Montag, 27. September 2021

Highlights in Schortens


Forsthaus Upjever

Durch einen mystischen Urwald (ein Wildschutzgebiet) geht es auf schmaler Kopfsteinpflasterstraße zum alten Forsthaus im Forst von Upjever, heute Hotel und Restaurant.


Die Gattersäge: Der Verein entstand im November 2005, die ersten Sägespäne fielen jedoch erst im Herbst 2006 als die Gründungsarbeiten begannen. Fast 6000 ehrenamtliche Stunden wurden für den Wiederaufbau der 90 Jahre alten Säge investiert. Ursprünglich wurde die Horizontalgattersäge in Rispel, Ostfriesland, von der Familie Wehmeier betrieben und 1992 von dem Jeverländischen Altertums- und Heimatverein gekauft. Nachdem der Vorschlag, die historische Säge in der Schlachtmühlenscheune in Jever auszustellen, scheiterte, wurde sich für den Standort im Forst Upjever neben der Forstscheune ausgesprochen, wo die Gattersäge seitdem aufgebaut ist.

Heute zählt der Verein Gattersäge Upjever e.V. 60 Mitglieder und 20 freiwillige Sägemüller, die zum Schausägen an jedem zweiten und vierten Sonnabend im Monat von 11 Uhr bis 16 Uhr einladen.

Sankt Stephanus in Schortens

Sankt Stephanus in Schortens wurde von 1153 bis 1168 auf einer künstlichen Warft erbaut und ist die älteste sicher datierbare Steinkirche auf der ostfriesischen Halbinsel.


Das alte Dorf Schortens liegt hochwassersicher auf einem eiszeitlichen Geestrücken. Nicht weit von der Kirche entfernt wurde ein vom 6. bis zum 12. Jahrhundert belegtes Gräberfeld ausgegraben, das ungefährdet ohne jede künstliche Erhöhung im gewachsenen Boden liegt.

Dass die St.-Stephanus-Kirche trotzdem auf einer hohen Warft steht, ist einzig dem Verlangen der Oestringer, der hier ansässigen Friesen, zuzuschreiben, das Gebäude weithin sichtbar zu machen.

In einer um 1250 im Kloster Oestringfelde entstandenen Chronik wird berichtet, dass die Oestringer – die hier ansässigen Friesen – im Jahre 1153 vor der Schlacht gegen ein großes sächsisches Heer gelobten, im Falle eines Sieges eine Kirche zu Ehren des heiligen Stephanus zu errichten. Sie schlugen den Feind; im Jahre 1168 wird die fertige Kirche im Rahmen von Friedensverhandlungen zum ersten Mal erwähnt, so dass die Jahre zwischen 1153 und 1168 als Bauzeit gelten können.

Nach den bis dahin üblichen Holzkirchen erbauten die Oestringer die erste steinerne Kirche auf der Ostfriesischen Halbinsel – aus Granitfindlingen von der heimischen Geest sowie Tuff aus der Eifel, der auf dem Wasserweg hertransportiert wurde. Das massive, 2 m breite Granit-Fundament, das im Baufortschritt von allen Seiten mit Sand und Heideplaggen angeworfen wurde, bildet den Kern der wirklich einmaligen, 4,50 m hohen Warft.

Die St.-Stephanus-Kirche ist ein ungegliederter Apsissaal mit halbrunder Apsis. An der Südwand ist noch recht gut zu erkennen, dass die Außenmauern ursprünglich zu einem Drittel aus rechteckig bearbeiteten Granitquadern bestanden, darüber zu zwei Dritteln aus Tuff. Im oberen Drittel lagen fünf schmale, romanische Fenster, die später verlängert oder erweitert wurden. Die als Zugang für die Männer gedachte Südtür ist erhalten.

1361 wurde im Rahmen einer Häuptlingsfehde die Nordwand untergraben und stürzte ein. Beim hastigen Wiederaufbau des für ihr Selbstbewusstsein so wichtigen Gebäudes nutzten die Schortenser in buntem Durcheinander alles erreichbare Material: Tuff, Granit, Sandstein und den ab etwa 1200 n.Chr. verwandten, an Ort und Stelle gebrannten Backstein. Der Anblick dieser Wand ist recht ungewöhnlich! Die Frauentür wurde zugemauert.

