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Sonntag, 17. September 2023

Was nicht jeder von Schortens weiß

Forst und Forsthaus Upjever

p Der Forst Upjever, um 1535 von Jevers Herrscherin Fräulein Maria gegründet, ist mit seinen heute 750 Hektar zu weiten Teilen ein Wirtschaftswald, dessen Böden Nutzen bringen sollen, aber er ist auch Jeverlands grüne Lunge.

Der Forst Upjever ist ein Waldgebiet westlich der Stadt Schortens im Landkreis Friesland. Das ursprünglich mit Eichen und Buchen angelegte Waldgebiet hat heute eine Größe von rund 740 Hektar und entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem Mischwald mit einem hohen Anteil Nadelholzbäumen. Der Wald ist heute ein gefragtes Naherholungsgebiet.


Dass der Wald auch ein Wirtschaftswald ist, das zeigt der ebenfalls bei Forsthaus und Krongutscheune ansässige Verein „Gattersäge Upjever“. Der am 16. November 2005 gegründete Verein „Gattersäge Upjever e. V.“ betreibt im Forst Upjever eine rund 100 Jahre alte Horizontalgattersäge. Neben dem Betrieb der Säge leistet der Verein Bildungsarbeit mit dem Schwerpunkt der Vermittlung der ökonomischen und ökologischen Zusammenhänge sowie des Begriffs der Nachhaltigkeit bei der Waldnutzung.

Vor mehr als zehn Jahren hat das Forstamt Neuenburg im Forst Upjever damit begonnen, die alten Moorgebiete in ihrer ursprünglichen Form wiederherzustellen.

Ein so alter Wald bietet also auch viel Historisches. Neben den Moorflächen so etwa auch die Friedrich-August-Allee und die Jeversche Allee, die Fräulein Maria von Jever im 16. Jahrhundert vom Schloss Jever bis zum Forsthaus in Upjever pflanzen ließ, und die seit kurzem wieder aufgeforstet werden.

Fliegerhorst Upjever:

1934 wurden größere Teile des Forstes für den Bau eines Flugplatzes gerodet. Seit dem 1. Mai 1936 existiert der Fliegerhorst Jever. Er wurde während des Zweiten Weltkrieges von den verschiedenen Einheiten der Luftwaffe und der Wehrmacht genutzt. Nach Kriegsende wurden dort zunächst ehemalige Zwangsarbeiter einquartiert, anschließend wurde der Fliegerhorst von dänischen Einheiten sowie der britischen Royal Air Force genutzt. 1961 wurde der Fliegerhorst dann an die Bundeswehr übergeben, die hier ab 1964 wieder regelmäßigen Flugbetrieb durchführte.

Zum 31. August 2005 wurde das seit 1983 dort stationierte Jagdbombergeschwader 38 „Friesland“ aufgelöst. Am 30. Juni 2006 wurde das Objektschutzbataillon der Luftwaffe aufgelöst und stattdessen das Objektschutzregiment „Friesland“ auf dem Fliegerhorst in Dienst gestellt.

Klosterpark Schortens und die Oestringer Pferdezucht

Die Pferdezucht hat Schortens berühmt gemacht: Im Mittelalter war Schortens Sitz der damals weltberühmten Pferdezucht der Oestringer. Aus dieser Zeit stammt auch das Wappen der Stadt, welches, ähnlich wie das niedersächsische Wappen, ein springendes Pferd enthält.


In jedem Fall war und ist die Stadt Schortens schon immer eng mit der Pferdezucht und damit auch mit dem Reiten verbunden gewesen. Diese enge Verbundenheit spiegelt sich auch am vielfältigen Angebot der Reitplätze und -wege in Schortens wieder.

Die Fläche des Stadtgebietes von Schortens ist 6.890 ha groß und wird mit den Reitwegen im Forst Upjever, dem Moorland und seinen offenen Weiden und Landstrichen dem Reitinteressierten keine Wünsche offen lassen.

Das Kloster Oestringfelde wurde 1175 nach einem Sieg der Östringer über die Rüstringer bei Schakelhave erbaut. Das Kollegiatstift mit Kirche, Wohn- und Nebengebäuden war der heiligen Mutter Maria geweiht und wurde das geistige Zentrum der Landgemeinde Östringen. Hier entstand die sogenannte Östringer Chronik, die einzige mittelalterliche Chronik des Jeverlandes, von der heute nur noch zum Teil abweichende Abschriften erhalten sind. 1272 wurden die Klostergebäude durch einen Brand zerstört. 1323 erfolgte die Grundsteinlegung für den Wehrturm des Klosters, der auch der Landesverteidigung diente. Nach der Pestepidemie um 1350 erhielt der Dominikanerorden in Norden die verlassenen Gebäude zum Aufbau eines Dominikanerinnenklosters und der Turmbau wurde mit Landesmitteln der Östringer vollendet.

Der Klosterpark (vollständiger Name Klosterpark Oestringfelde) ist eine unter Landschaftsschutz stehende alte Parkanlage in der Stadt Schortens im Landkreis Friesland. Die Parkanlage liegt im Westen der Stadt im Stadtteil Oestringfelde und fällt bereits aus der Vogelperspektive durch seine fast runde Struktur auf.

Der Klosterpark hat eine Größe von 8,78 Hektar und ist durch einen Ringgraben und eine parallel dazu verlaufende Wallhecke umgeben. Auf dem Gelände der Parkanlage befinden sich die Klosterruine, genauer gesagt, die Reste des ehemaligen Wehrturms des Klosters Oestringfelde und das Gebäude des RUZ, des Regionalen Umweltzentrums der Stadt Schortens.

Das Kloster wurde 1577 von Graf Johann VII. von Oldenburg aufgehoben und Graf Anton Günter von Oldenburg begann 1609 mit dem Abbruch der Gebäude. Der mächtige Turm stand noch rund 150 Jahre und wurde erst 1769 unter der Herrschaft von Friedrich August von Anhalt-Zerbst abgebrochen.

Sankt Stephanus in Schortens und Sankt Florian in Sillenstede
Zwei der bedeutendsten friesischen Kirchen

Sankt Stephanus in Schortens wurde von 1153 bis 1168 auf einer künstlichen Warft erbaut und ist die älteste sicher datierbare Steinkirche auf der ostfriesischen Halbinsel.


Das alte Dorf Schortens liegt hochwassersicher auf einem eiszeitlichen Geestrücken. Nicht weit von der Kirche entfernt wurde ein vom 6. bis zum 12. Jahrhundert belegtes Gräberfeld ausgegraben, das ungefährdet ohne jede künstliche Erhöhung im gewachsenen Boden liegt.

