dass die äußere Gestaltung beeinträchtigt wurde.

Die Arbeiten waren 1999 beendet. So ist die Sillensteder Windmühle als imposantes Bauwerk bis heute erhalten. Ringsherum sind im Lauf der Jahre viele Wohnhäuser entstanden.

Sankt Florian in Sillenstede (2017 im Lutherjahr)

St.-Florian ist die größte und zugleich besterhaltene friesische Granitquaderkirche aus romanischer Zeit. Das Granitquaderwerk ist auf beiden Langseiten und der Apsis vollkommen erhalten. Hoch auf einer Warf stehend, ist sie Zufluchtsort bei Sturmfluten gewesen, daher der Namensheilige St. Florian - ein Märtyrer um 300 n. Chr. aus Oberösterreich, Schutzheiliger in Feuers- und Wassernot.


Zum Kirchspiel Sillenstede gehörten im 12. Jahrhundert etwa 50 Bauernhöfe. Diese Familien haben durch eine beispielhafte Opferbereitschaft diese Kirche bauen lassen, um einen Raum zu haben in dem sie zusammenkommen konnten, um ihren christlichen Glauben und die Gemeinschaft stärken zu lassen. Dem Kirchspiel gaben sie damit einen Mittelpunkt, zu dem sie fliehen konnten bei Überschwemmungen und Sturmfluten; es war der Ort, an dem sie sicher waren.

Die Kirche mit einer Länge von 48 m, einer Breite von 13 m und einer Mauerhöhe von nahezu 11 m stellt einen Höhepunkt in der baulichen Entwicklung der Granitquaderkirchen im Jeverland dar. Das Baumaterial lieferten Findlinge, die von den Gletschern der Eiszeiten in großen Mengen ins norddeutsche Moränengebiet geschoben wurden. Die Findlinge stammen wohl aus der hiesigen Geest. Sie wurden zum Bauplatz transportiert und vor Ort gespalten, um so wenigstens eine glatte Außenfläche zu bekommen. Die beschlagenen Steine, die bis zu 1.70 m lang sind, setzte man in Schalenbauweise über- und nebeneinander, so daß zunächst die Außen- und Innenwände errichtet wurden, dann füllte man den Zwischenraum mit Steinabfall und Muschelkalk. Die Mauerstärke beträgt etwa 1,40 m. Dokumente aus dem 16. Jh. berichten, daß im Laufe der Zeit 80 Eisenanker eingezogen werden mußten, um das Ausbrechen der Granitquader in der Außenmauer zu verhindern. Die Eisenanker und schmucklose Portale zieren die Wände, die nur durch die hochgelegenen Fenster (romanische Stileigenheit) unterbrochen werden.

Ursprünglich hatte die Kirche ein niedriges Reitdach, die Backsteingiebel sind später in der Gotik hochgezogen worden.

Der Altar wurde 1515/20 geschaffen. Es handelt sich um eine Schnitzarbeit eines flämischen Meisters, der nach Vorlagen u.a. von Lukas Cranach die Passion Jesu Christi darstellt. Der Bischof oben im roten Gewand stellt Ansgar dar, der ein Modell des Bremer Doms in der Hand hält. Damals gehörte Sillenstede zum Bistum Bremen.

Der Altar lässt sich auf der gesamten Fläche wandeln. Zu sehen sind dann statt der Passion große Gemälde der 4 Evangelisten. Diese Ansicht wurde 1645, zur Zeit des Magisters Conrad Wagners, geschaffen, der direkt vor dem Altar beigesetzt wurde.

Die Johann-Adam-Berner-Orgel wurde 1757 fertig gestellt und überzeugt auch heute noch mit ihrem schönen Klang. Ein Großteil der ursprünglichen Pfeifen ist noch erhalten.



