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Mittwoch, 5. Juli 2023

Von Sillenstede nach Kniphausen

Wir fahren von Sillenstede (Schortens) über die Kopfsteinpflaster-Piste nach Fedderwarden (Wilhelmshaven) und besuchen dort die Burg Kniphausen. Die Burg war lange Zeit Mittelpunkt und Regierungssitz der Herrlichkeit oder Herrschaft Kniphausen. Wir fahren von Sillenstede (Schortens) über die Kopfsteinpflaster-Piste nach Fedderwarden (Wilhelmshaven) und besuchen dort die Burg Kniphausen. Die Burg war lange Zeit Mittelpunkt und Regierungssitz der Herrlichkeit oder Herrschaft Kniphausen.


Man passiert unterwegs das interessante Hofgut Connhausen.


Was hat es mit den schwedischen Flaggen auf sich? Es gibt die Deutsch-Schwedische Gesellschaft zu Oldenburg e.V. und die feiert jedes Jahr in Connhausen das Mittsommerfest.

Die Herrschaft Kniphausen, bis ins 17. Jahrhundert auch Herrlichkeit von In- und Kniphausen genannt, war als reichsunmittelbares Territorium ein Teil Frieslands und wurde von friesischen Häuptlings- und Adelsfamilien regiert. Sie lag in der Östringer Marsch, am Stadtrand und zum Teil auf dem heutigen Stadtgebiet von Wilhelmshaven. Die Herrlichkeit entstand gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Erster Herr war der friesische Häuptling Fulf (auch Folef) von In- und Kniphausen (etwa 1465–1530/31), der durch Erbschaft in den Besitz der Burgen Inhausen und Kniphausen gelangte. Zu dieser Zeit umfasste die Herrlichkeit eine Fläche von etwa 45 km² mit den Kirchspielen Fedderwarden, Sengwarden und Accum.
Die Burg war lange Zeit Mittelpunkt und Regierungssitz der Herrlichkeit oder Herrschaft Kniphausen. Die Herrschaft Kniphausen, bis ins 17. Jahrhundert auch Herrlichkeit von In- und Kniphausen genannt, war als reichsunmittelbares Territorium ein Teil Frieslands und wurde von friesischen Häuptlings- und Adelsfamilien regiert.


1588 wurde Iko von In- und Kniphausen durch Kaiser Rudolf II. zum Reichsfreiherrn ernannt. Nach Streitigkeiten im Dreißigjährigen Krieg trat Philipp Wilhelm von Innhausen und Knyphausen 1624 seinen Besitz gegen eine jährliche Rente an die Grafschaft Oldenburg ab. Die Familie bezog aus diesem Vertrag bis zu einem Ablöseabkommen mit dem Land Niedersachsen im Jahre 1964 340 Jahre lang Zahlungen. Die Burg Kniphausen in Fedderwarden im Stadtgebiet von Wilhelmshaven in Niedersachsen wurde 1438 gebaut und hatte schließlich „das typische Bild eines Adelssitzes der Spätrenaissance“. 1666/67 wurde sie zur Festung mit vier Eckbastionen ausgebaut. Von der Burganlage sind heute im Gelände der leicht erhöhte Burgplatz, zwei Teilstücke des südlichen Wassergrabens der Hauptburg sowie der äußere Wassergraben mit einer Breite von 15–20 m erhalten. Im Süden sind zudem der Festungswall und Reste der Süd- und Ost-Bastion des äußeren Befestigungsringes erkennbar. Gebäude sind nur noch auf dem Vorburggelände vorhanden. Darunter befinden sich das Torhaus aus dem 16. Jahrhundert, der zweigeschossige, ehemalige Marstall aus der 2. Hälfte des 16. Jhs. mit achteckigem Treppenturm und zwei Stallgebäude. Die Burg liegt auf dem Gebiet der Stadt Wilhelmshaven und befindet sich in Privatbesitz. Lediglich der sogenannte Ahnensaal und einige Nebenräume gehören der „Stiftung Burg Kniphausen“, die diese für Kulturveranstaltungen und Ausstellungen zur Verfügung stellt.

In Sankt Willehad in Accum (Schortens) sehen wir das Grabmal für den Häuptling Tido von Inn- und Kniphausen († 18. Februar 1565) und seine Frau Eva von Renneberg († 1579). Es befindet sich vorne in der Kirche neben dem hölzernen Abendmahltisch. Der Doppelgrabstein aus schwarzem Marmor ist ein Beispiel bester flämischer Renaissance-Porträtplastik. 1526 führte Tido von Kniphausen die ev./reform. Konfession gegen erheblichen Widerstand der umliegenden Landesherren ein. Noch heute ist die ev./reform. Kirche in Accum eine Enklave in dem überwiegend ev/luth. Kirchenbereich.


Der Schortenser Stadtteil Accum


Zwischen Jever und Wilhelmshaven liegt das idyllische Dorf Accum, das einen Stadtteil der niedersächsischen Gemeinde Schortens im Landkreis Friesland bildet.

Die Windmühle von Accum

Die Accumer Mühle ist eine Galerieholländerwindmühle im Schortenser Stadtteil Accum. Sie wurde 1746 errichtet und ist heute in einem voll funktionsfähigem Zustand. Der Erhalt und Betrieb der Mühle wird durch den Arbeitskreis Accumer Mühle e.V. sichergestellt.


Der Galerieholländer, dessen Kappe von einer Windrose in den Wind gedreht wird, wurde 1746 erbaut. Die ursprünglich als Getreide- und Peldemühle gebaute Windmühle verfügt heute über zwei voll betriebsfähige Mahlgänge, einen Sechskornsichter zur Mehlfeinsortierung und eine Haferquetsche. Die Mühle ist 16 m hoch, das Flügelkreuz mit je zwei Jalousie- und zwei Segelflügeln misst 20m, die Windrose 5m. Die 1846 erbaute, zur Mühle gehörige Scheune wurde vollständig restauriert. Als Cafe und Versammlungsraum bietet sie bis zu 80 Personen Platz. 1990/91 wurde ein Backhaus mit einem nachgebauten Tunnelbackofen errichtet. Mühle, Backhaus und Scheune ermöglichen heute den Werdegang vom Korn zum Brot praktisch und theoretisch zu vermitteln.

Sankt Willehad in Accum

Die altehrwürdige St. Willehad-Kirche, die im Mittelpunkt der wechselvollen Geschichte der ehemaligen Friesenhäuptlinge steht, ist das Wahrzeichen von Accum. Die ursprüngliche Holzkirche wurde bereits im 13. Jahrhundert durch eine Steinkirche ersetzt. Zahlreiche Sturmfluten hatten ihre starken Spuren an der alten Kirche hinterlassen, so dass man sich im Jahre 1719 aus Sicherheitsgründen für den Neubau der St. Willehad-Kirche entschied. Sie ist die einzige reformierte Kirche in der sonst lutherischen oldenburgischen Landeskirche.


In der Accumer Kirche gilt das Tido-Denkmal, unter dem sich die Grabstätte des Tido von Kniphausen und seiner Frau Eva von Renneberg befindet, als besonderes Kunstwerk. Der Reformer und seine Gattin hatten zusammen den Grundstein für den Neubau gelegt. Das Grabmal ist in schwarzem Marmor gehalten und bietet eines der hervorragendsten Beispiele für die flämische Renaissance-Porträtplastik ab.

Im Jahre 1948 kam Accum zur Gemeinde Sillenstede, die sich im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen 1972 mit der Gemeinde Schortens vereinte.

Freitag, 14. April 2023

Die Kraft der Windes - Windmühlen in Friesland und Ostfriesland


Die Accumer Mühle ist eine Galerieholländerwindmühle im Schortenser Stadtteil Accum. Sie wurde 1746 errichtet und ist heute in einem voll funktionsfähigem Zustand. Der Erhalt und Betrieb der Mühle wird durch den Arbeitskreis Accumer Mühle e.V. sichergestellt.


Die ursprünglich als Getreide- und Peldemühle gebaute Windmühle verfügt heute über zwei voll betriebsfähige Mahlgänge, einen Sechskornsichter zur Mehlfeinsortierung und eine Haferquetsche. Die Mühle ist 16 m hoch, das Flügelkreuz mit je zwei Jalousie- und zwei Segelflügeln misst 20m, die Windrose 5m. Die 1846 erbaute, zur Mühle gehörige Scheune wurde vollständig restauriert. Als Cafe und Versammlungsraum bietet sie bis zu 80 Personen Platz. 1990/91 wurde ein Backhaus mit einem nachgebauten Tunnelbackofen errichtet. Mühle, Backhaus und Scheune ermöglichen heute den Werdegang vom Korn zum Brot praktisch und theoretisch zu vermitteln.

Die Windmühle von Sillenstede (Schortens) - Die in Privatbesitz (bewohnt) befindliche Mühle liegt an der Niedersächsischen Mühlenstraße. Sie ist gleichwohl im Ort nur schwer zu finden, denn sie liegt versteckt (von außerhalb des Dorfes sieht man sie gut) und ist nicht ausgeschildert.


Vor 150 Jahren war die Sillensteder Mühle markantes Gebäude im Ort. Inzwischen liegt sie etwas versteckt – ringsherum ist eine Wohnsiedlung entstanden. Die Mühle wurde 1862 errichtet. Erstes Zeugnis davon legt eine alte Anzeige in einer Tageszeitung vom 8. April 1872 ab.

Die allgemeine Entwicklung machte auch vor der Sillensteder Mühle nicht hat. Im Jahre 1964 musste der Mühlenbetrieb aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt werden. Der neue Pächter richtet in der Mühle einen Landhandel ein. Die Eigentümer des Anwesens haben danach noch zweimal gewechselt, bis 1978 die Familie Schmitz aus Bottrop im Ruhrgebiet den Besitz übernahm. Die Mühle wurde gründlich renoviert, Mühlenkopf und Windrose erneuert, Segelgatterflügel montiert und das Objekt zu Wohnzwecken umgebaut, ohne dass die äußere Gestaltung beeinträchtigt wurde. Die Arbeiten waren 1999 beendet. So ist die Sillensteder Windmühle als imposantes Bauwerk bis heute erhalten. Ringsherum sind im Lauf der Jahre viele Wohnhäuser entstanden.