Dass die St.-Stephanus-Kirche trotzdem auf einer hohen Warft steht, ist einzig dem Verlangen der Oestringer, der hier ansässigen Friesen, zuzuschreiben, das Gebäude weithin sichtbar zu machen, das sie bald nach 1153 aus Stolz auf einen Sieg über ein überlegenes sächsisches Heer errichtet haben. Bis dahin besaßen die Schortenser keine eigene Kirche.

Nach den bis dahin üblichen Holzkirchen erbauten die Oestringer die erste steinerne Kirche auf der Ostfriesischen Halbinsel – aus Granitfindlingen von der heimischen Geest sowie Tuff aus der Eifel, der auf dem Wasserweg hertransportiert wurde. Das massive, 2 m breite Granit-Fundament, das im Baufortschritt von allen Seiten mit Sand und Heideplaggen angeworfen wurde, bildet den Kern der wirklich einmaligen, 4,50 m hohen Warft.

Die St.-Stephanus-Kirche wurde aus – hier erstmals verwendeten – Granitquadern und aus Tuffstein erbaut, den die Händler aus der Eifel mitbrachten, wenn sie ihre Waren zu Schiff in Köln verkauft hatten. Geweiht wurde sie dem heiligen Stephanus, dem ersten christlichen Märtyrer, von dem Kloster Rastede Reliquien besaß.

1361 ließ der Häuptling Keno I. tom Brok im Verlaufe einer Fehde die Nordwand unterminieren, die daraufhin einstürzte. Außerdem wurde das Reetdach mit dem hölzernen Dachstuhl angezündet. In einer Chronik heißt es: „Anno 1361 was Schortenser Kerke gebrennt van Juncker Keno uth Brockmerland unnd sinenn volcke.“ Tom Brook hat sie aber nur angezündet, nicht verbrannt, denn die Südseite ist in der alten Gestalt aus Granit und Tuff weitgehend erhalten geblieben. Nach dem Einsturz im 14. Jahrhundert wurde die Nordwand in uneinheitlicher Weise mit Tuff, Granit, Sandstein und Backstein erneuert, das Rundbogenportal zugemauert und die zerstörte Apsis neu aufgemauert.

Wir sehen hier auch die sog. Wetzrillen. Wetzrillen, auch Teufelskrallen genannt - Es gibt zahlreiche Erklärungen (Erklärungsversuche) für diese Wetzrillen, vom Schärfen von Waffen (sog. Weiheschliff) oder Werkzeugen bis zur Gewinnung von Steinpulver für abergläubische oder volksmedizinische Zwecke.

Diese Rillen findet man im europäischen Bereich an mittelalterlichen Friedhofsmauern, Kirchen, Kreuzen oder Rechtsaltertümern (Gerichtsgebäude, Grenzstein, Pranger) zumeist im Außenbereich und in Bodennähe.

Es gibt aber auch eine profane Erklärung: Im Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert vor der Einführung der Zündhölzer wurde mit Feuerstahl Feuer gemacht. Am Sandstein der Kirchen schlug man damit Funken, die zusammen mit Zunder entflammt wurden. So entzündeten die Kirchgänger ihre Laternen für den Heimweg.

Mit Sankt Florian in Sillenstede verfügt Schortens auch über die größte Granitquaderkirche Frieslands.

Die heutige evangelisch-lutherische St.-Florian-Kirche wurde im Jahre 1233 fertiggestellt. Sie ist mit 48 m Länge die größte und bedeutendste Granitquaderkirche Frieslands. Die Kirche wurde St. Florian, dem Schutzpatron in Feuers- und Wassernot, geweiht. Wie in zahlreichen lutherischen Gemeinden Nordwestdeutschlands findet sich auf dem Kirchendach anstelle eines Wetterhahnes ein Schwan, der im christlichen Kontext als Symbol für den Reformator Martin Luther gedeutet wird. In der seit der Reformation protestantischen Kirche befindet sich ein Taufstein aus dem Jahre 1250, einer der ältesten und wertvollsten Taufsteine im Oldenburger Land. Der Passionsaltar von 1515/1520 ist aus Eichenholz geschnitzt und zeigt die Leidensgeschichte Jesu Christi in 13 Bildern. Ein weiteres Prunkstück ist die Johann-Adam-Berner-Orgel aus dem Jahre 1757.



Mittwoch, 30. März 2022

Schortens: Pferdezucht macht Ort berühmt

Der Name „Schortens“ wird bereits in Chroniken aus dem Jahre 1158 erwähnt, in denen der Bau der St.-Stephanus-Kirche verzeichnet wurde. Diese älteste Kirche des Jeverlandes wurde 1153 „hoch und trocken“ auf dem Geestrücken errichtet, so dass der sich langsam entwickelnde Ort alle folgenden Flutkatastrophen unbeschadet überstehen konnte.


Sankt Stephanus in Schortens, die älteste Steinkirche auf der ostfriesischen Halbinsel

Nach dem Bau der St.-Stephanus-Kirche und einer damit verbundenen Neueinteilung der Kirchspiele entwickelte sich der heutige Ortskern von Schortens zum geistigen Zentrum des näheren Umkreises, wozu auch das nahe gelegene Kloster Oestringfelde beitrug, das im Mittelalter in der ganzen Region aufgrund seiner Pferdezucht bekannt war. Von dem Kloster existiert heute nur noch eine Ruine im Klosterpark.


Klosterpark Schortens - hier war im Mittelalter das Kloster Oestringfelde

Nicht umsonst enthält das Wappen der Stadt Schortens ein rotes, springendes Pferd auf weißem Grund. Das Wappen ist wohl auf die schon damals international bekannte Pferdezucht der Oestringer im Mittelalter zurückzuführen.


In jedem Fall war und ist die Stadt Schortens schon immer eng mit der Pferdezucht und damit auch mit dem Reiten verbunden gewesen. Diese enge Verbundenheit spiegelt sich auch am vielfältigen Angebot der Reitplätze und -wege in Schortens wieder.
Die Fläche des Stadtgebietes von Schortens ist 6.890 ha groß und wird mit den Reitwegen im Forst Upjever, dem Moorland und seinen offenen Weiden und Landstrichen dem Reitinteressierten keine Wünsche offen lassen.


Forst Upjever

Durch einen mystischen Urwald (ein Wildschutzgebiet) geht es auf schmaler Kopfsteinpflasterstraße zum alten Forsthaus im Forst von Upjever, heute Hotel und Restaurant.

Die Gattersäge: Der Verein entstand im November 2005, die ersten Sägespäne fielen jedoch erst im Herbst 2006 als die Gründungsarbeiten begannen. Fast 6000 ehrenamtliche Stunden wurden für den Wiederaufbau der 90 Jahre alten Säge investiert. Ursprünglich wurde die Horizontalgattersäge in Rispel, Ostfriesland, von der Familie Wehmeier betrieben und 1992 von dem Jeverländischen Altertums- und Heimatverein gekauft. Nachdem der Vorschlag, die historische Säge in der Schlachtmühlenscheune in Jever auszustellen, scheiterte, wurde sich für den Standort im Forst Upjever neben der Forstscheune ausgesprochen, wo die Gattersäge seitdem aufgebaut ist.

