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Dienstag, 2. September 2025

Beim französischen Nachbarn im Bitscherland

Zitadelle von Bitche: Gedeckter Zugang zur Rampe








Freitag, 9. September 2022

Einkaufen im Grenzgebiet - Hackmesserseite und Bitscherland


Der neue EDEKA-Markt Kissel in der Belle Vue 2 in Kröppen eröffnete amm 18. Februar 2021. Zwei Jahre hat es nur gedauert, dieses für die Infrasruktur Hackmesserseite so wichtige Projekt zu realiseren.

Denn schon seit März 2019 war der "Nah und gut Frischemarkt Schnabel" im benachbarten Vinningen, der einzige Lebensmitteladen auf der gesamten Hackmesserseite, geschlossen.


Rund 20 Jahre führten Marianne und Ehemann Herbert Schnabel (damals im Jahr 2019 68 und 69 Jahre alt) das Geschäft. Aus Vinningen, Bottenbach, Hilst, Schweix, Kröppen, Trulben und Eppenbrunn kamen die Kunden, ja sogar aus dem nahen Lothringen. Vor allem wirtschaftliche Gründe und gesundheitliche Aspekte waren für die Entscheidung verantwortlich.

Diese Lücke schließt nun der neue EDEKA-Markt.

Der bei der Einweihung auch anwesende Ortsbürgermeister des französischen Walschbronn, Christian Schwalbach, ist der festen Überzeugung, dass der Markt auch von der grenznahen französischen Bevölkerung wegen der auch im Sortiment vorhandenen französischen Artikel gut angenommen werde.

Aber es dürften auch die in Deutschland günstigeren Preise sein. Einkaufen in Frankreich ist teurer als in Deutschland.


Wir fahren zu MATCH, wenn wir Sachen kaufen wollen, die es so diesseits der Grenze im Supermarkt kaum gibt.


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Mittwoch, 4. Dezember 2019

Eine Tour durchs Bitscherland


Wir unternehmen eine Tour durchs Bitscherland (Pays de Bitche) in Lothringen, direkt hinter der deutsch-französischen Grenze.

Haspelschiedt

Die Gemeinde Haspelschiedt liegt im äußersten Nordosten Lothringens, nahe der Grenze zum deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz. Das Gemeindegebiet von Haspelschiedt ist Teil des Regionalen Naturparks Nordvogesen und des Biosphärenreservates Pfälzerwald-Nordvogesen.


Die Kirche Saint-Nicolas ist von 1869.

Schorbach

Der Name Schor-Bach, was Sumpfschildkröten-Bach bedeuten soll, tauchte erstmals im Jahr 1210 auf. Der Ort gehörte lange zu Zweibrücken-Bitsch.

Sehr früh war Schorbach, ausgehend vom Kloster Hornbach, Sitz einer Kirchengemeinde und blieb bis zur Revolution Zentralkirche für die umliegenden Ortschaften.


Die auf einen 1143 geweihten Vorgängerbau zurückgehende Kirche Saint Rémi, die auf einem Felsen den unteren Ort überragt, war über viele Jahrhunderte die zentrale Pfarrkirche im Bitscher Land. Der Kirchengründer ist nicht bekannt, sie wird aber in der Heimatkunde oft auf Berthold von Eberstein zurückgeführt, dessen Sohn Eberhard III. um 1200 seine Patronatsrechte an die nahe gelegene Abtei Sturzelbronn abtrat. Eberhards Tochter Agnes heiratete 1239 Graf Henri II. von Zweibrücken-Bitsch.

Aus der Gründungszeit ist noch ein quadratischer Turm erhalten, das Kirchenschiff ist gotisch. Allerdings wurde im Jahr 1774 eine umfangreiche Restaurierung der baufälligen Anlage vorgenommen.

Besonders bekannt ist Schorbach für das noch aus romanischer Zeit stammende Beinhaus (Ossuarium) am Eingang zum ehemaligen Kirchhof.

Das Beinhaus der lothringischen Gemeinde Schorbach (Commune de Schorbach) aus dem 12. Jahrhundert diente vom Jahr 1136 bis zur Französischen Revolution 1789 der Aufnahme der Gebeine der Verstorbenen.

Da nach altem Volksglauben nur der die ewige Seligkeit erlangen konnte, der bis zum Jüngsten Tag in geweihter Erde ruhte (oder auf ihr), wurden die Gebeine der Toten wegen des Platzmangels auf den Gottesäckern exhumiert und in Beinhäusern auf dem Friedhof aufbewahrt.

Bitsch / Bitche

La Chapelle de la Nôtre Dame de l'Etang in Bitche, die ehemalige Synagoge und eine Fahrt durch die Stadt. Die Kapelle ist von 1515 und stand am 1820 trockengelegten Stadtweiher. Sie wird deswegen auch Weiherkapelle genannt. Die profanierte Synagoge ist in schlechtem Zustand.


"Flaveurs coquines" (Frivole Genüsse) nennt sich die Skulpturengruppe am Straßburger Tor - Ein von der Künstlerin Cléone gestalteter Garten - Eine Gruppe seltsamer Gestalten: Frivole Silhouetten aus rostrotem Metall - Sainte-Catherine in Bitche - Die Heilige Katharina von Alexandrien ist die Patronin der katholischen Pfarrei von Bitche.


Goetzenbruck bzw. Gœtzenbruck (deutsch Götzenbrück, lothr. Getzebrikk) ist eine französische Gemeinde im Département Moselle.


Goetzenbruck ist entstanden aus der Glasmacherei, die bis heute eine dominierende wirtschaftliche Rolle spielt. 1721 hatte Jean-Georges Poncet, Glasmacher aus Meisenthal, vom Lothringer Herzog Wald an der Götzenbrücke erhalten, um hier eine neue Betriebsstätte zu errichten. Herzog Leopold von Lothringen vermachte den Glasmachern das holzreiche Gebiet, um ihre expandierende, für das Herzogtum wichtige Industrie ausbauen zu können. Früh spezialisierte man sich auf die Fabrikation von Uhrenglas, allerdings waren im 19. Jahrhundert auch gläserne Statuetten der heiligen Jungfrau mit dem Kinde ein Verkaufsschlager. Seit 1925 stellte die Fertigung von Brillengläsern den Schwerpunkt dar. Schon damals wurden auch hochwertige Spezialgläser für industriellen und Laboratoriumsbedarf hergestellt. Letztere sind heute die wichtigsten Produkte, die am Standort Goetzenbruck der Sola Industries Optiques erzeugt werden.

Von Goetzenbruck nach Meisenthal


CIAV in Meisenthal im Bitscherland


Das CIA wird z.Z. umgebaut und renoviert. Und jetzt werden auch wieder die angeblich in Meisenthal erfundenen Weihnachtskugeln hergestellt.