Das Agrarkulturerbe Ditzumer Mühle (erbaut 1769)


Ditzum ist ein Sielhafen im Bereich der Emsmündung. Die Windmühle ist ein sog. Agrarkulturerbe, d.h. ein Denkmal, das Zeugnis ablegt von der alten bäuerlichen Kultur des Rheiderlandes.

Die Stumpenser Mühle bei Horumersiel im Wangerland, derzeit im Dornröschenschlaf - Rund vier Jahrzehnte stand sie im Eigentum der Familie Kramme aus Dortmund, die den Galerieholländer in den siebziger Jahren vor dem Verfall bewahrte. Die Mühle wurde damals zu einer Teestube umgebaut. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Müller „Dodi“ Adden noch einen florierenden Müllerbetrieb und Landhandel dort geführt. Vor einigen Jahren haben Wolf und Erika Kramme die Mühle aus Altersgründen verkauft.


Die Windmühle stammt aus dem Jahr 1816, ist also mehr als 200 Jahre alt und die einzige historische Mühle im Wangerland.

Die Windmühle von Ostgroßefehn

Zweistöckiger Galerieholländer mit Windrose. Müllerhaus und Anbauten, Pelde und Mahlmühlen. Die Firsthöhe beträgt 21m, Galeriehöhe 8m, Flügelflucht 22m, drei Mahlgänge, davon Motormahlgang, max. erreichbare Energie 30 KW.


1804 wurde die Mühle von Jann Fokken Mühler erbaut. Um 1900 erzeugt die Mühle auch Strom. 20 Personen sind zu diesem Zeitpunkt in der Mühle und der dazugehörigen Bäckerei angestellt. Die Mühle wird bis 1968 gewerblich genutzt. Von 1969 bis 1988 wird die Mühle als mühlen- und fehngeschichtliches Museum der Gemeinde Großefehn genutzt. 1991 erwarb die Gemeinde Großefehn die Windmühle mit Müllerhaus und Nebengebäude.

1992/93 wurde die Mühle mit Finanzhilfen der EU umgebaut und vollständig renoviert. Während die einzelnen Gebäude im alten Stil wieder ausgebaut wurden, erhielt die Windmühle zusätzlich zu der bisherigen Innenkonstruktion modernste Technik. Die anfallende mechanische Leistung soll in elektrische Energie umgewandelt werden. Dazu wurde neben den Mahlgängen ein Generator eingebaut, der die elektrische Energie in das Netz eingespeist. Das Pilotprojekt wurde in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Ostfriesland und der Universität Bremen realisiert. Diese Windmühle zeigt damit historische Mühlentechnik kombiniert mit modernster Elektrotechnik und zeigt die Möglichkeit der Windenergienutzung mit historischen Windmühlen auf.

Die Mühle und das angrenzende Packhaus dienen heute als Kunstgalerie mit russischer Malerei. Unter dem Reetdach werden in einem Standesamt-Zimmer Ehen geschlossen. Der benachbarte Mühlenhof dient heute als Familienzentrum. Vor seiner Haustür liegt das ehemalige „Törfmuttje“ „Antje“, die heute als ein kleines Café dient.

Dienstag, 28. Februar 2023

Land der Windmühlen

Das Agrarkulturerbe Ditzumer Mühle (erbaut 1769)

Ditzum ist ein Sielhafen im Bereich der Emsmündung. Die Windmühle ist ein sog. Agrarkulturerbe, d.h. ein Denkmal, das Zeugnis ablegt von der alten bäuerlichen Kultur des Rheiderlandes.


Im Jahre 1769 konnte nach zähen Bemühungen um ihre Genehmigung eine Mühle in Ditzum durch den Jemgumer Müller Conrad Crehling erbaut werden. Die Mühle befand sich im Ortskern von Ditzum, am Standort der heutigen Mühle. Ein Dorfbrand vernichtete 1882 Mühle und Scheune; der Wiederaufbau erfolgte jedoch bereits ein Jahr später. Der gemauerte Unterbau stammt aus diesem Jahr. Die Mühle wurde - zum Beispiel durch den Einbau einer Windrose - fortlaufend restauriert. 1905 erhielt sie einen zusäzlichen Motorantrieb durch einen Deutz-Dieselmotor, der in einem gesonderten Motorhäuschen stand.

Im April 1943 geriet die Mühle erneut in Brand und wurde bis auf den Unterbau vernichtet. Wegen der Bedeutung der Mühle für die Versorgung der Bevölkerung wurde sie im gleichen Jahr wieder aufgebaut, jedoch nur als Motormühle mit einem flachen Dach. In den letzten Kriegstagen Ende April 1945 geriet Ditzum unter heftigen Beschuss. Infolgedessen brannten die Mühle, das Müllerhaus und die Scheine total aus.

Unter großen Mühen wurde in den ersten Nachkriegsjahren die Mühle als Motormühle wieder in Betrieb genommen und bis zum Tod des Letzten Müllers Nilolaus Steen im Jahr 1986 betrieben. Durch das Dorferneuerungsprogramm des Landes Niedersachsen (Ditzum war Modelldorf) konnte die Gemeinde Jemgum das Anwesen erwerben. 1991 bargen Mitglieder des Mühlenvereins in Lehm gemauerte Steine aus alten Abbruchhäusern. Der steinerne Unterbau der Mühle wurde damit restauriert und erhöht, damit die neue Galerei über die Dächer der angrenzenden Häuser ragen konnte.

1992 wurde von einem Landungsboot der Bundesmarine im Rahmen einer Übung ein alter Mühlenachtkant aus Strübbel (Schleswig-Holstein) nach Ditzum überführt. Der Achtkant wurde vor Ort repariert und mit Schiefer gedeckt. Im September 1992 wurden der restaurierte Achtkant und die neu angefertigte Galerie auf den Mühlenstumpf aufgesetzt. Die neu angefertigten Teile (Königswelle, Kappe und Windrose wurden im Juni 1994 montiert. Es folgten die in den Niederlanden angefertigten Flügel. Nach ihrer Fertigstelling ist die heutige Mühle ein einzigartiges, technisches Denkmal aus alten und neuen Bauteilen.

Die Stumpenser Mühle bei Horumersiel


Rund vier Jahrzehnte stand sie im Eigentum der Familie Kramme aus Dortmund, die den Galerieholländer in den siebziger Jahren vor dem Verfall bewahrte. Die Mühle wurde damals zu einer Teestube umgebaut. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Müller „Dodi“ Adden noch einen florierenden Müllerbetrieb und Landhandel dort geführt. Vor einigen Jahren haben Wolf und Erika Kramme die Mühle aus Altersgründen verkauft. Die Windmühle stammt aus dem Jahr 1816, ist also mehr als 200 Jahre alt und die einzige historische Mühle im Wangerland.

Die Seriemer Mühle

Inmitten der ostfriesischen Landschaft nahe Neuharlingersiel steht die über 200 Jahre alte Seriemer Mühle. Sie ist ein Stück Geschichte, prägt die Tradition von Generationen von Müllern, die hier bis 1975 Getreide zu Mehl verarbeiteten. Die denkmalgeschützte Seriemer Mühle ist eine Besonderheit im ostfriesischen Raum, nicht zuletzt auf Grund der historischen Ausstattung.


Die Windmühle von Ostgroßefehn

1804 wurde die Mühle von Jann Fokken Mühler erbaut. Um 1900 erzeugt die Mühle auch Strom. 20 Personen sind zu diesem Zeitpunkt in der Mühle und der dazugehörigen Bäckerei angestellt. Die Mühle wird bis 1968 gewerblich genutzt. Von 1969 bis 1988 wird die Mühle als mühlen- und fehngeschichtliches Museum der Gemeinde Großefehn genutzt. 1991 erwarb die Gemeinde Großefehn die Windmühle mit Müllerhaus und Nebengebäude.


1992/93 wurde die Mühle mit Finanzhilfen der EU umgebaut und vollständig renoviert. Während die einzelnen Gebäude im alten Stil wieder ausgebaut wurden, erhielt die Windmühle zusätzlich zu der bisherigen Innenkonstruktion modernste Technik. Die anfallende mechanische Leistung soll in elektrische Energie umgewandelt werden. Dazu wurde neben den Mahlgängen ein Generator eingebaut, der die elektrische Energie in das Netz eingespeist. Das Pilotprojekt wurde in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Ostfriesland und der Universität Bremen realisiert. Diese Windmühle zeigt damit historische Mühlentechnik kombiniert mit modernster Elektrotechnik und zeigt die Möglichkeit der Windenergienutzung mit historischen Windmühlen auf.

Die Werdumer Mühle ist ein Erdholländer in der Gemeinde Werdum im Landkreis Wittmund in Niedersachsen.
Die Werdumer Mühle musste nach einem schweren Sturmschaden 1802 komplett neu aufgebaut werden. Im Gegensatz zu den meisten anderen Mühlen war die Werdumer Mühle bis 1929 im Familienbesitz der Burgherren in Edenserloog, die sie auch finanzierten. Seit 1929 ist die derzeitige Mühle in Besitz der Familie Post, die heute die zugehörige Bäckerei mit Mühlencafé betreibt. Nachdem ein Orkan ein Flügelpaar abriss, erneuerte der neue Besitzer 1930 beide Flügelpaare. 1960 wurde der windbetriebene Mühlenbetrieb eingestellt. 1971 erfolgte die Stilllegung des gesamten Mühlenbetriebs.

Die Windmühle von Accum

Das Kulturdenkmal von 1746 wird vom Arbeitskreis Accumer Mühle von 1993 e.V. betrieben. Der Galerieholländer, dessen Kappe von einer Windrose in den Wind gedreht wird, wurde ursprünglich als Getreide- und Peldemühle gebaut.
Die Windmühle verfügt heute über zwei voll betriebsfähige Mahlgänge, einen Sechskornsichter zur Mehlfeinsortierung und eine Haferquetsche. Die Mühle ist 16 m hoch, das Flügelkreuz mit je zwei Jalousie- und zwei Segelflügeln misst 20m, die Windrose 5m. Die 1846 erbaute, zur Mühle gehörige Scheune wurde vollständig restauriert. Als Café und Versammlungsraum bietet sie bis zu 80 Personen Platz. 1990/91 wurde ein Backhaus mit einem nachgebauten Tunnelbackofen errichtet. Mühle, Backhaus und Scheune ermöglichen heute den Werdegang vom Korn zum Brot praktisch und theoretisch zu vermitteln.