Freitag, 28. Mai 2021

Vorgestellt: Sillenstede


Seit 1972 gehört der Ortsteil Sillenstede der Gemeinde Schortens an. Es wohnen dort ca. 2.129 Einwohner. Im Vatikanischen Archiv wurde der Ort erstmals 1183 erwähnt. Dort hieß er noch Celensteda. Bis es zum entgültigem Ortsnamen „Sillenstede“ kam, hatte der Ort noch drei weitere Bezeichnungen: Zelanstede, Szelinstede und Tzillenstede. Das Gebiet wurde erstmals am Ende der letzten Eiszeit etwa 8000 v. Chr. besiedelt.

Unsere Ferienwohnung in Sillenstede /Schortens / Friesland / Niedersachsen / Nordsee (2017, 2018, 2019 und 2020) - Impressionen:


Impressionen unserer Anreise nach Sillenstede in Friesland


Wir reisen immer sonntags an, weil da weniger Verkehr ist. Einkaufen kann man dann nichts mehr, also geht es zum Abendessen in die Trattoria in Schortens (außer 2020, da haben wir den Rest unserer belegten Brote gefuttert).


2020 war ohnehin vieles anders. Schon die Anreise stand ganz im Zeichen von Corona.


Ein Ortsportät von Frieslands schönstem Dorf:


Die Windmühle (Osterpiep 7) ist nicht leicht zu finden. 1862 ließ Friedrich Peter Oelrichs die Holländerwindmühle errichten. Sie war eingeschossig mit reetverkleidetem Oberteil. Als Oelrichs 1867 starb, verkauften seine Erben den Mühlenbesitz an Johann Hermann Eilks, der von 1895 bis 1910 Vorsteher der Gemeinde Sillenstede war. Der Achskopf trägt noch heute die Initialen J.H.E. 1891. Bis 1928 blieb das Anwesen im Eigentum der Familie Eilks, danach übernahm der Müller Meent Hinrich Meents den Mühlenbetrieb. Um 1950 führte er die Feinmüllerei ein (Herstellung von kleiefreiem Mehl für die Backwarenproduktion). 1953 ließ er das Windwerk abnehmen und in den Stumpf eine Motormühle einbauen. 1964 beendete Meents nach 36 Jahren seine Müllerzeit. Ein Pächter richtete in der Mühle einen Landhandel ein. Ab 1978 wechselte die Mühle noch zweimal den Eigentümer. Dann fand sich mit Franz Schmitz aus Bottrop ein Mühlenliebhaber, der die Instandsetzung in Angriff nahm. Die Reetverkleidung des Oberteils wurde erst durch Schindeln, später durch eine Kupferabdeckung mit Reet an den Achtkantecken ersetzt; Mühlenkopf und Windrose wurden erneuert; neue Segelgatterflügel wurden montiert. Da die Mühle bis zur Höhe der Galerie einen angebauten, verbreiterten Unterbau besitzt, bot es sich an, sie zu Wohnzwecken umzunutzen, ohne das Gesamtbild zu beeinträchtigen. Die Arbeiten waren 1999 beendet. Der Mühlenkopf ist funktionsfähig.

Sankt Florian in Sillenstede ist mit 48 Metern Länge Frieslands älteste (Fertigstellung 1233) und größte Granitquaderkirche. Die Kirche wurde St. Florian, dem Schutzpatron in Feuers- und Wassernot, geweiht. In der seit der Reformation protestantischen Kirche befindet sich ein Taufstein aus dem Jahre 1250, einer der ältesten und wertvollsten Taufsteine im Oldenburger Land. Der Passionsaltar von 1515/1520 ist aus Eichenholz geschnitzt und zeigt die Leidensgeschichte Jesu Christi in 13 Bildern. Ein Prunkstück ist die Johann Adam Berner-Orgel aus dem Jahre 1757. Trotz deutlicher Erweiterung hat sie ihren ursprünglichen Klang erhalten. Zwölf der heute 21 Register sind ursprünglich. Die Berner-Orgel steht im Mittelpunkt einer Orgelkonzertreihe, die jährlich vom Anfang Juni bis Mitte September an jedem Samstag ein Orgelkonzert anbietet.