Weil die St.-Stephanus-Kirche auf tragfähigem Sandboden erbaut ist, konnte man ihren Turm direkt an das Schiff anbauen, was ihr außergewöhnliches Erscheinungsbild noch betonte. In der Marsch stehen die Türme gesondert neben den Kirchen! 1660 schlug der Blitz in die 30 m hohe Spitze, die man auf den 27 m hohen Turmkörper gesetzt hatte.

Nach einer provisorischen Reparatur brach 1678 der angeschlagene Turm zusammen und krachte auf das Kirchenschiff. 1680 war die um zwei Meter nach Osten verlegte Westwand aus Backstein wieder aufgebaut; der Turm selbst konnte erst 1728 aus Backstein erneuert werden. Nach einem weiteren Blitzschlag 1817 erhielt er ein Zeltdach und das heutige Aussehen, das in nichts mehr an die alte Pracht erinnert.

Im Inneren des hellen, in angenehmen Farben gehaltenen Kirchenschiffs fällt sogleich der ungewöhnliche Backsteinlettner ins Auge, der einer quer in den Raum gestellten Brücke aus drei Bögen gleicht. Solche Lettner, von denen es vor der Reformation auf der Ostfriesischen Halbinsel 23 gab, wurden im 15. Jahrhundert quer in die Kirchen eingebaut, weil man im Rahmen der wachsenden Ablassfrömmigkeit Raum für Seitenaltäre brauchte. Die beiden äuߟeren Bögen waren nach hinten durch eine Mauer verschlossen und boten Platz für Seitenaltäre. Durch den mittleren Bogen blieb der Blick frei auf den Hauptaltar. Oben auf der Lettnerbühne las der Priester Epistel und Evangelien (lat. lesen: legere; daher Lettner, Lektorium, Lektor). 1869 wurden die Rückwände zur Hälfte abgetragen, 1953 ganz. Heute sind auf der Ostfriesischen Halbinsel im Ganzen nur noch fünf Lettner erhalten. In Schortens hat Gerd Gerdes Kleihauer 1710 eine schöne, mit Propheten bemalte hölzerne Lettner-Brüstung gestiftet. Da nach der Reformation oben auf dem Lettner zusätzliche Sitzplätze für Frauen eingerichtet wurden – die Männer saߟen auf dem Orgelboden – spricht man hier vom Ollwievvolksboen (Altweiberboden).

Aus der Zeit vor der Reformation ist nicht nur der Lettner erhalten, sondern auch der prachtvolle Dreiflügelaltar, ein Triptychon, das nach 1505 wahrscheinlich in Bremen geschnitzt wurde. In der groߟen Golgatha-Szene im Mittelschrein und in je 12 Reliefs in beiden Seitenflügeln wird auf eindrückliche Weise die Geschichte von Christi Marter, seinem Tod und seiner Auferstehung erzählt. Das aus Eichenholz geschnitzte Retabel, das durch zweimaliges Abbeizen 1898 und 1933 heftig gelitten hatte, wurde von November 2000 bis Ostern 2001 vorbildlich restauriert.

Am Südportal und an der Apsis der St.-Stephanus-Kirche sieht man tief in den Sandstein eingegrabene, senkrecht und waagerecht verlaufende Scharten, die im Volksmund "Düwelskrallen" genannt werden. Außer sich vor Zorn über das schöne, neue Gotteshaus sei der Teufel aus der Hölle gefahren, habe seine Krallen an dem Stein gewetzt und dabei diese Spuren hinterlassen. Eine andere Theroie besagt, Friesen mit Bauchgrimmen hätten sich etwas von dem Stein abgeschabt und als Heilmittel geschluckt. Es gibt zahlreiche Erklärungen (Erklärungsversuche) für diese Wetzrillen, vom Schärfen von Waffen (sog. Weiheschliff) oder Werkzeugen bis zur Gewinnung von Steinpulver für abergläubische oder volksmedizinische Zwecke. Es gibt aber auch eine profane Erklärung: Im Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert vor der Einführung der Zündhölzer wurde mit Feuerstahl Feuer gemacht. Am Sandstein der Kirchen schlug man damit Funken, die zusammen mit Zunder entflammt wurden. So entzündeten die Kirchgänger ihre Laternen für den Heimweg.