Der bekannte Jugendstil-Künstler Émile Gallé hat in Meisenthal gearbeitet und hier Objekte aus Glas hergestellt. Heute gibt es in Meisenthal ein Museum sowie ein Internationales Zentrum für Glaskunst (Centre International d'Art Verrier, CIAV), das u. a. mit der Hochschule der Bildenden Künste Saar zusammenarbeitet. Das CIAV ist insbesondere für den dort hergestellten Christbaumschmuck aus Glas berühmt. Angeblich geht diese Erfindung auf die Gegend von Meisenthal zurück, als im 19. Jahrhundert eine Ernte schlecht ausfiel und die bis dahin zum Schmuck des Weihnachtsbaums verwendeten Früchte knapp waren. Das Museum befindet sich im Maison du Verre et du Cristal, wo man auch Glasbläser bei der Arbeit beobachten kann.

Les Douze Apôtres: Der Zwölfapostelstein (frz. Pierre des douze Apôtres; auch Breitenstein, lat. Petra lata) ist ein vorgeschichtlicher Menhir an der Verbindungsstraße zwischen Meisenthal, Mouterhouse (beide im Département Moselle) und Wingen-sur-Moder (Département Bas-Rhin) im Naturpark Nordvogesen (Parc Naturel Régional des Vosges du Nord). Seit dem Mittelalter bildet er eine Grenzmarke zwischen dem Elsass und Lothringen. Der aus einem einzigen Block Buntsandstein gehauene Monolith hat eine Höhe von etwa vier Metern.


Seine Vorgeschichte liegt im Dunkeln. Man vermutet, dass es sich um einen Kultstein aus keltischer („druidischer“) Zeit handelt. Einer üblichen Praxis entsprechend wurde dieser heidnische Kultstein in christlicher Zeit „getauft“, d. h. mit christlichen Merkmalen versehen. Der obere Teil wurde zu einer Kreuzigungsgruppe (der gekreuzigte Christus mit zwei Marien) gestaltet. Darunter wurde ein schlichtes Relief mit den zwölf Aposteln herausgearbeitet.



Sonntag, 1. Dezember 2019

Mennoniten in der Südwestpfalz und im Bitscherland


Dorst im Bitscherland

Mennoniten werden auch "Täufer" genannt, weil sie nur Erwachsene taufen, die sich zu ihrem Glauben bekennen können, keine Kleinkinder. Die Täufer waren als Glaubensflüchtlinge aus der Schweiz über das Elsaß, wo sie einige Jahrzehnte blieben, bis sie ausgewiesen wurden, ins Zweibrücker Land gekommen. Später wurden sie nach einem ihrer Führer, dem Friesen Menno Simons (1496-1561), "Mennoniten" genannt. Er war als Priester aus der katholischen Kirche ausgetreten und hatte sich dem Täufertum zugewandt. Im späten 17. Jahrhundert entstanden neben den Mennoniten die "Amischen" – benannt nach dem Schweizer Täuferprediger Jakob Ammann. Beide Glaubensgemeinschaften verstanden es, Methoden in der Landwirtschaft zu entwickeln. Sie existierten im Zweibrücker Raum nebeneinander.

Erst, als nach dem 30-jährigen Krieg die entvölkerte Pfalz dringend um Einwanderer warb, durften sich die Glaubensflüchtlinge hier niederlassen. In Pfalz-Zweibrücken erhielten die Mennoniten im Jahre 1713 erstmals eine offizielle Genehmigung zur Ansiedlung.

Der 4. August 1664 wurde zu einem Meilenstein in der Geschichte der Religionsfreiheit: An diesem Tag unterzeichnete Kurfürst Karl Ludwig die so genannte "Mennistenkonzession" und legalisierte damit die Ansiedlung aus der Schweiz eingewanderter Täufer in der Kurpfalz. In Pfalz-Zweibrücken erhielten die Mennoniten in der "Schwedenzeit" erstmals eine offizielle Genehmigung zur Ansiedlung (1713). Auf das Bürgerrecht mussten die fortschrittlichen Landwirte, die bis heute auf den Höfen rund um Zweibrücken zuhause sind, jedoch bis 1759 warten.

Die Mennonitensiedlung Dorst im Bitscherland

Dorst im Bitscherland, der Weiler, der zu zwei Kommunen gehört: Der Ort selbst gehört zu Walschbronn, die alte Mühle am Hornbach hingegen (im Hintergrund zu sehen), die Kapelle und der mennonitische Friedhof liegen auf dem Gemeindegebiet von Waldhouse.

Die Annexe Dorst wurde Anfang des 18. Jahrhunderts von Mennoniten gegründet, die die Herrschaft von Zweibrücken-Bitsch in der Schweiz angeworben hatte. Die Mennoniten wurden damals wegen ihrer Kenntnisse in der Landwirtschaft in verschiedenen südwestdeutschen Gebieten angesiedelt.


Friedhof der Mennoniten von Dorst:

Dorst war eine ehemals mennonitische Siedlung, die heute überwiegend zur Gemeinde Walschbronn gehört. Der Friedhof selber liegt auf einem Hang auf einer Wiesenfläche in der Gemarkung von Waldhouse (an der Rue de Rolbing). Die ältesten Grabsteine datieren von 1856. Eventuell wurden hier schon vorher Mennoniten begraben, oder es gab vorher Bestattungen bei ihren Höfen. Die letzte Beisetzung fand 1935 statt. Der Friedhof verwilderte in der Folgezeit. 2004 beschloss die Gemeinde Waldhouse eine Restaurierung und erwarb die Friedhofsfläche. 2006 war die Instandsetzung abgeschlossen. Nach der zweijährigen Restaurierung wurde darüber 2011 eine Fotoausstellung gezeigt. Die Grabinschriften finden sich meist auf der Rückseite der Grabsteine.

Auf den Spuren der Pfälzer Mennoniten


Auf den Spuren der Pfälzer Mennoniten: Ransbrunnerhof, Monbijou, Bärenbrunnerhof, Kirschbacherhof

Der Kirschbacherhof - Der Hof ist schon 1295 urkundlich nachgewiesen. Er befand sich seit Ende des 16. Jahrhunderts im Besitz der Zweibrücker Herzöge und diente ihnen als bevorzugter Aufenthaltsort bei der Jagd. Die verwitwete Pfalzgräfin Caroline verpachtete den Hof 1724 an die Amischen Jakob Jacki, Andreas Leyenberger und Heinrich Stalter (1737-1800).

Das heutige Hofgut Monbijou befindet sich an der Stelle des früheren Weilers Leichelbingen, der als Leichelvinga 1258 erstmals erwähnt wurde und zu Pfalz-Zweibrücken gehörte. Es liegt auf der Gemarkung von Dietrichingen am Zweibrücker Flugplatz.