Freitag, 24. Februar 2023

Bedeutende mittelalterlich Grabmale

Das Edo-Wiemken-Denkmal ist ein von 1561 bis 1564 geschaffenes Grabmal für Edo Wiemken den Jüngeren, den letzten männlichen Regenten der Herrschaft Jever. Das denkmalgeschützte Grabmal steht in der evangelisch-lutherischen Stadtkirche am Kirchplatz in Jever und befindet sich im Besitz des Landes Niedersachsen.

Das Edo-Wiemken-Grabmal ist eines der bedeutendsten Renaissancegrabmäler in Norddeutschland.

Maria von Jever ließ es für ihren Vater Edo Wiemken in den Jahren zwischen 1561 und 1564 von dem niederländischen Künstler/Handwerker Heino Hagart ausführen. Das Grabmal gilt als bedeutendes Zeugnis niederländischer Bau- und Schnitzkunst der Renaissance. Hagart war ein Schüler von Cornelis Floris II., einem bekannten Antwerpener Architekten und Bildhauer, dessen sogenannter Florisstil von seinen Schülern und Nachfolgern nicht nur in den Niederlanden, sondern auch nach Dänemark und über die Küstenländer der Ostsee, Norddeutschland, bis weit nach Süddeutschland verbreitet wurde.

Im Zentrum liegt der porträthaft dargestellte Häuptling auf einem Katafalk, über ihm erhebt sich eine kunstvolle Kuppel, die auf einem achteckigen Innenbau aufgesetzt ist. Sowohl durch die Vielfalt der verwendeten Materialien als auch durch die zahlreichen beigefügten Figuren ergibt sich für den Betrachter eine Bilderfülle.

Das Grabmal steht noch heute im Chor der Stadtkirche und kann durch eine Glasscheibe besehen werden.

Wahrscheinlich entstand es in Konkurrenz zu dem aufwändigen Grabmal in Emden, das Anna von Oldenburg 1548 für ihren verstorbenen Mann Enno II. von Ostfriesland in Auftrag gab.

Vermutlich ruht die 1575 verstorbene Maria von Jever unerkannt unter dem prachtvollen Denkmal ihres Vaters Edo Wiemken in der Stadtkirche. Fräulein Maria starb im Alter von 75 Jahren. Eine feierliche, große Beerdigung hat es nicht gegeben. Begraben wurde Maria in aller Heimlichkeit.

Das Grabmal überstand zwei Brände der Stadtkirche in den Jahren 1728 und 1959, da es früher nicht direkt zugänglich war, sondern sich hinter einer geschlossenen Steinwand befand. Die Steinmauer wirkte wie eine Brandmauer und rettete beide Male das Denkmal vor den Flammen.

Beim Wiederaufbau der Stadtkirche 1962–1964 wurde der ehemalige Chor in den neuen Kirchenbau einbezogen, indem man das neue Kirchengebäude vor den alten Chorteil setzte und die ursprüngliche Steinmauer durch eine Glastrennwand ersetzte, so dass das Grabmal heute während der Öffnungszeiten der Stadtkirche zu sehen ist.


Die von einem unbekannten Meister Mitte des 13. Jahrhunderts geschaffenen lebensgroßen Reliefsteine in der ehemaligen Klosterkirche Frauenroth (Gemeinde Burkardroth, Landkreis Kissingen), die das Stifterpaar darstellen, zählen zu den bedeutendsten bildhauerischen Meisterwerken jener Zeit und sind der wertvollste Kunstschatz der Rhön. Graf Otto von Bodenlauben-Henneberg, Kreuzritter und Minnesänger (seine Lieder sind in der Manesse-Handschrift aufgenommen, der Sammlung der bedeutendsten Dichtung des Mittelalters) und seine Gemahlin Beatrix von Courtenay, Tochter eines Fürstengeschlechts aus Palästina und zu ihrer Zeit als morgenländische Schönheit gepriesen, hatten nach ihrer Rückkehr aus dem heiligen Land das Kloster gegründet. Der Sage nach soll die Gründung an dem Ort erfolgt sein, an dem Burkhardrother Frauen den vom Wind weggetragenen Schleier der Gräfin gefunden haben. In der Wandnische im Hintergrund wird noch immer eine Attrappe des Legenden-Schleiers aufbewahrt.

Ein anderes beeindruckendes Doppelgrabmal finden wir in Friesland:

In Sankt Willehad in Accum (Schortens) sehen wir das Grabmal für den Häuptling Tido von Inn- und Kniphausen († 18. Februar 1565) und seine Frau Eva von Renneberg († 1579). Es befindet sich vorne in der Kirche neben dem hölzernen Abendmahltisch. Der Doppelgrabstein aus schwarzem Marmor ist ein Beispiel bester flämischer Renaissance-Porträtplastik.


Montag, 27. September 2021

Friesische Herrlichkeiten (Herrschaften): Gödens und Kniphausen

Die Herrlichkeit Gödens: Schloß Gödens und Neustadtgödens

Die Herrlichkeit Gödens war eine Herrschaft im Osten der ostfriesischen Halbinsel und gehörte zur Grafschaft Ostfriesland. Sie grenzte im Südosten an das Land Oldenburg und im Nordosten an das politische Territorium der Herrschaft Jever. Zur Herrlichkeit gehörten die Kirchspiele Altgödens und Dykhausen. Stammsitz der Herrschaften von Gödens war das Schloß Gödens. Die Herrlichkeit bestand bis 1839 und wurde dann dem damals neugebildeten Amt Friedeburg zugeschlagen.


Bekannt geworden ist die Herrlichkeit Gödens vor allem als Ort religiöser Vielfalt. Im größten Ort der Herrlichkeit, Neustadtgödens, entstanden innerhalb von nur fünfzig Jahren fünf Gotteshäuser und das bei nur rund 800 Einwohnern. Neben den ursprünglich reformierten Einwohnern lebten hier Menschen lutherischen, katholischen, mennonitischen und jüdischen Glaubens.

1746 kam Gödens durch Heirat in den Besitz der Familie von Wedel. Die bis heute bewohnte Burg wird von der Stiftung Kulturerbe Schloß Gödens verwaltet und ist nur bei Veranstaltungen, insbesondere während der Landpartie am Pfingstwochenende und des Weihnachtsmarkts am ersten Adventswochenende, teilweise zu besichtigen. Der Schloßpark ist von Montag bis Freitag zugänglich.

Die Herrschaft Kniphausen

Wir fahren von Sillenstede (Schortens) über die Kopfsteinpflaster-Piste nach Fedderwarden (Wilhelmshaven) und besuchen dort die Burg Kniphausen.

Die Burg war lange Zeit Mittelpunkt und Regierungssitz der Herrlichkeit oder Herrschaft Kniphausen.


In Sankt Willehad in Accum (Schortens) sehen wir das Grabmal für den Häuptling Tido von Inn- und Kniphausen († 18. Februar 1565) und seine Frau Eva von Renneberg († 1579). Es befindet sich vorne in der Kirche neben dem hölzernen Abendmahltisch. Der Doppelgrabstein aus schwarzem Marmor ist ein Beispiel bester flämischer Renaissance-Porträtplastik.

1526 führte Tido von Kniphausen die ev./reform. Konfession gegen erheblichen Widerstand der umliegenden Landesherren ein. Noch heute ist die ev./reform. Kirche in Accum eine Enklave in dem überwiegend ev/luth. Kirchenbereich.

1718/19 wurde die durch Sturmfluten zerstörte Kirche in der jetzigen Form neuerbaut.

Die Herrschaft Kniphausen umfasste die Kirchspiele Accum, Sengwarden und Fedderwarden.

Freitag, 16. Juli 2021

Accum - Ein Dorf in Friesland


Zwischen Jever und Wilhelmshaven liegt das idyllische Dorf Accum, das einen Stadtteil der niedersächsischen Gemeinde Schortens im Landkreis Friesland bildet.

Die Windmühle von Accum

Die Accumer Mühle ist eine Galerieholländerwindmühle im Schortenser Stadtteil Accum. Sie wurde 1746 errichtet und ist heute in einem voll funktionsfähigem Zustand. Der Erhalt und Betrieb der Mühle wird durch den Arbeitskreis Accumer Mühle e.V. sichergestellt.


Der Galerieholländer, dessen Kappe von einer Windrose in den Wind gedreht wird, wurde 1746 erbaut. Die ursprünglich als Getreide- und Peldemühle gebaute Windmühle verfügt heute über zwei voll betriebsfähige Mahlgänge, einen Sechskornsichter zur Mehlfeinsortierung und eine Haferquetsche. Die Mühle ist 16 m hoch, das Flügelkreuz mit je zwei Jalousie- und zwei Segelflügeln misst 20m, die Windrose 5m. Die 1846 erbaute, zur Mühle gehörige Scheune wurde vollständig restauriert. Als Cafe und Versammlungsraum bietet sie bis zu 80 Personen Platz. 1990/91 wurde ein Backhaus mit einem nachgebauten Tunnelbackofen errichtet. Mühle, Backhaus und Scheune ermöglichen heute den Werdegang vom Korn zum Brot praktisch und theoretisch zu vermitteln.

Sankt Willehad in Accum

Die altehrwürdige St. Willehad-Kirche, die im Mittelpunkt der wechselvollen Geschichte der ehemaligen Friesenhäuptlinge steht, ist das Wahrzeichen von Accum. Die ursprüngliche Holzkirche wurde bereits im 13. Jahrhundert durch eine Steinkirche ersetzt. Zahlreiche Sturmfluten hatten ihre starken Spuren an der alten Kirche hinterlassen, so dass man sich im Jahre 1719 aus Sicherheitsgründen für den Neubau der St. Willehad-Kirche entschied. Sie ist die einzige reformierte Kirche in der sonst lutherischen oldenburgischen Landeskirche.