Hofgut Connhausen (Sillenstede Schortens), auf dem Weg nach Fedderwarden. Hier stand mal eine Burg Connhausen, die 1387 zerstört worden ist.


Mittwoch, 17. Juli 2019

Frieslands schönstes Dorf: Sillenstede

Sillenstede ist ein Stadtteil der Stadt Schortens im Landkreis Friesland. Seit 1972 gehört der Ortsteil Sillenstede der Gemeinde Schortens an. Es wohnen dort ca. 2.129 Einwohner. Im Vatikanischen Archiv wurde der Ort erstmals 1183 erwähnt. Dort hieß er noch Celensteda. Bis es zum entgültigem Ortsnamen „Sillenstede“ kam, hatte der Ort noch drei weitere Bezeichnungen: Zelanstede, Szelinstede und Tzillenstede. Das Gebiet wurde erstmals am Ende der letzten Eiszeit etwa 8000 v. Chr. besiedelt.

Sillenstede - das heißt dörfliche Idylle in der Gemeinde Schortens. Wenn schönste Dörfer in Friesland gesucht werden, ist dieser Ortsteil immer dabei.

Sillenstede istt seit 2017 unser "Basislager" für unsere Urlaube an der Nordsee.

So auch wieder 2019. Uns seit 2017 haben wir wiederum Quartier bezogen in der wie für uns maßgeschneiderten Ferienwohnung von Frau Alexa Bingemer.

Beginnen wir unseren kleinen Bericht über "unser" friesisches Dorf der Chronologie entsprechend mit der Anreise von Pirmasens in der Südwestpfalz.


Unsere Ferienwohnung - ein paar Impressionen:


Die St.-Florian-Kirche ist eine evangelisch-lutherische Kirche im Ortsteil Sillenstede der Stadt Schortens im Landkreis Friesland. Sie ist mit 48 Meter Länge die größte und bedeutendste Granitquaderkirche Frieslands.


Die St. Florian Kirche wurde 1233 errichtet und bot durch die dicke Granitquadermauer ausreichend Schutz vor Sturmfluten. Benannt wurde die Kirche nach dem Schutzheiligen in Feuers- und Wassernot.

Ein Prunkstück ist die Johann-Adam-Berner-Orgel aus dem Jahre 1757. Trotz deutlicher Erweiterung hat sie ihren ursprünglichen Klang erhalten. Zwölf der heute 21 Register sind ursprünglich. Die Berner-Orgel steht im Mittelpunkt einer Orgelkonzertreihe, die jährlich vom Anfang Juni bis Mitte September an jedem Samstag ein Orgelkonzert anbietet.

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die in Privatbesitz befindliche Windmühle.


Bäckerei in Sillenstede


Fahrt durch Sillenstede:


Von Sillenstede nach Fedderwarden - Streetview - Eine Kopfsteinpflasterstraße verbindet die beiden Orte.


Unterwegs passiert man das Hofgut Connhausen.


Unser Urlaubswetter dieses Jahr. Ja, es hat wirklich jeden Tag irgendwann mal geregnet.


Und - last but not least - auch ein paar Impressionen unserer Rückreise:


Von unserer Rückreise von Friesland in die Pfalz haben wir auch ein paar filmische Impressionen festgehalten.



Samstag, 29. Juni 2019

Sillenstede (Stadt Schortens), Friesland


Sillenstede ist ein Stadtteil der Stadt Schortens im Landkreis Friesland, in Niedersachsen. Die einst eigenständige Gemeinde wurde im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen 1972 der Gemeinde Schortens zugeschlagen. Schortens ist seit Januar 2005 eine Stadt. Sillenstede wurde 1138 erstmals als Celensteda in einem Dokument des Vatikanischen Archives erwähnt. Über die Abwandlungen Zelansteda (1350), Szelinstede (1354), Tzillenstede (1438) entwickelte sich der Namen zu Sillenstede.


Sillenstede (Stadt Schortens) im Landkreis Friesland, bezeichnet sich als Frieslands schönstes Dorf.