1782 schenkte Herzog Karl II. August seinem Kammerherrn von Kreuzer Leichelbingen und die umliegenden Besitzungen. Von Kreuzer setzte die Güter in Stand und ließ ein Jagdschloss mit Gärten und Weinbergen errichten.

Bei einer Jagd 1785 war der Herzog von dem Anwesen so begeistert, dass er die Güter zurückhaben wollte. Er entschädigte von Kreuzer jedoch mit dem Mölschbacher Hof bei Wattweiler und 16.000 fl für die Inneneinrichtung. Durch Erlass bereits im selben Jahr wurde Leichelbingen in Monbijou umbenannt. In den folgenden Jahren hielt sich der Herzog sehr oft hier auf.

Die umfangreichen Gartenanlagen wurden maßgeblich durch den Gartenarchitekten von Sckell gestaltet, der auch bei Schloss Karlsberg tätig war. Beim Einmarsch der französischen Revolutionstruppen ins Herzogtum im Jahr 1793 richteten diese auf Monbijou das Generalsquartier ein. Die Anlagen wurden erheblich in Mitleidenschaft gezogen, Monbijou war fortan wieder ein Hofgut.

1805 veräußerte die Witwe des Herzogs die Güter mit einer Fläche von ca. 2,12 km² an einen Kammerdirektor Böhmer aus Frankfurt am Main.

Von dem Jagdschloss war bis 1972 vor allem die Orangerie noch gut erhalten. Durch ein Feuer ist sie seitdem Ruine und dem Zerfall preisgegeben.

Der zu Eppenbrunn gehörende Ransbrunnerhof war ursprünglich ein Klosterhof von Stürzelbronn. Seit dem 17. Jahrhundert wurde er von Schweizer Mennoniten bewirtschaftet, die im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken Aufnahme vor Verfolgung gefunden hatten.

Der Bärenbrunnerhof

Der Name entstand aus dem hier im Tal gelegenen Dorf "St. Bernhardsbrunn", das im 30-jährigen Krieg untergegangen war. Die Wiederbesiedlung gelang erst nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg.

Der Heckenaschbacherhof

Im Jahr 1509 wurde der Heckenaschbacherhof erstmalig urkundlich erwähnt – damals auch unter der Bezeichnung Roggenhof oder Hermann-Aschbacherhof.

Der Hof wurde anfangs lediglich als Viehweide genutzt. Der Hornbacher Klosterschaffner Johann Koch, in dessen Familienbesitz sich der Hof von 1690 bis 1785 befand, erbaute 1711 das Hofhaus. Koch ließ beim Bau des Hauses sein bis heute erhaltenes Wappen am Hofhaus anbringen.


Im Laufe der 500 Jahre seines Bestehens wechselte der Hof häufig die Besitzer.

So wurde er unter anderem 1785 von Herzog Karl August gekauft und dann von den Franzosen als Nationalgut beansprucht. Maria-Amalie, die Witwe von Herzog Karl August ließ sich dies jedoch nicht gefallen und so sprach Napoleon I. das Gut 1805 wieder der Herzogin zu.

Nach weiteren Besitzerwechseln in den darauffolgenden 200 Jahren ist der Heckenaschbacherhof nun seit dem Jahr 2005 im Besitz der Familien Schütz und Wendel.

Die neuen Eigentümer bauten den Hof vom Schweinezucht- und Mastbetrieb zu einem modernen Reitbetrieb um – darüber hinaus wurden die Räumlichkeiten zu besonderen Locations für Veranstaltungen aller Art stilgerecht umgebaut.



Freitag, 22. November 2019

Glasmacherei im Bitscherland


Die Kunst des Glasmachens gehört seit dem Beginn des 15. Jahrhunderts zu den wichtigsten und erfolgreichsten Industriezweigen der Großregion. Die für die Glasherstellung benötigten Rohstoffe waren im Überfluss vorhanden, die jeweiligen Landesherren förderten die Ansiedlung der Glasmacher. Von Südlothringen aus verbreitete sich die Kunst des Glasmachens in Richtung Norden. Der Buntsandstein lieferte den Rohstoff für die Glasherstellung, der Wald den Brennstoff zum Schmelzen des Quarzsandes. Eine besondere Herausforderung für Regierende, Unternehmer und Arbeiter bedeutete die geopolitische Lage der Glashütten im Herzen Europas, zwischen deutschem und französischem Einflußbereich. Trotz der durch zahlreiche Kriege und Grenzverschiebungen erschwerten Bedingungen entstanden am Westrand der Vogesen und im Bitscher Land ab dem 18. Jahrhundert einige der wichtigsten, größten und innovativsten Glas- und Kristallglashütten Europas. Einige von ihnen setzen bis heute weltweit Qualitätsmaßstäbe in Handwerk und Design.

Goetzenbruck ist entstanden aus der Glasmacherei, die bis heute eine dominierende wirtschaftliche Rolle spielt. 1721 hatte Jean-Georges Poncet, Glasmacher aus Meisenthal, vom Lothringer Herzog Wald an der Götzenbrücke erhalten, um hier eine neue Betriebsstätte zu errichten. Herzog Leopold von Lothringen vermachte den Glasmachern das holzreiche Gebiet, um ihre expandierende, für das Herzogtum wichtige Industrie ausbauen zu können. Früh spezialisierte man sich auf die Fabrikation von Uhrenglas, allerdings waren im 19. Jahrhundert auch gläserne Statuetten der heiligen Jungfrau mit dem Kinde ein Verkaufsschlager. Seit 1925 stellte die Fertigung von Brillengläsern den Schwerpunkt dar. Schon damals wurden auch hochwertige Spezialgläser für industriellen und Laboratoriumsbedarf hergestellt. Letztere sind heute die wichtigsten Produkte, die am Standort Goetzenbruck der Sola Industries Optiques erzeugt werden.


Von Goetzenbruck nach Meisenthal


Internationales Glaskunstzentrum CIAV in Meisenthal


Der bekannte Jugendstil-Künstler Émile Gallé hat in Meisenthal gearbeitet und hier Objekte aus Glas hergestellt. Heute gibt es in Meisenthal ein Museum sowie ein Internationales Zentrum für Glaskunst (Centre International d'Art Verrier, CIAV), das u. a. mit der Hochschule der Bildenden Künste Saar zusammenarbeitet. Das CIAV ist insbesondere für den dort hergestellten Christbaumschmuck aus Glas berühmt. Angeblich geht diese Erfindung auf die Gegend von Meisenthal zurück, als im 19. Jahrhundert eine Ernte schlecht ausfiel und die bis dahin zum Schmuck des Weihnachtsbaums verwendeten Früchte knapp waren. Das Museum befindet sich im Maison du Verre et du Cristal, wo man auch Glasbläser bei der Arbeit beobachten kann.