In der Accumer Kirche gilt das Tido-Denkmal, unter dem sich die Grabstätte des Tido von Kniphausen und seiner Frau Eva von Renneberg befindet, als besonderes Kunstwerk. Der Reformer und seine Gattin hatten zusammen den Grundstein für den Neubau gelegt. Das Grabmal ist in schwarzem Marmor gehalten und bietet eines der hervorragendsten Beispiele für die flämische Renaissance-Porträtplastik ab.

Im Jahre 1948 kam Accum zur Gemeinde Sillenstede, die sich im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen 1972 mit der Gemeinde Schortens vereinte.


Die heutige evangelisch-lutherische St.-Florian-Kirche wurde im Jahre 1233 fertiggestellt. Sie ist mit 48 m Länge die größte und bedeutendste Granitquaderkirche Frieslands. Die Kirche wurde St. Florian, dem Schutzpatron in Feuers- und Wassernot, geweiht. Wie in zahlreichen lutherischen Gemeinden Nordwestdeutschlands findet sich auf dem Kirchendach anstelle eines Wetterhahnes ein Schwan, der im christlichen Kontext als Symbol für den Reformator Martin Luther gedeutet wird. In der seit der Reformation protestantischen Kirche befindet sich ein Taufstein aus dem Jahre 1250, einer der ältesten und wertvollsten Taufsteine im Oldenburger Land. Der Passionsaltar von 1515/1520 ist aus Eichenholz geschnitzt und zeigt die Leidensgeschichte Jesu Christi in 13 Bildern. Ein weiteres Prunkstück ist die Johann-Adam-Berner-Orgel aus dem Jahre 1757. Trotz deutlicher Erweiterung hat sie ihren ursprünglichen Klang erhalten. 11 der heute 21 Register sind ursprünglich. Die Berner-Orgel steht im Mittelpunkt einer Orgelkonzertreihe, die jährlich vom Anfang Juni bis Mitte September an jedem Samstag ein Orgelkonzert anbietet.

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die 1862 erbaute Holländerwindmühle, die sich in einem Wohngebiet zwischen der Mühlenstraße und der Georg-Janßen-Straße befindet. Der Mühlenbetrieb wurde 1964 aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Danach diente sie zunächst als Standort für einen Landhandel, bevor sie dann 1978 in Privatbesitz kam und zu Wohnzwecken umgebaut wurde, ohne dass das äußere Erscheinungsbild darunter leiden musste.



Mittwoch, 16. Juni 2021

Friesische Highlights


Sankt Stephanus in Schortens und Sankt Florian in Sillenstede - Sankt Stephanus ist die älteste sicher datierbare Steinkirche auf der Ostfriesischen Halbinsel, Sankt Florian in Sillenstede ist die älteste und größte Granitquaderkirche Frieslands.


Bedeutende Norddeutsche Renaissancegrabmale



Das Edo-Wiemken-Denkmal steht im historischen Chor der Stadtkirche von Jever, den Edo Wiemkens Tochter Maria von Jever in eine Grabkapelle umwandeln ließ, damit dort von 1561 bis 1564 das Grabmal für ihren Vater entstehen konnte. Das von Heinrich Hagart geschaffene Grabmal gilt als bedeutendes Zeugnis niederländischer Bau- und Schnitzkunst der Renaissance. Hagart war ein Schüler von Cornelis Floris II., einem bekannten Antwerpener Architekten und Bildhauer, dessen sogenannter Florisstil von seinen Schülern und Nachfolgern nicht nur in den Niederlanden, sondern auch nach Dänemark und über die Küstenländer der Ostsee, Norddeutschland, bis weit nach Süddeutschland verbreitet wurde.

Beim Wiederaufbau der Stadtkirche 1962–1964 wurde der ehemalige Chor in den neuen Kirchenbau einbezogen, indem man das neue Kirchengebäude vor den alten Chorteil setzte und die ursprüngliche Steinmauer durch eine Glastrennwand ersetzte, so dass das Grabmal heute während der Öffnungszeiten der Stadtkirche zu sehen ist.


In Sankt Willehad in Accum (Schortens) sehen wir das Grabmal für den Häuptling Tido von Inn- und Kniphausen († 18. Februar 1565) und seine Frau Eva von Renneberg († 1579). Es befindet sich vorne in der Kirche neben dem hölzernen Abendmahltisch. Der Doppelgrabstein aus schwarzem Marmor ist ein Beispiel bester flämischer Renaissance-Porträtplastik.

Montag, 14. Juni 2021

Die Herrschaft Kniphausen


Die Herrschaft Kniphausen, bis ins 17. Jahrhundert auch Herrlichkeit von In- und Kniphausen genannt, war als reichsunmittelbares Territorium ein Teil Frieslands und wurde von friesischen Häuptlings- und Adelsfamilien regiert. Sie lag in der Östringer Marsch, am Stadtrand und zum Teil auf dem heutigen Stadtgebiet von Wilhelmshaven. Die Herrlichkeit entstand gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Erster Herr war der friesische Häuptling Fulf (auch Folef) von In- und Kniphausen (etwa 1465–1530/31), der durch Erbschaft in den Besitz der Burgen Inhausen und Kniphausen gelangte. Zu dieser Zeit umfasste die Herrlichkeit eine Fläche von etwa 45 km² mit den Kirchspielen Fedderwarden, Sengwarden und Accum.


Wir fahren von Sillenstede (Schortens) über die Kopfsteinpflaster-Piste nach Fedderwarden (Wilhelmshaven) und besuchen dort die Burg Kniphausen. Die Burg war lange Zeit Mittelpunkt und Regierungssitz der Herrlichkeit oder Herrschaft Kniphausen.


In Sankt Willehad in Accum (Schortens) sehen wir das Grabmal für den Häuptling Tido von Inn- und Kniphausen († 18. Februar 1565) und seine Frau Eva von Renneberg († 1579). Es befindet sich vorne in der Kirche neben dem hölzernen Abendmahltisch. Der Doppelgrabstein aus schwarzem Marmor ist ein Beispiel bester flämischer Renaissance-Porträtplastik.

1526 führte Tido von Kniphausen die ev./reform. Konfession gegen erheblichen Widerstand der umliegenden Landesherren ein. Noch heute ist die ev./reform. Kirche in Accum eine Enklave in dem überwiegend ev/luth. Kirchenbereich.

1718/19 wurde die durch Sturmfluten zerstörte Kirche in der jetzigen Form neuerbaut.

Die Windmühle von Accum


Das Kulturdenkmal von 1746 wird vom Arbeitskreis Accumer Mühle von 1993 e.V. betrieben. Der Galerieholländer, dessen Kappe von einer Windrose in den Wind gedreht wird, wurde ursprünglich als Getreide- und Peldemühle gebaut. Die Windmühle verfügt heute über zwei voll betriebsfähige Mahlgänge, einen Sechskornsichter zur Mehlfeinsortierung und eine Haferquetsche. Die Mühle ist 16 m hoch, das Flügelkreuz mit je zwei Jalousie- und zwei Segelflügeln misst 20m, die Windrose 5m. Die 1846 erbaute, zur Mühle gehörige Scheune wurde vollständig restauriert.

Sengwarden

Sengwarden ist ein Stadtteil der niedersächsischen Stadt Wilhelmshaven. Sengwarden grenzt an die Stadtteile Fedderwarden, Fedderwardergroden und Voslapp sowie an die im Landkreis Friesland liegenden Orte Sillenstede und Hooksiel. Zwei Sehenswürdigkeiten prägen das Ortsbild: Eine Mühle sowie die auf einer 8,6 Meter hohen Wurt gelegene St.-Georgs-Kirche.


Zu den besonderen Baudenkmälern Sengwardens gehört die romanische St.-Georgs-Kirche. Sie ist das Gotteshaus der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde und stammt aus den Jahren um 1250. Die heutige Kirche hatte mindestens einen Vorgängerbau, dessen Vorhandensein 1168 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Diese Kirche wurde 1176 in der Östringer Fehde zerstört. Den ältesten Teil der ursprünglich aus einseitig geglätteten Granit-Quadersteinen errichten Kirche bildet die Nordmauer. Eine erste großangelegte Restaurierung erfolgte in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Bei dieser Gelegenheit wurde die Südwand mit Backsteinen hochgezogen und Kirchenfenster im spätgotischen Stil eingelassen. In dieser Phase wurde auch die gotische Apsis angefügt. Die Deckenbemalung, die durch die alte Bemalung der Tettenser Kirche inspiriert worden ist, stammt aus dem Jahr 1904. Sie wurde 1963 restauriert. Die Länge der Kirche beträgt insgesamt 42 Meter. Davon fallen 7,5 Meter auf den Vorraum und 11,5 Meter auf die Apsis. Die Breite der Kirche misst 10 Meter, ihre Höhe bis zur Spitze des Giebels 20 Meter. Dazu gerechnet werden muss noch der Dachreiter, der das für Sengwarden typische Pferd darstellt. Seine Höhe beträgt 6,5 Meter.

Die Orgel der St.-Georgs-Kirche wurde in den Jahren 1643 und 1644 vom Göttinger Orgelbaumeister Jost Sieburg erbaut. Im Jahre 1904 ist jedoch das alte Orgelwerk entfernt worden. An seine Stelle trat 1936 die in der Wilhelmshavener Orgelwerkstatt Alfred Führer entstandene zweimanualige Schleifladenorgel. Sie verfügt über eine mechanische Traktur und Registratur und insgesamt 26 Register (Hauptwerk: elf; Rückpositiv: acht; Pedal: sieben). Bedingt durch die Kriegswirren und die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse der Nachkriegszeit konnte der Orgelbau erst 1964 vollendet werden. Der alte Orgelprospekt aus dem Jahr 1644 blieb dabei erhalten.

