Donnerstag, 7. Oktober 2021

Busenberg im Pfälzerwald

Die Ruine der Burg Drachenfels ist der Rest einer Felsenburg im Südteil des Pfälzerwalds, dem deutschen Teil des Wasgaus (Rheinland-Pfalz). Vielleicht die typischste Felsenburg im Wasgau ist der Drachenfels - sozusagen ein aus dem Buntsandstein herausgewachsenes Gesamtkunstwerk. Die Anfänge der Burg sind weitgehend ungeklärt, sie wurde wohl um 1200 erbaut. Im Jahr 1335 wurde die Festung von der Freien Reichsstadt Straßburg zerstört. Im weiteren Verlauf wurde sie Ganerbenburg mit zeitweise über 20 gleichzeitigen Besitzern. Der Fürstenbund zerstörte die Burg 1523 im Kampf gegen Franz von Sickingen. Nach Sickingens Niederlage und seinem Tod auf Burg Nanstein bei Landstuhl Anfang Mai 1523 gegen die verbündeten Heere dreier Reichsfürsten rückten diese auch gegen den Drachenfels vor. Die Burg wurde angesichts der gewaltigen Übermacht vom Burgvogt, der mit lediglich acht Knechten in der Burg anwesend war, kampflos übergeben. Dennoch wurde die Burg am 10. Mai 1523 von den Siegern endgültig zerstört und ihr Wiederaufbau untersagt.


Die Burg ist von Busenberg aus über eine befestigte Straße anzufahren, die bis zur Drachenfelshütte des Pfälzerwald-Vereins führt. Von dort aus sind die letzten 200 m zur Burg zu Fuß zurückzulegen. Und zur Einkehr bietet sich der Weissensteiner Hof an.

https://www.weissensteinerhof.de/


Der höchstgelegene Teil des Burgfelsens wurde zum Bergfried ausgebaut. Wegen seines heutigen Aussehens wird der Turmrest im Volksmund „Backenzahn“ genannt; er macht die Ruine zu einer der auffälligsten Burgen in Rheinland-Pfalz.

Der Name der Burg könnte von dem Bild eines Drachens herrühren, das in die Sandsteinwand des ehemaligen Rittersaals eingraviert ist. Da allerdings unbekannt ist, wann es angefertigt wurde, besteht auch die Möglichkeit, dass mit dem Drachenbildnis auf den bereits existierenden Namen der Burg Bezug genommen wurde.

Die bescheidenen Reste der Burg im östlichen Bereich werden dominiert vom Backenzahn, dem Bergfriedrest im Osten. Auf dem Felsen sind nur wenige originale Mauerzüge erhalten. Gleichwohl vermittelt ein Aufstieg durch die teilweise in den Fels geschlagenen Aufgänge einen Eindruck von der Wehrhaftigkeit der Anlage. Auf dem Plateau des ehemaligen Bergfrieds finden sich Reste einer Zisterne. In den Fels geschlagene Kammern, Balkenlöcher und Abarbeitungen an dem Sandsteinfelsen belegen, dass er einst fast komplett von Fachwerk- oder Steingebäuden umgeben war.

Wesentlich mehr Bausubstanz ist von der Unterburg und der Toranlage erhalten. 1903 wurde bereits der Torturm durch zwei Rundbogenportale ergänzt. Reste von zwei weiteren Türmen, einer kleinen Zwingeranlage sowie Mauern und Gebäuden sind seit 1990 Schwerpunkt von Erhaltungs- und Ausgrabungsmaßnahmen der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz.

Wohl in der Spätzeit der Burg wurde der etwas niedriger gelegene westliche Burgfelsen ebenfalls bebaut. Ursache für solche Erweiterungen sind gewöhnlich Veränderungen im Besitz der Burgen, etwa bei Umwandlung des ursprünglichen Lehens in eine Ganerbschaft. Auf dem ehemals bebauten Westfelsen sind jedoch keine Mauern mehr erkennbar, er ist auch nicht zugänglich. Teile des Aufgangs sowie einer Wachstube an der Südseite des Felsens sind erhalten.

Die Anlage auf dem westlichen Felsen verfügte über eine separate kleine Unterburg und eine eigene Toranlage südöstlich des Burgfelsens, von der Reste eines Flankierungsturms mit Maulscharten erhalten sind. Bei der Anlage der Burggebäude auf dem westlichen Burgfelsen wurde der ehemalige Halsgraben mit einem mehrgeschossigen Gebäude überbaut. Von diesem sind lediglich die Balkenlöcher vorhanden, von denen mehrere das in den Fels geritzte ältere Drachenbild durchschlagen. Nach Norden wurde der Hof durch eine halbrunde Mauer abgeschlossen. Der Westfels kann nur von geübten Kletterern bestiegen werden.

Der jüdische Friedhof in Busenberg

Der Busenberger Judenfriedhof an der Bundesstraße in Richtung Bad Bergzabern liegt so weit von der Gemeinde weg, dass man den Kirchturm vom Friedhof aus nicht sehen konnte. Die Gesichter der Toten lagen in Richtung Osten, damit sie den Messias, wenn er aus Jerusalem kommt, sofort sehen können. Außerdem haben die Toten das bleibendes Ruherecht. Die Friedhöfe waren umfriedet und dürfen nicht mit Blumen geschmückt werden. Stattdessen legen die Juden Steine auf die Grabsteine. In Busenberg wurden z.T. jüdische Grabsteine von Christen für den Häuserbau gestohlen.