Städteportrait Bitche (Bitsch)


Bitsch (deutsch und lothringisch; französisch Bitche) im Département Moselle (Lothringen). Bitche ist Sitz des Gemeindeverbandes Pays de Bitche (Bitscherland).

Die Kleinstadt Bitsch liegt unweit der Grenze zu Rheinland-Pfalz (20 km südlich von Hornbach, 30 km südlich von Zweibrücken und Pirmasens) und zum Saarland (30 km südöstlich von Blieskastel und 50 km von Saarbrücken).

Der Ort wird von einem Sandsteinplateau überragt, auf und in dem die Zitadelle von Bitsch errichtet wurde. Die Zitadelle wurde 1979 als Monument historique eingestuft und ist heute ein Freilichtmuseum. Die Stadt hat auch einen Anteil am Naturpark Nordvogesen.

Im 12. und 13. Jahrhundert gehörte Bitsch zum Herzogtum Lothringen. 1297 vertauschte Lothringen die Herrschaft an die Grafen von Zweibrücken-Bitsch, und Bitsch wurde somit Hauptort einer eigenständigen Herrschaft, bis die Linie 1570 ausstarb. Bitsch fiel nun im Erbgang an die lutherische Grafschaft Hanau-Lichtenberg. Jedoch wollte der Herzog von Lothringen als Lehnsherr über Bitsch das Lehen einziehen. Darüber kam es ab 1572 zu einem lange währenden Streit, der erst 1606 mit einem Vergleich beendet wurde. Bitsch fiel an Lothringen zurück und wurde in der Folge rekatholisiert. Im Dreißigjährigen Krieg wurden der Flecken und das Umland völlig verwüstet. 1680 besetzte Frankreich das Land. Der nun folgende Umbau und Neugestaltung der mittelalterlichen Burg zu einer neuzeitlichen Festung durch Vauban und die dauernde Präsenz französischer Truppenteile beeinflussten die Entwicklung des Ortes nachhaltig.

Im 17. und 18. Jahrhundert wurde Bitsch durch Kriege immer wieder schwer in Mitleidenschaft gezogen und wechselte mehrfach die Landeszugehörigkeit zwischen Lothringen und Frankreich, bis es nach dem Tod Stanislaus Leszczynskis, des letzten Herzogs von Lothringen, 1766 mit Lothringen an Frankreich fiel.

Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 verteidigte der Kommandant Colonel Louis-Casimir Teyssier die Zitadelle, die seit dem 8. August 1870 von bayerischen Truppen belagert wurde. Teyssier kapitulierte erst rund einen Monat nach dem Vorfrieden von Versailles am 25. März 1871. Die deutsche Armee erlaubte den ehrenhaften Abzug der französischen Soldaten unter Waffen.


"Flaveurs coquines" (Frivole Genüsse) nennt sich die Skulpturengruppe am Straßburger Tor - Ein von der Künstlerin Cléone gestalteter Garten -


Dienstag, 27. August 2019

Nachbarn über die Grenze: Eppenbrunn und Roppeviller


Eppenbrunn liegt im deutschen Teil des Wasgaus, der zum Südteil des Pfälzerwaldes gehört und bereits unmittelbar westlich des Ortes fließend in das zur Westricher Hochfläche gehörende Zweibrücker Hügelland übergeht, unmittelbar an der Grenze zu Frankreich. In der Zeit der Französischen Revolution entstand die Bezeichnung Hackmesserseite für den Ort und einige Nachbardörfer, weil sie sich 1792 der Revolution anschlossen.



Der Begriff "Hackmesserseite" stammt aus der Zeit der franz. Revolution 1789. Die Wogen der Revolution ergriffen 1792 auch die Dörfer um Trulben mit Eppenbrunn, Hilst, Schweix und Ludwigswinkel. Zusammen mit zwölf Nationalgardisten erreichten mehrere Bürger unter der Führung des Oberförsters Weiß aus dem französischen Roppeviller am 8. November 1792 Eppenbrunn und pflanzten einen Freiheitsbaum. Die Freiheitskämpfer zogen am gleichen Tag auch noch nach Trulben und pflanzten dort einen weiteren Baum als "Zeugen der Freiheit". Die Dörfer Kröppen, Hilst und Schweix folgten dem Beispiel am nächsten Tag. Die in "freie Franken" umgewandelten Bürger erklärten dem Oberamt Pirmasens, keine Salzsteuer mehr zu bezahlen und der Darmstädter Regierung "... keinen Pfennig mehr zu entrichten". 1.000 Klafter Holz, das der Landgraf bereits an Zweibrücker Holzhändler verkauft hatte, teilten die Aufständischen unter sich auf. Schultheißen wurden abgesetzt und die herrschaftlichen Jäger und Waldhüter vertrieben. Die widerspenstigen Dörfer schufen eine neue Gemeindeverwaltung nach französischem Vorbild und stellten an die Pariser Nationalversammlung den Antrag auf Vereinigung mit der französischen Republik. Bereits schon am 14. Februar 1793 entsprach die Pariser Nationalversammlung dem Bittgesuch und erklärte die freiheitsliebenden Dörfer zu französischem Staatsgebiet. Bitscher Freiheitsleute brachten ihren pfälzischen Brüdern ein Geschenk mit: die Guillotine, im Volksmund "Hackmesser" genannt. Dieses Mordinstrument soll eifrig in Tätigkeit gewesen sein. In Erinnerung an die blutigen Opfer entstand daraufhin der Name "Hackmesserseite".



Eppenbrunn wurde 1235 als Eppenburnen erwähnt, der Weiler Ransbrunnerhof schon 1155 als Ransbronnen. Beide gehörten damals zum Kloster Sturzelbronn in Lothringen. Von dort gelangten sie an die Grafschaft Zweibrücken-Bitsch. Das Dorf Eppenbrunn lag im Amt Lemberg der Grafschaft und dort in der Amtsschultheißerei Trulben. Im folgenden Video kommen wir von Trulben aus nach Eppenbrunn.


Eppenbrunn - Ein Ortsportrait

Eppenbrunn ist ein staatlich anerkannter Luftkurort und im (ehem.) Bruder Konrad Kur- und Bäderhaus war schon immer eine Praxis für Physiotherapie untergebracht.


In Eppenbrunn befindet sich die Vita Natura Klinik, eine der ältesten Kliniken für Ganzheitsmedizin in Deutschland. Auch sie sehen wir im obigen Video.


Zwischen Eppenbrunn und dem französischen Nachbarort Roppeviller verläuft der Helmut Kohl-Wanderweg, den der ehemalige Bundeskanzler gerne und oft privat benutzt hat.