Quellenmaterial: Ev.-Luth. Kirchengemeinde Schortens

Der Klosterpark

Der Klosterpark (vollständiger Name Klosterpark Oestringfelde) ist eine unter Landschaftsschutz stehende alte Parkanlage in der Stadt Schortens im Landkreis Friesland. Die Parkanlage liegt im Westen der Stadt im Stadtteil Oestringfelde und fällt bereits aus der Vogelperspektive durch seine fast runde Struktur auf.
Der Klosterpark hat eine Größe von 8,78 Hektar und ist durch einen Ringgraben und eine parallel dazu verlaufende Wallhecke umgeben. Auf dem Gelände der Parkanlage befinden sich die Klosterruine, genauer gesagt, die Reste des ehemaligen Wehrturms des Klosters Oestringfelde und das Gebäude des RUZ, des Regionalen Umweltzentrums der Stadt Schortens.
Das Kloster Oestringfelde wurde 1175 nach einem Sieg der Östringer über die Rüstringer bei Schakelhave erbaut. Das Kollegiatstift mit Kirche, Wohn- und Nebengebäuden war der heiligen Mutter Maria geweiht und wurde das geistige Zentrum der Landgemeinde Östringen. Hier entstand die sogenannte Östringer Chronik, die einzige mittelalterliche Chronik des Jeverlandes, von der heute nur noch zum Teil abweichende Abschriften erhalten sind. 1272 wurden die Klostergebäude durch einen Brand zerstört. 1323 erfolgte die Grundsteinlegung für den Wehrturm des Klosters, der auch der Landesverteidigung diente. Nach der Pestepidemie um 1350 erhielt der Dominikanerorden in Norden die verlassenen Gebäude zum Aufbau eines Dominikanerinnenklosters und der Turmbau wurde mit Landesmitteln der Östringer vollendet.
Der Turm des Klosters soll mit rund 50 Metern nach dem Kirchturm in Marienhafe der höchste auf der ostfriesischen Halbinsel gewesen sein. Ein amtlicher Bericht aus dem Jahr 1769 beschreibt den Turm mit einer quadratischen Grundfläche von 13 Meter mal 13 Meter. Im unteren Bereich hatten die Mauern eine Stärke von vier Metern, im oberen Bereich von zwei Metern. Das Mauerwerk bestand außen aus Granitquadern und innen aus Backsteinen. Eine dem amtlichen Bericht beiliegende Skizze zeigt in den beiden oberen Stockwerken zwei übereinanderliegende Reihen von je drei rundbogigen Fensteröffnungen, eine durch einen Pfeiler geteilt. Die an den Turm gebaute Kirche war einschiffig.
Das Kloster wurde als Wehrbau, Versammlungsort und zu Tagungen genutzt. So wurde im Kloster beispielsweise der Östringer Vertrag zwischen Maria von Jever und Graf Enno II. von Ostfriesland ausgehandelt.

Das Kloster wurde 1577 von Graf Johann VII. von Oldenburg aufgehoben und Graf Anton Günter von Oldenburg begann 1609 mit dem Abbruch der Gebäude. Der mächtige Turm stand noch rund 150 Jahre und wurde erst 1769 unter der Herrschaft von Friedrich August von Anhalt-Zerbst abgebrochen.

1839 wurde das Klostergelände mit den verbliebenen Gebäuderesten an den Großherzoglichen oldenburgischen Hofrat Heinrich Georg Ehrentraut (1798–1866) verkauft. Er legte einen Garten an und bildete mit den 1844 bei Ausgrabungen gefundenen Granitsteinen den Grundriss des Klosterturmes nach. Nach 1900 wurde das ehemalige Klostergut nach und nach zerstückelt und verkauft. Die Gemeinde Schortens erwarb einen Teil des Geländes und wandelte den Garten in den heutigen Klosterpark um, der 1985 unter Landschaftsschutz gestellt wurde.

Quelle: Stadt Schortens


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