Der Friedhof wurde 1824 angelegt. Das Grundstück wurde vom Benjamin Lefy am 27. März 1824 zur Anlage des Friedhofes erworben. Er war über 150 Jahre zentrale Begräbnisstätte der vier jüdischen Gemeinden in den Wasgaudörfern Busenberg, Dahn, Erlenbach und Vorderweidenthal. Zunächst hatte der Friedhof eine Größe von 18,66 ar. 1877 und 1885 wurde er nach Westen hin auf seine heutige Größe erweitert. Es sind etwa 285 Grabsteine erhalten, die in 25 Reihen aufgestellt sind. In der NS-Zeit war die letzte Beerdigung die von Jakob Samuel aus Erlenbach im Juni 1939. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden im Dezember 1951 Simon Levy aus Dahn und im September 1958 seine Frau Sarah auf dem Friedhof beigesetzt. Bislang letzte Beisetzungen waren 1979 (Siegbert Lemberger aus Dahn), 2011 (Johanna Levy geb. Cohen) und 2016 (Karl-Heinz Levy, Ehemann von Johanna geb. Cohen).

Waren die Inschriften auf den Grabsteinen ursprünglich nur auf hebräisch, so werden sie im 19. Jhd. zweisprachig. Später trifft man sogar rein deutsche Inschriften an - ein Zeichen der kulturellen Assimilation der deutschen Juden. Zur leichteren Pflege des Friedhofs wurden in Busenberg die Gräbereinfassungen entfernt.

Der Friedhof gilt als einer der schönstgelegenen jüdischen Friedhöfe der Pfalz. Die Fläche umfasst 25,80 ar. Der Friedhof wurden mehrfach geschändet, teilweise völlig verwüstet, sodass so gut wie alle Grabsteine - soweit sie noch erhalten sind - schwere und schwerste Beschädigungen zeigen.

Die Mikwe in Busenberg

Ein Beispiel für den respektlosen Umgang mit jüdischem Erbe: Oktober 2017: Das Mikwe-Häuschen in Busenberg wurde abgebrochen. Seit 1998 hat der Dahner Heimatforscher Otmar Weber immer wieder an die Politik in Gemeinde und Kreis appelliert, das Mikwehäuschen in Busenberg dauerhaft zu erhalten, unter anderem in seinem im Januar 1998 erschienenen Buch "Die Synagogen der Pfalz von 1800 bis heute". Weber wies darauf hin, dass es bei diesem Mikwehäuschen um das pfalzweit einzige im Original erhaltene Gebäude über einem jüdischen Ritualbad handeln würde. 1996 wäre es auf Webers Initiative fast gelungen, die Mikwe mit Hilfe einer Privatspende aus den USA für den Zweck als Museum für Juden im Wasgau zu erwerben. Doch wurde das Fachwerkhäuschen damals an einen anderen Eigentümer verkauft. Die Bemühungen von Otmar Weber im Blick auf ein Engagement der Denkmalbehörden blieben auf Grund völliger Untätigkeit der Behörden erfolglos. Obwohl seit 2005 die Denkmalunterschutzstellung bei der Kreisverwaltung in Pirmasens lief, war bis Oktober 2017 nichts geschehen, worauf auf Anordnung der Kreisverwaltung der Abriss durch den jetzigen Besitzer erfolgt ist.


Die Mikwe war ein Haus, das früher ein rituelles Tauchbad für Juden beherbergte. Das Gebäude wurde, nachdem es in Privateigentum gelangt war, zu einem kleinen Wohnhaus umgestaltet und war bis 2017 in der Pfalz das einzige noch existierende ehemalige Mikwehaus. Da es mangels Pflege baufällig geworden war und nicht unter Denkmalschutz stand, wurde es im Oktober 2017 abgerissen.

Die Mikwe wurde in Busenberg zu Anfang des 18. Jahrhunderts errichtet, als offenbar die ersten Juden in den Wasgau­ort kamen. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Busenberg zu einem der Zentren des Judentums in der Südwest- und Südpfalz. 1824 wurde ein großer jüdischer Friedhof angelegt. In den 1880er Jahren erreichte die jüdische Gemeinde mit 31 Familien und 170 Personen ihren zahlenmäßigen Höchststand. Auch im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts war die Mikwe noch in Gebrauch. In dem Ritualbad, das bis 1890 in Gebrauch war, konnten sich Frauen nach Menstruation oder Geburt reinigen. Man wurde dreimal untergetaucht und durfte dieses Bad nur nackt und ohne Schmuck begehen. Das Wasser durfte nur lebendiges Quellwasser sein. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie endgültig aufgegeben und anschließend zu dem kleinen Wohnhaus umgebaut, das 2017 abgerissen wurde.

Busenberg, das Hammerdorf 2010


Im Jahr 2010 war Busenberg das "Hammerdorf" des SWR, Sieger eines Wettbewerbs von Dörfern aus Rheinland-Pfalz.

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