Roppeviller im Bitscherland


Mit 109 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) ist Roppeviller die kleinste Gemeinde des Bitscher Landes. Die Einwohner nennen sich auf Französisch Roppevillerois und auf Deutsch Roppweilerer.

Das Grenzland hat aber auch eine sehr kriegerische Vergangenheit: Im Pfälzerwald, auch rund um Eppenbrunn, stößt man allenthalben auf die gesprengten Reste der Bunker des Westwalls.


Der Westwall - Eine Spurensuche


Auf Spurensuche am Westwall im Pfälzerwald - u.a. ein Besuch des Westwallmuseums in Pirmasens -

Diesseits und jenseits der Grenze


Ausflug nach Brenschelbach im Bliesgau (Langfassung)


Wir fahren von der Hackmesserseite in der Südwestpfalz via Vinningen, Bottenbach und Großsteinhausen nach Hornbach. Entlang des Hornbachs (der hier auch noch Trualbe heißt). Anschließend durch das Naturschutzgebiet Schwalbaue nach Brenschelbach. Der Turm der evangelischen Kirche ist aus dem 13. Jahrhundert und zählt zu den sog. "Hornbacher Türmen". Auf der Rückfahrt sehen wir auch die Wasserbüffel bei Mauschbach.

Walschbronn im Pays de Bitche


Roppeviller im Bitscherland


Saint-Nicolas in Haspelschiedt und Saint-Remi in Schorbach


Impressionen aus Bitche


Die "Frivolen Genüsse" am Straßburger Tor, ein Storch auf dem Rathaus, die Zitadelle von Vauban und einkaufen beim Supermarché MATCH.

Trulben und Eppenbrunn


Hackmesserseite: Trulben und Eppenbrunn: 250 Jahre Katholische Pfarrkirche Sankt Stephanus in Trulben - Der Turm von St. Stephanus ist spätromanisch. Die Kirche birgt eine Kanzel aus der Abtei Sturzelbronn. Das im Video auch zu sehende steinerne Kirchhofskreuz von 1807 gehört zum Typus der Lothringer Kreuze. Bemerkenswert auch die Lourdes-Grotte und die Statue des Heiligen Bruders Konrad von Parzham, des bis dato letzten deutschen Heiligen. Der Kurpark in Eppenbrunn bietet Spiel-, Entspannungs- und Einkehrmöglichkeiten. Zwischen Eppenbrunn und dem französischen Nachbarort Roppeviller verläuft der Helmut Kohl-Wanderweg.

Kleiner Ausflug nach Eppenbrunn - Ransbrunnerhof - Krötenwanderung - Stüdenbachweiher und Vita Natura Klinik am Eppenbrunner Weiher.


Vinningen auf der Hackmesserseite


Sehenswert: Die Mardellen von Vinningen - Mardellen sind meist baumbestandene und wassergefüllte Einstürze auf Hochflächen. Diese Biotope sind Heimat seltener Tier- und Pflanzenarten, wie Salamander, Eidechsen oder Libellen.

Der Deutsch-Französische Kindergarten in Liederschiedt


Der Deutsch-Französische Kindergarten in Liederschiedt in Lothringen (Département Moselle, 57). 2015 feierte er sein 20-jähriges Bestehen. Hier wachsen Kinder von diesseits und jenseits der Grenze zweisprachig auf. Ein Stück gelebte Völkerverständigung schon im Kindesalter.


Montag, 26. August 2019

Im Bitscherland (Teil 2)


Im Teil 1 haben wir u.a. den Ort Roppeviller besucht. Unweit davon ist Haspelschiedt.


Die Gemeinde Haspelschiedt liegt im äußersten Nordosten Lothringens, nahe der Grenze zum deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz. Das Gemeindegebiet von Haspelschiedt ist Teil des Regionalen Naturparks Nordvogesen und des Biosphärenreservates Pfälzerwald-Nordvogesen. Oberhalb von Haspelschiedt wurde der Schwarzbach aufgestaut. An diesem Stausee namens Haspelscheider Weiher bestehen Angel- und Campingmöglichkeiten. Die Südosthälfte des gut 2000 m langen Stauweihers ist Teil des militärischen Sperrgebietes Camp militaire de Bitche (Truppenübungsplatz Bitsch). Erstmals erwähnt wurde das Dorf im Jahre 1544 als Haspelschid. Weitere Namen waren Haspelschille (1793) und Haspelchitt (1801).

Kirche Saint-Nicolas von 1869


Von Haspelschiedt geht es zurück auf die D162A Richtung Bitche und dann über die D1628 nach Schorbach. Die Einwohner nennen sich Schorbachois. Sie tragen weiterhin auch den Spitznamen Wurschtfresser, was sich auf das jährliche Wurschtfescht bezieht, das am Saint-Rémi-Festtag stattfindet. Der Name Schor-Bach, was Sumpfschildkröten-Bach bedeuten soll, tauchte erstmals im Jahr 1210 auf. Der Ort gehörte lange zu Zweibrücken-Bitsch. Sehr früh war Schorbach, ausgehend vom Kloster Hornbach, Sitz einer Kirchengemeinde und blieb bis zur Revolution Zentralkirche für die umliegenden Ortschaften.

Saint-Remi in Schorbach


Pfarrkirche Saint-Remi (im Kern romanisch) und der Ossuaire, das Beinhaus aus dem 12. Jahrhundert

Die auf einen 1143 geweihten Vorgängerbau zurückgehende Kirche Saint Rémi, die auf einem Felsen den unteren Ort überragt, war über viele Jahrhunderte die zentrale Pfarrkirche im Bitscher Land. Der Kirchengründer ist nicht bekannt, sie wird aber in der Heimatkunde oft auf Berthold von Eberstein zurückgeführt, dessen Sohn Eberhard III. um 1200 seine Patronatsrechte an die nahe gelegene Abtei Sturzelbronn abtrat. Eberhards Tochter Agnes heiratete 1239 Graf Henri II. von Zweibrücken-Bitsch. Aus der Gründungszeit ist noch ein quadratischer Turm erhalten, das Kirchenschiff ist gotisch. Allerdings wurde im Jahr 1774 eine umfangreiche Restaurierung der baufälligen Anlage vorgenommen. Besonders bekannt ist Schorbach für das noch aus romanischer Zeit stammende Beinhaus (Ossuarium) am Eingang zum ehemaligen Kirchhof.

Unser nächstes Ziel ist Bitche (Bitsch).

Straßburger Tor

Blick in die Altstadt

"Flaveurs coquines" (Frivole Genüsse) nennt sich die Skulpturengruppe am Straßburger Tor - Ein von der Künstlerin Cléone gestalteter Garten - Eine Gruppe seltsamer Gestalten: Frivole Silhouetten aus rostrotem Metall -


In Bitche kaufen wir auch gerne ein.