Montag, 27. September 2021

Highlights in Schortens


Forsthaus Upjever

Durch einen mystischen Urwald (ein Wildschutzgebiet) geht es auf schmaler Kopfsteinpflasterstraße zum alten Forsthaus im Forst von Upjever, heute Hotel und Restaurant.


Die Gattersäge: Der Verein entstand im November 2005, die ersten Sägespäne fielen jedoch erst im Herbst 2006 als die Gründungsarbeiten begannen. Fast 6000 ehrenamtliche Stunden wurden für den Wiederaufbau der 90 Jahre alten Säge investiert. Ursprünglich wurde die Horizontalgattersäge in Rispel, Ostfriesland, von der Familie Wehmeier betrieben und 1992 von dem Jeverländischen Altertums- und Heimatverein gekauft. Nachdem der Vorschlag, die historische Säge in der Schlachtmühlenscheune in Jever auszustellen, scheiterte, wurde sich für den Standort im Forst Upjever neben der Forstscheune ausgesprochen, wo die Gattersäge seitdem aufgebaut ist.

Heute zählt der Verein Gattersäge Upjever e.V. 60 Mitglieder und 20 freiwillige Sägemüller, die zum Schausägen an jedem zweiten und vierten Sonnabend im Monat von 11 Uhr bis 16 Uhr einladen.

Sankt Stephanus in Schortens

Sankt Stephanus in Schortens wurde von 1153 bis 1168 auf einer künstlichen Warft erbaut und ist die älteste sicher datierbare Steinkirche auf der ostfriesischen Halbinsel.


Das alte Dorf Schortens liegt hochwassersicher auf einem eiszeitlichen Geestrücken. Nicht weit von der Kirche entfernt wurde ein vom 6. bis zum 12. Jahrhundert belegtes Gräberfeld ausgegraben, das ungefährdet ohne jede künstliche Erhöhung im gewachsenen Boden liegt.

Dass die St.-Stephanus-Kirche trotzdem auf einer hohen Warft steht, ist einzig dem Verlangen der Oestringer, der hier ansässigen Friesen, zuzuschreiben, das Gebäude weithin sichtbar zu machen.

In einer um 1250 im Kloster Oestringfelde entstandenen Chronik wird berichtet, dass die Oestringer – die hier ansässigen Friesen – im Jahre 1153 vor der Schlacht gegen ein großes sächsisches Heer gelobten, im Falle eines Sieges eine Kirche zu Ehren des heiligen Stephanus zu errichten. Sie schlugen den Feind; im Jahre 1168 wird die fertige Kirche im Rahmen von Friedensverhandlungen zum ersten Mal erwähnt, so dass die Jahre zwischen 1153 und 1168 als Bauzeit gelten können.

Nach den bis dahin üblichen Holzkirchen erbauten die Oestringer die erste steinerne Kirche auf der Ostfriesischen Halbinsel – aus Granitfindlingen von der heimischen Geest sowie Tuff aus der Eifel, der auf dem Wasserweg hertransportiert wurde. Das massive, 2 m breite Granit-Fundament, das im Baufortschritt von allen Seiten mit Sand und Heideplaggen angeworfen wurde, bildet den Kern der wirklich einmaligen, 4,50 m hohen Warft.

Die St.-Stephanus-Kirche ist ein ungegliederter Apsissaal mit halbrunder Apsis. An der Südwand ist noch recht gut zu erkennen, dass die Außenmauern ursprünglich zu einem Drittel aus rechteckig bearbeiteten Granitquadern bestanden, darüber zu zwei Dritteln aus Tuff. Im oberen Drittel lagen fünf schmale, romanische Fenster, die später verlängert oder erweitert wurden. Die als Zugang für die Männer gedachte Südtür ist erhalten.

1361 wurde im Rahmen einer Häuptlingsfehde die Nordwand untergraben und stürzte ein. Beim hastigen Wiederaufbau des für ihr Selbstbewusstsein so wichtigen Gebäudes nutzten die Schortenser in buntem Durcheinander alles erreichbare Material: Tuff, Granit, Sandstein und den ab etwa 1200 n.Chr. verwandten, an Ort und Stelle gebrannten Backstein. Der Anblick dieser Wand ist recht ungewöhnlich! Die Frauentür wurde zugemauert.

Weil die St.-Stephanus-Kirche auf tragfähigem Sandboden erbaut ist, konnte man ihren Turm direkt an das Schiff anbauen, was ihr außergewöhnliches Erscheinungsbild noch betonte. In der Marsch stehen die Türme gesondert neben den Kirchen! 1660 schlug der Blitz in die 30 m hohe Spitze, die man auf den 27 m hohen Turmkörper gesetzt hatte.

Nach einer provisorischen Reparatur brach 1678 der angeschlagene Turm zusammen und krachte auf das Kirchenschiff. 1680 war die um zwei Meter nach Osten verlegte Westwand aus Backstein wieder aufgebaut; der Turm selbst konnte erst 1728 aus Backstein erneuert werden. Nach einem weiteren Blitzschlag 1817 erhielt er ein Zeltdach und das heutige Aussehen, das in nichts mehr an die alte Pracht erinnert.

Im Inneren des hellen, in angenehmen Farben gehaltenen Kirchenschiffs fällt sogleich der ungewöhnliche Backsteinlettner ins Auge, der einer quer in den Raum gestellten Brücke aus drei Bögen gleicht. Solche Lettner, von denen es vor der Reformation auf der Ostfriesischen Halbinsel 23 gab, wurden im 15. Jahrhundert quer in die Kirchen eingebaut, weil man im Rahmen der wachsenden Ablassfrömmigkeit Raum für Seitenaltäre brauchte. Die beiden äuߟeren Bögen waren nach hinten durch eine Mauer verschlossen und boten Platz für Seitenaltäre. Durch den mittleren Bogen blieb der Blick frei auf den Hauptaltar. Oben auf der Lettnerbühne las der Priester Epistel und Evangelien (lat. lesen: legere; daher Lettner, Lektorium, Lektor). 1869 wurden die Rückwände zur Hälfte abgetragen, 1953 ganz. Heute sind auf der Ostfriesischen Halbinsel im Ganzen nur noch fünf Lettner erhalten. In Schortens hat Gerd Gerdes Kleihauer 1710 eine schöne, mit Propheten bemalte hölzerne Lettner-Brüstung gestiftet. Da nach der Reformation oben auf dem Lettner zusätzliche Sitzplätze für Frauen eingerichtet wurden – die Männer saߟen auf dem Orgelboden – spricht man hier vom Ollwievvolksboen (Altweiberboden).