Sonntag, 2. Mai 2021

Sillenstede


Sillenstede - Stadtteil von Schortens -


Die Windmühle (Osterpiep 7) ist nicht leicht zu finden. 1862 ließ Friedrich Peter Oelrichs die Holländerwindmühle errichten. Sie war eingeschossig mit reetverkleidetem Oberteil. Als Oelrichs 1867 starb, verkauften seine Erben den Mühlenbesitz an Johann Hermann Eilks, der von 1895 bis 1910 Vorsteher der Gemeinde Sillenstede war. Der Achskopf trägt noch heute die Initialen J.H.E. 1891. Bis 1928 blieb das Anwesen im Eigentum der Familie Eilks, danach übernahm der Müller Meent Hinrich Meents den Mühlenbetrieb. Um 1950 führte er die Feinmüllerei ein (Herstellung von kleiefreiem Mehl für die Backwarenproduktion). 1953 ließ er das Windwerk abnehmen und in den Stumpf eine Motormühle einbauen. 1964 beendete Meents nach 36 Jahren seine Müllerzeit. Ein Pächter richtete in der Mühle einen Landhandel ein. Ab 1978 wechselte die Mühle noch zweimal den Eigentümer. Dann fand sich mit Franz Schmitz aus Bottrop ein Mühlenliebhaber, der die Instandsetzung in Angriff nahm. Die Reetverkleidung des Oberteils wurde erst durch Schindeln, später durch eine Kupferabdeckung mit Reet an den Achtkantecken ersetzt; Mühlenkopf und Windrose wurden erneuert; neue Segelgatterflügel wurden montiert. Da die Mühle bis zur Höhe der Galerie einen angebauten, verbreiterten Unterbau besitzt, bot es sich an, sie zu Wohnzwecken umzunutzen, ohne das Gesamtbild zu beeinträchtigen. Die Arbeiten waren 1999 beendet. Der Mühlenkopf ist funktionsfähig.

Sankt Florian in Sillenstede ist mit 48 Metern Länge Frieslands älteste (Fertigstellung 1233) und größte Granitquaderkirche. Ein Prunkstück ist die Johann Adam Berner-Orgel aus dem Jahre 1757. Trotz deutlicher Erweiterung hat sie ihren ursprünglichen Klang erhalten. Zwölf der heute 21 Register sind ursprünglich. Die Berner-Orgel steht im Mittelpunkt einer Orgelkonzertreihe, die jährlich vom Anfang Juni bis Mitte September an jedem Samstag ein Orgelkonzert anbietet.

Von Sillenstede nach Grafschaft (auch Stadt Schortens) - In Grafschaft ist der nächste Supermarkt (Edeka), das nächste italienische Restaurant (Osteria), die nächste Apotheke und die nächste Bank.


Auch Accum ist ein Stadtteil der Stadt Schortens im Landkreis Friesland in Niedersachsen. Er liegt zwischen Jever und Wilhelmshaven.


1526 führte Tido von Kniphausen die ev./reform. Konfession gegen erheblichen Widerstand der umliegenden Landesherren ein. Noch heute ist die ev./reform. Kirche in Accum eine Enklave in dem überwiegend ev/luth. Kirchenbereich.

1718/19 wurde die durch Sturmfluten zerstörte Kirche in der jetzigen Form neuerbaut. Die Kirche selbst ist schlicht und einfach ausgestattet. Sie beherbergt eine von dem bekanntesten norddeutschen Orgelbauer, Arp Schnittger, geschaffene Orgel, sowie eine hervorragende flämische Renaissance-Portraitplastik aus schwarzem Marmor, dem Grabmal des Tido von Kniphausen und seiner Gattin Eva von Renneberg.

1746 wurde die Accumer Windmühle gebaut, die auch heute noch durch einen Verein betrieben wird.

Die Accumer Mühle ist eine Galerieholländerwindmühle im Schortenser Stadtteil Accum. Sie wurde 1746 errichtet und ist heute in einem voll funktionsfähigem Zustand. Der Erhalt und Betrieb der Mühle wird durch den Arbeitskreis Accumer Mühle e. V. sichergestellt.

Die Mühle hat eine Höhe von 18 Metern bis zur Oberkante der Kappe. Der Durchmesser des Flügelkreuzes beträgt 22 Meter. Sie verfügt über zwei Mahlgänge, einen Maschinenmahlgang, einen Peldegang sowie einen Walzenstuhl. Direkt neben der Mühle befindet sich die 1846 errichtete und in den Jahren 1988–1989 umfassend renovierte Scheune.





Donnerstag, 8. August 2019

Friesische Burgen und Schlösser

Die Norderburg in Dornum

Beningaburg und Norderburg in Dornum

Bereits um 1400 gab es in Dornum drei Häuptlingsburgen, die Westerburg, Norderburg und die Osterburg – die spätere Beningaburg. Die Norderburg wurde ebenso wie die Beningaburg wahrscheinlich im 14. Jahrhundert erbaut. Bauherr war vermutlich Olde Hero von Dornum, dessen Sohn und Erbe Lütet mit Ocka tom Brok verheiratet war. Auf der Norderburg ereignete sich 1397 das wohl bekannteste – und auch literarisch verarbeitete – Familiendrama der ostfriesischen Geschichte: Der Sohn des Erbauers der Norderburg, Lütet, erschlug – angeblich auf Anraten seiner Schwiegermutter – seine Gemahlin Ocka wegen angeblicher Untreue und Aufsässigkeit. Daraufhin zeigte sich die Schwiegermutter Foelke Kampana, Ehefrau des Häuptlings Ocko II. tom Brok und im Volksmund die „Quade Foelke“ genannt, von ihrer starken Seite und übernahm kurzerhand die Burg. Sowohl Lütet als auch sein Vater wurden auf Befehl der Schwiegermutter enthauptet.


Zur Geschichte des Burgenbaus in Ostfriesland siehe diesen Artikel.

Die Evenburg in Leer - Die Evenburg ist ein Wasserschloss im Leeraner Ortsteil Loga unweit der Leda.


Bereits im Jahr 1642 wurde die erste Evenburg als barockes Wasserschloss von Oberst Erhard Reichsfreiherr von Ehrentreuter erbaut. Das aufwendig gestaltete Hauptgebäude ist auf einer Schlossinsel, die von einem breiten Wassergraben umgeben ist, errichtet worden. Abbildungen zeigen es als zweigeschossigen Backsteinbau mit beidseitig niedrigeren Anbauten auf einem Kellergeschoss. Die sehr qualitätsvolle Gestaltung im Stil des Niederländischen Klassizismus ist mit Bauten der bekannten niederländischen Architekten der Mitte des 17. Jahrhunderts wie Jakob van Campen, Philips Vingboons oder Pieter Post vergleichbar. Das Schloss benannte der Erbauer nach seiner Gattin Eva von Ungnad —„Evenburg“. Nur eine Generation später gingen die Besitztümer 1690 durch Heirat auf die Grafen von Wedel über. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Vorburg errichtet. Es handelte sich ursprünglich um einen hufeisenförmigen Gebäudekomplex, der bis zum heutigen Tag in Teilen erhalten blieb. Das Portalgewände trägt die Jahreszahl 1650, die Tordurchfahrt wurde 1703 eingefügt.

Mitte des 19. Jahrhunderts war das Schloss für die Bedürfnisse der Bewohner zu klein und unmodern geworden. Carl Georg Graf von Wedel beauftragte den Hannoveraner Architekten Richard Stüve das Schloss Evenburg zu erweitern und umzubauen.

In den 1930er Jahren verlegten die von Wedels ihren Hauptwohnsitz nach Schloss Gödens, wo die Familie bis heute wohnt.


Burg Kniphausen in Fedderwarden (Wilhelmshaven)


Die Burg Kniphausen in Fedderwarden im Stadtgebiet von Wilhelmshaven in Niedersachsen wurde 1438 gebaut und hatte schließlich „das typische Bild eines Adelssitzes der Spätrenaissance“. 1666/67 wurde sie zur Festung mit vier Eckbastionen ausgebaut. Die Burg war lange Zeit Mittelpunkt und Regierungssitz der Herrlichkeit oder Herrschaft Kniphausen. Heute existiert von der ursprünglichen Burg nur noch der ehemalige Marstall mit dem Treppenturm und ein Torhaus. Die Burg liegt auf dem Gebiet der Stadt Wilhelmshaven und befindet sich in Privatbesitz. Lediglich der sogenannte Ahnensaal und einige Nebenräume gehören der „Stiftung Burg Kniphausen“, die diese für Kulturveranstaltungen und Ausstellungen zur Verfügung stellt.

Die Herrschaft Kniphausen, bis ins 17. Jahrhundert auch Herrlichkeit von In- und Kniphausen genannt, war als reichsunmittelbares Territorium ein Teil Frieslands und wurde von friesischen Häuptlings- und Adelsfamilien regiert. Sie lag in der Östringer Marsch, am Stadtrand und zum Teil auf dem heutigen Stadtgebiet von Wilhelmshaven. Die Herrlichkeit entstand gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Erster Herr war der friesische Häuptling Fulf (auch Folef) von In- und Kniphausen (etwa 1465–1530/31), der durch Erbschaft in den Besitz der Burgen Inhausen und Kniphausen gelangte. Zu dieser Zeit umfasste die Herrlichkeit eine Fläche von etwa 45 km² mit den Kirchspielen Fedderwarden, Sengwarden und Accum.

Das Grabmal für den Häuptling Tido von Inn- und Kniphausen († 18. Februar 1565) und seine Frau Eva von Renneberg († 1579) befindet sich in der Kirche von Accum (siehe dazu diesen Artikel).

Mittwoch, 7. August 2019

Die evangelisch-reformierten Kirchen von Resterhafe, Accum und Groothusen

Die auf einer Warf liegende Kirche von Resterhafe

Die St.-Matthäus-Kirche im Dornumer Stadtteil Resterhafe wurde vermutlich gegen Ende des 13. Jahrhunderts als Saalkirche aus Backsteinen im Stil der Frühgotik errichtet. Sie steht auf einer fünf Meter hohen freistehenden Warft. Bis zur Reformation unterstand die Kirche dem Erzbistum Bremen.


Die lettnerartige Schranke zwischen Chor und Schiff ist ein Werk des frühen 17. Jahrhunderts. Sie besteht aus Gitterstäben mit einem oberen Abschluss aus durchbrochenen Ranken. Der protestantische Flügelaltar mit seinen Inschriften wurde ebenfalls im 17. Jahrhundert geschaffen. Er ist vom reformatorischen Bildersturm geprägt. In Norddeutschland traten daran anschließend im 16. und 17. Jahrhundert in den reformierten, aber auch lutherischen Kirchen Schriftaltäre an die Stelle der mittelalterlichen Bildwerke. Auf seinen Flügeln führt er rechts das Glaubensbekenntnis und links die Zehn Gebote auf. Die Kreuzigungsdarstellung in seinem zentralen Feld wurde erst 1830 hinzugefügt. Sie wurde von dem in Resterhafe amtierenden Pastor Kittel gemalt und geht auf das Vorbild des Altargemäldes der St.-Bartholomäus-Kirche in Dornum zurück, das seinerseits eine Kopie eines Werks des flämischen Malers Anthonis van Dyck ist. Eine Wappentafel krönt den Altar.