Sonntag, 25. August 2019

Im Bitscherland (Pays de Bitche)


Nach unserem Trip in den grenznahen Bliesgau zieht es uns nun wieder auf die andere Seite der deutsch-französischen Grenze, ins Pays de Bitche, das Bitscherland.

Unser erstes Ziel, noch in der Südwestpfalz, ist Kröppen. Kröppen liegt am Rand des Zweibrücker Hügellandes direkt an der Grenze zu Frankreich. Es gehört zu den Dörfern der Hackmesserseite.



Der Begriff "Hackmesserseite" stammt aus der Zeit der franz. Revolution 1789.

Die Wogen der Revolution ergriffen 1792 auch die Dörfer um Trulben mit Eppenbrunn, Hilst, Schweix und Ludwigswinkel.

Zusammen mit zwölf Nationalgardisten erreichten mehrere Bürger unter der Führung des Oberförsters Weiß aus dem französischen Roppeviller am 8. November 1792 Eppenbrunn und pflanzten einen Freiheitsbaum. Die Freiheitskämpfer zogen am gleichen Tag auch noch nach Trulben und pflanzten dort einen weiteren Baum als "Zeugen der Freiheit". Die Dörfer Kröppen, Hilst und Schweix folgten dem Beispiel am nächsten Tag. Die in "freie Franken" umgewandelten Bürger erklärten dem Oberamt Pirmasens, keine Salzsteuer mehr zu bezahlen und der Darmstädter Regierung "... keinen Pfennig mehr zu entrichten". 1.000 Klafter Holz, das der Landgraf bereits an Zweibrücker Holzhändler verkauft hatte, teilten die Aufständischen unter sich auf. Schultheißen wurden abgesetzt und die herrschaftlichen Jäger und Waldhüter vertrieben. Die widerspenstigen Dörfer schufen eine neue Gemeindeverwaltung nach französischem Vorbild und stellten an die Pariser Nationalversammlung den Antrag auf Vereinigung mit der französischen Republik. Bereits schon am 14. Februar 1793 entsprach die Pariser Nationalversammlung dem Bittgesuch und erklärte die freiheitsliebenden Dörfer zu französischem Staatsgebiet. Bitscher Freiheitsleute brachten ihren pfälzischen Brüdern ein Geschenk mit: die Guillotine, im Volksmund "Hackmesser" genannt. Dieses Mordinstrument soll eifrig in Tätigkeit gewesen sein. In Erinnerung an die blutigen Opfer entstand daraufhin der Name "Hackmesserseite".




Nordöstlich von Kröppen befindet sich Vinningen, südöstlich Trulben und westlich (auf französischer Seite) liegt Walschbronn. Zu Kröppen gehören auch die Wohnplätze Einöderwiesenhof und Stausteinerhof. Die älteste erhaltene Erwähnung von Kröppen stammt von 1267. Das Dorf Kröppen lag im Amt Lemberg der Grafschaft Zweibrücken-Bitsch und dort in der gleichnamigen Amtsschultheißerei Kröppen. Die katholische Kirche St. Jakobus Major ist ein in den 1930-er Jahren erbautes ehemaliges Hitler-Jugend-Heim, 1950/51 zur Kirche umgebaut und durch einen Turm ergänzt.


In Kröppen an der Wegespinne am Ortsende folgen wir der Ausschilderung nach Bitsch (Bitche) und erreichen nach kurzer Fahrt Walschbronn.

Walschbronn ist eine französische Gemeinde mit 498 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) im Département Moselle in der Region Grand Est. Sie gehört zum Arrondissement Sarreguemines und zum Kanton Bitche und ist Teil des grenzübergreifenden Biosphärenreservates Pfälzerwald-Nordvogesen. Sie war im Mittelalter ein bedeutender Badeort. Die Einwohner nennen sich Walschbronnois. Das Dorf liegt in den Nordvogesen als Grenzort zur Pfalz an der Trualbe, die auf diesem Abschnitt auch "Schwartzbach" genannt wird, einem Nebengewässer des Hornbachs, und an der Straße D 962 von Volmunster nach Pirmasens.

Gallo-römische Funde sind ab dem 2. Jahrhundert vorhanden. So ist eine Römerstraße nachgewiesen. Als Stanislaus I. Leszczyński 1755 die Instandsetzung der schadhaften Badeanlagen veranlasste, kamen ein römischer Votivstein und viele Münzen zum Vorschein. Es wird angenommen, dass die Heilquellen von Walschbronn den Römern bereits bekannt waren.


Streetview von Kröppen nach Walschbronn und retour

Eine erste konkrete Erwähnung des Dorfes erfolgte im Jahr 1080 noch unter dem Namen Galesburas (Gales = Gallert, Buras = "Brunnen"), was als Hinweis auf die petroleumhaltigen Quellen gilt. Bereits 1170 wurde allerdings schon Walsburn geschrieben. Es soll dies Waldbrunnen heißen, nach anderer Ansicht ist es vom germanischen Vornamen Walo abzuleiten. Wie der ganze heutige Kanton Volmunster gehörte Walschbronn im Mittelalter zu Zweibrücken-Bitsch. Graf Friedrich vermachte den Grundbesitz und die Kirchenrechte jedoch im Jahr 1196 an die neugegründete Abtei Sturzelbronn.

Walschbronn

Um 1490 errichtete Graf Simon IV. Wecker von Zweibrücken-Bitsch in Walschbronn ein Jagdschloss, heute "Weckerburg" genannt. Die Burg war später in Besitz von Georg von Zweibrücken-Bitsch und Ochsenstein († 1559) sowie Jakob von Zweibrücken-Bitsch. Nach dessen Tod im Jahre 1570 wurde das Gebäude aufgegeben und verfiel zur Ruine.


Im 15. und 16. Jahrhundert muss die Heilquelle bereits einen weiten Ruf genossen haben, denn die deutschen Kaiser Friedrich III. und Karl V. waren Förderer des Bades. Der Badebetrieb war eine bedeutende Einnahmequelle für das Haus Zweibrücken-Bitsch, bevor die Quelle in den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges versiegte. Im Dorf Walschbronn, für das drei Jahrzehnte zuvor ein Chronist noch die stattliche Zahl von 400 Häusern genannt hatte, lebten 1648 gerade noch elf Einwohner.

Kirchlich hatte Walschbronn einst eine große Bedeutung. Zu der Pfarrei gehörten Ortschaften beiderseits der heutigen Staatsgrenze, nämlich Waldhouse, Hanviller, Roppeviller, Liederschiedt, Kröppen, Trulben, Hilst, Schweix, Eppenbrunn, Vinningen, Riedelberg, Großsteinhausen, Kleinsteinhausen und Niedersimten vor den Toren von Pirmasens bzw. heute ein Stadtteil von Pirmasens. Nach der Französischen Revolution änderten sich die Bistumsgrenzen und Walschbronn verlor die Gemeinden jenseits der lothringischen Grenze.