Aus der Zeit vor der Reformation ist nicht nur der Lettner erhalten, sondern auch der prachtvolle Dreiflügelaltar, ein Triptychon, das nach 1505 wahrscheinlich in Bremen geschnitzt wurde. In der groߟen Golgatha-Szene im Mittelschrein und in je 12 Reliefs in beiden Seitenflügeln wird auf eindrückliche Weise die Geschichte von Christi Marter, seinem Tod und seiner Auferstehung erzählt. Das aus Eichenholz geschnitzte Retabel, das durch zweimaliges Abbeizen 1898 und 1933 heftig gelitten hatte, wurde von November 2000 bis Ostern 2001 vorbildlich restauriert.

Am Südportal und an der Apsis der St.-Stephanus-Kirche sieht man tief in den Sandstein eingegrabene, senkrecht und waagerecht verlaufende Scharten, die im Volksmund "Düwelskrallen" genannt werden. Außer sich vor Zorn über das schöne, neue Gotteshaus sei der Teufel aus der Hölle gefahren, habe seine Krallen an dem Stein gewetzt und dabei diese Spuren hinterlassen. Eine andere Theroie besagt, Friesen mit Bauchgrimmen hätten sich etwas von dem Stein abgeschabt und als Heilmittel geschluckt. Es gibt zahlreiche Erklärungen (Erklärungsversuche) für diese Wetzrillen, vom Schärfen von Waffen (sog. Weiheschliff) oder Werkzeugen bis zur Gewinnung von Steinpulver für abergläubische oder volksmedizinische Zwecke. Es gibt aber auch eine profane Erklärung: Im Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert vor der Einführung der Zündhölzer wurde mit Feuerstahl Feuer gemacht. Am Sandstein der Kirchen schlug man damit Funken, die zusammen mit Zunder entflammt wurden. So entzündeten die Kirchgänger ihre Laternen für den Heimweg.

Quellenmaterial: Ev.-Luth. Kirchengemeinde Schortens

Der Klosterpark

Der Klosterpark (vollständiger Name Klosterpark Oestringfelde) ist eine unter Landschaftsschutz stehende alte Parkanlage in der Stadt Schortens im Landkreis Friesland. Die Parkanlage liegt im Westen der Stadt im Stadtteil Oestringfelde und fällt bereits aus der Vogelperspektive durch seine fast runde Struktur auf.
Der Klosterpark hat eine Größe von 8,78 Hektar und ist durch einen Ringgraben und eine parallel dazu verlaufende Wallhecke umgeben. Auf dem Gelände der Parkanlage befinden sich die Klosterruine, genauer gesagt, die Reste des ehemaligen Wehrturms des Klosters Oestringfelde und das Gebäude des RUZ, des Regionalen Umweltzentrums der Stadt Schortens.
Das Kloster Oestringfelde wurde 1175 nach einem Sieg der Östringer über die Rüstringer bei Schakelhave erbaut. Das Kollegiatstift mit Kirche, Wohn- und Nebengebäuden war der heiligen Mutter Maria geweiht und wurde das geistige Zentrum der Landgemeinde Östringen. Hier entstand die sogenannte Östringer Chronik, die einzige mittelalterliche Chronik des Jeverlandes, von der heute nur noch zum Teil abweichende Abschriften erhalten sind. 1272 wurden die Klostergebäude durch einen Brand zerstört. 1323 erfolgte die Grundsteinlegung für den Wehrturm des Klosters, der auch der Landesverteidigung diente. Nach der Pestepidemie um 1350 erhielt der Dominikanerorden in Norden die verlassenen Gebäude zum Aufbau eines Dominikanerinnenklosters und der Turmbau wurde mit Landesmitteln der Östringer vollendet.
Der Turm des Klosters soll mit rund 50 Metern nach dem Kirchturm in Marienhafe der höchste auf der ostfriesischen Halbinsel gewesen sein. Ein amtlicher Bericht aus dem Jahr 1769 beschreibt den Turm mit einer quadratischen Grundfläche von 13 Meter mal 13 Meter. Im unteren Bereich hatten die Mauern eine Stärke von vier Metern, im oberen Bereich von zwei Metern. Das Mauerwerk bestand außen aus Granitquadern und innen aus Backsteinen. Eine dem amtlichen Bericht beiliegende Skizze zeigt in den beiden oberen Stockwerken zwei übereinanderliegende Reihen von je drei rundbogigen Fensteröffnungen, eine durch einen Pfeiler geteilt. Die an den Turm gebaute Kirche war einschiffig.
Das Kloster wurde als Wehrbau, Versammlungsort und zu Tagungen genutzt. So wurde im Kloster beispielsweise der Östringer Vertrag zwischen Maria von Jever und Graf Enno II. von Ostfriesland ausgehandelt.

Das Kloster wurde 1577 von Graf Johann VII. von Oldenburg aufgehoben und Graf Anton Günter von Oldenburg begann 1609 mit dem Abbruch der Gebäude. Der mächtige Turm stand noch rund 150 Jahre und wurde erst 1769 unter der Herrschaft von Friedrich August von Anhalt-Zerbst abgebrochen.

1839 wurde das Klostergelände mit den verbliebenen Gebäuderesten an den Großherzoglichen oldenburgischen Hofrat Heinrich Georg Ehrentraut (1798–1866) verkauft. Er legte einen Garten an und bildete mit den 1844 bei Ausgrabungen gefundenen Granitsteinen den Grundriss des Klosterturmes nach. Nach 1900 wurde das ehemalige Klostergut nach und nach zerstückelt und verkauft. Die Gemeinde Schortens erwarb einen Teil des Geländes und wandelte den Garten in den heutigen Klosterpark um, der 1985 unter Landschaftsschutz gestellt wurde.

Quelle: Stadt Schortens


Freitag, 28. Mai 2021

Schätzchen und Wissenswertes in Schortens


Klosterpark Schortens - hier war im Mittelalter das Kloster Oestringfelde

Der Klosterpark (vollständiger Name Klosterpark Oestringfelde) ist eine unter Landschaftsschutz stehende alte Parkanlage in der Stadt Schortens im Landkreis Friesland. Die Parkanlage liegt im Westen der Stadt im Stadtteil Oestringfelde und fällt bereits aus der Vogelperspektive durch seine fast runde Struktur auf.


Der Klosterpark hat eine Größe von 8,78 Hektar und ist durch einen Ringgraben und eine parallel dazu verlaufende Wallhecke umgeben. Auf dem Gelände der Parkanlage befinden sich die Klosterruine, genauer gesagt, die Reste des ehemaligen Wehrturms des Klosters Oestringfelde und das Gebäude des RUZ, des Regionalen Umweltzentrums der Stadt Schortens.

Sankt Stephanus


Sankt Stephanus in Schortens wurde von 1153 bis 1168 auf einer künstlichen Warft erbaut und ist die älteste sicher datierbare Steinkirche auf der ostfriesischen Halbinsel.