Der damalige Pastor von Resterhafe, Johann Christian Hekelius, nimmt unter den Chronisten der verheerenden Weihnachtsflut von 1717 eine Sonderrolle ein, weil er Augenzeuge des schrecklichen Geschehens der Weihnachtsnacht und der darauf folgenden Tage war. Sein Bericht gehört zu den eindringlichsten Schilderungen, die überliefert sind:

"Um meinem Hause herum sahe es aus als wen der grausamste Feind Hauß gehalten hätte; 8 tode Kühe sambt ihren Ställen waren da angeworffen; Häuser, Haußgeräthe waren da Stückweise angetrieben; Breter, Sparren. Latten, Leitern, Rollbäume, Waltzen, Dächer von Häusern, Thüren oder Thoren lagen da durch einander und so viel Torff, Stroh und ander Guth, daß man kaum darüber gehen konnte. Auf dem Wasser selbst schwammen noch Betten, Kasten, Menschen, Vieh und allerhand Guth herum, welches unmöglich ohne Wehmuth, auch nicht ohne Angst konte betrachtet werden. Man sahe auch hin und wieder auf den Häusern Menschen sitzen, welche mit Noth-Zeichen durch Wincken und auf andere Weise ihr Elend vorstelleten, die doch nicht konten errettet werden, weil Fahr-Zeuge fehleten, auch das Wasster anfänglich noch zu ungestüm war und also nebst den Ihrigen Hunger und Durst, Kälte und Noth einige Tage haben leiden müssen."

Und: "Statt das frohe Fest der Geburt Jesu zu feiern, wurde durch die ganze Gegend nichts gehört als Geschrei, Klagen, Heulen und Weinen."

Er schreibt weiter über das Schicksal seiner Nachbarn: "Es sitzen zwar diese Elenden noch auf dem Heu, aber dieses ist gar nicht vermögend des Wassers Gewalt zu widerstehen, dahero indem es zu fallen beginnet, diese arme Eltern sehen müssen, wie immer eines von ihren Kindern nach dem andern herab fällt und ertrincket. Die Frau hat das kleinste Kind in ihren Armen und vermeynet der Mann diese beyde noch eine Weile zu halten: Allein die Mutter und diß kleine Kind fallen auch herab und müssen das Leben lassen."

1719 verfasste er eine Chronik der Ereignisse, die er in Halle verlegen ließ. Er sah die Naturkatastrophe allerdings als "gerechtes Gericht des erzürnten Gottes" an. Der Zorn des Allmächtigen, so predigte er, traf die Küstenbewohner, weil sie die Sonn- und Feiertage nicht mehr heiligten.

Dreihundert Jahre Sankt Willehad in Accum

1719 wurde die heutige Kirche gebaut, nachdem die Vorgängerkirche von der Weihnachtsflut 1717, die auch Accum erreichte, so schwer in Mitleidenschaft gezogen worden wurde und so baufällig war, dass sie nur noch unter Lebensgefahr betreten werden konnte.


Eine Besonderheit ist das im Inneren der Kirche befindliche Grabmal für den Häuptling Tido von Inn- und Kniphausen († 18. Februar 1565) und seine Frau Eva von Renneberg († 1579). Es befindet sich vorne in der Kirche neben dem hölzernen Abendmahltisch. Der Doppelgrabstein aus schwarzem Marmor ist ein Beispiel bester flämischer Renaissance-Porträtplastik.

Die in der reformierten Gottesdienstordnung wesentliche Verkündigung durch den Pastor wurde durch eine Kanzeluhr auf der Kanzel in ihrer Länge begrenzt.

Die St. Willehad Kirche beherbergt eine Orgel von Arp Schnitger (Hamburg), die 1705 erstellt und 1719 in das heutige Kirchengebäude übernommen wurde. Von Schnitgers Werk ist nur noch das Gehäuse erhalten geblieben. Die heutige Orgel wurde 1963 in dem historischen Gehäuse von 1705 von dem Orgelbauer Alfred Führer (Wilhelmshaven) errichtet.

Die Reformierte Kirche in Groothusen

Das heutige Bauwerk geht in seiner Grundsubstanz auf das Jahr 1425 zurück, der Turm ist älter und wird auf das Jahr 1225 datiert. Im frühen Mittelalter war sie eine der sechs Propsteikirchen des alten Emsgaues.


Der Ort Groothusen zählt zu den ältesten Wohnplätzen in der Krummhörn und bestand seit dem 8. Jahrhundert. Das Dorf verfügte über lange Zeit über einen Zugang zum offenen Meer und entwickelte sich zu einem lokal bedeutenden Handelsplatz auf einer Langwarft an der Sielmönker Bucht. Über den Bau eines ersten Kirchengebäudes selbst liegen keine Quellen vor, jedoch wird vermutet, dass der Missionar Liudger bereits um 790 eine Sendkirche gründete, die dem Heiligen Petrus geweiht war. Ziemlich sicher handelte es sich dabei um eine Holzkirche, deren Überreste unter dem heutigen Bau in den frühgeschichtlichen Warfthorizonten vermutet werden. Um 1200 wurde die Holzkirche durch einen Sakralbau aus Tuffstein ersetzt. Dieser war etwas kleiner als der heutige Bau. Sakralbauten aus Tuff waren die Steinkirchen in der Krummhörn, sie sind vornehmlich an den ehemaligen Küstenlinien und an den Flussmündungen zu finden. Das dafür benötigte Baumaterial wurde aus Andernach am Rhein in der Eifel auf dem Wasserweg über Deventer und Utrecht nach Ostfriesland transportiert. Im Osten der Tuffkirche wurde um 1225 der hohe, schlanke Turm im Stil der Romanik errichtet. Im Jahre 1425 wurde das alte Kirchenschiff abgerissen und durch einen gotischen Neubau ersetzt. Dabei kam auch Baumaterial aus dem Abbruch des Vorgängerbaus zu einer neuen Verwendung. Vor allem an der Nordseite blieb der Tuffstein erhalten. Da für den Neubau das Material aus dem Abbruch nicht reichte, wurden zusätzlich Backsteine verwendet. Als Mörtel wurde Muschelkalk benutzt. Auch der Glockenturm wurde mit Backsteinen ummantelt und mit dem Kirchenschiff verbunden, das ursprünglich von einer Apsis abgeschlossen wurde. Zu einem Chorturm wurde er nicht ausgebaut. Nach der Reformation hatte Groothusen nach Angaben des ostfriesischen Chronisten Houtrop von 1597 bis 1600 einen lutherischen Prediger namens Gerhard Sprangius, der dann wegen seiner lutherischen Lehre abgesetzt wurde. Seither ist der Ort reformiert geprägt.


Donnerstag, 18. Juli 2019

Was gibt es rund um Sillenstede?


Schon in direkter Nachbarschaft von Sillenstede gibt es Sehenswertes zu entdecken. Nach Osten erreichen wir Accum, auch ein Ortsteil von Schortens. Die Windmühle von Accum ist ein Galerieholländer, dessen Kappe von einer Windrose in den Wind gedreht wird, und wurde 1746 erbaut.


Die ursprünglich als Getreide- und Peldemühle gebaute Windmühle verfügt heute über zwei voll betriebsfähige Mahlgänge, einen Sechskornsichter zur Mehlfeinsortierung und eine Haferquetsche. Die Mühle ist 16 m hoch, das Flügelkreuz mit je zwei Jalousie- und zwei Segelflügeln misst 20m, die Windrose 5m. Die 1846 erbaute, zur Mühle gehörige Scheune wurde vollständig restauriert. Als Cafe´ und Versammlungsraum bietet sie bis zu 80 Personen Platz. 1990/91 wurde ein Backhaus mit einem nachgebauten Tunnelbackofen errichtet. Mühle, Backhaus und Scheune ermöglichen heute den Werdegang vom Korn zum Brot praktisch und theoretisch zu vermitteln.

Dreihundert Jahre Sankt Willehad in Accum

Die evangelisch-reformierte Kirche St. Willehad ist eine denkmalgeschützte Kirche im Ortsteil Accum der niedersächsischen Stadt Schortens. Der schlichte, schmucklose Rechteckbau wurde 1719 erbaut. Sie ist die einzige reformierte Kirche in der sonst lutherischen oldenburgischen Landeskirche.


Eine erste Kirche in Ackem wurde um 840 in einer Kirchenchronik durch Erzbischof Ansgar von Bremen erwähnt. Ackem war die frühere Ortsbezeichnung von Accum. Die Kirche unterstand 1420 dem Sendstuhl Jever des Bremer Domdekans und diente im 14. und 15. Jahrhundert den friesischen Häuptlingen als Festungskirche. In der Kirche wurde 1476 der Friesen-Häuptling Lübbe Onneken bestattet. Dem Vorbild des ostfriesischen Adels folgend, führte Tido von Knipens und Inhusen in seinem Gebiet 1555 die Reformation ein. Seit jener Zeit ist Accum die einzige reformierte Kirche im Land Oldenburg. Graf Anton Günther von Oldenburg wurde 1623 Landesherr und versuchte vergeblich, die lutherische Kirchenordnung einzuführen. Dies scheiterte am Widerstand der friesischen Bevölkerung, die dabei Hilfe durch die ebenfalls reformierten holländischen Generalstaaten erhielten.

1719 wurde die heutige Kirche gebaut, nachdem die Vorgängerkirche von mehreren Sturmfluten schwer in Mitleidenschaft gezogen worden wurde und so baufällig war, dass sie nur noch unter Lebensgefahr betreten werden konnte.

Eine Besonderheit ist das im Inneren der Kirche befindliche Grabmal für den Häuptling Tido von Inn- und Kniphausen († 18. Februar 1565) und seine Frau Eva von Renneberg († 1579). Es befindet sich vorne in der Kirche neben dem hölzernen Abendmahltisch. Der Doppelgrabstein aus schwarzem Marmor ist ein Beispiel bester flämischer Renaissance-Porträtplastik.