Am östlichen Rand des Geestkernes der ostfriesischen Halbinsel, liegt der Ort Sillenstede auf einem Geestausläufer zwischen Jever und Wilhelmshaven. Südlich des Geestausläufers befinden sich die Marschbucht und anmoorige Niederungen mit der Maade und nördlich befindet sich die bis nach Jever reichende verlandete Meeresbucht mit ihren Prielsystemen. Der Ort, an den die alten Priele heranführten, hatte nicht zuletzt durch diese Meeresanbindung im Mittelalter für das Wirtschafts- und Handelsgeschehen der Region eine wichtige Bedeutung. Das zeigt sich noch heute an der monumentalen romanischen Granitquaderkirche, die mit ihren großen Ausmaßen weithin das Siedlungsbild bestimmt.

Sankt Florian

Die St.-Florian-Kirche ist eine evangelisch-lutherische Kirche im Ortsteil Sillenstede der Stadt Schortens im Landkreis Friesland. Sie ist mit 44 Meter Länge die größte und bedeutendste Granitquaderkirche Frieslands.


St.-Florian ist die größte und zugleich besterhaltene friesische Granitquaderkirche aus romanischer Zeit. Das Granitquaderwerk ist auf beiden Langseiten und der Apsis vollkommen erhalten. Hoch auf einer Warf stehend, ist sie Zufluchtsort bei Sturmfluten gewesen, daher der Namensheilige St. Florian - ein Märtyrer um 300 n. Chr. aus Oberösterreich, Schutzheiliger in Feuers- und Wassernot. Die Kirche mit einer Länge von 48 m, einer Breite von 13 m und einer Mauerhöhe von nahezu 11 m stellt einen Höhepunkt in der baulichen Entwicklung der Granitquaderkirchen im Jeverland dar. Das Baumaterial lieferten Findlinge, die von den Gletschern der Eiszeiten in großen Mengen ins norddeutsche Moränengebiet geschoben wurden. Die Findlinge stammen wohl aus der hiesigen Geest. Sie wurden zum Bauplatz transportiert und vor Ort gespalten, um so wenigstens eine glatte Außenfläche zu bekommen. Die beschlagenen Steine, die bis zu 1.70 m lang sind, setzte man in Schalenbauweise über- und nebeneinander, so daß zunächst die Außen- und Innenwände errichtet wurden, dann füllte man den Zwischenraum mit Steinabfall und Muschelkalk. Die Mauerstärke beträgt etwa 1,40 m. Dokumente aus dem 16. Jh. berichten, daß im Laufe der Zeit 80 Eisenanker eingezogen werden mußten, um das Ausbrechen der Granitquader in der Außenmauer zu verhindern. Die Eisenanker und schmucklose Portale zieren die Wände, die nur durch die hochgelegenen Fenster (romanische Stileigenheit) unterbrochen werden. Ursprünglich hatte die Kirche ein niedriges Reitdach, die Backsteingiebel sind später in der Gotik hochgezogen worden.

Der Taufstein wurde um 1250 in münsterschen Werkstätten aus Sandstein von den Baumbergen bei Münster hergestellt. Er ist einer der ältesten und wertvollsten Taufsteine im Oldenburger Land - ein besonders schönes Beispiel romanischer Steinmetzkunst - so daß man annehmen kann, daß Meister aus Brabant ihn gearbeitet haben. In sicher herausgearbeiteten Reliefs erscheinen vor der mit Quadraten und einbeschriebenen Vierpässen ornamentierten Wand die Heiligen Drei Könige in höfischer Gemessenheit mit ihren Gaben, Maria mit dem Jesuskind, die Taufe im Jordan mit Johannes, die Kreuzigung und Christus in der Vorhölle.