Das alte Dorf Schortens liegt hochwassersicher auf einem eiszeitlichen Geestrücken. Nicht weit von der Kirche entfernt wurde ein vom 6. bis zum 12. Jahrhundert belegtes Gräberfeld ausgegraben, das ungefährdet ohne jede künstliche Erhöhung im gewachsenen Boden liegt.

Dass die St.-Stephanus-Kirche trotzdem auf einer hohen Warft steht, ist einzig dem Verlangen der Oestringer, der hier ansässigen Friesen, zuzuschreiben, das Gebäude weithin sichtbar zu machen, das sie bald nach 1153 aus Stolz auf einen Sieg über ein überlegenes sächsisches Heer errichtet haben. Bis dahin besaßen die Schortenser keine eigene Kirche.

Nach den bis dahin üblichen Holzkirchen erbauten die Oestringer die erste steinerne Kirche auf der Ostfriesischen Halbinsel – aus Granitfindlingen von der heimischen Geest sowie Tuff aus der Eifel, der auf dem Wasserweg hertransportiert wurde. Das massive, 2 m breite Granit-Fundament, das im Baufortschritt von allen Seiten mit Sand und Heideplaggen angeworfen wurde, bildet den Kern der wirklich einmaligen, 4,50 m hohen Warft.

Forsthaus Upjever

Durch einen mystischen Urwald (ein Wildschutzgebiet) geht es auf schmaler Kopfsteinpflasterstraße zum alten Forsthaus im Forst von Upjever, heute Hotel und Restaurant.


Die Gattersäge: Der Verein entstand im November 2005, die ersten Sägespäne fielen jedoch erst im Herbst 2006 als die Gründungsarbeiten begannen. Fast 6000 ehrenamtliche Stunden wurden für den Wiederaufbau der 90 Jahre alten Säge investiert. Ursprünglich wurde die Horizontalgattersäge in Rispel, Ostfriesland, von der Familie Wehmeier betrieben und 1992 von dem Jeverländischen Altertums- und Heimatverein gekauft. Nachdem der Vorschlag, die historische Säge in der Schlachtmühlenscheune in Jever auszustellen, scheiterte, wurde sich für den Standort im Forst Upjever neben der Forstscheune ausgesprochen, wo die Gattersäge seitdem aufgebaut ist. Heute zählt der Verein Gattersäge Upjever e.V. 60 Mitglieder und 20 freiwillige Sägemüller, die zum Schausägen an jedem zweiten und vierten Sonnabend im Monat von 11 Uhr bis 16 Uhr einladen.


Der Flugplatz Jever (früher Fliegerhorst Jever) ist ein inzwischen entwidmeter deutscher Fliegerhorst der Luftwaffe auf dem Gebiet der Städte Schortens und Jever Im Forst von Upjever. Standortbezeichnung ist Schortens. Der Flugbetrieb wurde Ende September 2013 eingestellt. Derzeit ist der Flugplatz Standort des Objektschutzregimentes der Luftwaffe „Friesland“. Etwa drei Viertel des inmitten des Upjeverschen Forstes gelegenen Militärflugplatzes Jever gehört zum Stadtteil Upjever der Stadt Schortens. Letztere beherbergt auch die etwa zwei Kilometer westlich von ihrem Ortskern befindliche Hauptzufahrt an der Upjeverschen Straße. Das westliche Viertel des Fliegerhorstes liegt auf dem Gebiet des Stadtteils Cleverns der Stadt Jever.

1935 begann der Bau des Flugplatzes und am 1. Mai 1936 wurde die Anlage an die Luftwaffe übergeben. Da es im Krieg hier kaum Zerstörungen gegeben hatte, wurden sämtliche Anlagen direkt nach Kriegsende von den Alliierten übernommen. Vorübergehend wurde es als Airfield B.117, so seine alliierte Codebezeichnung, noch durch die Second Tactical Air Force der britischen Royal Air Force genutzt. Im Frühjahr 1951 folgte die Übernahme durch die Royal Air Force und in diesem Zusammenhang die Errichtung einer befestigten Landebahn. Der Flugbetrieb auf der nunmehrigen Royal Air Force Station Jever, kurz RAF Jever, wurde 1952 wieder durch die Second Tactical Air Force aufgenommen.

Im Jahr 1961 wurde RAF Jever an die deutsche Luftwaffe übergeben, die ab 1964 Flugbetrieb durchführte. Ab 1964 erfolgte in der Waffenschule der Luftwaffe 10 die Ausbildung auf Lockheed F-104G Starfighter. Mit dem Wechsel auf den Panavia Tornado von 1983 bis zum 31. August 2005 wurde die Schule zum Jagdbombergeschwader 38 „Friesland“ umbenannt.

Am 26. September 2013 wurde der Flugbetrieb nach 77 Jahren mit dem letzten Start einer Douglas A-4 Skyhawk beendet.

Pferdezucht macht Ort berühmt

Der Name „Schortens“ wird bereits in Chroniken aus dem Jahre 1158 erwähnt, in denen der Bau der St.-Stephanus-Kirche verzeichnet wurde. Diese älteste Kirche des Jeverlandes wurde 1153 „hoch und trocken“ auf dem Geestrücken errichtet, so dass der sich langsam entwickelnde Ort alle folgenden Flutkatastrophen unbeschadet überstehen konnte. Nach dem Bau der St.-Stephanus-Kirche und einer damit verbundenen Neueinteilung der Kirchspiele entwickelte sich der heutige Ortskern von Schortens zum geistigen Zentrum des näheren Umkreises, wozu auch das nahe gelegene Kloster Oestringfelde beitrug, das im Mittelalter in der ganzen Region aufgrund seiner Pferdezucht bekannt war. Von dem Kloster existiert heute nur noch eine Ruine im Klosterpark.


Im Video: Pferde auf einer Weide im Ortsteil Ostiem (Klein-Ostiem)

Nicht umsonst enthält das Wappen der Stadt Schortens ein rotes, springendes Pferd auf weißem Grund. Das Wappen ist wohl auf die schon damals international bekannte Pferdezucht der Oestringer im Mittelalter zurückzuführen.

Es könnte aber auch sein, dass das Wappen auf ein einzelnes „Wunderpferd“ mit dem ein Schortenser Bürger im Mittelalter quer durch Europa reiste, zurückzuführen ist.

In jedem Fall war und ist die Stadt Schortens schon immer eng mit der Pferdezucht und damit auch mit dem Reiten verbunden gewesen. Diese enge Verbundenheit spiegelt sich auch am vielfältigen Angebot der Reitplätze und -wege in Schortens wieder.

Die Fläche des Stadtgebietes von Schortens ist 6.890 ha groß und wird mit den Reitwegen im Forst Upjever, dem Moorland und seinen offenen Weiden und Landstrichen dem Reitinteressierten keine Wünsche offen lassen.