Mit der Grenzlage, in die Walschbronn im 18. Jahrhundert zunehmend geriet, verlor der einst ansehnliche Ort mehr und mehr an Bedeutung. Von fast 1.000 Einwohnern an der Wende zum 19. Jahrhundert ist die Bevölkerungszahl bis heute auf noch gut die Hälfte zurückgegangen. Durch einen steigenden Anteil Deutscher, die wegen der niedrigeren Immobilienpreise ihren Wohnsitz hierher verlegt haben, ist in den letzten Jahren der Abwärtstrend aber gestoppt worden.


Nach Walschbronn fahren wir über Waldhouse Richtung Bitche und biegen dann links ab Richtung Haspelschiedt, Liederschiedt und Roppeviller.

Roppeviller 1993

Roppeviller (deutsch Roppweiler, lothr. Roppwiller) ist eine französische Gemeinde im Département Moselle in der Region Grand Est (bis 2015 Lothringen). Sie gehört zum Arrondissement Sarreguemines und zum Kanton Bitche und ist Teil des grenzübergreifenden Biosphärenreservates Pfälzerwald-Nordvogesen. Mit 109 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) ist Roppeviller die kleinste Gemeinde des Bitscher Landes. Die Einwohner nennen sich auf Französisch Roppevillerois und auf Deutsch Roppweilerer.

Die "Auberge de la Fôret", wo wir 1993 so schön auf ein Glas Rotwein im Garten gesessen hatten, ist mittlerweile leider geschlossen.


Die Église de l'Assomption de la Très Sainte Vierge mit ihrer beeindruckenden Lourdes-Grotte wurde 1791 erbaut.

Von Roppeviller aus erreicht man rasch die bereits auf deutschem Gebiet liegenden Altschloßfelsen, das größte Buntsandsteinmassiv der Pfalz.





Freitag, 23. August 2019

Bei uns in der Grenzregion


Der Deutsch-Französische Kindergarten in Liederschiedt im Department Moselle (57, Lothringen, Pays de Bitche) ist eine Einmaligkeit in Europa. Er geht zurück auf eine Initiative von Günther Cölsch (im Bild) und Joseph Schaefer, der eine seinerzeit Bürgermeister der Verbandsgemeine Pirmasens-Land, der andere Bürgermeister von Bitche (Bitsch). In der Ecole Maternelle Franco-Allemande werden Kinder von diesseits und jenseits der Grenze zweisprachig betreut.


Der deutsch-französische Kindergarten (Ecole Maternelle Franco-Allemande) in Liederschiedt im Department Moselle (57, Lothringen, Lorraine) im Grenzgebiet zum Bundesland Rheinland-Pfalz (Landkreis Südwestpfalz bei Pirmasens). Der einzige deutsch-französische Kindergarten bzw. der einzige zweisprachige und grenzüberschreitende Kindergarten Europas. Besteht seit 1995.

Haspelschiedt und Bitche

Haspelschiedt im Bitscherland (Pays de Bitche) in Lothringen, kurz hinter der Grenze. Ein eher unscheinbares Örtchen (im Sommer lockt der Badesee), auch ist Saint-Nicolas keine alte Kirche (sie ist neugotisch, aus dem 19. JH,), aber gleichwohl interessant. Für uns so eine unserer kleinen Stippvisiten von unserem südwestpfälzer Domizil aus. In einer knappen Viertelstunde Fahrt ist man dort.


"Flaveurs coquines" (Frivole Genüsse) nennt sich die Skulpturengruppe am Straßburger Tor - Ein von der Künstlerin Cléone gestalteter Garten - Eine Gruppe seltsamer Gestalten: Frivole Silhouetten aus rostrotem Metall -

Roppeviller (deutsch Roppweiler, lothr. Roppwiller) ist eine französische Gemeinde im Département Moselle in der Region Grand Est (bis 2015 Lothringen). Sie gehört zum Arrondissement Sarreguemines und zum Kanton Bitche und ist Teil des grenzübergreifenden Biosphärenreservates Pfälzerwald-Nordvogesen.

Mit 109 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) ist Roppeviller die kleinste Gemeinde des Bitscher Landes. Die Einwohner nennen sich auf Französisch Roppevillerois und auf Deutsch Roppweilerer.

Roppeviller liegt im äußersten Nordosten Lothringens an der Grenze zur Pfalz am Grunnelsbach.

Gallo-römische Zeugnisse weisen auf eine Besiedelung im 2. Jahrhundert hin. So führte eine Römerstraße über die Gemarkung. Eine erste konkrete Erwähnung des Dorfes erfolgte im Jahr 1314 unter dem Namen Roppeweyler (angeblich von Rappo = germanischer Vorname). Aufgrund der abgelegenen Lage hat Roppeviller einen erheblichen Bevölkerungsschwund zu verzeichnen. Von 587 Einwohnern im Jahr 1844 ist die Bevölkerungszahl bis heute auf rund ein Viertel zurückgegangen.

Am Wanderweg nach Eppenbrunn findet sich oberhalb der alten Römerstraße im Buntsandstein ein stark verwittertes römisches Felsrelief, bekannt als Dianabild. Neben der Jagdgöttin sind der Kriegsgott Mars und eine weitere Figur mit Tanne erkennbar, bei der es sich wohl um den Gott des Waldes, Silvanus, handelt.

Von Roppeviller aus schwappte die Französische Revolution über die Grenze. Zunächst nach Eppenbrunn: Am 8. November 1792 kamen mehrere Bürger unter der Führung des Oberförsters Weiß aus der nur vier Kilometer entfernten lothringischen Gemeinde Roppweiler (heute: Roppeviller) zusammen mit zwölf französischen Nationalgardisten nach Eppenbrunn und pflanzten einen Freiheitsbaum oder – wie sie es nannten – einen „Zeugen der Freiheit“. Noch am gleichen Tag zogen die Freiheitskämpfer weiter nach Trulben und pflanzten auch dort einen Baum. Diesem Beispiel folgten die Dörfer Kröppen, Hilst und Schweix am nächsten Tag, Ludwigswinkel wenig später. Die aufrührerischen Dörfer schufen unverzüglich eine neue Gemeindeverwaltung nach französischem Vorbild und beantragten bei der Pariser Nationalversammlung die Aufnahme in die Französische Republik. Schon am 14. Februar 1793 entsprach die Nationalversammlung dem Gesuch und erklärte die freiheitsliebenden Dörfer zu französischem Staatsgebiet. Die Zugehörigkeit zu Frankreich endete mit Napoleons endgültiger Niederlage und Abdankung 1815. Freiheitsanhänger aus der nahegelegenen lothringischen Garnisonsstadt Bitsch (heute: Bitche) überbrachten ihren pfälzischen Gesinnungsbrüdern als Geschenk eine Guillotine, die anschließend fleißig als Hinrichtungsinstrument benutzt wurde. In Erinnerung an die blutigen Opfer kam später der Name Hackmesserseite auf.