Der Altar wurde 1515/20 geschaffen. Es handelt sich um eine Schnitzarbeit eines flämischen Meisters, der nach Vorlagen u.a. von Lukas Cranach die Passion Jesu Christi darstellt. Der Bischof oben im roten Gewand stellt Ansgar dar, der ein Modell des Bremer Doms in der Hand hält. Damals gehörte Sillenstede zum Bistum Bremen. Der Altar lässt sich auf der gesamten Fläche wandeln. Zu sehen sind dann statt der Passion große Gemälde der 4 Evangelisten. Diese Ansicht wurde 1645, zur Zeit des Magisters Conrad Wagners, geschaffen, der direkt vor dem Altar beigesetzt ist.

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die 1862 erbaute Holländerwindmühle, die sich in einem Wohngebiet zwischen der Mühlenstraße und der Georg-Janßen-Straße befindet. Der Mühlenbetrieb wurde 1964 aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Danach diente sie zunächst als Standort für einen Landhandel, bevor sie dann 1978 in Privatbesitz kam und zu Wohnzwecken umgebaut wurde, ohne dass das äußere Erscheinungsbild darunter leiden musste.


Die alte historische Windmühle ist neben der alt-ehrwürdigen St. Florians-Kirche ein markantes Zeichen des Ortes Sillenstede. Die Mühle wurde 2013 150 Jahre alt. Demnach wurde die Mühle 1862 errichtet. Erstes Zeugnis davon legt eine alte Anzeige in einer Tageszeitung vom 8. April 1872 ab. Darin gibt Friedrich Peters Oelrichs als Erbauer bekannt, dass er die Zimmerarbeiten zum Bau einer neuen Windmühle bei Sillenstede zur „Ausverdingung“ aufsetzen wird. Unter Ausverdingung verstand man zu jener Zeit eine öffentliche Ausschreibung von Baumaßnahmen. Der Standort an der „Osterpiep“ lag seinerzeit noch außerhalb des bebauten Ortsbereichs, so dass noch keine Gebäude den Wind be­einträchtigten – die Ortsnähe war jedoch wichtig. Im alten „Jückenregister“ der Gemeinde Sillenstede sind in dieser Zeit ein Wohnhaus und die Windmühle aufgeführt. Das Jückenregister ist ein Vorgänger des heutigen Grundbuchs. Somit muss mit der Windmühle gleichzeitig ein Müllerhaus entstanden sein.

Von Sillenstede nach Fedderwarden

Eine Kopfsteinpflasterstraße verbindet die beiden Orte.


Diese Kopfsteinplasterstrecke bei Regen zu fahren erfordert starke Nerven.


Auf dem Weg nach Fedderwarden kommt man am Hofgut Connhausen vorbei.





Freitag, 6. Oktober 2017

Sillenstede


In diesem Sommer hatten wir uns für unseren Nordseeurlaub in Sillenstede einquartiert, einem Ortsteil von Schortens im Landkreis Friesland. Und zwar hier: http://fewo-bingemer.chapso.de/


Lutherische Kirche Sankt Florian in Sillenstede

Die heutige evangelisch-lutherische St.-Florian-Kirche wurde im Jahre 1233 fertiggestellt. Sie ist mit 48 m Länge die größte und bedeutendste Granitquaderkirche Frieslands. Die Kirche wurde St. Florian, dem Schutzpatron in Feuers- und Wassernot, geweiht. Wie in zahlreichen lutherischen Gemeinden Nordwestdeutschlands findet sich auf dem Kirchendach anstelle eines Wetterhahnes ein Schwan, der im christlichen Kontext als Symbol für den Reformator Martin Luther gedeutet wird. In der seit der Reformation protestantischen Kirche befindet sich ein Taufstein aus dem Jahre 1250, einer der ältesten und wertvollsten Taufsteine im Oldenburger Land. Der Passionsaltar von 1515/1520 ist aus Eichenholz geschnitzt und zeigt die Leidensgeschichte Jesu Christi in 13 Bildern. Ein weiteres Prunkstück ist die Johann-Adam-Berner-Orgel aus dem Jahre 1757.


  
Allee von Sillenstede nach Fedderwarden


Unser Stammlokal: Die Trattoria in Schortens.