Dienstag, 9. Juli 2019

SCHORTENS: Pferdezucht macht Ort berühmt


Der Name "Schortens" wird bereits in Chroniken aus dem Jahre 1158 erwähnt, in denen der Bau der St.-Stephanus-Kirche (siehe unten) verzeichnet wurde. Diese älteste Kirche des Jeverlandes wurde 1153 "hoch und trocken" auf dem Geestrücken errichtet, so dass der sich langsam entwickelnde Ort alle folgenden Flutkatastrophen unbeschadet überstehen konnte.

Nach dem Bau der St.-Stephanus-Kirche und einer damit verbundenen Neueinteilung der Kirchspiele entwickelte sich der heutige Ortskern von Schortens zum geistigen Zentrum des näheren Umkreises, wozu auch das nahe gelegene Kloster Oestringfelde beitrug, das im Mittelalter in der ganzen Region aufgrund seiner Pferdezucht bekannt war. Von dem Kloster existiert heute nur noch eine Ruine im Klosterpark.

Nicht umsonst enthält das Wappen der Stadt Schortens ein rotes, springendes Pferd auf weißem Grund. Das Wappen ist wohl auf die schon damals international bekannte Pferdezucht der Oestringer im Mittelalter zurückzuführen.


Im Video: Pferde auf einer Weide im Ortsteil Ostiem (Klein-Ostiem)

Es könnte aber auch sein, dass das Wappen auf ein einzelnes "Wunderpferd" mit dem ein Schortenser Bürger im Mittelalter quer durch Europa reiste, zurückzuführen ist.

In jedem Fall war und ist die Stadt Schortens schon immer eng mit der Pferdezucht und damit auch mit dem Reiten verbunden gewesen. Diese enge Verbundenheit spiegelt sich auch am vielfältigen Angebot der Reitplätze und -wege in Schortens wieder.

Die Fläche des Stadtgebietes von Schortens ist 6.890 ha groß und wird mit den Reitwegen im Forst Upjever, dem Moorland und seinen offenen Weiden und Landstrichen dem Reitinteressierten keine Wünsche offen lassen.

Sankt Stephanus in Schortens

Sankt Stephanus in Schortens wurde von 1153 bis 1168 auf einer künstlichen Warft erbaut und ist die älteste sicher datierbare Steinkirche auf der ostfriesischen Halbinsel.


Das alte Dorf Schortens liegt hochwassersicher auf einem eiszeitlichen Geestrücken. Nicht weit von der Kirche entfernt wurde ein vom 6. bis zum 12. Jahrhundert belegtes Gräberfeld ausgegraben, das ungefährdet ohne jede künstliche Erhöhung im gewachsenen Boden liegt.

Dass die St.-Stephanus-Kirche trotzdem auf einer hohen Warft steht, ist einzig dem Verlangen der Oestringer, der hier ansässigen Friesen, zuzuschreiben, das Gebäude weithin sichtbar zu machen, das sie bald nach 1153 aus Stolz auf einen Sieg über ein überlegenes sächsisches Heer errichtet haben. Bis dahin besaßen die Schortenser keine eigene Kirche.

Nach den bis dahin üblichen Holzkirchen erbauten die Oestringer die erste steinerne Kirche auf der Ostfriesischen Halbinsel – aus Granitfindlingen von der heimischen Geest sowie Tuff aus der Eifel, der auf dem Wasserweg hertransportiert wurde. Das massive, 2 m breite Granit-Fundament, das im Baufortschritt von allen Seiten mit Sand und Heideplaggen angeworfen wurde, bildet den Kern der wirklich einmaligen, 4,50 m hohen Warft.

1361 wurde im Rahmen einer Häuptlingsfehde die Nordwand untergraben und stürzte ein. Beim hastigen Wiederaufbau des für ihr Selbstbewusstsein so wichtigen Gebäudes nutzten die Schortenser in buntem Durcheinander alles erreichbare Material: Tuff, Granit, Sandstein und den ab etwa 1200 n.Chr. verwandten, an Ort und Stelle gebrannten Backstein. Der Anblick dieser Wand ist recht ungewöhnlich.

Im Inneren des hellen, in angenehmen Farben gehaltenen Kirchenschiffs fällt sogleich der ungewöhnliche Backsteinlettner ins Auge, der einer quer in den Raum gestellten Brücke aus drei Bögen gleicht. Solche Lettner, von denen es vor der Reformation auf der Ostfriesischen Halbinsel 23 gab, wurden im 15. Jahrhundert quer in die Kirchen eingebaut, weil man im Rahmen der wachsenden Ablassfrömmigkeit Raum für Seitenaltäre brauchte. Die beiden äußeren Bögen waren nach hinten durch eine Mauer verschlossen und boten Platz für Seitenaltäre. Durch den mittleren Bogen blieb der Blick frei auf den Hauptaltar. Oben auf der Lettnerbühne las der Priester Epistel und Evangelien (lat. lesen: legere; daher Lettner, Lektorium, Lektor). 1869 wurden die Rückwände zur Hälfte abgetragen, 1953 ganz. Heute sind auf der Ostfriesischen Halbinsel im Ganzen nur noch fünf Lettner erhalten. In Schortens hat Gerd Gerdes Kleihauer 1710 eine schöne, mit Propheten bemalte hölzerne Lettner-Brüstung gestiftet. Da nach der Reformation oben auf dem Lettner zusätzliche Sitzplätze für Frauen eingerichtet wurden – die Männer saߟen auf dem Orgelboden – spricht man hier vom Ollwievvolksboen (Altweiberboden).

Aus der Zeit vor der Reformation ist nicht nur der Lettner erhalten, sondern auch der prachtvolle Dreiflügelaltar, ein Triptychon, das nach 1505 wahrscheinlich in Bremen geschnitzt wurde. In der großen Golgatha-Szene im Mittelschrein und in je 12 Reliefs in beiden Seitenflügeln wird auf eindrückliche Weise die Geschichte von Christi Marter, seinem Tod und seiner Auferstehung erzählt. Das aus Eichenholz geschnitzte Retabel, das durch zweimaliges Abbeizen 1898 und 1933 heftig gelitten hatte, wurde von November 2000 bis Ostern 2001 vorbildlich restauriert. Eine große Hilfe waren dabei für die Restauratoren die Kupferstiche des Israhel van Meckenem, die der Schnitzer als Vorbilder genutzt hat.

Für die Ausgestaltung des lutherischen Gottesdienstes war der vom Küster mit den Schulkindern eingeübte und mit der Orgel begleitete Gemeindegesang von hervorragender Bedeutung. Nachdem die erste, 1640 erbaute Schortenser Orgel beim Einsturz der Westwand 1676 zerstört worden war, baute der Jeversche Orgelbaumeister Joachim Kayser aus alten und neuen Pfeifen das heutige Instrument. An dem schönen, mit Zimbelsternen geschmückten Prospekt steht die Jahreszahl 1686.