Heute verläuft zwischen Eppenbrunnn in der Südwestpfalz und Roppeviller der Helmut-Kohl-Wanderweg.

Gleichermaßen von deutscher wie von französischer Seite erreichbar sind die Altschloßfelsen, das größte Buntsandsteinmassiv der Pfalz.


Ein Abstecher ans Lothringer Ufer der Schwalb (und mehr diesseits und jenseits der Grenze)


Wenn wir bei unserem Trip in den Bliesgau in Brenschelbach-Bahnhof links abbiegen und die deutsch-französische Grenze überschreiten, gelangen wir nach kurzer Fahrt zur Eschweiler Mühle (Moulin d'Eschviller).

Eschviller (deutsch Eschweiler) ist ein Ortsteil der französischen Gemeinde Volmunster im Nordosten des Départements Moselle in der Region Grand Est (bis 2015 Lothringen). Eschviller ist Teil des Bitscher Landes (Pays de Bitche) sowie des Regionalen Naturparks der Nordvogesen.

Bekannt ist Eschviller für die Eschweiler Mühle (lothringisch Eschwiller Muehle, frz. moulin d'Eschviller), die sich etwas abseits des Weilers, am Fluss Schwalb befindet. Sie wurde bereits im Jahr 1731 erbaut. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde sie seit 1976 restauriert und seit den späten 1980er-Jahren zu einer touristischen Attraktion ausgebaut. Neben einem Museum, das sich dem Mühlenalltag widmet, bietet das Gebäude Gästezimmer und eine Gaststätte mit französischer Küche. Auf dem Gelände der Mühle befinden sich außerdem ökologische Lehrpfade und ein Bienenhaus.


Im Herzen des Naturparks Nordvogesen gelegen, vermittelt das Museum Eschviller Mühle anschaulich den Mühlenalltag. Anhand sehr konkreter Vorführungen und der Ausstellung alter Werkzeuge werden sämtliche Schritte der Mehlherstellung gezeigt. Eine funktionsfähige Gattersäge, die von einem gewaltigen Schaufelrad angetrieben wird, ist ebenfalls zu besichtigen. Das Museum liegt inmitten einer reizvollen Landschaft, die weitere Attraktionen bereithält: Rundgang "Kreislauf des Wassers", Natur- und Kulturlehrpfad, Robustrinder, Bienenlehrstand.

Karte:


Über Ormersviller kommen wir auf schmalem Sträßchen zurück in den Bliesgau und nach Medelsheim.

Europäischer Kultur- und Archäologiepark Bliesbruck-Reinheim - eine grenzüberschreitende Ausgrabungsstätte aus gallo-römischer Zeit:


Eingebettet in das idyllische Tal der Blies, im Herzen des UNESCO Biosphärenreservats Bliesgau, liegt der Europäische Kulturpark Bliesbruck-Reinheim unmittelbar auf der deutsch-französischen Grenze. Die umliegende Kulturlandschaft und das naturnahe Parkgelände lassen den Besuch des Archäologieparks zu einem einmaligen Erlebnis werden. Hier kann man in die Regionalgeschichte, aber auch in die Vergangenheit Europas eintauchen.

In dem Archäologiepark werden seit 1987 auf der deutschen Seite die Reste einer römischen Villa und seit 1971 auf der französischen Seite eine gallo-römische Kleinstadtsiedlung inklusive Thermenanlage freigelegt.


Nun ist es nicht mehr weit bis Gräfinthal. Die Gründung des Klosters erfolgte nach dem Chronisten Dom Calmet im Jahre 1243. Es ist eine Stiftung der Gräfin Elisabeth von Blieskastel. Diese wurde der Legende nach durch ein Gebet vor dem Gnadenbild eines Einsiedlers (s. Blieskastel und sein Gnadenbild) geheilt und gründete aus Dankbarkeit das Kloster. 1273 wurde sie dort beerdigt.

Der Wilhelmitenorden, gegründet von Schülern des Hl. Wilhelm von Malevalle (Toskana), gründete von Gräfinthal aus Ende des 13. Jahrhunderts das Priorat Marienthal bei Hagenau im Elsass, das bis heute ein großer Wallfahrtsort ist. Die Klosteranlage wurde im Laufe von 600 Jahren wiederholt zerstört und beschädigt. Eine letzte Blüte und sein Ende erlebte das Kloster dann zu Beginn des 18. Jahrhunderts.


Zwei Clips in einem, vor und nach der Restaurierung der Kapelle. Jeweils im Herbst.

Förderer war der in Zweibrücken residierende ehemalige polnische König, der spätere Herzog von Lothringen, Stanislaus Lescynski (1677-1766). Er ließ 1717 seine verstorbene Tochter Anna (1699-1717) in der Klosterkirche beisetzen. Bei jüngsten archäologischen Grabungen wurde diese Grablege vermutlich gefunden. Auch die 2. Tochter des polnischen Königspaares, Maria Lescynska (1703-1768), durch die Heirat mit Ludwig XV. Königin von Frankreich, hatte eine besondere Zuneigung zu dem Kloster und besuchte es öfter.

Machen wir nochmal einen Abstecher über die Grenze: Meisenthal - Internationales Glaskunstzentrum


Meisenthal gehört zum Arrondissement Sarreguemines und zum Kanton Bitche und ist Teil des grenzübergreifenden Biosphärenreservates Pfälzerwald-Nordvogesen. Der bekannte Jugendstil-Künstler Émile Gallé hat in Meisenthal gearbeitet und hier Objekte aus Glas hergestellt. Heute gibt es in Meisenthal ein Museum sowie ein Internationales Zentrum für Glaskunst (Centre International d'Art Verrier, CIAV), das u. a. mit der Hochschule der Bildenden Künste Saar zusammenarbeitet. Das CIAV ist insbesondere für den dort hergestellten Christbaumschmuck aus Glas berühmt. Angeblich geht diese Erfindung auf die Gegend von Meisenthal zurück, als im 19. Jahrhundert eine Ernte schlecht ausfiel und die bis dahin zum Schmuck des Weihnachtsbaums verwendeten Früchte knapp waren. Das Museum befindet sich im Maison du Verre et du Cristal.

Auf dem Gebiet der Gemeinde Meisenthal befindet sich auch der auch Breitenstein genannte Zwölfapostelstein (Le Pierre des Douze Apôtres).


Ein christianisierter Menhir, markiert seit altersher die Grenze zwischen dem Elsaß und Lothringen.
Viele Sagen und Legenden ranken sich um die alte Grenzmarke.