Die in der reformierten Gottesdienstordnung wesentliche Verkündigung durch den Pastor wurde durch eine Kanzeluhr auf der Kanzel in ihrer Länge begrenzt.

Die St. Willehad Kirche beherbergt eine Orgel von Arp Schnitger (Hamburg), die 1705 erstellt und 1719 in das heutige Kirchengebäude übernommen wurde. Von Schnitgers Werk ist nur noch das Gehäuse erhalten geblieben. Die heutige Orgel wurde 1963 in dem historischen Gehäuse von 1705 von dem Orgelbauer Alfred Führer (Wilhelmshaven) errichtet.

Nach Westen erreicht man Waddewarden. Waddewarden ist eines der schönsten Dörfer im Wangerland - Der Ort liegt zwischen Jever und Hooksiel und hat rund 1.000 Einwohner.

Als Wahrzeichen gilt die in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts auf einer Warft erbaute St.-Johannes-Kirche, eine Granitquaderkirche von 40 Metern Länge. Der frei stehende Glockenturm entstand Ende des 15. Jahrhunderts und trägt drei Stahlglocken, die 1955 als Ersatz für die im Zweiten Weltkrieg abgelieferten Bronzeglocken angeschafft wurden.


Waddewarden benachbart ist Wiarden mit seiner Kirche Sankt Cosmas und Damian. Die Kirche wurde Anfang des 13. Jahrhunderts erbaut. Im Chorraum enthält sie spätgotische Malereien, die die Apostel Petrus, Jacobus und Johannes darstellen sowie die Schutzheiligen dieser Kirche, St. Cosmas und Damian.


Der Altar wurde 1749 unter Verwendung von Teilen eines älteren Altars gebaut und 2004 in dieser Fassung restauriert.

Die in den Altar integrierte Kreuzigungsgruppe sowie die zwölf Apostel sind aus Eichenholz geschnitzt und stammen aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Die Kanzel stammt von 1634 und ist ein Werk des Münstermann-Schülers Ommo Dirks.

Die Orgel wurde 1807/1808 von dem Orgelbauer Gerhard Schmid aus Leer erbaut. Sie hat im Manual zehn Register und fünf im Pedal.

Mittwoch, 3. Juli 2019

Urlaub in Schortens (Urlaubstagebuch 2019, Teil 7)

Reformierte Kirche in Resterhafe

Für unsere Reihe friesischer und ostfriesischer Kirchen konnten wir dieses Jahr auch wieder ein paar Kostbarkeiten entdecken.

Sankt Bartholomäus in Dornum


Die evangelisch-lutherische Bartholomäus-Kirche steht in der ostfriesischen Stadt Dornum und wurde Ende des 13. Jahrhunderts auf einer Warft errichtet. Die Backsteinkirche wurde um 1270 bis 1290 auf einer acht Meter hohen Wurt als rechteckige Saalkirche gebaut. An der Ostwand und teilweise an der Südwand sind die Granitfundamente sichtbar. Der Innenraum wird heute von einem hohen Holztonnengewölbe abgeschlossen. Die reiche Ausstattung wurde zum großen Teil von Haro Joachim von Closter, Frey- und Edler Herr zu Dornum und Petkum und Schlossherr auf Norderburg, gestiftet. Hierzu gehört das bis zur Holzdecke reichende prachtvolle Altarretabel, das Hinrich Cröpelin im Jahr 1683 schuf. Noch aus der Erbauungszeit der Kirche stammt der Taufstein aus Baumberger Sandstein mit einem Fries aus Weinranken und sechs Rundbogenarkaden. Im Grabkeller unter der Kirche befindet sich das Erbbegräbnis der Dornumer Häuptlinge. Die Orgel des Schnitger-Schülers Gerhard von Holy von 1710/11 gehört zu den bedeutendsten erhaltenen Barockorgeln in Norddeutschland.

Reformierte Kirche in Resterhafe


Die St.-Matthäus-Kirche im Dornumer Stadtteil Resterhafe wurde vermutlich gegen Ende des 13. Jahrhunderts als Saalkirche aus Backsteinen im Stil der Frühgotik errichtet. Sie steht auf einer fünf Meter hohen freistehenden Warft. Bis zur Reformation unterstand die Kirche dem Erzbistum Bremen. Die lettnerartige Schranke zwischen Chor und Schiff ist ein Werk des frühen 17. Jahrhunderts. Sie besteht aus Gitterstäben mit einem oberen Abschluss aus durchbrochenen Ranken. Der protestantische Flügelaltar mit seinen Inschriften wurde ebenfalls im 17. Jahrhundert geschaffen. Er ist vom reformatorischen Bildersturm geprägt. In Norddeutschland traten daran anschließend im 16. und 17. Jahrhundert in den reformierten, aber auch lutherischen Kirchen Schriftaltäre an die Stelle der mittelalterlichen Bildwerke. Auf seinen Flügeln führt er rechts das Glaubensbekenntnis und links die Zehn Gebote auf. Die Kreuzigungsdarstellung in seinem zentralen Feld wurde erst 1830 hinzugefügt. Sie wurde von dem in Resterhafe amtierenden Pastor Kittel gemalt und geht auf das Vorbild des Altargemäldes der St.-Bartholomäus-Kirche in Dornum zurück, das seinerseits eine Kopie eines Werks des flämischen Malers Anthonis van Dyck ist. Eine Wappentafel krönt den Altar.

Die Kirche zum Heiligen Kreuz in Pakens


Die Kirche zum Heiligen Kreuz im wangerländischen Dorf Pakens ist das Gotteshaus der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Pakens-Hooksiel. Die Kirche, die zu Beginn des Spätmittelalters im romanischen Baustil errichtet wurde, steht auf dem erhöhten Westende eines ehemaligen Seedeiches. Sie ist eine von dreizehn Stationen des Wangerländischen Pilgerweges.

Dreihundert Jahre Sankt Willehad in Accum


Die evangelisch-reformierte Kirche St. Willehad ist eine denkmalgeschützte Kirche im Ortsteil Accum der niedersächsischen Stadt Schortens. Der schlichte, schmucklose Rechteckbau wurde 1719 erbaut. Sie ist die einzige reformierte Kirche in der sonst lutherischen oldenburgischen Landeskirche.

Die Kirche unterstand 1420 dem Sendstuhl Jever des Bremer Domdekans und diente im 14. und 15. Jahrhundert den friesischen Häuptlingen als Festungskirche. In der Kirche wurde 1476 der Friesen-Häuptling Lübbe Onneken bestattet. Dem Vorbild des ostfriesischen Adels folgend, führte Tido von Knipens und Inhusen in seinem Gebiet 1555 die Reformation ein. Seit jener Zeit ist Accum die einzige reformierte Kirche im Land Oldenburg. Graf Anton Günther von Oldenburg wurde 1623 Landesherr und versuchte vergeblich, die lutherische Kirchenordnung einzuführen. Dies scheiterte am Widerstand der friesischen Bevölkerung, die dabei Hilfe durch die ebenfalls reformierten holländischen Generalstaaten erhielten.

1719 wurde die heutige Kirche gebaut, nachdem die Vorgängerkirche von mehreren Sturmfluten schwer in Mitleidenschaft gezogen worden wurde und so baufällig war, dass sie nur noch unter Lebensgefahr betreten werden konnte.

Eine Besonderheit ist das im Inneren der Kirche befindliche Grabmal für den Häuptling Tido von Inn- und Kniphausen († 18. Februar 1565) und seine Frau Eva von Renneberg († 1579). Es befindet sich vorne in der Kirche neben dem hölzernen Abendmahltisch. Der Doppelgrabstein aus schwarzem Marmor ist ein Beispiel bester flämischer Renaissance-Porträtplastik. Die in der reformierten Gottesdienstordnung wesentliche Verkündigung durch den Pastor wurde durch eine Kanzeluhr auf der Kanzel in ihrer Länge begrenzt.

Die St. Willehad Kirche beherbergt eine Orgel von Arp Schnitger (Hamburg), die 1705 erstellt und 1719 in das heutige Kirchengebäude übernommen wurde. Von Schnitgers Werk ist nur noch das Gehäuse erhalten geblieben. Die heutige Orgel wurde 1963 in dem historischen Gehäuse von 1705 von dem Orgelbauer Alfred Führer (Wilhelmshaven) errichtet.

Sonntag, 30. Juni 2019

Sengwarden und Kniphausen

Die Windmühle von Sengwarden

Sengwarden ist ein Stadtteil der niedersächsischen Stadt Wilhelmshaven. Der Ort wurde 1168 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Sengwarden grenzt an die Stadtteile Fedderwarden, Fedderwardergroden und Voslapp sowie an die im Landkreis Friesland liegenden Orte Sillenstede und Hooksiel. Zwei Sehenswürdigkeiten prägen das Ortsbild: eine Mühle sowie die auf einer 8,6 Meter hohen Wurt gelegene St.-Georgs-Kirche.

Zu den besonderen Baudenkmälern Sengwardens gehört die romanische St.-Georgs-Kirche. Sie ist das Gotteshaus der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde und stammt aus den Jahren um 1250. Die heutige Kirche hatte mindestens einen Vorgängerbau, dessen Vorhandensein 1168 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Diese Kirche wurde 1176 in der Östringer Fehde zerstört. Den ältesten Teil der ursprünglich aus einseitig geglätteten Granit-Quadersteinen errichten Kirche bildet die Nordmauer. Eine erste großangelegte Restaurierung erfolgte in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Bei dieser Gelegenheit wurde die Südwand mit Backsteinen hochgezogen und Kirchenfenster im spätgotischen Stil eingelassen. In dieser Phase wurde auch die gotische Apsis angefügt. Die Deckenbemalung, die durch die alte Bemalung der Tettenser Kirche inspiriert worden ist, stammt aus dem Jahr 1904. Sie wurde 1963 restauriert. Die Länge der Kirche beträgt insgesamt 42 Meter. Davon fallen 7,5 Meter auf den Vorraum und 11,5 Meter auf die Apsis. Die Breite der Kirche misst 10 Meter, ihre Höhe bis zur Spitze des Giebels 20 Meter. Dazu gerechnet werden muss noch der Dachreiter, der das für Sengwarden typische Pferd darstellt. Seine Höhe beträgt 6,5 Meter.