Ein ungewöhnliches Stück ist der hölzerne Jugendstil-Taufstein, den die Gemeinde Schortens 1917 zum 400. Jahrestag von Luthers Thesenanschlag gestiftet hat und der nach einem Entwurf des Oldenburger Professors Winter geschnitzt worden ist.

(Mit Quellenmaterial der Ev.-Lutherischen Kirchengemeinde Schortens)



Dienstag, 2. Juli 2019

Urlaub in Schortens (Urlaubstagebuch 2019, Teil 3)


Über unseren Urlaubsort Sillenstede, einen Ortsteil der Stadt Schortens, gibt es einen eigenen Artikel. Drum ein bißchen was zu Schortens selbst. Die Stadt ist auf den ersten Blick nicht besonders spektakulär. Auch nicht gerade besonders schön.


Es gibt im Stadtkern keinerlei (nennenswerte) historische Bausubstanz. eine "moderne" Stadt, Neubauten wohin das Auge reicht, mal mehr, mal weniger gelungene Architektur, so beliebig und gesichtslos wie es viele deutsche Städte sind.

Aber ich sage es mal so: Schortens ist eine spröde Schöne und hat durchaus Entdeckenswertes.

Etwa die älteste Steinkirche auf der ostfriesischen Halbinsel. Sankt Stephanus in Schortens wurde von 1153 bis 1168 auf einer künstlichen Warft erbaut und ist die älteste sicher datierbare Steinkirche auf der ostfriesischen Halbinsel.


Und dann gibt es hier, in der katholischen Diaspora, auch eine beeindruckende moderne Kirche, die katholische Dreifaltigkeitskirche.




Montag, 8. April 2019

Kirchen des Heiligen Stephan


Stephanus (* ca. 1 n. Chr.; † ca. 36/40 n. Chr.) ist im Neuen Testament ein Diakon der Jerusalemer Urgemeinde. Er gilt als erster Märtyrer des Christentums und wird daher oft auch als Erzmärtyrer oder Protomärtyrer bezeichnet. Sein Name deutet auf eine hellenistische Herkunft hin. Seit 560 n. Chr. befinden sich die Reliquien des hl. Stephanus in der Krypta von San Lorenzo fuori le mura in Rom neben denen des römischen Archidiakons Laurentius. Stephanus wird in der katholischen Kirche, den orthodoxen Kirchen, der anglikanischen, der altkatholischen Kirche und der lutherischen Kirche als Heiliger verehrt.

Stephanus ist der erste, von dem überliefert wird, dass er wegen seines Bekenntnisses zu Jesus Christus getötet wurde. Damit gilt er als der erste Märtyrer oder auch Erzmärtyrer. Im Bericht von seiner Hinrichtung heißt es: „Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß … Saulus aber war mit dem Mord einverstanden.“ Die Steinigung des Stephanus war der Auftakt zu einer Christenverfolgung in Jerusalem, an der sich Saulus, der spätere Apostel Paulus, besonders eifrig beteiligte.

Dem hl. Stephanus sind viele Kirchen geweiht.

Sankt Stephanus in Böckweiler im Saarpfalzkreis


Sankt Stephanus in Schortens


Sankt Stephanus in Schortens wurde von 1153 bis 1168 auf einer künstlichen Warft erbaut und ist die älteste sicher datierbare Steinkirche auf der ostfriesischen Halbinsel.

Katholische Pfarrkirche Sankt Stephanus in Trulben


Der Turm von St. Stephanus ist spätromanisch. Die Kirche birgt eine Kanzel aus der Abtei Sturzelbronn. Das im Video auch zu Anfang zu sehende steinerne Kirchhofskreuz von 1807 gehört zum Typus der Lothringer Kreuze.

Bemerkenswert auch die Lourdes-Grotte und die Statue des Heiligen Bruders Konrad von Parzham, des bis dato letzten deutschen Heiligen.



Mittwoch, 1. August 2018

Die älteste friesische Steinkirche: Sankt Stephanus in Schortens


Sankt Stephanus in Schortens wurde von 1153 bis 1168 auf einer künstlichen Warft erbaut und ist die älteste sicher datierbare Steinkirche auf der ostfriesischen Halbinsel.


Lage und Geschichte

Das alte Dorf Schortens liegt hochwassersicher auf einem eiszeitlichen Geestrücken. Nicht weit von der Kirche entfernt wurde ein vom 6. bis zum 12. Jahrhundert belegtes Gräberfeld ausgegraben, das ungefährdet ohne jede künstliche Erhöhung im gewachsenen Boden liegt. Dass die St.-Stephanus-Kirche trotzdem auf einer hohen Warft steht, ist einzig dem Verlangen der Oestringer, der hier ansässigen Friesen, zuzuschreiben, das Gebäude weithin sichtbar zu machen, das sie bald nach 1153 aus Stolz auf einen Sieg über ein überlegenes sächsisches Heer errichtet haben. Bis dahin besaßen die Schortenser keine eigene Kirche, sondern sie waren im 7 km entfernt gelegenen Kirchdorf Sandel eingepfarrt.

Die erste Steinkirche

Nach den bis dahin üblichen Holzkirchen erbauten die Oestringer die erste steinerne Kirche auf der Ostfriesischen Halbinsel – aus Granitfindlingen von der heimischen Geest sowie Tuff aus der Eifel, der auf dem Wasserweg hertransportiert wurde. Das massive, 2 m breite Granit-Fundament, das im Baufortschritt von allen Seiten mit Sand und Heideplaggen angeworfen wurde, bildet den Kern der wirklich einmaligen, 4,50 m hohen Warft.

Die Nordwand

1361 wurde im Rahmen einer Häuptlingsfehde die Nordwand untergraben und stürzte ein. Beim hastigen Wiederaufbau des für ihr Selbstbewusstsein so wichtigen Gebäudes nutzten die Schortenser in buntem Durcheinander alles erreichbare Material: Tuff, Granit, Sandstein und den ab etwa 1200 n.Chr. verwandten, an Ort und Stelle gebrannten Backstein. Der Anblick dieser Wand ist recht ungewöhnlich! Die Frauentür wurde zugemauert.

