Donnerstag, 15. Juli 2021

Auf den Spuren eines Querdenkers: René François Vicomte de Châteaubriand


François-René, vicomte de Chateaubriand (* 4. September 1768 in Saint-Malo; † 4. Juli 1848 in Paris) war ein französischer Schriftsteller, Politiker und Diplomat. Er gilt als einer der Begründer der literarischen Romantik in Frankreich. Er hat in seinem Heimatland Frankreich in etwa die Bedeutung wie Goethe für uns in Deutschland.
Le Châteaubriand in Saint-Malo. Das Geburtshaus von René François Vicomte de Châteaubriand ist heute Hotel und Restaurant.

Chateaubriand wuchs auf in Saint-Malo und auf Schloss Combourg/Bretagne als jüngstes von zehn Kindern einer provinzadeligen Familie und schwankte zunächst zwischen einer Laufbahn als Marineoffizier (Wunsch des Vaters) oder Priester (Wunsch der Mutter). 1786 wurde er schließlich Leutnant in einem Regiment unweit von Paris und ließ sich (worauf seine Familie traditionell Anrecht hatte) von einem älteren Verwandten dem König vorstellen. Zugleich fand er Zutritt zu Salons in Paris, wo er sich ab 1787 häufig aufhielt und erste literarische Versuche unternahm.
In diesem düsteren Gemäuer musste Chateaubriand nach einer glücklichen Kindheit in Saint-Malo seine Jugendjahre verbringen, im Schloß von Combourg, das sein Vater erworben hatte, nachdem er zu Reichtum gekommen war.

1791 reiste er auf den amerikanischen Kontinent und erkundete während seiner neun Monate währenden Reise insbesondere die ehemaligen französischen Gebiete in den Südstaaten. Ein Jahr später heiratete Chateaubriand, begab sich jedoch schon kurz darauf freiwillig in kriegerische Auseinandersetzungen Österreichs und Preußens gegen das inzwischen von der Revolution umgestaltete Frankreich. Das Ziel Chateaubriands uns seiner Gleichgesinnten bestand in der Reinthronisierung König Ludwig des XVI. Da letzterer jedoch nicht wieder als König eingesetzt sondern im Gegenteil der Guillotine zum Opfer viel, verloren Chateaubriand und die Seinigen. 1793 wurde er verwundet und siedelte zur Genesung nach London über. Hier lebte er nun wenig standesgemäß als Französischlehrer und Übersetzer. Zugleich fand er in dieser Umgebung jedoch Ruhe und Muße zum Schreiben. Zunächst schrieb er zwei Bücher über seinen Amerikaaufenthalt, die er jedoch erst Jahre später veröffentlichte. Er nutzte die Literatur auch, um seine persönliche Betroffenheit angesichts des Heimat- und Statusverlustes sowie der vielen toten Verwandten und Freunde aus seinem Stand zu artikulieren.

Im Jahre 1800 kehrte Chateaubriand nach Frankreich zurück und bemühte sich um eine Karriere im Staatswesen. Erst 1804 dämmerte ihm, dass er mal mit seiner Frau unter einem gemeinsamen Dach leben könnte, die er 1792 geheiratet hatte. Nach 12 Jahren des getrennten Lebens war die Ehe dann jedoch nicht mehr so harmonisch, wie er sich möglicherweise erhofft hatte. Verschiedene Liebschaften die er nebenbei unterhielt, trugen das ihrige zum ehelichen Klima bei. Es wäre auch übertrieben, zu behaupten, bei Chateaubriand handele es sich um einen so bedeutenden Politiker, wie er selbst glaubte, auch wenn er als Minister und Diplomat unter Napoleon und später den Bourbonen Karriere machte.

In diesen fünfzehn politisch aktiven Jahren schrieb er weniger, betätigte sich aber publizistisch, z. B. 1818–20 als Herausgeber der Zeitschrift Le Conservateur. Nebenher verfasste er Notizen und Entwürfe für seine Memoiren, an denen er schon 1809 zu arbeiten begonnen hatte. Nach der Julirevolution, die 1830 zur Abdankung Karls X. und zur Einsetzung des aus einer Nebenlinie der Bourbonen stammenden Louis-Philippe d’Orléans als „Bürgerkönig“ führte, sah Chateaubriand den Adel erneut marginalisiert. Er zog sich deshalb aus der Politik zurück, auch wenn er sich hin und wieder noch für die Sache der Hauptlinie der Bourbonen einsetzte, die sich im Exil befand. 1830 nahm ihn die Bayerische Akademie der Wissenschaften als Ehrenmitglied auf.

Chateaubriands Nachruhm als Autor beruht vor allem auf seiner Autobiografie Mémoires d’outre-tombe (Erinnerungen von jenseits des Grabes).

Zu den Stätten seines Lebens und Wirkens führt im bretonischen Department Ille et Vilaine die "Route Chateaubriand - Une Route de l'Histoire".


Sein Grab auf der nsel Grand Bé in Saint-Malo ist, wie sein Leben war: Einsam und von ausgesuchter Theatralik. Er hatte sich diese Felskante des einsamen Eilands schon zu Lebzeiten als letzte Ruhestätte gewählt. Wer Chateaubriands Grab in Saint-Malo besuchen will, der kann dies nur bei Ebbe tun. Denn die Insel Grand Bé ist nur über einen bei Ebbe zugänglichen Weg erreichbar, den dann das Meer freigibt, das hier einen Gezeitenunterschied von 14 Metern hat. Man muß sich also auch mit der Rückkehr wieder sputen, wenn man nicht eine "Zwangsübernachtung" auf der kleinen Insel riskieren will.


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