Die Orgel der St.-Georgs-Kirche wurde in den Jahren 1643 und 1644 vom Göttinger Orgelbaumeister Jost Sieburg erbaut. Im Jahre 1904 ist jedoch das alte Orgelwerk entfernt worden. An seine Stelle trat 1936 die in der Wilhelmshavener Orgelwerkstatt Alfred Führer entstandene zweimanualige Schleifladenorgel. Sie verfügt über eine mechanische Traktur und Registratur und insgesamt 26 Register (Hauptwerk: elf; Rückpositiv: acht; Pedal: sieben). Bedingt durch die Kriegswirren und die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse der Nachkriegszeit konnte der Orgelbau erst 1964 vollendet werden. Der alte Orgelprospekt aus dem Jahr 1644 blieb dabei erhalten.

Burg Kniphausen

Die Herrschaft Kniphausen, bis ins 17. Jahrhundert auch Herrlichkeit von In- und Kniphausen genannt, war als reichsunmittelbares Territorium ein Teil Frieslands und wurde von friesischen Häuptlings- und Adelsfamilien regiert. Sie lag in der Östringer Marsch, am Stadtrand und zum Teil auf dem heutigen Stadtgebiet von Wilhelmshaven. Die Herrlichkeit entstand gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Erster Herr war der friesische Häuptling Fulf (auch Folef) von In- und Kniphausen (etwa 1465–1530/31), der durch Erbschaft in den Besitz der Burgen Inhausen und Kniphausen gelangte. Zu dieser Zeit umfasste die Herrlichkeit eine Fläche von etwa 45 km² mit den Kirchspielen Fedderwarden, Sengwarden und Accum.


Burg Kniphausen war Sitz einer mittelalterlichen Häuptlingsherrschaft und der daraus hervorgegangenen "Herrlichkeit In- und Kniphausen". Das Schloß wurde im Jahr 1708 durch ein Feuer zerstört und daraufhin der Marstall zur gräflichen Wohnung mit Verwaltungsräumen umgebaut. Nach mehrfach wechselnden Eigentumsverhältnissen erwarb schließlich 1862 der Fürst Edzard zu In- und Kniphausen die Burg vom Großherzogtum Oldenburg. Die Nachfolger des Grafen zu Inhausen und Kniphausen übergaben die Burg 1977 dem Verein zur Erhaltung der Burg Kniphausen. Der heutige Burgherr, Herbert Hillebrand, der bereits 18 ähnliche Objekte besitzt, ließ die Burg 1990 vollständig renovieren. Heute beherbergt die Burg Kniphausen neben Wohnungen auch den Ahnensaal, der für Ausstellungen, Konzerte und Trauungen ein einmaliges Ambiente bietet. Daneben gibt es ein gemütliches Burgrestaurant.

Fulf von In- und Kniphausen starb 1531 als Gesandter des Grafen von Ostfriesland in Brüssel. Ihm folgte sein Sohn Tido von In- und Kniphausen. 1546 heiratete er eine Niederländerin aus vornehmen und begütertem Geschlecht, Eva von Renneberq. Beide haben in Accum ein Grabmal von großer Schönheit. Tido hat die Reformation eingeführt und förderte die evangelisch-reformierte Kirche.

Die evangelisch-reformierte Kirche St. Willehad ist eine denkmalgeschützte Kirche im Ortsteil Accum der niedersächsischen Stadt Schortens. Der schlichte, schmucklose Rechteckbau wurde 1719 erbaut. Sie ist die einzige reformierte Kirche in der sonst lutherischen oldenburgischen Landeskirche.

Eine Besonderheit ist das im Inneren der Kirche befindliche Grabmal für den Häuptling Tido von In- und Kniphausen († 18. Februar 1565) und seine Frau Eva von Renneberg († 1579). Es befindet sich vorne in der Kirche neben dem hölzernen Abendmahltisch. Der Doppelgrabstein aus schwarzem Marmor ist ein Beispiel bester flämischer Renaissance-Porträtplastik.


Die St. Willehad Kirche beherbergt eine Orgel von Arp Schnitger (Hamburg), die 1705 erstellt und 1719 in das heutige Kirchengebäude übernommen wurde. Von Schnitgers Werk ist nur noch das Gehäuse erhalten geblieben. Die heutige Orgel wurde 1963 in dem historischen Gehäuse von 1705 von dem Orgelbauer Alfred Führer (Wilhelmshaven) errichtet.

Die evangelisch-reformierten Kirchen von Resterhafe und Accum und die Weihnachtsflut 1717

Die auf einer Warf liegende Kirche von Resterhafe

Die St.-Matthäus-Kirche im Dornumer Stadtteil Resterhafe wurde vermutlich gegen Ende des 13. Jahrhunderts als Saalkirche aus Backsteinen im Stil der Frühgotik errichtet. Sie steht auf einer fünf Meter hohen freistehenden Warft. Bis zur Reformation unterstand die Kirche dem Erzbistum Bremen.


Die lettnerartige Schranke zwischen Chor und Schiff ist ein Werk des frühen 17. Jahrhunderts. Sie besteht aus Gitterstäben mit einem oberen Abschluss aus durchbrochenen Ranken. Der protestantische Flügelaltar mit seinen Inschriften wurde ebenfalls im 17. Jahrhundert geschaffen. Er ist vom reformatorischen Bildersturm geprägt. In Norddeutschland traten daran anschließend im 16. und 17. Jahrhundert in den reformierten, aber auch lutherischen Kirchen Schriftaltäre an die Stelle der mittelalterlichen Bildwerke. Auf seinen Flügeln führt er rechts das Glaubensbekenntnis und links die Zehn Gebote auf. Die Kreuzigungsdarstellung in seinem zentralen Feld wurde erst 1830 hinzugefügt. Sie wurde von dem in Resterhafe amtierenden Pastor Kittel gemalt und geht auf das Vorbild des Altargemäldes der St.-Bartholomäus-Kirche in Dornum zurück, das seinerseits eine Kopie eines Werks des flämischen Malers Anthonis van Dyck ist. Eine Wappentafel krönt den Altar.

Der damalige Pastor von Resterhafe, Johann Christian Hekelius, nimmt unter den Chronisten der verheerenden Weihnachtsflut von 1717 eine Sonderrolle ein, weil er Augenzeuge des schrecklichen Geschehens der Weihnachtsnacht und der darauf folgenden Tage war. Sein Bericht gehört zu den eindringlichsten Schilderungen, die überliefert sind:

"Um meinem Hause herum sahe es aus als wen der grausamste Feind Hauß gehalten hätte; 8 tode Kühe sambt ihren Ställen waren da angeworffen; Häuser, Haußgeräthe waren da Stückweise angetrieben; Breter, Sparren. Latten, Leitern, Rollbäume, Waltzen, Dächer von Häusern, Thüren oder Thoren lagen da durch einander und so viel Torff, Stroh und ander Guth, daß man kaum darüber gehen konnte. Auf dem Wasser selbst schwammen noch Betten, Kasten, Menschen, Vieh und allerhand Guth herum, welches unmöglich ohne Wehmuth, auch nicht ohne Angst konte betrachtet werden. Man sahe auch hin und wieder auf den Häusern Menschen sitzen, welche mit Noth-Zeichen durch Wincken und auf andere Weise ihr Elend vorstelleten, die doch nicht konten errettet werden, weil Fahr-Zeuge fehleten, auch das Wasster anfänglich noch zu ungestüm war und also nebst den Ihrigen Hunger und Durst, Kälte und Noth einige Tage haben leiden müssen."

Und: "Statt das frohe Fest der Geburt Jesu zu feiern, wurde durch die ganze Gegend nichts gehört als Geschrei, Klagen, Heulen und Weinen."

Er schreibt weiter über das Schicksal seiner Nachbarn: "Es sitzen zwar diese Elenden noch auf dem Heu, aber dieses ist gar nicht vermögend des Wassers Gewalt zu widerstehen, dahero indem es zu fallen beginnet, diese arme Eltern sehen müssen, wie immer eines von ihren Kindern nach dem andern herab fällt und ertrincket. Die Frau hat das kleinste Kind in ihren Armen und vermeynet der Mann diese beyde noch eine Weile zu halten: Allein die Mutter und diß kleine Kind fallen auch herab und müssen das Leben lassen."

1719 verfasste er eine Chronik der Ereignisse, die er in Halle verlegen ließ. Er sah die Naturkatastrophe allerdings als "gerechtes Gericht des erzürnten Gottes" an. Der Zorn des Allmächtigen, so predigte er, traf die Küstenbewohner, weil sie die Sonn- und Feiertage nicht mehr heiligten.

Dreihundert Jahre Sankt Willehad in Accum

1719 wurde die heutige Kirche gebaut, nachdem die Vorgängerkirche von der Weihnachtsflut 1717, die auch Accum erreichte, so schwer in Mitleidenschaft gezogen worden wurde und so baufällig war, dass sie nur noch unter Lebensgefahr betreten werden konnte.


Eine Besonderheit ist das im Inneren der Kirche befindliche Grabmal für den Häuptling Tido von Inn- und Kniphausen († 18. Februar 1565) und seine Frau Eva von Renneberg († 1579). Es befindet sich vorne in der Kirche neben dem hölzernen Abendmahltisch. Der Doppelgrabstein aus schwarzem Marmor ist ein Beispiel bester flämischer Renaissance-Porträtplastik.

Die in der reformierten Gottesdienstordnung wesentliche Verkündigung durch den Pastor wurde durch eine Kanzeluhr auf der Kanzel in ihrer Länge begrenzt.

Die St. Willehad Kirche beherbergt eine Orgel von Arp Schnitger (Hamburg), die 1705 erstellt und 1719 in das heutige Kirchengebäude übernommen wurde. Von Schnitgers Werk ist nur noch das Gehäuse erhalten geblieben. Die heutige Orgel wurde 1963 in dem historischen Gehäuse von 1705 von dem Orgelbauer Alfred Führer (Wilhelmshaven) errichtet.