Der Lettner

Im Inneren des hellen, in angenehmen Farben gehaltenen Kirchenschiffs fällt sogleich der ungewöhnliche Backsteinlettner ins Auge, der einer quer in den Raum gestellten Brücke aus drei Bögen gleicht. Solche Lettner, von denen es vor der Reformation auf der Ostfriesischen Halbinsel 23 gab, wurden im 15. Jahrhundert quer in die Kirchen eingebaut, weil man im Rahmen der wachsenden Ablaßfrömmigkeit Raum für Seitenaltäre brauchte. Die beiden äußeren Bögen waren nach hinten durch eine Mauer verschlossen und boten Platz für Seitenaltäre. Durch den mittleren Bogen blieb der Blick frei auf den Hauptaltar. Oben auf der Lettnerbühne las der Priester Epistel und Evangelien (lat. lesen: legere; daher Lettner, Lektorium, Lektor). 1869 wurden die Rückwände zur Hälfte abgetragen, 1953 ganz. Heute sind auf der Ostfriesischen Halbinsel im Ganzen nur noch fünf Lettner erhalten. In Schortens hat Gerd Gerdes Kleihauer 1710 eine schöne, mit Propheten bemalte hölzerne Lettner-Brüstung gestiftet. Da nach der Reformation oben auf dem Lettner zusätzliche Sitzplätze für Frauen eingerichtet wurden – die Männer saßen auf dem Orgelboden – spricht man hier vom Ollwievvolksboen (Altweiberboden).

Quelle Text: Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Schortens

Montag, 25. September 2017

Die von der Leyen im Bliesgau


Um 1660 erwarben die Reichsfreiherren von der Leyen, die seit 1456 in Blieskastel Besitzungen hatten, das kurtrierische Amt Blieskastel und erbauten 1661–1676 an der Stelle der alten Burg ein neues Schloss. Unter den Grafen von der Leyen erlebte Blieskastel im 18. Jahrhundert eine neue Blüte, als diese 1773 ihren Wohnsitz von Koblenz nach Blieskastel verlegten und den Flecken Blieskastel zur Residenzstadt ausbauten. Unter der Gräfin Marianne von der Leyen, einer geborenen Gräfin von Dalberg, entstand in Blieskastel ein kulturelles Zentrum. Eine rege Bautätigkeit entfaltete sich. Das Residenzschloss wurde weiter ausgebaut und auf dem Schlossberg entstand eine Reihe hervorragender Palais und Herrenhäuser für die Hofbeamten der kleinen Residenz, darunter das sogenannte „Schlößchen“, das dem Zweibrücker Baudirektor und Architekten Christian Ludwig Hautt zugeschrieben wird. Daneben wirkten andere Baumeister, wie A. G. F. Guillemard, Matthias Weysser, Peter Reheis und der Zimmermeister Franz Schmitt. In dieser Zeit entstanden die ehemalige Franziskanerklosterkirche, das ehemalige Waisenhaus und das Regierungsgebäude.


Die bekannteste Regentin in Blieskastel war von 1775–1791 Reichsgräfin Marianne von der Leyen (* 1745; † 1804). 1793 musste sie vor den anrückenden französischen Revolutionstruppen aus Blieskastel fliehen.

1656 erhielt das Haus von der Leyen Medelsheim zu Lehen. Die Kirche St. Martin ist weithin sichtbar und bildet den Ortsmittelpunkt von Medelsheim. Mittelalterliche Fresken aus dem 14. Jahrhundert, ein steinerner bemalter Altartabernakel von 1436 und eine Reliquie des Heiligen Pirminius, all das findet sich in dieser Kirche am Jakobsweg.


Unweit Medelsheim und zu Blieskastel gehörig liegt Böckweiler. Die Stephanuskirche wurde auf den Überresten einer dreischiffigen karolingischen Basilika errichtet, deren Umrisse durch Steinplatten kenntlich gemacht sind. In romanischer Zeit wurde die Kirche umgebaut und erhielt ihre heutige Form mit dem Drei-Konchen-Chor, dessen Grundriss ein gleichmäßiges Kleeblatt beschreibt. Der Chorturm mit den drei Konchen gilt als der einzige Bauteil, der noch aus dem Mittelalter stammt. Nicht zuletzt wegen dieser seltenen Gestaltung ist sie ein Kleinod romanischer Baukunst. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und 1949/50 wieder aufgebaut. Die Stephanuskirche ist eine der 65 Simultankirchen in Deutschland und die einzige im Saarland.


Sonntag, 2. Juli 2017

Schortens entdecken


Auf den ersten schnellen Blick erweckt Schortens nicht den Eindruck, besonders attraktiv zu sein. Schortens ist eine Stadt und selbständige Gemeinde im Landkreis Friesland in Niedersachsen. Der Ort erhielt 2005 die Stadtrechte und ist seitdem nach Varel die zweitgrößte Stadt im Landkreis Friesland. Seit dem 6. Dezember 2011 ist die Stadt staatlich anerkannter Erholungsort.

Luftwaffensoldaten, aktive und ehemalige, kennen Schortens als Standort des Fliegerhorstes Upjever. Einst Heimat der Waffenschule der Luftwaffe und des Jagdbombergeschwaders 38 "Friesland", heute Standort des Objektschutzregimentes "Friesland" der Luftwaffe.



Aber Schortens hat durchaus einiges an Sehenswürdigkeiten zu bieten. Die evangelisch-lutherische St.-Stephanus-Kirche in Schortens wurde von 1153 bis 1168 auf einer künstlichen Warft gebaut. Das Kirchengebäude ist die älteste sicher datierbare Steinkirche auf der ostfriesischen Halbinsel.

Der Ortsteil Accum hat eine beeindruckende Windmühle vorzuweisen. Die 1746 errichtete Accumer Mühle im Stadtteil Accum ist eine voll funktionsfähige Galerieholländerwindmühle. Die Windmühle misst bis zur Oberkante der Kappe rund 18 Meter und der Durchmesser des Flügelkreuzes beträgt rund 22 Meter. Die Mühle wird durch den Arbeitskreis Accumer Mühle e. V. erhalten und betrieben.


Die Accumer Mühle von franz-roth-tv

Die evangelisch-lutherische St.-Florian-Kirche im Stadtteil Sillenstede wurde vermutlich im Jahre 1233 fertiggestellt. Die auf einer Warf stehende Kirche ist mit einer Länge von 44 Metern und einer Breite von 13 Metern die größte und bedeutendste Granitquaderkirche Frieslands. Der Chor der Kirche wurde äußerlich ohne besondere architektonische Ausformung gestaltet und wird innen durch einen aufwendig gestalteten Triumphbogen vom langgestreckten Apsissaal der Kirche getrennt. Sehenswert ist der Taufstein aus dem Jahre 1250, der aus Eichenholz geschnitzte Passionsaltar von 1515/1520 sowie die Johann-Adam-Berner-Orgel aus dem Jahre 1757.


Und auch Sillenstede hat eine sehenswerte Windmühle.


Zwar nennt ihn Wikipedia nicht bei den Söhnen und Töchtern der Stadt, aber der mit Sicherheit berühmteste Schortenser ist Wilfried Lipinkski (links in den Bildern), der vielfache Paralympics-Sieger, Deutscher Meister, Europameister und Weltmeister bei den Rollstuhlfechtern. Mein Schwager ist der einzige behinderte Fechtmeister der Welt.